{"id":1700,"date":"2015-04-01T13:22:21","date_gmt":"2015-04-01T13:22:21","guid":{"rendered":"http:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/?p=1700"},"modified":"2015-05-15T15:17:43","modified_gmt":"2015-05-15T15:17:43","slug":"besichtigung-der-duisburger-synagoge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/2015\/04\/besichtigung-der-duisburger-synagoge\/","title":{"rendered":"Besichtigung der Duisburger Synagoge"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1702\" aria-describedby=\"caption-attachment-1702\" style=\"width: 140px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/2015\/04\/besichtigung-der-duisburger-synagoge\/100_1290\/\" rel=\"attachment wp-att-1702\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1702\" data-permalink=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/2015\/04\/besichtigung-der-duisburger-synagoge\/100_1290\/#main\" data-orig-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/04\/100_1290.jpg\" data-orig-size=\"2048,1365\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Duisburger Synagoge\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Foto, privat: Ernst van Megern&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/04\/100_1290-300x200.jpg\" data-large-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/04\/100_1290-1024x683.jpg\" class=\"size-thumbnail wp-image-1702\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/04\/100_1290-150x150.jpg\" alt=\"Foto, privat: Ernst van Megern\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1702\" class=\"wp-caption-text\">Foto, privat: Ernst van Megern<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Termin zur Besichtigung der\u00a0 Synagoge am Springwall 16 in Duisburg am 11. M\u00e4rz 2015 um 10.00 Uhr\u00a0<b> <\/b>kam \u00fcber den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der j\u00fcdischen Gemeinde,\u00a0 Michael Rubinstein, zustande. Die ehrenamtliche Synagogen-F\u00fchrung \u00fcbernahm\u00a0 Gemeindemitglied \/ Historiker\u00a0 Dr. Heid. Er\u00a0 informierte uns \u00fcber den Garten der Erinnerung, in dem die Synagoge steht, Redensarten jiddisch-hebr\u00e4-ischen Ursprungs, die alte Duisburger Synagoge, die neue Duisburger Synagoge, die heutige\u00a0 J\u00fcdische Gemeinde Duisburg-M\u00fclheim-Oberhausen und \u00fcber j\u00fcdische Gesetze und Riten. Alle Zeitzeugen konnten nachempfinden, wie sehr Dr. Heid das Judentum am Herzen liegt. Die &#8222;Zeitzeugen&#8220; bedanken sich ganz herzlich bei ihm f\u00fcr seine interessanten und lehrreichen Ausf\u00fchrungen, die man so schnell nicht vergisst.<!--more--><\/p>\n<h1><a title=\"Garten der Erinnerung \u2013 Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Garten_der_Erinnerung\" target=\"_blank\">Garten der Erinnerung, in dem die Synagoge steht<\/a><\/h1>\n<p>Die Duisburger Synagoge, ein gewiss architektonisches Kleinod, liegt am Innenhafen im so genannten Garten der Erinnerung. Im drei Hektar gro\u00dfen Park wurden \u00dcberreste der ehe-maligen Bebauung stehen gelassen, um sie als Veranstaltungsorte oder Aussichts-t\u00fcrme zu nutzen. Die Grundrisslinien der abgerissenen Geb\u00e4ude wurden durch wei\u00dfe Betonb\u00e4n-der stilisiert dargestellt. Der Park schafft\u00a0 einen Zusammenhang zwischen der indus-triellen Vergangenheit und der sich an Kultur und Freizeit orientierenden Zukunft.