{"id":4719,"date":"2018-08-27T15:01:37","date_gmt":"2018-08-27T13:01:37","guid":{"rendered":"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/?p=4719"},"modified":"2019-08-19T19:47:43","modified_gmt":"2019-08-19T17:47:43","slug":"ganz-grosses-kino-das-libra-in-braunsfeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/2018\/08\/ganz-grosses-kino-das-libra-in-braunsfeld\/","title":{"rendered":"GANZ GROSSES KINO &#8211; Das LIBRA in BRAUNSFELD"},"content":{"rendered":"<p>Von: Ingrid Westbrock<\/p>\n<p>\u201eIn die Filmbranche kommt dieses Kind nie, die Filmbranche ist schmutzig\u201c, prophezeite Heidi Weigand-Diederichs Vater, ein leitender Filmkaufmann bei der Ufa. Doch es sollte alles ganz anders kommen. Pl\u00f6tzlich war Heidi Weigand-Diederichs, die zun\u00e4chst Fremdsprachen studiert hatte, die Frau an der Kasse und manchmal auch Filmvorf\u00fchrerin im legend\u00e4ren LIBRA, den Lichtspielen Braunsfeld.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4720\" aria-describedby=\"caption-attachment-4720\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild1.png\" data-wpel-link=\"internal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4720\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild1-300x210.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"210\" srcset=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild1-300x210.png 300w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild1-150x105.png 150w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild1-768x538.png 768w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild1-1024x718.png 1024w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild1.png 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4720\" class=\"wp-caption-text\">Das LIBRA in den 60er Jahren zwischen den Gastst\u00e4tten &#8220;Zur M\u00fcllerin&#8221; und dem &#8220;Marienbild&#8221;<\/figcaption><\/figure>\n<p>\n<!--more--><\/p>\n<p>Was war passiert? Heidi Weigand-Diederichs hatte durch einen gro\u00dfen Zufall den Mann ihres Lebens kennengelernt. Ein \u00fcberaus charmanter, wenn auch wesentlich \u00e4lterer, gut aussehender Mann, wie Heidi Weigand-Diederichs immer noch schw\u00e4rmt. Sie sitzt mir im alteingesessenen italienischen Eiscaf\u00e9 \u201eTre Cime\u201c gegen\u00fcber und l\u00e4sst im Gespr\u00e4ch die alten Zeiten wieder aufleben. Ihre Mutter sei zun\u00e4chst gegen die Verbindung gewesen, erinnert sie sich, doch dann gab sie sich geschlagen. Der K\u00f6lner Filmtheater-Besitzer Ernst-Fred Weigand-Diederichs und Heidi wurden ein Paar und heirateten schnell. Eine ideale Verbindung, denn Heidi Weigand-Diederichs brachte als Disponentin im Ufa-Filmverleih in D\u00fcsseldorf viel Erfahrung mit. Das war 1962. F\u00fcr die junge Frau waren es aufregende, wenn auch durch ihren Vater vertraute, Zeiten. Und der deutsche Film und das Kino erlebten seit Mitte der 50er Jahre ihre Glanzzeit. Die Sissi-Filme mit Romy Schneider und Karl-Heinz B\u00f6hm begeisterten das Publikum.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4721\" aria-describedby=\"caption-attachment-4721\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild2.png\" data-wpel-link=\"internal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4721\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild2-300x424.png\" alt=\"Heidi Weigand-Diederichs 2018\" width=\"300\" height=\"424\" srcset=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild2-300x424.png 300w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild2-150x212.png 150w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild2.png 593w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4721\" class=\"wp-caption-text\">Heidi Weigand-Diederichs heute<\/figcaption><\/figure>\n<p>Auch als Heidi Weigand-Diederichs die alten Ufa-Schinken mit Marika R\u00f6kk, Zarah Leander und vielen, vielen anderen Ufa-Stars ins Programm nahm, kamen die Braunsfelder in Scharen. Ganz anders als bei dem Skandal-Film \u201eDas Schweigen\u201c von