{"id":2028,"date":"2015-05-26T10:07:34","date_gmt":"2015-05-26T10:07:34","guid":{"rendered":"http:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/?p=2028"},"modified":"2015-05-27T10:59:06","modified_gmt":"2015-05-27T10:59:06","slug":"2028","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/2015\/05\/2028\/","title":{"rendered":"Die Pe-is-Kirmes"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2042\" aria-describedby=\"caption-attachment-2042\" style=\"width: 140px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/05\/14646299055_4243593177.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"2042\" data-permalink=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/2015\/05\/2028\/strasse-der-zerbrochenen-traeume\/#main\" data-orig-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/05\/14646299055_4243593177.jpg\" data-orig-size=\"333,500\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Strasse der zerbrochenen Tr\u00e4ume\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;By: &lt;a href=&#039;https:\/\/www.flickr.com\/photos\/97169514@N06\/14646299055\/&#039; target=&#039;_blank&#039;&gt;Mike Macke&lt;\/a&gt;&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/05\/14646299055_4243593177-200x300.jpg\" data-large-file=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/05\/14646299055_4243593177.jpg\" class=\"wp-image-2042 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/files\/2015\/05\/14646299055_4243593177-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2042\" class=\"wp-caption-text\">Foto: <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/97169514@N06\/14646299055\/\" target=\"_blank\">Mike Macke<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Innenstadt von M\u00fclheim glich nach dem st\u00e4rksten Bombenangriff in der Nacht vom 22. auf den 23. Juni 1943 einem Ruinenfeld. Viele Stra\u00dfenz\u00fcge lagen in Schutt und Asche<\/p>\n<p>\u00dcber Jahre hinweg entsprach die heutige Durchgangsstra\u00dfe, die Leineweberstra\u00dfe, einem breiteren Feldweg mit zahlreichen Schlagl\u00f6chern. Und in den Jahren 1950 bis 1952 organisierten die Heimatvereine, allen voran die B\u00fcrgergesellschaft Mausefalle, hier, wie auch zwischen den Tr\u00fcmmerh\u00e4usern der Altstadt, zu Pfingsten die Pfingstkirmes, die so genannte <i><a href=\"http:\/\/www.lokalkompass.de\/muelheim\/natur\/watt-op-platt-4-pe-iskirmes-pfingstkirmes-chird-hardering-d442837.html\" target=\"_blank\">&#8222;Pe-is-Kirmes&#8220;\u00a0<\/a><\/i>\u00a0(M\u00f6lmsch-Platt),\u00a0 die mit dazu beitragen sollte, Mittel f\u00fcr den Aufbau des durch Bomben zerst\u00f6rten Umfeldes zu gewinnen. Rund um den Kirchenh\u00fcgel\u00a0 wurde jedes Tr\u00fcmmergrundst\u00fcck ausgenutzt, um Buden und Karussells aufzubauen. <!--more-->Viele Menschen schlugen ihren Spendennagel in ein Nagelschild ein, das den altehrw\u00fcrdigen Petriturm der evangelischen Kirchengemeinde\u00a0 zeigte. Die Gesch\u00e4fte der Altstadt zeigten in ihren Schaufenstern Dokumente und Bilder aus dem alten M\u00fclheim, und im Rahmen der gleichzeitig stattfindenden M\u00fclheimer Heimatwoche fanden zahlreiche Veranstaltungen statt, die sich um das alte M\u00fclheim und um M\u00fclheimer Pers\u00f6nlichkeiten rankten.<\/p>\n<p>An diese <a href=\"http:\/\/www.lokalkompass.de\/muelheim\/kultur\/bummel-auf-dem-rummel-d84904.html\" target=\"_blank\">&#8222;Pe-is-Kirmes&#8220;<\/a>, deren Ursprung vor 1898 lag, erinnere ich mich gerne. Nach dem leichtathletischen Training st\u00fcrzten sich meine Sportsfreunde und ich in das muntere Treiben. Ein\u00a0 &#8222;<i>Hau den Lukas&#8220;<\/i> war\u00a0 eine Jahrmarktattraktion, bei dem man mit einem Hammer auf einen gefederten Kopf\u00a0 schlagen musste und in Abh\u00e4ngigkeit von der hierbei aufgebrachten Schlagkraft, wurde ein in einem Rohr befindlicher Metallk\u00f6rper beschleunigt, der in einer Schiene nach oben stieg. Je mehr Kraft man beim Schlag aufwendete, umso h\u00f6her stieg der K\u00f6rper. Und wenn der K\u00f6rper bei einem Schlag\u00a0 genug Geschwindigkeit hatte, um das obere Ende der\u00a0 Schiene zu erreichen, l\u00f6ste er auf mechanischem Weg ein Klingelsignal aus.