<\/p>\n<p><a title=\"Liste deutscher W\u00f6rter aus dem Hebr\u00e4ischen und Jiddischen \u2013 Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_deutscher_W\u00f6rter_aus_dem_Hebr\u00e4ischen_und_Jiddischen\" target=\"_blank\"><b>Redensarten jiddisch-hebr\u00e4ischen Ursprungs<\/b><\/a><\/p>\n<p>In unserem Sprachgebrauch verwenden wir eine Vielzahl an Begriffen und Sprich-w\u00f6rtern, die \u00fcber das Hebr\u00e4ische und schlie\u00dflich das Jiddische Eingang in die deutsche Sprache gefunden haben. Der Ursprung ist auf den ersten Blick oft\u00a0 kaum mehr ersichtlich. Bei an-deren Begriffen wiederum ist ihre hebr\u00e4ische Herkunft noch oft erkennbar.<\/p>\n<ul>\n<li>So war der <i>Plejte Gejer<\/i> jemand, der auf der Flucht vor seinen Schuldnern war (Plejte = Flucht, Gejer = Geher, L\u00e4ufer). Durch falsches Verstehen wurde daraus schlie\u00dflich der Pleitegeier, der in weiterer Abwandlung irgendwann damit begann, \u00fcber den verschuldeten Menschen sprichw\u00f6rtlich zu kreisen<\/li>\n<li>Schmiere stehen, also aufpassen, dass niemand die anderen \u00fcberraschte.<br \/>\nhat nichts mit dem deutschen Wort \u201eschmieren\u201c gemein, sondern leitet sich vom hebr\u00e4ischen <i>Sch&#8217;mira<\/i> (Jiddisch: <i>Schmir<\/i>e) ab, was Wache bedeutet.<\/li>\n<li>Man redet <i>Tacheles<\/i>, wenn man Klartext spricht (Jiddisch: <i>Tachles<\/i> \u2013 zweckm\u00e4\u00dfiges Handeln)<\/li>\n<\/ul>\n<p><a title=\"Alte Synagoge - Jewish - Duisburg, Nordrhein-Westfalen, Germany - Yelp\" href=\"http:\/\/www.yelp.com\/biz\/alte-synagoge-duisburg?hrid=89Ro2gk3tbsCnebI0qlNWQ\" target=\"_blank\"><b>Die alte Duisburger Synagoge<\/b><\/a><\/p>\n<p>Die alte Synagoge \u2013 sie wurde 1875 er\u00f6ffnet \u2013 befand sich in unmittelbarer N\u00e4he des Standorts der heutigen Synagoge (nur 300 Meter Luftlinie entfernt). Sie wurde in der <a title=\"Reichspogromnacht - 9. November 1938\" href=\"http:\/\/www.lpb-bw.de\/reichspogromnacht.html\" target=\"_blank\">Reichspogromnacht <\/a>am 9. November 1938 von den Nationalsozialisten niedergebrannt und niedergerissen.<\/p>\n<p>Der 9. November erscheint\u00a0 im \u00dcbrigen ein Schicksalsdatum der Deutschen im 20. Jahr-hundert zu sein:<\/p>\n<ul>\n<li>Am 9. November 1918 war der Tag der Novemberrevolution. Die erste Deutsche Republik wurde ausgerufen und f\u00fchrte das Deutsche Reich von einer konstitutionellen Monarchie in eine parlamentarisch-demokratische Republik.<\/li>\n<li>Am 9. November\u00a0 1923 versuchte Adolf Hitler in M\u00fcnchen zum ersten Mal, politische Macht zu erlangen. Sein Putschversuch wurde blutig niedergeschlagen<b>.<\/b><\/li>\n<li>Am 9. November 1938 brannten j\u00fcdische Gesch\u00e4fte und Synagogen. Das Pogrom stand f\u00fcr den Antisemitismus in Deutschland und f\u00fcr den Wandel hin zu einer Entwicklung, die in einer &#8222;Endl\u00f6sung der Judenfrage&#8220; im Sinne der Ermordung der europ\u00e4ischen Juden im damaligen deutschen Machtbereich m\u00fcndete.<\/li>\n<li>Am 9. November 1989 war der Tag, an dem die Berliner Mauer fiel. Ein Jahr sp\u00e4ter war Deutschland wiedervereinigt. Der Fall der Mauer\u00a0markierte das Ende der kommunistischen Diktaturen in Deutschland und Europa.