{"id":1412,"date":"2014-09-29T10:34:19","date_gmt":"2014-09-29T10:34:19","guid":{"rendered":"http:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/?p=1412"},"modified":"2015-05-17T14:51:06","modified_gmt":"2015-05-17T14:51:06","slug":"einmarsch-der-amerikaner-in-ein-kleines-dorf-im-solling-am-harz-1945","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/2014\/09\/einmarsch-der-amerikaner-in-ein-kleines-dorf-im-solling-am-harz-1945\/","title":{"rendered":"Einmarsch der Amerikaner"},"content":{"rendered":"<h1>&#8230; in ein kleines Dorf im Solling am Harz 1945<\/h1>\n<p><a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/2014\/09\/einmarsch-der-amerikaner-in-ein-kleines-dorf-im-solling-am-harz-1945\/1945_mitte\/\" rel=\"attachment wp-att-1413\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1413\" data-permalink=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/2014\/09\/einmarsch-der-amerikaner-in-ein-kleines-dorf-im-solling-am-harz-1945\/1945_mitte\/#main\" data-orig-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2014\/09\/1945_Mitte.jpg\" data-orig-size=\"974,718\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"Schoningen_1944_Mitte\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2014\/09\/1945_Mitte-300x221.jpg\" data-large-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2014\/09\/1945_Mitte.jpg\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1413\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2014\/09\/1945_Mitte-150x150.jpg\" alt=\"Schoningen_1944_Mitte\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Wir schrieben inzwischen das Jahr 1945. Ich war 7 Jahre alt und schon l\u00e4nger als ein Jahr bei meinen Pflegeeltern in Schoningen. Von Bombardierungen blieben wir weiterhin verschont, aber von Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6men nicht.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst fl\u00fcchteten deutsche Soldaten vor den Amerikanern, die in unserem Dorf Zwischenstation machten und dabei um \u00dcbernachtung und etwas zu essen baten. Einen Soldaten nahmen auch meine Pflegeeltern auf. Ich kann mich erinnern, dass er nur kurze Zeit blieb. An einem Tag musste er ins Dorf, um etwas zu erledigen entweder f\u00fcr meine Pflegeeltern oder f\u00fcr sich, genau kann ich es nicht mehr sagen, jedenfalls durfte ich mit ihm gehen. Unterwegs sagte er ganz traurig zu mir: \u201eZu Hause habe ich auch so ein kleines M\u00e4dchen wie dich, das auf mich wartet und ihren Papa wieder sehen m\u00f6chte. Ich hoffe, dass es eines Tages wahr wird\u201c. Ich w\u00fcnschte es ihm, er war so ein netter Mensch. Jeder sehnte sich zu der Zeit nach irgendeinem Angeh\u00f6rigen. Von meiner Situation wusste er ja auch.<!--more--><\/p>\n<p>Dann kam der Tag, an dem er weiter musste, denn die Amerikaner und Russen r\u00fcckten immer n\u00e4her, und man w\u00fcrde ihn sofort gefangen nehmen.<\/p>\n<p>Nach den deutschen Soldaten folgten Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me aus Ost-Berlin, Sachsen, Schlesien etc. Sie fl\u00fcchteten vor den Russen und baten um Einquartierung und etwas zu essen. Die meisten kamen nur mit dem an, was sie am K\u00f6rper trugen, nur wenige hatten noch einige Dinge, die sie von ihrer Heimat mitnehmen konnten. Sie hatten es sehr schwer.<\/p>\n<p>Nun waren aber auch die Russen schon bis kurz vor G\u00f6ttingen, so dass auch in unserem Dorf Angst herrschte, sie k\u00f6nnten hier einmarschieren. Meine Eltern h\u00e4tten mich dann sofort wieder nach Essen geholt. Es hie\u00df damals: \u201eDie gr\u00f6\u00dfte Gefahr kommt jetzt aus dem Osten.\u201c Aber es trat nicht ein. Die kriegerischen Auseinandersetzungen wurden Gott sei Dank im Mai 1945 beendet, und die Russen blieben im Osten, die Amerikaner im Westen, erfuhren wir. Wir hatten also Gl\u00fcck gehabt, dass wir noch zum Westen geh\u00f6rten.<\/p>\n<p>Im Sommer erfolgte dann der Einmarsch der Amerikaner mit ihren Panzern in unser kleines Dorf, immer auf der Suche nach deutschen Soldaten. Aber die waren ja schon alle wieder weiter gezogen. So besetzten die Amerikaner dann etliche H\u00e4user in unserem Dorf, u. a. auch das Haus vom Vater meiner Pflegemutter. Vater und Bruder meiner Pflegemutter mit Familie mussten aus ihrem Haus raus, sie waren mit 5 Personen. Allerdings wei\u00df ich nicht mehr so genau, ob alle bei uns mit einquartiert wurden oder nur teilweise. Jedenfalls war das Haus meiner Pflegeeltern \u00fcberf\u00fcllt, weil meine Pflegeeltern auch noch Fl\u00fcchtlinge, eine Mutter mit ihrer Tochter, aufgenommen hatten.<\/p>\n<p>An eine nette Episode mit den Besatzern erinnere ich mich noch: In der N\u00e4he des Hauses meiner Pflegeeltern hatten einige Amerikaner ihren Panzer abgestellt,\u00a0und sie selbst standen daneben und unterhielten sich. Wir Kinder waren neugierig und wollten uns den Panzer mal von Nahem ansehen. So ein Unget\u00fcm hatten wir doch noch nie gesehen. Also gingen wir zu den Amerikanern und sahen uns dieses Unget\u00fcm an. Mir aber gen\u00fcgte es nicht, ich wollte den Panzer auch von innen sehen, also sprach ich einen der Amerikaner an, ob ich da nicht einmal drin sitzen d\u00fcrfte. Meine Freundinnen und Freunde, wir waren ca. 5 Kinder, wollten mich zur\u00fcckhalten. Aber ich lie\u00df keine Ruhe, und dann stellte ich auf einmal fest, dass er eine ganz andere Sprache sprach als wir. Ich zeigte noch mal auf mich und den Panzer, und dann verstand er und hievte mich hoch in den Panzer, und ich stellte fest, dass es innen sehr warm war.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich war es ein tolles Erlebnis mal in so einem Unget\u00fcm gesessen zu haben. So sind nun mal Kinder. \u2013 Und trotzdem war es eine verlorene Kindheit. So sehe ich es heute.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;text-align: right\"><em><a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/category\/zeitzeugen-stellen-sich-vor\/\" class=\"broken_link\">C. Goller im September 2014<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; in ein kleines Dorf im Solling am Harz 1945 Wir schrieben inzwischen das Jahr 1945. Ich war 7 Jahre alt und schon l\u00e4nger als ein Jahr bei meinen Pflegeeltern in Schoningen. Von Bombardierungen blieben wir weiterhin verschont, aber von Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6men nicht. 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