Geschichte

Aus Anlass der Frühjahrstagung des Eifelvereins – 125 Jahre Ortsgruppe Bad Münstereifel wurde dieser geschichtliche Abriss geschrieben und in der Zeitschrift „Die Eifel“ veröffentlicht.

Seit 1890 besteht die Ortsgruppe Bad Münstereifel. Sie feiert im Jahre 2015 ihr 125-jähriges Bestehen. Dies nimmt der Hauptverein zum Anlass, die Frühjahrstagung in unserer Stadt auszurichten. Den Mitgliedern der Ortsgruppe ist es eine Freude, diesen Tag zu gestalten. Wir begrüßen alle Teilnehmer herzlich und wünschen der Veranstaltung einen guten Verlauf.

Die enorme Zeitspanne von 125 Jahren, von der Entstehung der Ortsgruppe bis heute, rechtfertigt einen kurzen Blick zurück auf zwei wichtige Ereignisse im Deutschen Kaiserreich und in unserer Region im Gründungsjahr 1890.

Am 30. März wird nach langer Amtszeit Reichskanzler Bismarck vom jungen Kaiser Wilhelm II entlassen, eine Phase der Hochindustrialisierung setzt ein. Am 1. Oktober erhält Münstereifel den lange ersehnten Eisenbahnanschluss an das Eisenbahnnetz des Deutschen Reiches, als wichtige Voraussetzung für den Waren- und Fremdenverkehr.

Bereits 1881 finden sich Bürger der Stadt Münstereifel zu einem Verschönerungsverein zusammen. Den Vorsitz erhält Apotheker Franz Maria Ferdinand Stephinsky. Unter seiner Leitung schließt sich der Verein mit 22 Mitgliedern am 9. Juli 1890 dem gerade zwei Jahre alten Eifelverein an und übernimmt seine Ziele und Statuten, die den eigenen im Wesentlichen entsprachen. Beständigkeit und Beharrlichkeit sind Garanten für den Fortbestand und das große gesellschaftliche Engagement der Ortsgruppe bis heute.

Lage

Den Mitgliedern des Eifelvereins muss man nicht sagen, dass Bad Münstereifel in der Nordeifel liegt, im hier noch engen Tal der Erft, die dann ihren Weg zur Mündung in den Rhein bei Neuss sucht. Obwohl in der Eifel gelegen, ist die Kleinstadt eindeutig auf Köln und Bonn hin orientiert; das gilt sowohl für die Verkehrsanbindung wie auch für die Mentalität und Sprache ihrer Bewohner.

Die Lage im Tal der Erft, das ursprünglich hier in diesem Raum als Peterstal bezeichnet wurde, war über Jahrhunderte eine Begünstigung für die Entwicklung der Stadt, wurde jedoch besonders in der Zeit des zunehmenden Verkehrs der Wirtschaftswunderjahre zu einem Nachteil. Während sich noch in den 1960er Jahren der Verkehr auf der B51, der Hauptverbindung zwischen Köln und Trier, in beiden Richtungen durch die engen Stadttore und Gassen der Stadt zwängte, ist seit Anfang der 70er Jahre mit der Umgehungsstraße östlich der Stadt am Hang oberhalb der Burg die innerstädtische Verkehrssituation deutlich entspannter. Der Ausbau der A1 von Köln in Richtung Trier verschaffte der Stadt zudem einen schnellen Zugang zum Autobahnnetz und verschonte sie zugleich vom Lärm dieser Schnellstraße. Die Anbindung ans Eisenbahnnetz mit stündlich verkehrenden Zügen nach Bonn bzw. mit Umsteigen nach Köln wird von Schülern, Berufspendlern und Besuchern zunehmend genutzt. Heute muss es als ein Glücksfall angesehen werden, dass die Bahnstrecke nicht, wie ursprünglich einmal angedacht, über den Endbahnhof Münstereifel hinaus weiter in die Eifel gebaut wurde. Von der historischen Altstadt wäre wohl nicht viel übrig geblieben, wie andere Beispiele in der Eifel deutlich machen.