<\/li>\n<\/ul>\n<p><a title=\"Synagoge am Innenhafen Duisburg \" href=\"http:\/\/www.route-industriekultur.de\/themenrouten\/26-sakralbauten\/synagoge-am-innenhafen-duisburg.html\" target=\"_blank\"><b>Die neue Duisburger Synagoge<\/b><\/a><\/p>\n<p>Die am Innenhafen Duisburg gelegene neue Synagoge \u2013 sie wurde nach mehr als zwei Jahren Bauzeit 1999 eingeweiht \u2013 wurde unumg\u00e4nglich, weil durch Zuwanderung aus den osteurop\u00e4ischen Staaten der Umzug aus dem kleinen behelfsm\u00e4\u00dfigen M\u00fclheimer Gemein-dezentrum an der Kampstra\u00dfe in M\u00fclheim und der Neubau eines gr\u00f6\u00dferen Gemeinde-zentrums dringlich wurden. Finanziert wurde der Neubau zu je einem Drittel von der J\u00fc-dischen Gemeinde, den drei St\u00e4dten Duisburg, M\u00fclheim und Oberhausen sowie dem Land NRW.<\/p>\n<p>Der Bauk\u00f6rper besteht aus zwei Teilen, der eigentlichen Synagoge mit ihrer Stirnwand nach Osten und dem Veranstaltungssaal. Beide sind durch ein verglastes Atrium mitein-ander verbunden. F\u00fcnf unverputzte Strebepfeiler aus Beton, die an ein aufgef\u00e4chertes Buch erinnern, ragen weit in die umliegende Gr\u00fcnfl\u00e4che mit dem Garten der Erinnerung des israelischen K\u00fcnstlers Dani Karajan hinein.<\/p>\n<p>Die neue Synagoge hat die Form eines aufgef\u00e4cherten Buches, wobei sie stilistisch die Form eines Davidsterns mit der Form einer Buchseite verbindet. Der Bau nimmt die For-men des umliegenden Parks in sich auf, denn wie ein Buch f\u00e4chert sich das Geb\u00e4ude in den Park hinein. Die f\u00fcnf Stahlbetonb\u00f6gen nehmen hierbei Bezug zur j\u00fcdischen Kultur und Geschichte beziehungsweise zur Tora,\u00a0 dem ersten Teil\u00a0 der hebr\u00e4ischen Bibel, die aus den f\u00fcnf B\u00fcchern Moses besteht. Die f\u00fcnf Stahlbetonb\u00f6gen k\u00f6nnen aber auch\u00a0 als die f\u00fcnf Finger einer offenen Hand interpretiert werden, die die Offenheit des Judentums symbolisieren.<\/p>\n<p>Im Synagogenbau gibt es, abgesehen von der eigentlichen, mit der Stirnwand nach Osten zeigenden Synagoge (das griechische Wort f\u00fcr Versammlung): einen\u00a0 Gemeindesaal f\u00fcr etwa 200 Personen,\u00a0 eine Bibliothek, B\u00fcros, Unterrichtsr\u00e4ume, drei Wohnungen und die R\u00e4ume des Kinder- und Jugendzentrums. Leider haben wir nur die eigentliche Synagoge besichtigen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p><b>\u00a0<a title=\"Home - J\u00fcdische Gemeinde Duisburg - M\u00fclheim\/Ruhr - Oberhausen\" href=\"http:\/\/www.jgduisburg.de\" target=\"_blank\">D<\/a><\/b><a title=\"Home - J\u00fcdische Gemeinde Duisburg - M\u00fclheim\/Ruhr - Oberhausen\" href=\"http:\/\/www.jgduisburg.de\" target=\"_blank\"><b>ie heutige\u00a0 J\u00fcdische Gemeinde Duisburg-M\u00fclheim-Oberhausen<\/b><\/a><\/p>\n<p>Zwar ist durch die Einwanderungswelle die j\u00fcdische Gemeinschaft in der Bundesrepublik in den letzten Jahren auf das Zweieinhalbfache gewachsen, aber in absoluten Zahlen sind es nach dem gegenw\u00e4rtigen Stand nur etwa 200.000 Juden insgesamt, und das sind le-diglich\u00a0 0,25 Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung. Die Juden in Deutschland geben daher\u00a0 weiterhin nur\u00a0 eine ganz kleine Minderheit ab.