{"id":1083,"date":"2014-05-15T14:56:55","date_gmt":"2014-05-15T14:56:55","guid":{"rendered":"http:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/?p=1083"},"modified":"2015-05-15T15:23:20","modified_gmt":"2015-05-15T15:23:20","slug":"meine-schulzeit-von-1944-bis-1953","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/2014\/05\/meine-schulzeit-von-1944-bis-1953\/","title":{"rendered":"Meine Schulzeit von 1944 bis 1953"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/2014\/05\/meine-schulzeit-von-1944-bis-1953\/klassenfoto_koelner_dom_1952_original\/\" rel=\"attachment wp-att-1418\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1418\" data-permalink=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/2014\/05\/meine-schulzeit-von-1944-bis-1953\/klassenfoto_koelner_dom_1952_original\/#main\" data-orig-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2014\/05\/Klassenfoto_K\u00f6lner_Dom_1952_Original.jpg\" data-orig-size=\"1590,1083\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"Klassenfoto_K\u00f6lner_Dom_1952_Original\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2014\/05\/Klassenfoto_K\u00f6lner_Dom_1952_Original-300x204.jpg\" data-large-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2014\/05\/Klassenfoto_K\u00f6lner_Dom_1952_Original-1024x697.jpg\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1418\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2014\/05\/Klassenfoto_K\u00f6lner_Dom_1952_Original-150x150.jpg\" alt=\"Klassenfoto_K\u00f6lner_Dom_1952_Original\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>W\u00e4hrend des 2. Weltkrieges, M\u00e4rz 1944, brachten meine Eltern mich aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden in den <em>Solling\u00b9<\/em> am Harz zu Pflegeeltern. Zu dem Zeitpunkt war ich noch keine 6 Jahre alt.<\/p>\n<p>Nach den Sommerferien, ich glaube es war September 1944, wurde ich im Solling in einer Dorfschule eingeschult. Wir waren mit 8 Jahrg\u00e4ngen in einer Klasse. Vor uns stand ein 75-j\u00e4hriger, l\u00e4ngst pensionierter Lehrer und teilte uns mit, alle Lehrer auch Junglehrer seien an der Front, und deswegen konnte noch kein Unterricht stattfinden. Das hie\u00df also: Kaum waren wir eingeschult, wurden wir schon wieder ausgeschult. F\u00fcr uns als die Kleinsten war es eigentlich gar nicht so unangenehm.<!--more--><\/p>\n<p>Zum Ende des Krieges, ab April 1945, fand dann doch Unterricht statt. Aber wer stand da vor uns? Der l\u00e4ngst pensionierte 75-j\u00e4hrige Lehrer. Der war mir sowieso nicht so recht geheuer, und er hie\u00df auch noch Lehrer Heuer. Er war noch einer von der alten Schule, einer der kleine Kinder noch gerne wegen jeder Kleinigkeit mit dem <em>Gertenst\u00f6ckchen\u00b2 <\/em>schlug. Geschlagen wurde auf die ge\u00f6ffnete und gespannte Handinnenfl\u00e4che. Wir durften noch nicht einmal lachen.<\/p>\n<p>Wie lange wir diesen so genannten \u201eLehrer\u201c hatten, wei\u00df ich nicht mehr so genau. Denn nicht lange nach Kriegsende kehrte ein Junglehrer aus der Kriegsgefangenschaft zur\u00fcck und f\u00fchrte den Unterricht weiter. Wir waren alle froh, dass er uns dann unterrichtete. Dieser Lehrer war nett zu uns, und er schlug uns auch nicht.<\/p>\n<p>In diese Sollinger Dorf-Schule ging ich bis Ende M\u00e4rz 1948. Ab April 1948 ging ich dann in Essen, Berliner Stra\u00dfe, zur Schule. Allerdings war mein Deutsch miserabel. Ich musste mir erst einmal meinen Dialekt, das Plattdeutsch abgew\u00f6hnen. Mein Vater sorgte daf\u00fcr, dass ich bei meinem Klassenlehrer noch zus\u00e4tzlich nachmittags Nachhilfe in Deutsch erhielt. Ich lernte also wieder Hochdeutsch in Wort und Schrift. Nach einem Jahr hatte ich es dann auch mit dem Schriftlichen geschafft. Es war f\u00fcr mich ein hartes Jahr. Ich hatte Gott sei Dank einen sehr verst\u00e4ndnisvollen Lehrer.<\/p>\n<p>Nach diesem Jahr, also April 1949, schickte mein Vater mich gleich zur Mittelschule. Er hatte es gut gemeint. Leider bekam meine Klasse eine weniger verst\u00e4ndnisvolle Klassenlehrerin f\u00fcr die Hauptf\u00e4cher Mathematik und Deutsch. Ihr Nachname war Rose, und sie war ca. 36 Jahre alt. Den Namen kann man nicht vergessen, und er passte eigentlich nicht zu ihr. Die hatte zu viel mit sich selbst zu tun. Es hie\u00df damals, ihr Verlobter sei im Krieg gefallen, und somit hatte sie f\u00fcr kleine kriegsgesch\u00e4digte Kinder wenig Verst\u00e4ndnis. Sie wurde bei jeder Kleinigkeit leicht aggressiv, und ich musste bei jeder Kleinigkeit weinen. Entsprechend waren auch die Noten.<\/p>\n<p>Allerdings hatten wir eine sehr nette und verst\u00e4ndnisvolle Englischlehrerin. In der Englischstunde war ich mit Begeisterung dabei. Aber sie allein war nicht ma\u00dfgebend, und so ergab es sich, dass ich nach einem halben Jahr wieder zur Volksschule zur\u00fcck musste. Sp\u00e4testens nach 3 Jahren gingen weitere Sch\u00fclerinnen wegen Frau Rose von der Schule.<\/p>\n<p>Auf der Volksschule gab es wieder angenehmere Lehrer. In den letzten ca. 3 Jahren hatte ich zwar einen strengen, aber sehr gerechten Lehrer, bei dem das Lernen wieder Spa\u00df machte.<\/p>\n<h1 style=\"text-align: right\">C. Goller, Mai 2014<\/h1>\n<p>\u00b9 Der <em>Solling<\/em> ist ein Mittelgebirge im Weserbergland in Niedersachsen<\/p>\n<p>\u00b2 Ein <em>Gertenst\u00f6ckchen<\/em> ist ein d\u00fcnner biegsamer Stock, der fr\u00fcher zur k\u00f6rperlichen Z\u00fcchtigung eingesetzt wurde. Gefertigt wurde er aus Rattan, Flechte, Weide oder Haselnuss. Man z\u00e4hlte die Schl\u00e4ge auf Hand oder blo\u00dfem Hinterteil mit <em>Gertenstreichen<\/em>. Zu der Zeit, als diese Zeitzeugin zur Schule ging, galt das Z\u00fcchtigungsrecht der Eltern und auch der Lehrer gegen\u00fcber den Kindern. Dieses Recht wurde im Jahr 2000 per Gesetz abgeschafft. Heute haben Kinder ausdr\u00fccklich ein Recht auf gewaltfreie Erziehung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend des 2. Weltkrieges, M\u00e4rz 1944, brachten meine Eltern mich aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden in den Solling\u00b9 am Harz zu Pflegeeltern. Zu dem Zeitpunkt war ich noch keine 6 Jahre alt. 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