{"id":1025,"date":"2014-03-16T18:35:20","date_gmt":"2014-03-16T18:35:20","guid":{"rendered":"http:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/?p=1025"},"modified":"2015-05-15T15:23:53","modified_gmt":"2015-05-15T15:23:53","slug":"auf-dem-weg-in-die-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/2014\/03\/auf-dem-weg-in-die-ukraine\/","title":{"rendered":"Auf dem Weg in die Ukraine"},"content":{"rendered":"<h3><em>Werner Winkler wurde kurz vor Ende des Krieges im alter von 15 Jahren aus seiner Heimat in Schlesien nach Russland verschleppt. Hier seine Erinnerungen:<\/em><\/h3>\n<p>Ja dann wurden wir auf dem <i>Deminium<\/i> in Knechtekammern eingesperrt, und dann wurden einige verh\u00f6rt, wir haben das in den Nebenr\u00e4umen geh\u00f6rt, wie Geschrei, Gest\u00f6hne. Ja, da wurden diejenigen geschlagen und misshandelt. Die wollten ja SS-Leute und Parteigenossen. Da haben wir so gedacht, jetzt bist du bald dran zum Verh\u00f6r. Aber dazu kam es nicht, die haben uns runter gef\u00fchrt wieder, in einen gro\u00dfen Pferdestall, der war ja leer, da wurden wir reingetrieben. Da waren schon die M\u00e4nner und Jungs aus dem Nachbarort da, u. a. auch mein Onkel Max, meiner Mutters Zwillingsbruder, aus <i>Selbnitz. <\/i>Ja wir haben dort \u00fcbernachtet, anderen Morgen raus, und dann mussten wir marschieren bis nach Heidenau, ach \u2013 wie viele Kilometer waren denn dass? &#8211; Das waren auch so \u00fcber 20 km. <!--more-->Dort waren wir zwei Tage, und aus dieser Umgebung wurden wieder die M\u00e4nner und Jungen zusammengetrieben, und dann ging es weiter nach Lignitz. Das war die Regierungshauptstadt von Niederschlesien. In Lignitz waren wir eine Woche \u2013 und wie gesagt \u2013 zu essen bekamen wir nichts. Wir mussten sehen, wie wir zurecht kamen.<\/p>\n<p>Dann ging es wieder los \u2013 die ganze Kolonne \u2013 und zwar hat dieser Marsch 2 \u00bd Tage gedauert, unterwegs haben wir in leer stehenden Bauernh\u00f6fen \u00fcbernachtet, und das erste war ja, was zu essen zu suchen. Es war ja ein Chaos, die abgeschossenen Milit\u00e4rfahrzeuge, es sah grausam aus. Ich meine \u2013 ich bin in den Keller gegangen und habe Kartoffeln geholt und habe die abgekocht, irgendwie, es ging schon, aber wir wurden derma\u00dfen streng bewacht, und Ausrei\u00dfen hat sich keiner gewagt; der w\u00e4r auch nicht weit gekommen. Ich habe mir da Pellkartoffeln gekocht, habe Pellkartoffeln gegessen und eine Menge in den Rucksack getan f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag. So mussten wir selber sehen, dass wir durchkamen.<\/p>\n<p>Dann landeten wir in Krachenberg, da war ein gro\u00dfes Lager, da bekamen wir das erste Mal etwas zu essen. Wir waren eine Woche da, da wurden wir in G\u00fcterwagen verladen, der Krieg war ja noch nicht zu Ende, und sind nach Oberschlesien transportiert worden, nach Lawand. Da waren die gro\u00dfen Hermann-G\u00f6ring-Werke, und dort wurden wir untergebracht, und von da aus gingen die ganzen Transporte raus nach Russland. Dort treffe ich die zwei Schulkollegen, den Hanke, Willi und den Kupski, G\u00fcnter, und die sagten, wir kommen raus nach Russland. Das wollten wir nicht glauben, doch die sagten, du wirst sehen.<\/p>\n<p>Es war auch so \u2013 eines sch\u00f6nen Tages waren wir dran. Es ging immer nach 1000 Mann \u2013 50\/60 Mann in einen G\u00fcterwagon, <i>pahejeje <\/i>da war \u2013 auch nicht \u00fcberall \u2013 zur T\u00fcr des G\u00fcterwaggons, da war eine Rinne ausgebaut, f\u00fcr die kleine Notdurft. Aber, der Waggon war ja so vollgepfropft, die konnten sich auch alle nicht hinlegen, es war so eng, und da war irgendwie eine Blechb\u00fcchse, eine Konservenb\u00fcchse, die wurde dann eben gef\u00fcllt und von Mann zu Mann gereicht bis zu dem, der oben an der Luke war. Da war auch Stacheldraht davor, aber der hat da den Inhalt rausgekippt. F\u00fcr die gro\u00dfe Notdurft war das schon schwieriger. Da musste man erst sehen, dass man in den Waggonboden ein Loch reinbekam. Ein Messer durfte wir ja nicht bei uns haben, ich wei\u00df nicht mehr, wie das alles ging.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><em>Herr Winkler war zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Lesen Sie hierzu einen Artikel aus der hiesigen Zeitung <a href=\"https:\/\/www.derwesten.de\/staedte\/muelheim\/verschleppt-im-alter-von-15-jahren-aimp-id10136997.html\" target=\"_blank\">WAZ vom 12.12.2014<\/a>: An dem Tag fanden Filmaufnahmen und ein Interview mit\u00a0Herrn Winkler von ein russisches Filmteam zum Thema &#8222;Zeit der Vers\u00f6hnung&#8220; statt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werner Winkler wurde kurz vor Ende des Krieges im alter von 15 Jahren aus seiner Heimat in Schlesien nach Russland verschleppt. Hier seine Erinnerungen: Ja dann wurden wir auf dem Deminium in Knechtekammern eingesperrt, und dann wurden einige verh\u00f6rt, wir haben das in den Nebenr\u00e4umen geh\u00f6rt, wie Geschrei, Gest\u00f6hne. 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