Ingmar Bergmann aus dem Jahr 1964. Das Wettern des Braunsfelder Pfarrers Querbach der katholischen Kirchengemeinde St. Joseph von der Kanzel gegen den \u201efreiz\u00fcgigen\u201c Streifen schien gewirkt zu haben. An der Kasse war g\u00e4hnende Leere, erinnert sich Heidi und schmunzelt. Denn die Braunsfelder wussten mit dem \u201eProblem\u201c umzugehen. Nachdem der Vorfilm bereits angelaufen war und im Kinosaal Dunkelheit herrschte, bildete sich an der Kasse eine lange Schlange. Die Braunsfelder wollten den Film, von dem alle Welt redete, eben auch sehen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Braunsfelder &#8211; und auch viele Kinofreunde aus M\u00fcngersdorf und Junkersdorf &#8211; war das LIBRA schon damals eine Institution. Er\u00f6ffnet wurde es im Oktober 1937. In diesen Jahren entstanden in ganz K\u00f6ln zahlreiche Stadtteilkinos. Nach einer Bombennacht 1944 standen vom LIBRA nur noch die Grundmauern. 1949 wurde es dann feierlich wiederer\u00f6ffnet durch den K\u00f6lner Polizeipr\u00e4sidenten Winkler.<\/p>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-4719 gallery-columns-2 gallery-size-medium'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/2018\/08\/ganz-grosses-kino-das-libra-in-braunsfeld\/bild4\/#main\" data-wpel-link=\"internal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"183\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild4-300x183.png\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"Ausgebombt\" aria-describedby=\"gallery-1-4723\" srcset=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild4-300x183.png 300w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild4-150x91.png 150w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild4-768x468.png 768w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild4-1024x624.png 1024w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild4.png 1143w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-4723'>\n\t\t\t\tDas LIBRA nach einer Bombennacht 1944\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/2018\/08\/ganz-grosses-kino-das-libra-in-braunsfeld\/bild5\/#main\" data-wpel-link=\"internal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"213\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild5-300x213.png\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"Neues Voyer\" aria-describedby=\"gallery-1-4724\" srcset=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild5-300x213.png 300w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild5-150x107.png 150w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild5-768x545.png 768w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild5-1024x727.png 1024w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild5.png 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-4724'>\n\t\t\t\tFoyer bei der Wiederer\u00f6ffnung 1949\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<p>\u201eDie Er\u00f6ffnung des LIBRA-Theaters auf der Aachener Stra\u00dfe 559 w\u00fcrdigte der \u201aStadt-Anzeiger\u2018 im Juli 1949: \u201aDas Vestib\u00fcl war voll von Blumen und angehefteten Gl\u00fcckwunschkarten (\u2026). Joachim Limann, der bekannte K\u00f6lner Operettenspielleiter und -tenor, hielt die Er\u00f6ffnungsrede\u2019. Lokalprominenz und gehobene Kultur, beides sollte den Geltungsanspruch des Lichtspieltheaters untermauern\u201c, so Rita Kegelmann und Gerhild Krebs in Bruno Fischli (Hrsg.) \u201eVom Sehen im Dunkeln \u2013 Kinogeschichten einer Stadt\u201c (vergriffen).<\/p>\n<p>Der Werbespruch aus den 50er Jahren, \u201cMach dir ein paar sch\u00f6ne Stunden &#8211; geh ins Kino\u201c, wurde hier schon gelebt. \u201eW\u00e4hrend der Filmvorf\u00fchrer an k\u00e4lteren Tagen nebenbei Koks in die Heizungsanlage schaufelte, um den riesigen Saal einigerma\u00dfen warm zu bekommen, erfreuten sich immer mehr Braunsfelder an einem Gang ins Kino\u2026 Jede Woche kam der Ufa-Maler Schmitz vom Ring nach Braunsfeld und pinselte in einem extra f\u00fcr ihn bereitgehaltenen Kab\u00e4uschen das etwa f\u00fcnf Meter lange Plakat f\u00fcr den Film\u201c, so schreibt Axel Heyer in Harald Peikerts sch\u00f6nem B\u00fcchlein \u201eBraunsfeld &#8211; Ein Puzzle in 23 Teilen\u201c (vergriffen).