Landschaft

Der Landschaftscharakter wird geprägt von dem großen Waldgebiet im Osten der Stadt, das sich bis nach Flamersheim und Rheinbach erstreckt und als bodensaurer Buchenwald eines der beiden FFH-Gebiete (Fauna-Flora-Habitat) der Stadt ist. Der Hainsimsen- und Waldmeister-Buchenwald bestimmt hier das Landschaftsbild. Naturverjüngung und Urwaldparzellen findet der aufmerksame Wanderer hier. Das andere FFH Gebiet im Westen der Stadt (Eschweiler Tal und Kalkkuppen) hat Anteil am nordöstlichen Ausläufer der Sötenicher Kalkmulde. Hier befinden sich einige der interessantesten Standorte heimischer Orchideen im Kreis Euskirchen. Mit der Basaltkuppe des Michelsberges hat Bad Münstereifel auch Anteil an der Eifeler Vulkanregion. Überdies sind zahlreiche geologische Aufschlüsse im Gelände auszumachen, die das Baumaterial für Kirchen, Burg und Befestigung der mittelalterlichen Stadt lieferten. Eine große Vielfalt der Landschaftsformen und der natürlichen Flora und Fauna ist insgesamt die Folge dieser Teilhabe an unterschiedlichen Teilräumen der Eifel. Zahlreiche Landschaftsschutzgebiete und Naturdenkmale kommen hinzu.

Während sich die niedrigsten Lagen im Stadtgebiet bei Kalkar (Kalkarer Moor ca. 230 m) in der sogenannten Antweiler Senke, einem tertiären Grabensystem mit bedeutenden Tonlagerstätten, befinden, erreicht der höchste Punkt der Stadt im Michelsberg etwa 586 Meter.

Geschichte

Die Kleinstadt im oberen Tal der noch jungen Erft hat mit ihrer wechselvollen Geschichte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach ihren Charakter verändert, ohne jedoch wesentliche Verluste in ihrem Erscheinungsbild hinnehmen zu müssen. Die Spuren dieser geschichtlichen Phasen begegnen dem Besucher bei einem Stadtrundgang in vielfältiger Weise.

Gerade in jüngster Zeit ist der aktuelle Veränderungsprozess der Stadt häufig Gegenstand von Presseartikeln und Radio- und Fernsehbeiträgen geworden durch die überaus mutige Entscheidung von Rat und Verwaltung, das Angebot einer Investorengruppe mitzutragen, Teile der historischen Altstadt in ein sogenanntes City-Outlet zu verwandeln. In Zusammenarbeit mit den zuständigen Gremien des Denkmalschutzes wurden etwa dreißig Immobilien in behutsamer Weise zu Geschäften dieses City-Outlets ausgebaut. Dazu wurde die öffentliche Möblierung der Stadt einheitlich, aber zurückhaltend gestaltet. Natürlich hat die Zahl der Besucher der Stadt enorm zugenommen, wie Innenstadtbewohner schon vorher befürchteten. Ein Stadtgeograph, der sich besonders mit der Situation historischer Ortskerne beschäftigt, sprach allerdings auch von einer gewissen Modellfunktion, die dieses Experiment für ähnlich gelagerte Fälle von Städten mit mittelalterlicher Bausubstanz haben könnte, wenn diese Städte denn den Verfall durch Leerstand von Geschäftslokalen oder die Umwandlung in ein Freilichtmuseum verhindern wollen Es wird sicher in Zukunft darauf ankommen, das Angebot des City-Outlets weiter auszubauen und immer wieder zu aktualisieren, dabei auch Rücksicht zu nehmen auf die Interessen der Bewohner der historischen Altstadt und zudem die Besucher auf die vielen anderen Qualitäten des Ortes aufmerksam zu machen, die schon in der Vergangenheit die Anziehungskraft der Stadt und ihrer Umgebung ausgemacht haben.

