{"id":1697,"date":"2015-04-01T09:54:30","date_gmt":"2015-04-01T09:54:30","guid":{"rendered":"http:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/?p=1697"},"modified":"2015-05-27T11:16:05","modified_gmt":"2015-05-27T11:16:05","slug":"bombenangriffe-auf-essen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/2015\/04\/bombenangriffe-auf-essen\/","title":{"rendered":"Bombenangriffe auf Essen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2054\" aria-describedby=\"caption-attachment-2054\" style=\"width: 140px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/04\/15391318563_b5904f9660.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"2054\" data-permalink=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/2015\/04\/bombenangriffe-auf-essen\/bochum-at-night-deutsches-bergbau-museum\/#main\" data-orig-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/04\/15391318563_b5904f9660.jpg\" data-orig-size=\"500,336\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Bochum at night &#8211; Deutsches Bergbau-Museum\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Foto: &lt;a href=&#039;https:\/\/www.flickr.com\/photos\/dschwarzphotography\/15391318563\/&#039; target=&#039;_blank&#039;&gt;TheGuyCalledDennis&lt;\/a&gt;&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/04\/15391318563_b5904f9660-300x202.jpg\" data-large-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/04\/15391318563_b5904f9660.jpg\" class=\"size-thumbnail wp-image-2054\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/04\/15391318563_b5904f9660-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2054\" class=\"wp-caption-text\">Foto: <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/dschwarzphotography\/15391318563\/\" target=\"_blank\">TheGuyCalledDennis<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Ich wurde am 7. April 1938 in Essen geboren und habe als kleines Kind die schlimmen Bombenangriffe auf Essen bis Januar 1944 erlebt.<\/p>\n<p>Als ich ca. 4\/5 Jahre alt war (1942\/1943) fing es mit dem Sirenengeheul an. Diese Ger\u00e4usche konnte ich nat\u00fcrlich noch nicht einordnen und machten mich \u00e4ngstlich. Die Bombenangriffe, die darauf folgten, habe ich zu Gen\u00fcge erlebt. Am Sirenengeheul (mit Voralarm) konnte man erkennen, ob wir den Weg bis zum Bunker, der ca. 15 Minuten von unserer Wohnung entfernt war, d. h. von der M\u00fclheimer Stra\u00dfe 123 bis zur Breslauer Stra\u00dfe\/Ecke Kruppstra\u00dfe, noch schaffen w\u00fcrden oder in den Luftschutzkeller (nur h\u00f6chste Alarmstufe) mussten. Auch nachts wurden wir von den Bombenangriffen \u00fcberrascht. <!--more-->Dann hie\u00df es: \u201eRaus aus dem Bett, schnell anziehen!&#8220; Oft gingen wir angezogen ins Bett und von dort sofort rein in den Luftschutzkeller \u2013 oder so schnell wie nur eben m\u00f6glich zum Bunker. Im Bunker waren wir sicherer als im Luftschutzkeller. Alles, was wir brauchten, lag griffbereit neben dem Bett. Kaum im Bunker angekommen da h\u00f6rten wir bereits schon die h\u00f6chste Alarmstufe der Sirenen, und die Bomben fielen fast gleichzeitig.<\/p>\n<p>Durch unseren Volksempf\u00e4nger wurden wir auch manchmal informiert. Sogar eine Gasmaske besa\u00dfen meine Eltern, die ich mal aufprobieren musste, ob sie auch passte. Ich hatte sie schneller runter vom Kopf als drauf.<\/p>\n<p>Als die Angriffe noch nicht so oft hintereinander kamen, nahm mein Vater schon mal sein Akkordeon und spielte, w\u00e4hrend meine Mutter und ich von unserer Parterrewohnung aus bis zur 2. Etage mitgingen und alle 6 Familien aus ihren Wohnungen holten. Die Nachbarn kannten das schon. Sie waren froh, dass sie damit von dem ganzen Elend abgelenkt wurden; dann ging es runter in den Luftschutzkeller. Mein Vater hatte einfach versucht, uns auf andere Gedanken zu bringen. Als die Bomben fielen, verging ihm nat\u00fcrlich auch das Spielen. Wir bangten alle um unser Leben. Wenn der gleichm\u00e4\u00dfige Sirenenton zu h\u00f6ren war, wussten wir, wir hatten mal wieder Gl\u00fcck gehabt und \u00fcberlebt. Wie der K\u00f6lner so sch\u00f6n sagt: \u201eJot jejange\u201c.\u00a0 Alles atmete tief ein und aus.<\/p>\n<p>Im Laufe des Jahres erfolgten die Angriffe in immer k\u00fcrzeren Abst\u00e4nden. Pl\u00f6tzlich fiel auch bei uns auf dem Hof nahe unseres Balkons eine Bombe; Gott sei Dank hatte sie sich nicht entz\u00fcndet. Was es f\u00fcr eine war \u2013 Luftmine oder Brandbombe \u2013 wei\u00df ich nicht mehr so genau. Es kam dann immer h\u00e4ufiger vor, dass wir den Weg zum Bunker nicht mehr schafften und in den Luftschutzkeller mussten.<\/p>\n<p>Eines Tages, das Jahr 1943 neigte sich dem Ende zu (oder war es schon Januar 1944) krachte es in unserer N\u00e4he unseres Hauses. Einige H\u00e4user weiter, in der Raffelberger Stra\u00dfe, wurde ein ganzer Wohnblock getroffen und fiel in sich zusammen. Sogar wir haben noch die Ersch\u00fctterung gemerkt. Alle hatten Angst, es k\u00f6nnte bei uns gewesen sein.<\/p>\n<p>Danach haben meine Eltern sich entschlossen, mich in Sicherheit zu bringen, vor allem auch aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden. Durch das st\u00e4ndige Hin-und-her-Gezerre zwischen Kinderbett, Luftschutzkeller oder Bunker war ich st\u00e4ndig erk\u00e4ltet und hatte oft Mandelentz\u00fcndungen.<\/p>\n<p>So haben meine Eltern mich dann im M\u00e4rz 1944 in eine l\u00e4ndliche Gegend nach Solling im Weserbergland zu Pflegeeltern gebracht. Dort war ich sicher vor Fliegeralarm und Bombenangriffen. Meine Mutter kam fortan f\u00fcr einige Tage im Monat zu Besuch, mein Vater konnte allerdings nur kommen, wenn er Urlaub hatte, und das war nur einmal im Jahr.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><a title=\"Zeitzeugen stellen sich vor\" href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/zeitzeugenarbeit\/zeitzeugen-stellen-sich-vor-2\/\"><strong>C. Goller, Oktober 2014<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wurde am 7. April 1938 in Essen geboren und habe als kleines Kind die schlimmen Bombenangriffe auf Essen bis Januar 1944 erlebt. Als ich ca. 4\/5 Jahre alt war (1942\/1943) fing es mit dem Sirenengeheul an. Diese Ger\u00e4usche konnte ich nat\u00fcrlich noch nicht einordnen und machten mich \u00e4ngstlich. 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