<\/p>\n<p>Wenn auch die neuen Filme zuerst in den gro\u00dfen Kinos in der Innenstadt zu sehen waren, so konnte das LIBRA doch mit einer anderen Attraktivit\u00e4t gl\u00e4nzen: in den 50er Jahren verf\u00fcgte es \u00fcber die gr\u00f6\u00dfte Cinemascope-Kinoleinwand in K\u00f6ln und hatte \u00fcber 1200 Pl\u00e4tze, 400 auf dem Balkon und 800 im Parkett.<\/p>\n<div id='gallery-2' class='gallery galleryid-4719 gallery-columns-2 gallery-size-medium'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/2018\/08\/ganz-grosses-kino-das-libra-in-braunsfeld\/bild6\/#main\" data-wpel-link=\"internal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"219\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild6-300x219.png\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\u00dcberblick Kinosaal\" aria-describedby=\"gallery-2-4725\" srcset=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild6-300x219.png 300w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild6-150x110.png 150w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild6-768x561.png 768w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild6-1024x748.png 1024w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild6.png 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-2-4725'>\n\t\t\t\tZuschauerraum LIBRA\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/2018\/08\/ganz-grosses-kino-das-libra-in-braunsfeld\/bild8\/#main\" data-wpel-link=\"internal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"232\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild8-300x232.png\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"Gro\u00dfer Kinosaal2\" aria-describedby=\"gallery-2-4727\" srcset=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild8-300x232.png 300w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild8-150x116.png 150w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild8-768x595.png 768w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild8-1024x793.png 1024w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild8.png 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-2-4727'>\n\t\t\t\tZuschauerraum vom Balkon aus\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<p>Viel gr\u00f6\u00dfer \u00fcbrigens als das ehemalige Lindenthaler Filmtheater \u201eCorso\u201c an der D\u00fcrener Stra\u00dfe. Und so kamen auch manche Lindenthaler immer wieder gerne nach Braunsfeld ins LIBRA. Wie auch der Filmfreund G\u00fcnter Franke, der hier Mitte der 50er Jahre in der Kindervorstellung sonntags um elf Uhr die \u201eDick und Doof\u201c &#8211; oder \u201ePat und Patachon\u201c &#8211; Filme \u00fcber die Leinwand flimmern gesehen hatte.<\/p>\n<p>Dass zu dieser Zeit noch in Kinos geraucht werden durfte, ist keine Besonderheit, wohl aber die Tatsache, dass der Kinobesucher im LIBRA seinen vierbeinigen Freund mitbringen durfte.<\/p>\n<p>\u201eJa, Hunde waren bei uns erlaubt. Wenn einer anfing zu knurren, bellte die ganze Bande. Und wenn im Film gebellt wurde, war nat\u00fcrlich der Teufel los\u201c, lacht Heidi Weigand-Diederichs.<\/p>\n<p>Die Kinobesitzerin ist vielen noch in lebendiger Erinnerung. Der Braunsfelder Fotograf und Journalist Friedrich Ledermann &#8211; bekannt durch seine zahlreichen Foto- und Videodokumentationen &#8211; schw\u00e4rmt noch heute von \u201eder tollen Frau an der Kasse. Die junge, attraktive Frau ist mir sofort aufgefallen\u201c, schmunzelt er.