Dieser jüngsten Phase in der Geschichte der Stadt ging seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts ein verstärkter Tagestourismus voraus, der einerseits das „schöne Städtchen“, gerne auch in leichter Übertreibung als „rheinisches Rothenburg“ bezeichnet, in Reichweite der Großstädte, aber auch der Niederlande und Belgiens, andererseits auch speziell den Besuch in der Wirkungsstätte des Volksbarden Heino zum Ziel hatte. Heino Kramm bleibt auch in der neuen Situation der Stadt treu, hat sein Café jedoch ins ehemalige Kurhaus verlagert, nachdem dies privatisiert wurde.

Seit die Krankenkassen zurückhaltender mit der Bezahlung von Kuren im Allgemeinen wurden , war der Kurbetrieb, der früher seit den 1920er Jahren, vor allem nach der Etablierung Münstereifels als Kneippkurort eine wesentliche wirtschaftliche Grundlage gewesen war, mehr oder weniger zum Erliegen gekommen.

Dabei war es durchaus eine weitsichtige Entscheidung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die Chancen dieser historischen Stadt in der Entwicklung eines Kneippkurortes zu sehen. Die Stadt hatte nämlich anders als Orte vergleichbarer Größe den Anschluss an die industrielle Entwicklung weitgehend verschlafen und daher ihr Stadtbild mit Stadtmauer, Stadttoren, Fachwerkhäusern und einzelnen gotischen Steinhäusern bewahrt. So zählt Münstereifel, das den Titel Bad nach wie vor führen darf, auch zu den historischen Stadtkernen Nordrhein-Westfalens. Wenn einige Kureinrichtungen inzwischen schließen mussten, so wurden sie z.T. ersetzt durch Fortbildungseinrichtungen wie z.B. die Schulungsstätte der Axa-Colonia Versicherung, durch die Schulungseinrichtung der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) und die Kurt Schumacher Akademie der SPD-nahen Friedrich Ebert Stiftung, in der übrigens die erfolgreiche portugiesische Partei „Partida socialista“ gegründet wurde.

Der entscheidende Eingriff in die Geschichte der Stadt war sicher die französische Zeit, die einerseits die Aufhebung des Zunftzwangs brachte, andererseits aber auch den Verlust einer wichtigen Verwaltungsfunktion. Wenn Münstereifel bis dahin eine der Hauptstädte des Herzogtums Jülich – u.a. zeugt das Wappen am Rathaus von dieser geschichtlichen Epoche – gewesen war, so verlagerte Napoleon die Zentrale des Kantons nach Rheinbach. Münstereifel wurde im 19. Jahrhundert relativ bedeutungslos und der Rat war sogar geneigt, die Stadtmauer abtragen zu lassen.

In die Zeit des 17. bzw. sogar des 16. Jahrhunderts geht die Funktion der Stadt als Ort der Bildung zurück. Bereits im Jahr 1594 gründete eine Bürgerin, Margaretha Linnerij, hier eine Einrichtung der Mädchenbildung. Auf diese Tradition beruft sich das Erzbischöfliche St. Angela Gymnasium, das bis 1973 noch als Schule des Ursulinenordens mitten in der Stadt (heute Teil der städtischen Verwaltung und Grundschule) lag, heute jedoch über eine großzügige Schulanlage außerhalb der Stadtmauern verfügt.

Im Zuge der Gegenreformation gründeten die herbeigerufenen Jesuiten das Vorgängerinstitut des heute städtischen St. Michael Gymnasiums, das aus dieser Zeit eine umfangreiche und bedeutende Bibliothek aufzuweisen hat, Die Kirche St. Donatus geht ebenso auf die jesuitische Gründung zurück. Auch heute ist Bad Münstereifel eine Stadt der Schulen, zumal zu den erwähnten noch eine innerstädtische Grundschule, eine Hauptschule und eine Realschule hinzukommen. Etwas verwundert sind manche Besucher der Stadt, wenn sie am Ortseingang auch den stolzen Hinweis „Hochschulstadt“ lesen. Dieser Hinweis bezieht sich auf die bedeutende Fachhochschule für Rechtspflege des Landes Nordrhein Westfalen, die mit etwa 210 Studenten das Stadtbild mit prägt.

