{"id":6271,"date":"2018-08-13T14:01:04","date_gmt":"2018-08-13T12:01:04","guid":{"rendered":"https:\/\/unser-quartier.de\/hagelkreuz\/?p=6271"},"modified":"2020-07-14T13:18:09","modified_gmt":"2020-07-14T13:18:09","slug":"strassen-im-hagelkreuz-die-dunantstrasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/hagelkreuz\/2018\/08\/strassen-im-hagelkreuz-die-dunantstrasse\/","title":{"rendered":"Stra\u00dfen im Hagelkreuz: Die \u201eDunantstra\u00dfe\u201c"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_6272\" aria-describedby=\"caption-attachment-6272\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/hagelkreuz\/files\/2018\/08\/Henry-Dunant-2.jpg\" data-wpel-link=\"internal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6272 size-full\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/hagelkreuz\/files\/2018\/08\/Henry-Dunant-2.jpg\" alt=\"Portr\u00e4tfoto Henry Dunant\" width=\"220\" height=\"286\" srcset=\"https:\/\/unser-quartier.de\/hagelkreuz\/files\/2018\/08\/Henry-Dunant-2.jpg 220w, https:\/\/unser-quartier.de\/hagelkreuz\/files\/2018\/08\/Henry-Dunant-2-150x195.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6272\" class=\"wp-caption-text\">Vision\u00e4r Henry Dunant<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eine der Stra\u00dfen im Hagelkreuz hei\u00dft \u201eDunantstra\u00dfe\u201c. Der Namensgeber der Stra\u00dfe war Henry Dunant. In Kempen sagen die meisten \u201eDunant\u201c und sprechen es so aus, wie man es schreibt. Aber eigentlich hei\u00dft es \u201eD\u00fcno\u201c. Und das \u201eo\u201c wird durch die Nase gesprochen.<\/p>\n<p>Aber: Wer war denn dieser Henry Dunant?<!--more--><\/p>\n<h3>Eltern, Ausbildung, Beruf und Berufung<\/h3>\n<p>Henry Dunant wurde am 8. Mai 1828 in Genf als Jean-Henri als Sohn einer frommen calvinistischen Familie geboren. Die wohlt\u00e4tigen Aktivit\u00e4ten der Eltern schlugen sich in der Erziehung ihrer Kinder nieder: Soziale Verantwortung wurde Henry Dunant, seinen beiden Schwestern und beiden Br\u00fcdern schon in jungen Jahren nahegelegt. Pr\u00e4gend war f\u00fcr Henry Dunant eine Reise mit seinem Vater nach Toulon, dort musste er die Qualen von Galeerenh\u00e4ftlingen mitansehen. \u00dcber seine Kindheit ist ansonsten in seinen eigenen Lebenserinnerungen wenig \u00fcberliefert. Aufgrund schlechter Noten verlie\u00df Henry Dunant das Coll\u00e8ge Calvin vorzeitig und begann 1849 eine dreij\u00e4hrige Lehre bei den Geldwechslern\u00a0Lullin und Sautter. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung blieb Dunant als Angestellter in der Bank t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Am Abend des 24. Juni 1859 kam Dunant nach dem Ende einer Schlacht zwischen den Truppen Sardinien-Piemonts und Frankreichs unter der F\u00fchrung Napoleons III. auf der einen Seite und der Armee \u00d6sterreichs auf der anderen Seite am Schlachtfeld in der N\u00e4he Solferinos vorbei. Noch immer lagen etwa 38.000 Verwundete, Sterbende und Tote auf dem Schlachtfeld, ohne dass ihnen jemand Hilfe leistete. Zutiefst ersch\u00fcttert davon, was er sah, organisierte er spontan mit Freiwilligen aus der \u00f6rtlichen\u00a0Zivilbev\u00f6lkerung, haupts\u00e4chlich Frauen und M\u00e4dchen, die notd\u00fcrftige Versorgung der verwundeten und kranken Soldaten. In der Kleinstadt\u00a0Castiglione delle Stiviere\u00a0in unmittelbarer N\u00e4he zu Solferino richtete er mit anderen Helfern in der Chiesa Maggiore, der gr\u00f6\u00dften Kirche des Ortes, ein Behelfshospital ein. Hier wurden etwa 500 der insgesamt etwa 8.000 bis 10.000 Verwundeten versorgt, die nach Castiglione gebracht worden waren.<\/p>\n<p>Er schrieb ein Buch \u201eEine Erinnerung an Solferino\u201c \u00fcber seine Erlebnisse, das er 1862 auf eigene Kosten herausgab und in Europa verteilte.