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4726\" aria-describedby=\"caption-attachment-4726\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild7.png\" data-wpel-link=\"internal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4726 size-medium\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild7-300x402.png\" alt=\"Portr\u00e4tfoto Heidi                             Weigand-Diederichs 1976\" width=\"300\" height=\"402\" srcset=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild7-300x402.png 300w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild7-150x201.png 150w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild7.png 625w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4726\" class=\"wp-caption-text\">Heidi Weigand-Diederichs 1976<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ebenso unvergesslich f\u00fcr ihn war der Filmklassiker \u201eDer Hauptmann von K\u00f6penick\u201c aus dem Jahr 1956. Der legend\u00e4re Heinz R\u00fchmann spielte seine Paraderolle zusammen mit Martin Held, Hannelore Schroth, Walter Giller und Wolfgang Neuss. Ein Publikumshit, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Und wenige Monate vor Schlie\u00dfung des LIBRA 1968 sah Friedrich Ledermann hier den britischen Kinostreifen \u201eBlow Up\u201c in der Regie von Michelangelo Antonioni. Heute noch ber\u00fchmt als Filmport\u00e4t der Londoner Beat-Generation. Wie so viele Braunsfelder bedauert er das Verschwinden des LIBRA mit seiner ganz besonderen Atmosph\u00e4re, dem riesigen Kinosaal und dem schweren, silbergrauen Samtvorhang.<\/p>\n<p>Ein Kinobesuch war damals ein gesellschaftliches Ereignis. Und nach dem Film ging man in die umliegenden Caf\u00e9s &#8211; wie in das benachbarte Caf\u00e9 Robertz &#8211; oder auf ein K\u00f6lsch in die Gastst\u00e4tten, wie die Schenke \u201eZur M\u00fcllerin\u201c oder das Brauhaus \u201eMarienbild\u201c, von denen heute nur noch das \u201eMarienbild\u201c \u00fcbrig geblieben ist. Das Leben war einfach geselliger, meint Heidi Weigand-Diederichs, die seit dieser Zeit so manche Ver\u00e4nderung im Viertel erlebt hat.<\/p>\n<p>Dann kam der Fernsehapparat in die Wohnstuben und die Zeiten wurden schwieriger. Die K\u00f6lner Innenstadt erwies sich immer mehr als Magnet, und obwohl das LIBRA die Bezirkserstauff\u00fchrungsrechte hatte, musste das Ehepaar Weigand-Diederichs monatlich zwei bis dreitausend Mark reinbuttern, um den Kinobetrieb mit den steigenden Filmverleihgeb\u00fchren am Laufen zu halten. \u201eNat\u00fcrlich waren auch die anderen Kinos von dieser Entwicklung betroffen, und so waren gegen Ende des Jahrzehnts fast alle K\u00f6lner Vorstadtkinos &#8211; das \u201eAstoria\u201c in Bickendorf, die \u201eS\u00fclzburg-Lichtspiele&#8221;, das \u201eCorso\u201c und viele mehr &#8211; von der Bildfl\u00e4che verschwunden, zweckentfremdet als Supermarkt, Lagerhalle oder Gastst\u00e4tte, wie beispielsweise das \u201eCorso\u201c, das zu einem Teil das Restaurant \u201eBremer\u201c geworden ist\u201c. (Quelle: Axel Heyer, in Harald Peikert \u201eBraunsfeld &#8211; Ein Puzzle in 23 Teilen\u201c). Umso sch\u00f6ner, dass das \u201eWeisshaus Kino\u201c an der Luxemburger Stra\u00dfe, 1953 er\u00f6ffnet als \u201eTheater am Weisshaus\u201c mit \u201egro\u00dfz\u00fcgig gestaltetem Treppenaufgang zum Balkon und Kronleuchter im Foyer\u201c , immer noch sein Publikum findet (nachzulesen in: Marion Kranen und Irene Schoor \u201eKino in K\u00f6ln &#8211; Von Wanderkinos, Lichtspieltheatern und Filmpal\u00e4sten\u201c).<\/p>\n<p>Im LIBRA f\u00e4llt im September 1968 der letzte Vorhang: Das Kino war nicht mehr rentabel und Heidi Weigand-Diederichs Mann war inzwischen verstorben. Also leider kein Happy End, aber viele Braunsfelder erinnern sich noch gerne an \u201eihr\u201c Kino. So der Hausmeister der katholischen Kirchengemeinde St. Joseph, Horst Richter, der mit seiner Schulklasse Anfang der 50er Jahre hier den Heimatfilm \u201eDer Wildsch\u00fctz vom Schliersee\u201c gesehen hatte. Oder auch die Schneiderin Annelie R\u00f6sgen, zu der Frau Weigand-Diederichs auch heute noch ihre Kleidungsst\u00fccke zum \u00c4ndern gibt. Denn Annelie R\u00f6sgen &#8211; \u201edas Braunsfelder R\u00f6schen\u201c hat mit ihren 95 Jahren immer noch ein \u00c4nderungsatelier auf der Aachener Stra\u00dfe (nachzulesen in meinem Artikel \u201eAnnelie