Im Stadtbild fallen auch die weitgehend aus dem 16.Jahrhundert stammenden Areale auf, in denen Klöster oder ähnliche Einrichtungen gegründet wurden: das Kolleg der Jesuiten, heute St. Michael-Gymnasium, das Klostergelände der Karmelitessen, später Ursulinenschule, heute Grundschule und Stadtverwaltung und schließlich der Klosterbezirk der Kapuziner, später Krankenhaus, heute Seniorenhaus Marienheim.

Im Zentrum der ummauerten Stadt liegt die Kernzelle Münstereifels, das als „Novum Monasterium in Eiflia“ von Prüm aus gegründet wurde, ausgehend von den Vorgängern, die spätromanische Stiftskirche, die als Patrozinium das römische Märtyrerehepaar Chrysanthus und Daria hat. Als Abt Markward 844 die Gebeine dieser Märtyrer aus der Zeit der diokletianischen Christenverfolgung aus Rom nach Münstereifel brachte, begründete er eine Pilgertradition, die das Wachstum der kleinen Siedlung um den Klosterbezirk wesentlich beeinflusste. Das Westwerk dieser spätromanischen Kirche – heute zusammen mit der Jesuitenkirche St. Donatus die katholischen Pfarrkirchen des Stadtkerns, erinnert durchaus – in verkleinerter Form – an St. Pantaleon in Köln. Schon unter dem niederlothringischen König Zwentibold erhielt die Siedlung 898 das Markt-, Zoll- und Münzrecht, wodurch die Entwicklung zur Stadt begründet wurde. An diesen sonst eher unbekannten König erinnert der neugestaltete Marktbrunnen, der deutliche Anklänge an das größere Vorbild des Aachener Karlsbrunnens zeigt. Im Eingangsbereich der Stiftskirche befindet sich auch das Hochgrab des Gottfried von Bergheim, der als Vertreter der Landesherren, der Herzöge von Jülich, auf der Burg residierte. Die Burg kontrollierte das Territorium und zugleich auch die Handelsstraße zwischen Köln und Trier. Im Wappen der Stadt – an der Front des 1476 urkundlich belegten Rathauses – befindet sich auf goldenem Grund der Jülicher Löwe, während die untere Hälfte des Wappens mit dem Stern auf rotem Grund auf die Gerichtsbarkeit (seit 1171 urkundlich belegt) verweist. Die Burg, die nach der Zerstörung durch die Truppen Ludwig XIV. lange nur als Ruine bekannt war, wurde inzwischen von einem privaten Investor zu einem Restaurant und zu Wohnungen umgebaut.

Auf die wirtschaftlichen Grundlagen der mittelalterlichen Stadt verweisen einerseits die bescheidenen, schmalen Fachwerkhäuser, die ehemals von Gerbern bewohnt waren und zum anderen die Torhalle des Rathauses und die gotischen Giebelhäuser, die auf die Tradition des Ortes als Tuchmacher- und Handelsstadt hinweisen.

Der Klosterplatz mit den z.g.T. gut erhaltenen Häusern der Stiftsherren erinnert an die Bedeutung des Stifts für die Entwicklung der Stadt. Mit dem romanischen Haus, in dem sich heute das Hürten-Museum befindet, besitzt Bad Münstereifel eines der ältesten Bruchstein Wohnhäuser des Rheinlands.

Während das Bild der Stadt innerhalb der Mauern heute weitgehend von Restaurants, Cafés und den Geschäften des City Outlets bestimmt wird und das wünschenswerte Branchenmix nur noch bedingt nachweisbar ist, gibt es vor den Toren der Stadt einige große Verbrauchermärkte. Im Gewerbegebiet in Richtung Iversheim sind zahlreiche Handwerker- und Gewerbebetriebe angesiedelt. Ein großer Betrieb, der Automobilteile zuliefert, eine bedeutende Chemiefrabrik und in Arloff das Hammerwerk Erft sind die wichtigsten Arbeitgeber der Stadt. Die Firma Datanet ist ein bedeutender Betrieb der IT Branche.