<\/p>\n<p>Vor zahlreichen Buden und Schaugesch\u00e4ften wurden laut alle m\u00f6glichen Sensationen an-gepriesen. Eine der Schaugesch\u00e4fte lockte potentielle Besucher durch einen Ausrufer gekonnt an:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eMeine Damen und Herren, kommen Sie herein in die bunte B\u00fchne! In unserer heutigen Abendvorstellung sehen Sie Sascha als G\u00f6ttin der Jagd. Sascha ist die Gewinnerin zahlreicher Sch\u00f6nheitskonkurrenzen. Ich weise Sie jedoch ausdr\u00fccklich darauf hin, dass das Fotografieren von Sascha strengstens verboten ist!<\/p>\n<p>Zu unserer heutigen Abendvorstellung haben nur Personen \u00fcber 18 Jahre Zutritt!<\/p>\n<p>Und jetzt: Kommen Sie! Kommen Sie, meine Damen und Herren! Au\u00dfer Sascha sehen Sie auch andere Sensationen, die Sie nicht f\u00fcr m\u00f6glich halten. Unsere Eintrittspreise f\u00fcr die heutige Abendvorstellung haben wir auf sagenhafte 50 Pfennige reduziert.<\/p>\n<p>Hereinspaziert, hereinspaziert! Kommen Sie und staunen Sie!\u201c \u00a0 \u00a0 \u00a0<i> \u00a0<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Es verstand sich von selbst, dass meine Freunde und ich mit von der Partie waren und uns mit vielen anderen Schaulustigen in das Zelt dr\u00e4ngten. Dicht gedr\u00e4ngt standen wir nun da und harrten der Dinge, die man uns versprochen hatte.<\/p>\n<p>Als das grelle Licht ausging, und die etwas h\u00f6her gelegene kleine B\u00fchne in schummeriges und\u00a0 buntes Licht getaucht wurde, kam Sascha mit fliegenden Haaren hinter dem Vorhang hervor; ein\u00a0 weibliches Wesen, das uns keine schlaflosen N\u00e4chte h\u00e4tte bescheren k\u00f6nnen. Sie trug eine wei\u00dfe, mit bunten Pailletten besetzte Bluse, hatte ein kurzes und enges R\u00f6ckchen an und stand auf\u00a0 Beinen, die jedenfalls bei mir keinen Hormonschub h\u00e4tten ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. In den H\u00e4nden hielt sie eine mit einem etwa 80 Zentimeter langen Pfeil gespannte Armbrust; eine bogen\u00e4hnliche Fernwaffe, deren\u00a0 R\u00fcckhaltevorrichtung f\u00fcr die Sehne es ihr erm\u00f6glichte, die Waffe ohne Anstrengung gespannt zu halten und dadurch lange und genau zielen zu k\u00f6nnen. Sie\u00a0 kniete sich nieder und starrte in Schussstellung und ohne einen Laut von sich zu geben in eine Ecke des Zeltes. Atemlose Stille! Sie stand auf und richtete ihre Augen und ihre Armbrust gen Himmel.\u00a0 Alle Besucher blickten suchend nach\u00a0 oben, sahen aber nur das nackte Zeltdach. Absolutes Schweigen! Sie richtete die Armbrust gegen uns und versuchte ein Drohpotential aufzubauen. St\u00fcrmisches Gel\u00e4chter! Sascha schien verunsichert\u00a0 zu sein, verzog aber keine Miene. Sie wendete sich und zielte erneut und dieses Mal in die\u00a0 andere Ecke\u00a0 des\u00a0 Zeltes. Zum Abschluss\u00a0 kniete sie mit ihrer Armbrust vor der Brust\u00a0 auf beiden Knien vor uns und neigte ihren Kopf. Tosender Beifall!. Ihr Auftritt dauerte\u00a0 kaum l\u00e4nger\u00a0 als zwei Minuten. Dann ging das Licht wieder an. Und die\u00a0 n\u00e4chste Sensation wurde lauthals von dem angek\u00fcndigt, den wir bereits drau\u00dfen kennen gelernt hatten.<\/p>\n<p>Dieses Mal ging es um Hypnose. Freiwillige wurden von ihm gesucht und gefunden. Etliche junge Burschen kletterten auf die B\u00fchne und nahmen auf St\u00fchlen Platz, die im Halbkreis aufgestellt worden waren. Sie wurden von einem\u00a0 Hypnotiseur in die W\u00fcste versetzt. <i>\u201eEs wird warm und immer w\u00e4rmer. Die Hitze wird fast unertr\u00e4glich\u201c,<\/i> murmelte der Hypnotiseur. Und atemlose Stille lag im Raum, als die so in die W\u00fcste versetzten \u201eVersuchskarnickel\u201c sich auf seinen Befehl hin pl\u00f6tzlich zu entkleiden begannen, ihre Klamotten auf den Boden warfen und auf Gehei\u00df des Meisters wie wild gewordene Affen in der Unterhose herum- und auf die St\u00fchle sprangen, dabei abartig gr\u00f6lend. Da weckte sie der Hypnotiseur auf. Und sie sahen das jaulende Publikum, grapschten ihre Sachen, sprangen hinter die B\u00fchne und machten sich auf und davon.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><em><a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/habitare-secum\/zeitzeugenarbeit\/zeitzeugen-stellen-sich-vor-2\/\">Ernst van Megern im Mai 2015<\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Innenstadt von M\u00fclheim glich nach dem st\u00e4rksten Bombenangriff in der Nacht vom 22. auf den 23. Juni 1943 einem Ruinenfeld. Viele Stra\u00dfenz\u00fcge lagen in Schutt und Asche \u00dcber Jahre hinweg entsprach die heutige Durchgangsstra\u00dfe, die Leineweberstra\u00dfe, einem breiteren Feldweg mit zahlreichen Schlagl\u00f6chern. 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