<\/p>\n<h3>Gr\u00fcndung des Internationalen Komitee vom Roten Kreuz<\/h3>\n<p>Der Pr\u00e4sident der\u00a0Genfer Gemeinn\u00fctzigen Gesellschaft, der Jurist\u00a0Gustave Moynier, machte das Buch und Dunants Ideen zum Thema der Mitgliederversammlung der Gesellschaft am 9. Februar 1863. Dunants Vorschl\u00e4ge wurden gepr\u00fcft und von den Mitgliedern als sinnvoll und durchf\u00fchrbar bewertet. Dunant selbst wurde zum Mitglied einer Kommission ernannt, der au\u00dfer ihm noch Gustave Moynier, der General\u00a0Guillaume-Henri Dufour\u00a0sowie die \u00c4rzte\u00a0Louis Appia\u00a0und\u00a0Th\u00e9odore Maunoir\u00a0angeh\u00f6rten. W\u00e4hrend der ersten Tagung am 17. Februar 1863 beschlossen die f\u00fcnf Mitglieder, die Kommission in eine st\u00e4ndige Einrichtung umzuwandeln. Dieser Tag gilt damit als Gr\u00fcndungsdatum des\u00a0Internationalen Komitees der Hilfsgesellschaften f\u00fcr die Verwundetenpflege, das seit 1876 den Namen\u00a0Internationales Komitee vom Roten Kreuz\u00a0(IKRK) tr\u00e4gt. Dufour wurde zum ersten Pr\u00e4sidenten ernannt, Moynier wurde Vizepr\u00e4sident und Dunant Sekret\u00e4r des Komitees.<\/p>\n<h3>Absturz und \u201eWiederentdeckung\u201c<\/h3>\n<p>Henry Dunant hatte 1865 bis 1867 gro\u00dfe gesch\u00e4ftliche Probleme und wurde aus der Genfer Gesellschaft ausgeschlossen. Er lebte \u00fcber drei\u00dfig Jahre in unter anderem in Paris,\u00a0 Stuttgart, Rom, Korfu, Basel und Karlsruhe und Heiden. Nur wenige Details zu seinem Leben sind aus dieser Zeit bekannt. Vor dem v\u00f6lligen Absturz bewahrten ihn die finanzielle Unterst\u00fctzung von Freunden sowie gelegentliche T\u00e4tigkeiten, mit denen ihm Bekannte und G\u00f6nner einen kleinen Verdienst erm\u00f6glichten.<\/p>\n<p>Ab 1895 wurde er durch diverse Zeitungsartikel wiederentdeckt. Unter anderem wurde er von Papst Leo XIII geehrte und erhielt der Zarenwitwe eine j\u00e4hrliche Rente. Er schrieb wieder Artikel und war von vom Wirken\u00a0Bertha von Suttners\u00a0und\u00a0Florence Nightingales\u00a0beeindruckt und gelangte zu der \u00dcberzeugung, dass Frauen bei der Verwirklichung eines dauerhaften Friedens eine sehr viel gr\u00f6ssere Rolle spielen w\u00fcrden als M\u00e4nner. Eigennutz, Militarismus und Brutalit\u00e4t sah er in diesem Zusammenhang als typisch m\u00e4nnliche Prinzipien, w\u00e4hrend er den Frauen N\u00e4chstenliebe, Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und das Streben nach einer gewaltfreien Konfliktl\u00f6sung zusprach. Basierend auf dieser Sichtweise setzte er sich auch verst\u00e4rkt f\u00fcr die Gleichberechtigung der Frauen ein.\u00a0<\/p>\n<h3>1. Friedensnobelpreistr\u00e4ger<\/h3>\n<p>Aber er gilt als Begr\u00fcnder der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. Am 10. Dezember 1901 erhielt er f\u00fcr seine Lebensleistung zusammen mit dem Pazifisten\u00a0Fr\u00e9d\u00e9ric Passy\u00a0den ersten\u00a0Friedensnobelpreis.<\/p>\n<p>Neben einigen anderen Ehrungen, die ihm in den folgenden Jahren noch zuteilwurden, erhielt Dunant 1903 zusammen mit Gustave Moynier die Ehrendoktorw\u00fcrde der Medizinischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Heidelberg. Er lebte bis zu seinem Tod weiter im Spital in Heiden. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er zunehmend in Depressionen sowie der Angst vor Verfolgung durch seine Gl\u00e4ubiger und seinen Widersacher Moynier. Es gab Tage, an denen der Koch des Spitals die Speisen f\u00fcr Dunant vor dessen Augen vorkosten musste. Obwohl er sich selbst noch mit dem christlichen Glauben verbunden sah, hatte er sich sowohl vom Calvinismus wie von jeder anderen Form organisierter Religion losgesagt und verachtete in seinen letzten Lebensjahren jegliche religi\u00f6sen Institutionen. Er starb am 30. Oktober 1910. Heute befindet sich ein Museum zu seinem Gedenken in dem ehemaligen Spital. Drei Tage sp\u00e4ter wurde er unauff\u00e4llig und ohne Trauerfeier auf dem Friedhof Sihlfeld in der Stadt Z\u00fcrich bestattet. Nur wenige Menschen waren bei dem Begr\u00e4bnis anwesend.