Die Anziehungskraft der Kurstadt als Fremdenverkehrsort scheint ungebrochen. Die Website der Stadt berichtet von 150 000 Übernachtungen pro Jahr und von über einer Million Besuchern, deren Zahl durch die neueste Entwicklung der Stadt als City Outlet deutlich steigen dürfte.

Stadt

Heute leben etwa 6000 Bürger im Stadtgebiet von Münstereifel, weitere 13000 leben in den insgesamt 51 Ortsteilen und Weilern – im Alphabet geht die Liste von Arloff bis Witscheiderhof – des weitverzweigten Stadtgebiets. Wie in anderen ländlichen Gemeinden ist die Bevölkerungszahl leicht rückläufig.

Während die meisten Dörfer auch schon vorher zum Kreis Euskirchen gehörten, wurden die Orte Hohn und Nöthen erst mit der Gebietsreform Teile der Stadt, was zu dem Kuriosum führte, dass heute z.B. Nöthen zwar Stadtteil Münstereifels ist, andererseits im Gegensatz zum Rest des Stadtgebietes, das zum Erzbistum Köln gehört, aber zum Bistum Aachen gerechnet wird..

Sehenswürdigkeiten

Neben Stiftskirche, Jesuitenkirche, einer weitgehend erhaltenen Stadtmauer, Rathaus, den kleinen Museen, den Fachwerkhäusern und gotischen Steinhäusern hat Bad Münstereifel in der näheren und weiteren Umgebung eine Reihe von Zielen aufzuweisen, die gerne von Besuchern aufgesucht werden:

der jüdische Friedhof am Hang hinter der Burg, die Burg Kirspenich, die Waldkapelle „Decke Tönnes“, der Aussichtspunkt des Michelsberges mit der Wallfahrtskapelle, der keltisch-römische Tempelbezirk bei Nöthen/Pesch, das Radioteleskop Effelsberg, die zahlreichen Standorte heimischer Orchideen und die römische Kalkofenanlage in Iversheim.

Auch zur Bruder-Klaus-Kapelle, entworfen von dem Schweizer Architekten Peter Zumthor, im Ort Wachendorf, zum Rheinischen Freilichtmuseum Kommern, zum Industriemuseum Kuchenheim und ins Rotweinanbaugebiet der Ahr wie zum Kloster Steinfeld und zu den Etappenorten der römischen Wasserleitung aus der Eifel nach Köln ist es nicht weit.

Wanderwege

Bad Münstereifel liegt am Kreuzungspunkt von zwei Hauptwanderwegen des Eifelvereins: von West nach Ost (oder umgekehrt) bewegt man sich auf dem Ahr-Venn-Weg. Der Jugendherbergsverbindungsweg führt von Bad Münstereifel über Blankenheim und Kronenburg nach Hellenthal. Von Nord nach Süd folgt man dem Erft-Lieser-Mosel-Weg von Euskirchen nach Lieser an der Mosel. Die Jugendherberge im Ortsteil Rodert bietet sowohl den Wanderern Unterkunft wie auch vielen Schulklassen interessante Freizeitangebote.

In jüngerer Zeit kamen der Jakobuspilgerweg von Köln bzw. von Bonn nach Trier hinzu, da Münstereifel selbst im Mittelalter ein Ziel der Wallfahrer zum Grab der Hll. Chrysanthus und Daria war und zudem auch eine Station am Pilgerweg nach Santiago war, wie die Dokumente des ehemaligen Hospizes belegen. Mit dem Eifelsteig von Aachen nach Trier wird die Stadt durch den Kräuterpfad verknüpft und auch die neue Via Agrippa bietet eine Exkursion nach Bad Münstereifel an, dies vor allem wegen der römischen Bodendenkmäler des Tempelbezirks bei Nöthen und der römischen Kalkbrennerei in Iversheim. Vor allem die neueren Fernwander – bzw. Pilgerwege haben zu einer deutlichen Belebung des Wandertourismus geführt, auf den das Beherbergungsgewerbe sich neuerdings einrichtet.

Das örtliche Wanderwegenetz weist insgesamt über 350 km (davon allein 128 km Rundwanderwege von Wanderparkplätzen) auf.