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1704\" aria-describedby=\"caption-attachment-1704\" style=\"width: 140px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/2015\/04\/besichtigung-der-duisburger-synagoge\/100_1296\/\" target=\"_blank\" rel=\"attachment wp-att-1704\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1704\" data-permalink=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/2015\/04\/besichtigung-der-duisburger-synagoge\/100_1296\/#main\" data-orig-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/04\/100_1296.jpg\" data-orig-size=\"2048,1366\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Foto privat: Ernst van Megern\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/04\/100_1296-300x200.jpg\" data-large-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/04\/100_1296-1024x683.jpg\" class=\"wp-image-1704 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/04\/100_1296-150x150.jpg\" alt=\"Foto privat: Ernst van Megern\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1704\" class=\"wp-caption-text\">Foto privat: Ernst van Megern<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Einheitsgemeinde Duisburg-M\u00fclheim-Oberhausen\u00a0setzt sich nach dem gegenw\u00e4rtigen Stand\u00a0 aus\u00a0 rd. 2.800 Mit-gliedern\u00a0 zusammen (das sind nur 0,32 Prozent der Einwoh-ner der drei St\u00e4dte gesamt), von denen die aller-meisten aus den ehemaligen Staaten der Sowjetunion stammen. Die Ge-meinde w\u00e4hlte daher \u00a0 einen komplett neuen Vorstand, der sich zur Zeit durchg\u00e4ngig aus zugewan-derten Mitgliedern aus Osteuropa zusammensetzt. Der Wechsel im Vorstand\u00a0 entspricht damit der Struktur der Gemeinde.<\/p>\n<p>Zahlreiche Angebote der Gemeinde werden inzwischen zweisprachig, in Deutsch und Russisch, angeboten, und eine engere Verbindung zwischen religi\u00f6sem Leben, russischer Tradition, Kultur und Dienstleistungen ist entstanden. Dass die von ehemals \u00fcberwiegend\u00a0 konservativen Gemeindemitgliedern konsequent betriebene und absolute Gleichberech-tigung von M\u00e4nnern und Frauen vom neuen, eher orthodox eingestellten\u00a0 Vorstand anders eingesch\u00e4tzt wird (zum Beispiel in der Frage der Sitzordnung, die f\u00fcr die Geschlechter in der Synagoge getrennt sein soll), \u00a0liegt in der Natur der Sache.<\/p>\n<p>Der nicht Russisch sprechende, eher konservativ-liberale Rabbiner, hat inzwischen Duisburg verlassen und kehrte\u00a0 in die USA zur\u00fcck; der vom Vorstand neu berufene Rabbiner, der seinen Wohnsitz in Antwerpen hat, ist eher\u00a0 orthodox\u00a0 eingestellt. Die vorherige F\u00fchrungsriege um den Vorsitzenden Henry Hornstein und den M\u00fclheimer Apotheker Patrick Marx, dessen Vater Jacques Marx 40 Jahre der J\u00fcdischen Gemeinde vorstand,\u00a0 hat sich aus der Gemeinde zur\u00fcckgezogen.<\/p>\n<p><a title=\"Riten und Gebr\u00e4uche (Zentralrat der Juden in Deutschland K.d.\u00f6.R.)\" href=\"http:\/\/www.zentralratdjuden.de\/de\/topic\/74.riten-und-gebr\u00e4uche.html\" target=\"_blank\"><b>J\u00fcdische Gesetze und Riten\u00a0<\/b><\/a><\/p>\n<p>In der J\u00fcdischen Einheitsgemeinde werden traditionell nur erwachsene M\u00e4nner, die den Schabbat halten und beachten, zur Beetgemeinde gez\u00e4hlt. Die Aufgabe als &#8222;<i>Abgesandter&#8220;<\/i> kann hierbei jedes Mitglied einer Gemeinde \u00fcbernehmen, wenn es \u00fcber die ben\u00f6tigten Kenntnisse verf\u00fcgt. Zu diesen Kenntnissen geh\u00f6rt auch das Beherrschen der hebr\u00e4ischen Sprache. F\u00fcr gewisse Gebete beziehungsweise zur Abhaltung eines &#8222;Gottesdienstes&#8220; ist jedoch die ganz bestimmte\u00a0 Anzahl von zehn erwachsenen m\u00e4nnlichen Personen unbedingt erforderlich.