R\u00f6sgen &#8211; Das Braunsfelder R\u00f6schen\u201c, ver\u00f6ffentlicht unter <a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/2018\/06\/annelie-roesgen-das-braunsfelder-roeschen\/\" data-wpel-link=\"internal\">https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/2018\/06\/annelie-roesgen-das-braunsfelder-roeschen\/<\/a>). \u201eDa gab es doch noch kein Fernsehen, da ging man eben ins Kino\u201c, erz\u00e4hlte mir Annelie R\u00f6sgen bei einem Besuch in ihrem \u00c4nderungsatelier. Besonders gut kann sie sich an einen Kinoabend im LIBRA im Mai 1952 erinnern: \u201eIch sa\u00df im Kino mit dickem Bauch und am n\u00e4chsten Tag kam meine Tochter Dagmar zur Welt\u201c. Und nat\u00fcrlich erinnert sie sich auch noch an Filmgr\u00f6\u00dfen wie Zarah Leander, Marika R\u00f6kk oder Carl Raddatz, die Filmidole des Kinos der 50er Jahre.<\/p>\n<p>Auch Heidi Weigand-Diederichs denkt ein wenig wehm\u00fctig an diese Zeit zur\u00fcck. Jeden Tag bis auf Heiligabend hatte sie in ihrem LIBRA verbracht. \u201eDas Ende kam mit dem Film \u201aDie Stunde, wenn Dracula kommt\u2018. Dann wurde das komplette Theater entkernt\u201c, erz\u00e4hlt sie. Aus dem Kino wurde ein Supermarkt (erst Kaiser\u2019s und heute ein Drogeriediscounter). So erging es vielen Stadtteilkinos in dieser Zeit. Beim LIBRA lockte der Horrorfilm mit der Vampir-Story noch einmal tausende Braunsfelder in das Lichtspielhaus &#8211; dann war der letzte Vorhang gefallen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4728\" aria-describedby=\"caption-attachment-4728\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild9.png\" data-wpel-link=\"internal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4728 size-medium\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild9-300x212.png\" alt=\"Nachtbild Aachenerstra\u00dfe\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild9-300x212.png 300w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild9-150x106.png 150w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild9-768x543.png 768w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild9-1024x724.png 1024w, https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/files\/2018\/08\/Bild9.png 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4728\" class=\"wp-caption-text\">Nachtaufnahme Aachener Stra\u00dfe mit LIBRA 1968<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Copyright Fotos:<br \/>\nHeidi Weigand-Diederichs (historische Aufnahmen LIBRA, Portr\u00e4tfoto Heidi Weigand-Diederichs 1976)<br \/>\nFriedrich Ledermann (Nachtaufnahme Aachener Stra\u00dfe mit LIBRA 1968)<br \/>\nIngrid Westbrock (aktuelles Foto Heidi Weigand-Diederichs 2018)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von: Ingrid Westbrock \u201eIn die Filmbranche kommt dieses Kind nie, die Filmbranche ist schmutzig\u201c, prophezeite Heidi Weigand-Diederichs Vater, ein leitender Filmkaufmann bei der Ufa. Doch es sollte alles ganz anders kommen. Pl\u00f6tzlich war Heidi Weigand-Diederichs, die zun\u00e4chst Fremdsprachen studiert hatte, die Frau an der Kasse und manchmal auch Filmvorf\u00fchrerin im legend\u00e4ren LIBRA, den Lichtspielen Braunsfeld.<\/p>\n","protected":false},"author":526,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"generate_page_header":"","footnotes":""},"categories":[1,76],"tags":[],"class_list":["post-4719","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-dies-und-das","category-kunst-und-kultur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4719","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/wp-json\/wp\/v2\/users\/526"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4719"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4719\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4719"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4719"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/braunsfeld\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4719"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}