{"id":2021,"date":"2015-05-24T10:03:09","date_gmt":"2015-05-24T10:03:09","guid":{"rendered":"http:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/?p=2021"},"modified":"2015-05-27T11:02:03","modified_gmt":"2015-05-27T11:02:03","slug":"kindheit-im-dritten-reich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/2015\/05\/kindheit-im-dritten-reich\/","title":{"rendered":"Kindheit im &#8222;Dritten Reich&#8220;"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2046\" aria-describedby=\"caption-attachment-2046\" style=\"width: 140px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/05\/1878553669_9c43b25b94.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"2046\" data-permalink=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/2015\/05\/kindheit-im-dritten-reich\/hitlerjugend-victim-coming-out\/#main\" data-orig-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/05\/1878553669_9c43b25b94.jpg\" data-orig-size=\"500,375\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"HitlerJugend Victim Coming Out&#8230;\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Foto: &lt;a href=&#039;https:\/\/www.flickr.com\/photos\/hansthijs\/1878553669\/&#039; target=&#039;_blank&#039;&gt;Piano Piano!&lt;\/a&gt;&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/05\/1878553669_9c43b25b94-300x225.jpg\" data-large-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/05\/1878553669_9c43b25b94.jpg\" class=\"size-thumbnail wp-image-2046\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/05\/1878553669_9c43b25b94-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2046\" class=\"wp-caption-text\">Foto: <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/hansthijs\/1878553669\/\" target=\"_blank\">Piano Piano!<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Ja, wie war es denn in meiner Jugendzeit im sog. Dritten Reich \u2013 als Kind? Sicher nicht viel anders als heute, abgesehen von der Tatsache, dass wir fr\u00fcher viel \u00e4rmer waren und unsere Spiele mit viel L\u00e4rm verbunden waren. Mangels Spielzeug bastelten wir uns unsere Spiele phantasievoll selbst zusammen.<\/p>\n<p>Obwohl seit 1933 die Nazis an der Macht waren, merkte ich logischerweise\u00a0als kleines Kind nichts davon. Bis ich dann in die Schule kam\u00a0 \u2013 mit einem Schultornister,\u00a0in dem sich eine Schiefertafel, Griffel, Griffelm\u00e4ppchen, Schwamm und ein kleines Tuch\u00a0zum Trocknen der Tafel befand. Als erstes wurde uns \u00fcber unsere Begr\u00fc\u00dfung beigebracht: Statt&#8220; Guten Morgen, Herr Lehrer\u201c sagten wir &#8222;Heil Hitler, Herr Lehrer&#8220;. Wir waren als Kinder ja stolz auf unseren \u201eF\u00fchrer&#8220; \u2013 wie der gr\u00f6\u00dfte Teil der deutschen Volksgenossen damals. In der Schule lernten wir schreiben mit der S\u00fctterlinschrift, angefangen mit dem i, dann n, m, und so weiter. Erst nach einem halben Jahr schrieben wir die ersten Worte und ab dem zweiten Schuljahr ganze S\u00e4tze. Im dritten Schuljahr konnten wir die gelernte S\u00fctterlinschrift vergessen. Ab da wurde nur in lateinischen Buchstaben geschrieben.<\/p>\n<p>Ab einem Alter von acht Jahren begann ich mich f\u00fcr das Jungvolk und die Hitlerjugend zu interessieren. Wir J\u00fcngeren h\u00e4ngten uns an marschierende Kolonnen des Jungvolks an und versuchten Gleichschritt zu halten. Ab dem zehnten Lebensjahr wurde man in das Jungvolk aufgenommen. Es war keine Pflicht, aber wer nicht mitmachen wollte oder durfte, wurde links liegen gelassen, er geh\u00f6rte nicht dazu.