Architektur-Perle und Heimat seit Generationen (von Rob Herff)

Formgebung und Farbgestaltung dieses Eckhauses am Riehler Tal markieren den Eingang zur Naumannsiedlung.  (Foto: Rob Herff)
Formgebung und Farbgestaltung dieses Eckhauses am Riehler Tal markieren den Eingang zur Naumannsiedlung. (Foto: Rob Herff)

An der Kreuzung von Hildegardis- und Naumannstraße fällt der Blick auf zwei auffällig gestaltete Eckhäuser. Hier grenzt die Naumannsiedlung an den Riehler Ortskern.

Diese ‚Architektur-Perle‘ aus den späten 1920ern erstrahlt jetzt wieder im originalen Erscheinungsbild. Dessen wesentliche Zutaten sind Fassaden in hellem Putz, dazu Fensterlaibungen und Hauseingänge in Terrakotta sowie dreifache Fensterkreuze in den Fensterflächen. Im  Zusammenspiel verleihen sie den drei Straßenzügen ein mediterranes Flair.

Die richtungsweisende Architektur, das Flair und die Lebensqualität der Wohnanlage locken immer wieder Laien und Fachleute gleichermaßen. So auch zum diesjährigen ‚Tag des offenen Denkmals‘. Gut 100 (!) Besucherinnen und Besucher waren der GAG-Einladung gefolgt, um sich aus erster Hand über die Geschichte und Gegenwart informieren zu lassen.

Hofansicht eines Mietshauses in der Naumannsiedlung: Die Bauweise und ihre vielen, pfiffigen Detaillösungen gelten bis heute als richtungsweisend für den sozialen Wohnungsbau. (Foto: Rob Herff)
Hofansicht eines Mietshauses in der Naumannsiedlung: Die Bauweise und ihre vielen, pfiffigen Detaillösungen gelten bis heute als richtungsweisend für den sozialen Wohnungsbau. (Foto: Rob Herff)

Bau und Restaurierung

Die Naumannsiedlung wurde in den Jahren 1927 bis 1929 von der GAG mitten in der Weltwirtschaftskrise im Stil der ‚Neuen Sachlichkeit‘ erbaut. Sie ist einzigartig und gilt bis heute als Referenz-Projekt des sozialen Wohnungsbaus in der ganzen Region.

Die GAG, seit rd. 100 Jahren Kölns größte gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft, saniert die Naumannsiedlung originalgetreu. Um das Jahr 2020 wird diese Phase abgeschlossen sein.

Das Konzept

Das Konzept für den Bau der Naumannsiedlung ist ebenso klassisch wie aktuell: Bezahlbaren, qualitativ guten, auf die Bedürfnisse von Menschen zugeschnittenen Wohnraum für Normalverdiener zu schaffen.

Die Politik

Es gab zunächst heftigen Widerstand gegen den Bau dieser Wohnanlage, vor allem auch aus Riehl. Am Ende war es Konrad Adenauer als damaliger Kölner OB, der das Projekt durchsetzte.

‚Lichtspiel‘ am Treppenaufgang vom Naumannplatz zum Spielplatz am frühen Nachmittag. (Foto: Rob Herff)
‚Lichtspiel‘ am Treppenaufgang vom Naumannplatz zum Spielplatz am frühen Nachmittag. (Foto: Rob Herff)

Die Macher

Umgesetzt wurde das Bauprojekt durch Max Faber und einem Team von Kölner Architekten.

Faber war jüdischer Abstammung, er wurde Mitte der 30 Jahre wegen seiner Abstammung mit Berufsverbot belegt und 1944 im KZ Auschwitz von den Nazis ermordet.

Der Namensgeber

Von Express über Rundschau, Stadtanzeiger und Wikipedia hält sich das Gerücht, der liberale Politiker Friedrich Naumann sei der Namensgeber. Doch diese Siedlung wurde nach dem Vogelforscher Johann Friedrich Naumann benannt. Auch Goldfuß- und Ehrenbergstr. verdanken ihre Namen Naturforschern des 19 Jh.

Links:

Offizielle Seite der Naumannsiedlung
Wikipedia-Eintrag 
Mehr Bilder zur Naumannsiedlung von Rob Herff

Dieser Text und die Fotos sind ein Beitrag des Riehler Fotografen und Autors Rob Herff.

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