<\/p>\n<p>Den\u00a0 Mittelpunkt eines Gottesdienstes am Schabbat bildet die Thora-Lesung. Die Lesun-gen finden an einem Stehtisch statt. Der gesamte Text der Thora, die in einem Thora-schrein aufbewahrt wird,\u00a0 ist\u00a0 in Abschnitte aufgeteilt. An jedem Sabbat wird ein Abschnitt \u2013 das sind jeweils sieben Kapitel \u2013 von Gemeindemitgliedern vorgelesen.\u00a0 Im Verlauf eines Kalenderjahres mit 52 Wochen wird so der gesamte Lesezyklus durchgenommen und abgeschlossen, bevor die Lesung wieder von Neuem beginnt.\u00a0Ein Gottesdienst dauert \u00fcblicherweise zwei bis zweieinhalb Stunden. Der Tallit, ein Gebetsmantel oder auch Gebetsschal wird von den M\u00e4nnern\u00a0 zu den Morgenandachten der Woche, sowie am Sabbat und an den Festtagen getragen.<\/p>\n<p>Der Rabbiner ist der Lehrer der Gemeinde. Er\u00a0 hat w\u00e4hrend der Gebete keine spezifische Aufgabe. Doch ist es \u00fcblich, dass er predigt, und zwar neuerdings in der Einheitsgemeinde grunds\u00e4tzlich in russischer Sprache, was nicht allen j\u00fcdischen Gemeindemitgliedern entgegenkommt.<\/p>\n<p>Ausgehend von der Tora werden die Jahre im Judentum basierend auf der Sch\u00f6pfung der Welt gez\u00e4hlt. Der j\u00fcdische Kalender orientiert sich bei der Monatsz\u00e4hlung hierbei am Mond (Mondkalender). Da zw\u00f6lf Monde k\u00fcrzer sind als ein Sonnenjahr, wird dieses durch zus\u00e4tz-liche Schaltmonate ausgeglichen. Aus diesem Grund fallen die j\u00fcdischen Feiertage auch immer wieder auf andere Kalendertage als im weltlichen Kalender <i>(&#8222;&#8230;.die Juden k\u00f6nnen zweimal Neujahr feiern.&#8220;)<\/i><\/p>\n<p>Am aktiven Gemeindeleben nehmen derzeit etwa 10 Prozent aller Gemeindemitglieder\u00a0 teil.<\/p>\n<p>Die j\u00fcdische Religion basiert auf religi\u00f6sen \u00dcberlieferungen. Diese \u00dcberlieferungen teilen sich auf in eine schriftliche (Tora) und die m\u00fcndliche Lehre (Talmud). In der Tora sind zahl-reiche Gebote enthalten, die von jedem Juden zu jeder Zeit beachtet werden m\u00fcssen. Im Talmud wird die Zahl der Gebote mit 613 genannt (die Zehn Gebote sind ein Teil davon), die sich auf 248 Gebote und 365 Verbote verteilen. Die\u00a0 Gemeindemitglieder sind ange-halten, nach den 613 Gesetzen zu leben, was nicht einfach ist.<\/p>\n<p>Zum Beispiel erfordern die J\u00fcdischen Speisegesetze beziehungsweise die religionsge-setzlichen Vorschriften hierzu,\u00a0 f\u00fcr den Kauf, f\u00fcr die Zubereitung und f\u00fcr den Genuss von Speisen und Getr\u00e4nken gro\u00dfe Aufmerksamkeit. Nach diesen Vorschriften werden Lebens-mittel n\u00e4mlich in solche eingeteilt, die f\u00fcr den Verzehr erlaubt sind (jiddisch: &#8222;koscher&#8220;) und Lebensmittel, die f\u00fcr den Verzehr nicht erlaubt (jiddisch: \u201enicht-koscher\u201c ) sind.