{"id":4655,"date":"2018-06-14T15:46:03","date_gmt":"2018-06-14T13:46:03","guid":{"rendered":"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/?p=4655"},"modified":"2018-06-15T11:37:44","modified_gmt":"2018-06-15T09:37:44","slug":"annelie-roesgen-das-braunsfelder-roeschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/2018\/06\/annelie-roesgen-das-braunsfelder-roeschen\/","title":{"rendered":"Annelie R\u00f6sgen &#8211; Das Braunsfelder \u201eR\u00f6schen\u201c"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Ein Leben f\u00fcr die Schneiderkunst<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/R\u00f6sgen1.jpg\" data-wpel-link=\"internal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4656 alignright\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/R\u00f6sgen1-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/R\u00f6sgen1-300x225.jpg 300w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/R\u00f6sgen1-150x113.jpg 150w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/R\u00f6sgen1-768x576.jpg 768w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/R\u00f6sgen1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/R\u00f6sgen1.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Sie f\u00e4delt den Faden ein &#8211; ganz ohne Brille. Kaum zu glauben, Frau \u201eR\u00f6schen\u201c &#8211; wie die Kundinnen sie liebevoll nennen &#8211; ist gerade stolze 95 Jahre alt geworden. Sie hat noch immer ihr kleines \u00c4nderungsatelier auf der Aachener Stra\u00dfe in K\u00f6ln-Braunsfeld. Seit mehr als 60 Jahren kommen ihre Kunden zu ihr.<\/p>\n<p><!--more--> <a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/r\u00f6sgen3.jpg\" data-wpel-link=\"internal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4658 alignright\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/r\u00f6sgen3-300x188.jpg\" alt=\"Karte\" width=\"300\" height=\"188\" srcset=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/r\u00f6sgen3-300x188.jpg 300w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/r\u00f6sgen3-150x94.jpg 150w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/r\u00f6sgen3-768x480.jpg 768w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/r\u00f6sgen3-1024x640.jpg 1024w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/r\u00f6sgen3.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Schon 1958 fertigte und \u00e4nderte die Schneiderin Kleidung, zun\u00e4chst als Angestellte und ab 1976 im eigenen Atelier und Modesalon mit dem sch\u00f6nen Namen \u201eModesalon R\u00f6sgen &#8211; Das Fachgesch\u00e4ft mit der pers\u00f6nlichen Note f\u00fcr die anspruchsvolle Dame\u201c.<\/p>\n<p>Annelie R\u00f6sgen erinnert sich \u201eIch hatte Mode f\u00fcr \u00e4ltere Leute, von meinem Alter bis hundert Jahre, denn, wenn die alten Leute einen Laden haben, auf den sie sich verlassen k\u00f6nnen, gehen die f\u00fcr einen durchs Feuer. Die jungen Leute aber k\u00f6nnen in jede Boutique gehen, die finden immer was.\u201c<\/p>\n<p>Annelie R\u00f6sgen hat sich in all den Jahren einen treuen Kundenstamm erworben. Weit mehr als 100 000 R\u00f6cke, Blusen und Jacken hat sie in all der Zeit ge\u00e4ndert &#8211; rekordverd\u00e4chtig! Ihr Atelier war noch nie wegen Krankheit geschlossen, denn Kranksein kennt die fitte Witwe nicht. Sie war bis auf ganz wenige Ausnahmen noch nie beim Arzt. \u201eIch nehme auch keine Medikamente\u201c, strahlt Frau R\u00f6sgen, \u201eIhre Medikamente sind Ihre Kunden\u201c, hat einmal ein Arzt zu ihr gesagt.<\/p>\n<p>In ihrer Zeit als Angestellte im Modegesch\u00e4ft Stangenberg in Braunsfeld (dort befindet sich heute die \u201eBraunsfelder Reinigung\u201c) arbeitete sie f\u00fcr so prominente Kunden wie den Musiker Kurt Edelhagen und seine Frau. Promis ganz anderer Art, wie Zarah Leander, Marika R\u00f6kk oder Carl Raddatz hat sie in den 50er Jahren im benachbarten Braunsfelder Kino LIBRA auf der Aachener Stra\u00dfe, neben der Gastwirtschaft MARIENBILD, gesehen. \u201eDa gab es doch noch kein Fernsehen, da ging man eben ins Kino\u201c, erz\u00e4hlt Annelie R\u00f6sgen. Besonders gut kann sie sich an einen Kinobesuch im LIBRA im Mai 1952 erinnern. \u201eIch sa\u00df im Kino mit dickem Bauch und am n\u00e4chsten Tag kam meine Tochter Dagmar zur Welt. Es war der 22. Mai 1952.\u201c<\/p>\n<p>Gerne erinnert sie sich an diese Zeiten, als ihre beiden Kinder geboren wurden. Ihr Rezept f\u00fcr gute Gesundheit: \u201eArbeit und keine Langeweile\u201c. Sie lacht und sagt, sie komme geb\u00fcrtig aus dem Westerwald. Da g\u00e4be es den Spruch \u201eNimm dir eine Frau aus dem Westerwald. Sechs Monate ist dort Winter, sechs Monate ist es kalt, aber das Fleisch h\u00e4lt sich.