<\/p>\n<p>Ich bekam mit zehn Jahren eine Uniform und war sehr stolz, diese zu tragen. Die zehn bis vierzehnj\u00e4hrigen Jungen bildeten das Jungvolk (DJ). Die vierzehn bis achtzehnj\u00e4hrigen Jungen waren die Hitlerjugend (HJ). Die M\u00e4dchen von zehn bis vierzehn Jahren waren im Jungm\u00e4delbund; die vierzehn bis achtzehnj\u00e4hrigen M\u00e4del bildeten den Bund der deutschen M\u00e4del (BDM).<\/p>\n<p>Es wurden Heimabende in eigenen HJ-Heimen abgehalten mit Geschichten \u00fcber unsere ach so tapferen Ahnen, den Germanen, wir lernten markige Lieder und nicht zu vergessen den Lebenslauf Adolf Hitlers, den wir auf Befehl runterspulten wie das Vaterunser.<\/p>\n<p>In jedem Klassenzimmer hing \u00fcber dem Lehrerpult ein Bild Adolf Hitlers. Auch in den Wohnungen hingen Bilder des \u201eF\u00fchrers\u201c, ob man ihn mochte oder nicht. Mochte man ihn nicht, so hing man trotzdem ein Bild von ihm an die Wand, denn es gab viele Parteigenossen, die jene, welche nicht an Adolf Hitler glaubten, denunzierten.<\/p>\n<p>Feiertage, wie der erste Mai, der Tag der Arbeit waren bei uns sehr beliebt, durften wir doch als Jungvolk mitmarschieren zum Festplatz, der mit jeder Menge Birkengr\u00fcn und unz\u00e4hligen Fahnen geschm\u00fcckt war. Fahnen hingen nicht nur auf dem Festplatz, sondern auch aus fast allen Fenstern in der Stadt. Ein Parteigenosse h\u00f6heren Ranges hielt eine markige Rede und alle schrieen: &#8220; Heil dem F\u00fchrer Adolf Hitler!&#8220; Vor dem 1. Mai aber wurde am zwanzigsten April der Geburtstag Adolf Hitlers mit noch gr\u00f6\u00dferem Trara gefeiert. Egal, wie man das heute sieht, wir glaubten an den F\u00fchrer. Wir wurden so erzogen, um nicht zu sagen, gleichgeschaltet. Aus heutiger Sicht frage ich mich, wie war es m\u00f6glich ein ganzes Volk so zu fanatisieren?<\/p>\n<p>Nachdem der Krieg 1939 ausgebrochen war, siegte unsere Wehrmacht an allen Fronten, was auch uns Kinder jubeln lie\u00df. In fast jeder Wohnung gab es einen Rundfunkempf\u00e4nger aus schwarzem Bakelit, der sogenannte Volksempf\u00e4nger. Fast t\u00e4glich ert\u00f6nte aus dem Radio die Siegesfanfare, um wieder einen glorreichen Sieg zu vermelden. Stand eine Rede des \u201eF\u00fchrers\u201c im Radio an, so waren die Stra\u00dfen so leergefegt wie heute bei einem Endspiel der Fu\u00dfballweltmeisterschaft.<\/p>\n<p>Unsere Ausbildung beim Jungvolk diente in erster Linie dazu, wehrt\u00fcchtige M\u00e4nner aus uns zu machen. Sport hatte einen sehr hohen Stellenwert. Jedes Jahr wurden Reichsportveranstaltungen abgehalten, an dem jeder Junge teilzunehmen hatte. Diese Spiele bestanden aus drei Disziplinen. Weitsprung, 100-Meter-Lauf und Schlagball-Weitwurf. Es musste eine bestimmte Punktzahl erreicht werden, um ein Sportabzeichen in Bronze, Silber oder Gold zu erhalten. Ich nahm in jedem Jahr bis 1944 am Wettkampf teil und war stolz, eine Plakette zu erreichen.<\/p>\n<p>Im Alter von zehn Jahren fuhr ich 1942 zum ersten Mal in ein KLV-Lager (Kinderlandverschickung) in das damalige Protektorat B\u00f6hmen und M\u00e4hren, heute Tschechien und Slowakei. Aber das ist eine andere Geschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><em><a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/zeitzeugenarbeit\/zeitzeugen-stellen-sich-vor-2\/\">Horst R. im Mai 2015<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja, wie war es denn in meiner Jugendzeit im sog. Dritten Reich \u2013 als Kind? Sicher nicht viel anders als heute, abgesehen von der Tatsache, dass wir fr\u00fcher viel \u00e4rmer waren und unsere Spiele mit viel L\u00e4rm verbunden waren. Mangels Spielzeug bastelten wir uns unsere Spiele phantasievoll selbst zusammen. 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