<\/p>\n<p>K o s c h e r\u00a0 bedeutet zum Beispiel<\/p>\n<ul>\n<li>Lebensmittel in \u201efleischige\u201c, &#8222;milchige\u201c und &#8222;neutrale\u201c Lebensmittel aufteilen zu m\u00fcssen,<\/li>\n<li>kein Schweinefleisch essen zu d\u00fcrfen,<\/li>\n<li>unterschiedliche Pfannen und T\u00f6pfe f\u00fcr die Zubereitung von Fleisch und milchigen Produkten zu haben,<\/li>\n<li>unterschiedliche Teller f\u00fcr fleischige\u00a0 und milchige Lebensmittel zu verwenden,<\/li>\n<li>das unterschiedliche Geschirr und die unterschiedlichen Bestecke nicht in derselben\u00a0 Maschine zu sp\u00fclen ( &#8222;&#8230;<i>wenn schon Sp\u00fclmaschine, dann zwei Sp\u00fclmaschinen!&#8220;)<\/i><\/li>\n<\/ul>\n<p>S a b b a t , auch S c h a b b a t\u00a0 genannt, bedeutet<\/p>\n<ul>\n<li>der siebte Wochentag, ist ein Ruhetag, an dem keine Arbeit verrichtet werden soll.<\/li>\n<li>Seine Einhaltung ist eines der Zehn Gebote.<\/li>\n<li>Er beginnt wie alle Tage im j\u00fcdischen Kalender am Abend und dauert von Sonnenuntergang am Freitag bis zum Eintritt der Dunkelheit am folgenden Samstag.<\/li>\n<li>Nicht arbeiten zu d\u00fcrfen bedeutet im Einzelfall aber auch, sich jeweils fragen zu m\u00fcssen:\n<ul>\n<li>Liegt Arbeit\u00a0 vor, wenn ich dieses oder jenes tun m\u00f6chte?<\/li>\n<li>Arbeit liegt zum Beispiel dann schon vor, wenn man den Drehknopf am Elektroger\u00e4t\u00a0 bedient, was die Hausfrau zwingt, sich der Schaltzeituhr zu bedienen, wenn sie\u00a0 ihrer Familie auch am Schabbat ein warmes Mittagessen servieren will.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Vorschriften\u00a0 einhalten zu wollen, ist schon\u00a0 recht kompliziert.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong><em><a title=\"Zeitzeugen stellen sich vor\" href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/zeitzeugenarbeit\/zeitzeugen-stellen-sich-vor-2\/\" target=\"_blank\">Ernst van Megern, 15. M\u00e4rz 2015<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Termin zur Besichtigung der\u00a0 Synagoge am Springwall 16 in Duisburg am 11. M\u00e4rz 2015 um 10.00 Uhr\u00a0 kam \u00fcber den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der j\u00fcdischen Gemeinde,\u00a0 Michael Rubinstein, zustande. Die ehrenamtliche Synagogen-F\u00fchrung \u00fcbernahm\u00a0 Gemeindemitglied \/ Historiker\u00a0 Dr. Heid. Er\u00a0 informierte uns \u00fcber den Garten der Erinnerung, in dem die Synagoge steht, Redensarten jiddisch-hebr\u00e4-ischen Ursprungs, die alte &#8230; <a title=\"Besichtigung der Duisburger Synagoge\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/2015\/04\/besichtigung-der-duisburger-synagoge\/\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Besichtigung der Duisburger Synagoge\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":27,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1,69],"tags":[],"class_list":["post-1700","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-jede-generation-baut-die-strassen-auf-denen-die-naechste-faehrt-japanische-weisheit","category-zeitzeugen-unterwegs"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1700","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/27"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1700"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1700\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1700"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1700"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1700"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}