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/r\u00f6sgen4.jpg\" data-wpel-link=\"internal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4659 alignleft\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/r\u00f6sgen4-300x400.jpg\" alt=\"Frau R\u00f6sgen\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/r\u00f6sgen4-300x400.jpg 300w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/r\u00f6sgen4-150x200.jpg 150w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/r\u00f6sgen4-768x1024.jpg 768w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/r\u00f6sgen4.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>F\u00fcr viele ihrer Kundinnen ist sie \u201ed<em>as<\/em> R\u00f6schen\u201c. So erinnert sich auch Wibke von Bonin, die renommierte Kunsthistorikerin aus Braunsfeld, an sie. \u201eIhr Schaufenster war immer so dekoriert &#8211; f\u00fcr \u00e4ltere Damen, Kleider und Jacken und alles ganz h\u00fcbsch. Wenn man in ihr Atelier ging, dann strahlte sie einem entgegen und ich habe sie von Anfang an sehr gemocht. Als ich sie kennenlernte, war sie in ihren Siebzigern. Sie sa\u00df hinten und rappelte an ihrer Maschine, aber das Wichtigste war vorne ihr Gespr\u00e4chseckchen. Da sa\u00df meistens, wenn man reinkam, irgend eine \u00e4ltere Dame und die beiden hatten sich dann was zu erz\u00e4hlen. Eigentlich wollte sie ja hinten arbeiten, aber vorne war halt jemand zum Schwatzen und das war auch sch\u00f6n. Ich geh\u00f6rte dann auch zu denen, die schwatzten. Und sie hat in ganz fabelhafter Weise alle meine \u00c4nderungsw\u00fcnsche erf\u00fcllt. Schlie\u00dflich zog sie mit ihrem Atelier nach oben und machte ihr L\u00e4dchen unten zu.\u201c<\/p>\n<p>Annelie R\u00f6sgen hat das Herz auf dem rechten Fleck. Bei so machen ihrer Kunden aus dem benachbarten Altenheim CLARENBACHSTIFT hat sie bei der Bezahlung schon mal ein Auge zugedr\u00fcckt.\u00a0 \u201eWenn die keine hohe Rente oder nur ein Taschengeld hatten, habe ich f\u00fcr die \u00c4nderung oft nichts genommen oder nur ein paar Euro. Und die haben sich dann zu meinem Geburtstag immer mit Bl\u00fcmchen bedankt\u201c, freut sie sich. Und so mancher sagte, kommen Sie doch zu uns ins CLARENBACHSTIFT, aber Annelie R\u00f6sgen will auch nach dem Tod ihres Mannes vor fast zwanzig Jahren noch nicht ins Altenheim, sie kommt in ihrer kleinen Wohnung, die gleichzeitig ihre \u00c4nderungsstube ist, immer noch gut allein zurecht.<\/p>\n<p>Dort habe ich Annelie R\u00f6sgen an ihrem 95. Geburtstag, am 6. Juni 2018, besucht. Sie \u00fcberraschte mich mit sieben selbst gebackenen Kuchen und Torten. Ich entschied mich f\u00fcr den leckeren Erdbeerkuchen mit viel Sahne. L\u00e4chelnd erz\u00e4hlt sie mir, dass sie f\u00fcr ihre Kunden auch an Karneval immer noch Berliner backt, und das schon seit Jahren. \u201eVon Weiberfastnacht bis Aschermittwoch\u201c, lacht sie verschmitzt. Ich darf auch Fotos von ihr machen, denn Frau R\u00f6sgen, das Braunsfelder \u201eR\u00f6schen\u201c, war anl\u00e4sslich ihres Ehrentages nat\u00fcrlich beim Friseur.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/R\u00f6sgen5.jpg\" data-wpel-link=\"internal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4660 alignright\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/R\u00f6sgen5-300x459.jpg\" alt=\"Frau R\u00f6sgen\" width=\"300\" height=\"459\" srcset=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/R\u00f6sgen5-300x459.jpg 300w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/R\u00f6sgen5-150x230.jpg 150w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/R\u00f6sgen5-768x1176.jpg 768w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/R\u00f6sgen5-669x1024.jpg 669w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/06\/R\u00f6sgen5.jpg 784w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Dann fragt sie mich, ob ich heute schon Fernsehen geschaut h\u00e4tte. Sie h\u00e4tte den ganzen Tag den Start des Astronauten Alexander Gerst ins All verfolgt. Und f\u00fcgt hinzu. \u201cAn Bord sind Amerikaner, Deutsche und Russen. Ganz friedlich. Warum ist das auf der Erde nicht m\u00f6glich?\u201c<\/p>\n<p>Dem habe ich nichts mehr hinzuzuf\u00fcgen. Au\u00dfer Annelie R\u00f6sgen weiterhin viel Gesundheit und zufriedene Kunden zu w\u00fcnschen. Und vielleicht bekommt sie ja noch das Bundesverdienstkreuz &#8211; verdient h\u00e4tte sie es allemal.<\/p>\n<p><strong><em>Von Ingrid Westbrock<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Leben f\u00fcr die Schneiderkunst Sie f\u00e4delt den Faden ein &#8211; ganz ohne Brille. Kaum zu glauben, Frau \u201eR\u00f6schen\u201c &#8211; wie die Kundinnen sie liebevoll nennen &#8211; ist gerade stolze 95 Jahre alt geworden. Sie hat noch immer ihr kleines \u00c4nderungsatelier auf der Aachener Stra\u00dfe in K\u00f6ln-Braunsfeld. 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