Kultur und Museen

Seit nunmehr dreißig Jahren bietet die kleine Stadt auch eine Reihe von klassischen Konzerten, die auch gerne von Musikfreunden aus benachbarten Städten besucht werden. Nach wie vor firmiert diese Konzertreihe als Wallgrabenkonzerte, obwohl sie längst nach der Privatisierung des alten Kurhauses in der ehemaligen Kapelle des früheren Konvikts stattfindet. Ergänzt wird dieses winterliche Angebot nun schon im vierten Jahr durch eine Reihe von Konzerten mit namhaften Interpreten im Rahmen des Münstereifeler Orgelsommers, die meist in der Jesuitenkirche dargeboten werden. Eine Besonderheit stellt das private Theater 1 mit seinen phantasievollen Kleinkunstaufführungen dar.

Für sportliche Aktivitäten bietet die Stadt ein Familien-Spaßbad und mehrere Sport- bzw. Mehrzweckhallen.

Neben den beiden Kirchen der katholischen Gemeinde des Stadtbezirks gibt es eine evangelische Kirche und mehrere Kapellen, u.a. im ehemaligen Kloster der Ursulinen, das inzwischen von der Ordensgemeinschaft der Legionäre Christi übernommen wurde.

Bemerkenswert ist auch, dass es eine Reihe von kleinen Museen mit ganz unterschiedlichen thematischen Orientierungen gibt, die entweder ehrenamtlich oder ganz privat betrieben werden:

das Toni-Hürten Heimatmuseum im Romanischen Haus, das Apothekenmuseum „Schwanenapotheke“, das Puppen-und Spielzeugmuseum, das Handwebmuseum Rupperath, das Natur- und Landschaftsmuseum im Werther Tor, der Astropeiler Stockert und die römische Kalkbrennerei in Iversheim.

Bürger der Stadt

Wenn man die Persönlichkeiten aufzählen möchte, die Bad Münstereifel gerne als Zweit- oder sogar als Erstwohnsitz gewählt haben, so wird man sich beschränken müssen auf einige Namen:

Theodor Heuss besuchte Bad Münstereifel mehrfach als Hobbymaler. Otto Graf Lambsdorff wie auch Karl Carstens und Willy Brandt lebten bzw. wohnten hier zumindest zeitweise. Der Eifel-Maler Konrad Schäfer und der Autor und Lehrer Heinz Küpper wohnten und arbeiteten hier über Jahre. Und nicht zuletzt lebt hier Heino Kramm, der bereits erwähnt wurde.

Besonders stolz ist man auf einen früheren Sohn der Stadt, der auch als „der heilige Doktor von Moskau“ bekannt ist: Dr. Friedrich Josef Haass, der sich im 19. Jahrhundert im zaristischen Russland durch sein karitatives Engagement für Sibiriendeportierte unvergessen machte. In der Tradition dieses Arztes sieht sich die Haass-Gesellschaft, die sich besonders durch karitative Aktionen für benachteiligte Bürger in Russland im Bewusstsein der Stadt einen Namen gemacht hat.

Vereinsleben

Die Stadt weist ein reiches Vereinsleben auf. In vielen Dörfern gibt es aktive Dorfgemeinschaften. Hinzu kommen kirchliche Vereine, Chorgruppen, Musikgruppen, Theatervereine und Karnevalsvereine, die Freiwillige Feuerwehr, eine Ortsgruppe des Deutschen Roten Kreuzes, Schützenbruderschaften und -vereine und zahlreiche unterschiedlich orientierte Sportvereine. Neben diesen traditonellen Vereinen gibt es auch eine Reihe neuerer Gründungen. Der Austausch mit den Partnergemeinden in England – Ashford in Kent – und Frankreich – Fougères in der Bretagne – wird seit 1964 bzw. 1967 u.a. auch vom Ashford-Fougères Club gepflegt. Am Schüleraustausch mit England, der bereits 1952 ins Leben gerufen wurde, haben viele Münstereifeler selbst teilgenommen. Eine weitgehend einzigartige Initiative ist die Partnerschaft mit einem Ort im westafrikanischen Staat Burkina Faso, nämlich Piela, die durch das Engagement zahlreicher Bürger insbesondere aus dem Höhengebiet seit Jahren erfolgreich betrieben wird. Der Kinderschutzbund ist mit Lesungen, Film- und Theateraufführungen seit Jahren ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt. Verschiedene Fördervereine widmen sich unterschiedlichen Aufgaben; zu nennen sind der Förderkreis für Denkmalpflege, der Förderverein der Naturschutzstation Kalkarer Moor, die Ortsgruppe des Kreisverbandes Natur- und Umweltschutz, der Verein der Freunde und Förderer der Kirchenmusik, der Kultur- und Geschichtsverein Zwentibolds Erben und der Verein der Freunde und Förderer des Hürten Heimatmuseums.

