{"id":1007,"date":"2014-03-16T17:08:42","date_gmt":"2014-03-16T17:08:42","guid":{"rendered":"http:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/?p=1007"},"modified":"2015-05-15T15:24:02","modified_gmt":"2015-05-15T15:24:02","slug":"einmarsch-der-amerikaner-in-muelheim-ruhr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/2014\/03\/einmarsch-der-amerikaner-in-muelheim-ruhr\/","title":{"rendered":"Einmarsch der Amerikaner in M\u00fclheim Ruhr"},"content":{"rendered":"<p>Dann kamen kurz darauf die Amerikaner nach M\u00fclheim. Wir Kinder waren aufgeregt, weil die Eltern aufgeregt waren. &#8211; &#8222;Was passiert jetzt, wenn die jetzt kommen?&#8220; &#8211; Und dann sind wir alle auf diesen Schlackenberg rauf, auf den gr\u00fcnen Weg, da wo heute die Metro steht. Es war ja herrlichstes Wetter! Und dann haben wir sie sternf\u00f6rmig auf M\u00fclheim\u00a0 zukommen sehen. Als sie n\u00e4her die kamen, sind wir nat\u00fcrlich alle wieder runter, weil Panzer dabei waren. Das hat uns erschreckt, die vielen Soldaten, es waren ja Massen von Soldaten. Die kamen immer n\u00e4her und wir sind dann alle rein nach Hause.<!--more--><\/p>\n<p>Die Ordner, oder wie sie sich damals nannten, sagten, wir m\u00fcssen alle stille sein. Sie dr\u00fcckten uns wei\u00dfe Fahnen oder Lappen in die Hand, wei\u00dfe F\u00e4hnchen. Und dann kamen sie und wir waren drin, und es h\u00f6rte sich scheu\u00dflich an. Das Ger\u00e4usch von den vielen Motoren, den Panzern. Alle hatten Angst, auch die Erwachsenen, f\u00fcr manche war das ganz schlimm. Na ja, am Ende waren sie dann da und da. Bumm, bumm an der T\u00fcr, und dann machten wir auf, und sie standen dann da und wir sa\u00dfen hinten drin.<\/p>\n<p>Gespr\u00e4che, die andere Sprache, und dann kamen die alle \u00fcberall rein. Und da sah man zum ersten Mal im Leben einen schwarzen Mann.\u00a0 Die andere Sprache und den schwarzen Mann: Den hatte ich auch mal in Verbindung gebracht mit Strafe, wenn dann der Schornsteinfeger kam oder der Ausruf, dann musst du in den Keller. Jedenfalls hatten sie einen Dolmetscher dabei, und der sagte, wir m\u00fcssen alle raus. Sie gingen r\u00fcckw\u00e4rts mit ihren Gewehren, und wir mussten alle, alle raus. Der Wart ging dann noch gucken \u2013 ja, sind alle raus \u2013 und dann sind sie rein. Drau\u00dfen standen sie auch noch alle um herum mit den Gewehren. Dann sind sie rein und haben geguckt, ob nicht doch noch irgend etwas war, haben die Deckel aufgemacht von den Kisten, wo wir nachts schliefen in der Turnhalle, und dann haben sie alles durchsucht, und dann kamen sie raus.<\/p>\n<p>Endlich gab es Entwarnung. Dann kriegten wir alle etwas zu trinken, Wasser oder ich wei\u00df nicht mehr was. Der Dolmetscher hat mit uns geredet und gesagt, wir k\u00f6nnten reingehen, und es w\u00e4re alles in Ordnung. Es w\u00fcrde eine Regelung getroffen, wann und wie wir wieder zur\u00fcck in die Wohnungen k\u00f6nnten. Das wurde alles da besprochen, aber es w\u00fcrde noch dauern. Dann durfte man mal nach Hause gehen zu der Wohnung und gucken, wie das da aussah, und da waren auch welche vor Ort, Blockwarte glaube ich, die schrieben dann etwas auf, wie die Wohnung war. Gott sei Dank, unser Haus war stehen geblieben, die Wohnung war halt kaputt, ohne Scheiben und so. Die Ritzen an der Seite &#8211; habe ich damals von erz\u00e4hlt, wo die Nachbarn mit dem Ohr durch die Ritze bei uns immer die Nachrichten aus dem Radio mith\u00f6rten. Es wurde alles aufgenommen, es wurde gemacht, und wie lange das gedauert hat, wei\u00df ich nicht, aber wir konnten dann in unsere Wohnung zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die Amerikaner hatten dann gegen\u00fcber der Schildbergschule ihr Quartier aufgeschlagen; das Geb\u00e4ude reichte nat\u00fcrlich nicht aus f\u00fcr alles, deswegen haben sie noch zus\u00e4tzlich im Hof viele Zelte aufgebaut, wo sie dann geschlafen haben. Die ersten paar Tage waren schon ein bisschen komisch. Aber wie Kinder nat\u00fcrlich sind, sind wir immer neugierig da herumgelaufen, und die machten auch Musik usw. Dann kam, nach 14 Tagen, 3 Wochen ungef\u00e4hr, nachdem wir in der Wohnung waren, kam ein Marketenderwagen. Da sind wir nat\u00fcrlich auch neugierig gucken gegangen, weil der ganz Wagen voller Frauen war, die haben so Sachen drin gehabt, K\u00e4mme z. B., die hatten tolle Sachen, und wir kamen immer n\u00e4her und n\u00e4her. Die Soldaten, muss ich sagen, waren sehr freundlich zu uns, wir verstanden uns ja nicht, aber nett gewinkt und gelacht haben wir. Und dann haben sie uns Bonbons geschenkt, \u00fcberwiegend Kaugummi oder irgendwelche S\u00fc\u00dfigkeiten. Manchmal haben sie gesagt, wir sollen ein Kinderlied singen, manchmal kamen sie auch n\u00e4her ran, haben Fotos rausgeholt von ihren Familien, uns ihre Kindern gezeigt, und manchmal durfte man sogar auf den Scho\u00df, so an der Seite. Sie wollten dann auch schon mal was wissen, fragten uns nach Mama und Papa usw. Es waren ja auch \u00e4ltere Kinder dabei, und die \u00e4lteren Kindern kriegten dann auch schon mal Zigaretten f\u00fcr ihre Papas. Da im Umfeld, da sprangen die \u00c4lteren auch hin, wenn sie die Kippen wegschnippten, die haben sie dann aufgesammelt. Ja, das war so.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><em><a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/zeitzeugenarbeit\/zeitzeugen-stellen-sich-vor-2\/\">Frau Storks war beim Einmarsch der Amerikaner 6 Jahre alt.<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Lesen Sie hier auf Seite 10 einen Artikel vom Januar 2015 in der Seniorenzeitschrift <em><strong>Alt? \u00a0na und!<\/strong><\/em> wie M\u00fclheim vor 70 Jahren aussah:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.alt-na-und.de\/pdf\/alt-na-und_96.pdf\" class=\"mtli_attachment mtli_pdf\" target=\"_blank\">http:\/\/www.alt-na-und.de\/pdf\/alt-na-und_96.pdf<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dann kamen kurz darauf die Amerikaner nach M\u00fclheim. Wir Kinder waren aufgeregt, weil die Eltern aufgeregt waren. &#8211; &#8222;Was passiert jetzt, wenn die jetzt kommen?&#8220; &#8211; Und dann sind wir alle auf diesen Schlackenberg rauf, auf den gr\u00fcnen Weg, da wo heute die Metro steht. 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