<\/p>\n<h3>Der Vision\u00e4r<\/h3>\n<p>Die Tatsache, dass fast alle Ideen Henry Dunants im Laufe der Zeit realisiert wurden und zum gro\u00dfen Teil noch heute relevant sind, zeigt, dass er mit vielen seiner Visionen seiner Zeit voraus war. Dies gilt neben der Begr\u00fcndung der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung und der Ausweitung der Aktivit\u00e4ten des Internationalen Komitees auf die Kriegsgefangenen unter anderem auch f\u00fcr den Weltbund des\u00a0Christlichen Vereins junger M\u00e4nner, f\u00fcr die Gr\u00fcndung des Staates\u00a0Israel, f\u00fcr die Schaffung einer Organisation zur Pflege des kulturellen Erbes der Menschheit in Form der\u00a0UNESCO\u00a0sowie f\u00fcr seinen Einsatz f\u00fcr die Befreiung der\u00a0Sklaven\u00a0in Nordamerika und f\u00fcr die rechtliche\u00a0Gleichstellung der Frauen.<\/p>\n<h3>Res\u00fcmee<\/h3>\n<p>Bei der Bewertung seiner Verdienste um die Gr\u00fcndung des Roten Kreuzes ist jedoch auch die Rolle seines Widersachers\u00a0Gustave Moynier\u00a0zu ber\u00fccksichtigen. Dunant hatte durch sein Buch, sein charismatisches Auftreten und seine Aktivit\u00e4ten im Vorfeld der Genfer Konferenz von 1863 zweifelsohne entscheidenden Anteil am Zustandekommen des Internationalen Komitees und der Genfer Konvention. In der Entstehungsgeschichte des Roten Kreuzes war er damit der Idealist, ohne dessen Ideen die historische Entwicklung nach der Schlacht von\u00a0Solferino\u00a0h\u00f6chstwahrscheinlich einen anderen Verlauf genommen h\u00e4tte. Erst seine zuf\u00e4llige Anwesenheit am Ort einer kriegerischen Auseinandersetzung wie viele andere der damaligen Zeit, die Verarbeitung seiner Erlebnisse in einem Buch und die darin durch ihn entwickelten Vorschl\u00e4ge gaben dem Ort Solferino und dem Jahr 1859 ihren heutigen Platz in der Geschichte. Auf der anderen Seite w\u00e4re dieser Erfolg kaum m\u00f6glich gewesen ohne das pragmatische Wirken Moyniers, der zudem wesentlich f\u00fcr die Weiterentwicklung des Komitees nach seiner Gr\u00fcndung und die Ausweitung der Rotkreuz-Bewegung und ihrer Aktivit\u00e4ten verantwortlich war.<\/p>\n<p>Die Leistungen Henry Dunants wurden und werden bis in die Gegenwart in vielf\u00e4ltiger Weise gew\u00fcrdigt. Herausragend aus der Vielzahl der Ehrungen, die ihm insbesondere in den letzten 15 Jahren seines Lebens verliehen wurden, ist dabei der Friedensnobelpreis. Sein Geburtstag, der 8. Mai, wird von der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung j\u00e4hrlich ihm zu Ehren als\u00a0Weltrotkreuz- und Rothalbmond-Tag\u00a0begangen. Am 29. Oktober, dem Tag vor seinem Todestag, erinnert die\u00a0Evangelische Kirche in Deutschland\u00a0mit einem Gedenktag im\u00a0Evangelischen Namenkalender\u00a0an ihn. Die alle zwei Jahre von der St\u00e4ndigen Kommission der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung verliehene\u00a0Henry-Dunant-Medaille\u00a0ist die h\u00f6chste Auszeichnung der Bewegung. pw<\/p>\n<p>(Fotos: Wikipedia)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine der Stra\u00dfen im Hagelkreuz hei\u00dft \u201eDunantstra\u00dfe\u201c. Der Namensgeber der Stra\u00dfe war Henry Dunant. In Kempen sagen die meisten \u201eDunant\u201c und sprechen es so aus, wie man es schreibt. Aber eigentlich hei\u00dft es \u201eD\u00fcno\u201c. Und das \u201eo\u201c wird durch die Nase gesprochen. 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