Die Ortsgruppe Bad Münstereifel im Eifelverein

Die Ortsgruppe des Eifelvereins hat z.Z. etwa 450 Mitglieder, von denen viele nicht nur Beitragszahler sind, sondern regelmäßig an den Veranstaltungen teilnehmen. Sicher ist die gute Gesamtsituation des Vereins vor allem den Vorständen der letzten Dekaden unter dem Vorsitz von Monika Schmitz, Wilfried Schmitz (+) und Prof. Dr. Dr. Hubert Hendrichs zu verdanken. Dass ausgerechnet im Jahr des 125-jährigen Bestehens das Jahresprogramm auch die Zahl der Veranstaltungen 125 erreicht oder sogar überschreitet, ist nicht geplant, sondern Zufall und zudem nicht ungewöhnlich, wenn man die Programme der letzten Jahre zum Vergleich heranzieht. Neben ausgesprochen sportlichen Streckenwanderungen gibt es auch Angebote für Freunde des Wanderns, die kürzere Strecken bevorzugen. Andere Programme sehen Exkursionen zu kulturellen Zielen der näheren und fernen Umgebung vor. Und auch landeskundliche und naturwissenschaftliche Themen finden hinreichend Interesse. Beliebt sind auch die Mehrtagesangebote und Radtouren. Die jährlich etwa zwölf Vortragsveranstaltungen finden i.d.R. im Vereinsheim der Ortsgruppe, dem Johannistor, einem der vier Stadttore, statt. Auf Initiative des Marienheims wendet sich ein neues Angebot an die an Demenz leidenden Senioren: Mitglieder des Vereins organisieren kurze Wanderungen, die dann in Begleitung von Pflegepersonal durchgeführt werden. Erwähnt werden muss auch das umfangreiche finanzielle Engagement des Vereins für den Erhalt oder die Wiederherstellung kultureller Güter, wie z.B. der Fußfälle zum Michelsberg, der Stationen der „Sieben Schmerzen Mariens“ nach Eicherscheid, des Notstalls in der Heisterbacher Straße, eines Reliefs von Prof. Karl Hürten am Heimatmuseum oder des Glockenstuhls auf dem Orchheimer Tor. Auch Wandertafeln, Sitzbänke und Hinweisschilder wurden an touristisch interessanten Orten vom Verein aufgestellt.

Was die zukünftige Entwicklung des Vereins angeht, so wird es erforderlich sein, sich verstärkt um neue Mitglieder zu bemühen. Die Jugendarbeit stößt jedoch auf Schwierigkeiten, die gewiss in Münstereifel nicht einmalig sind. So wird man neue Mitglieder vor allem unter Neubürgern jeglicher Herkunft und Zugezogene ansprechen, um die bisher schon erfolgreiche gesellschaftliche Integrationsarbeit fortzusetzen. Auch ist der Verein bestrebt, die Zusammenarbeit mit den anderen Vereinen vor Ort im Interesse der Stadt, ihrer Bürger und Gäste weiter auszubauen.

Gerne sind wir bereit, interessierten Wanderfreunden bei der Planung und Durchführung von Wanderungen bzw. Exkursionen in unserer Gegend zu helfen.

Für den Vorstand der Ortsgruppe:

Jürgen Küppers, stellv. Vorsitzender

© Für die Bilder und den Text Jürgen Küppers