Einsteigen, bitte!

„Das hatte ich vorher gar nicht gewusst!“, war eine von mehreren freudig geäußerten Erkenntnissen. Am 1. Dezember 2017 trafen sich vor dem Waagehäuschen im Gelände der SBK 10 Personen, zum Teil mit bzw. ohne Rollatoren, zum Bus-Mobilitätstraining. Die KVB hatte hierzu eingeladen, nachdem im Herbst bereits ein Training mit der Straßenbahn durchgeführt wurde.

Markus Schönbein, der Mobilitätstrainer der KVB, begrüßte uns – diesmal in Begleitung eines jungen Praktikanten – und lud uns herzlich ein, zunächst im geheizten Bus Platz zu nehmen. Herr Schönbein, der bereits seit vielen Jahren bei der KVB nicht nur Fahrer von Bus und Bahn schult, sondern auch mit 16.000 „Senioren-Erfahrungen“ aufwarten kann, erklärte uns anschaulich die Einrichtung im Bus bzw. die Sicherheitsvorkehrungen, wie beispielsweise die 24-Stunden aufzeichnende Videoüberwachung.

Auf die Unsicherheit und Ängstlichkeit der Senioren eingehend, gab er den optimistischen Rat: „Immer auf das achten, was funktioniert und nicht auf das achten, was nicht funktioniert!“ Wenn man einen Sitzplatz bräuchte, solle man ruhig so mutig sein, und Hilfe einfordern, natürlich immer im höflichen Ton, nur dann werde man sein Ziel auch erreichen. Für unsichere Fußgänger empfahl Herr Schönbein, vorne beim Fahrer einzusteigen und ihn, die Tageszeit wünschend, höflich zu bitten, solange zu warten, bis man Platz genommen habe. „Damit haben Sie den Fahrer in die Pflicht genommen!“, so Herr Schönbein.

Mobilitätstrainer Schönbein steht vor einer Gruppe Senioren und gibt Erläuterungen
Geduldige Einführung (Foto: U. Sommer)

Außerhalb des Busses ging es weiter mit der Erklärung des toten Winkels mit Hilfe zweier Teilnehmerinnen. Nicht immer kann man an der Haltestelle vom Fahrer gesehen werden. Steht man seitlich am Wagen und sieht im rechten Seitenspiegel der vorderen Bustür den Kopf des Fahrers, dann sieht der Fahrer den Kunden ebenfalls.

Mit Hilfe zweier Damen erklärt der Mobilitätstrainer den toten Winkel.
Erklärung des toten Winkels (Foto: U. Sommer)

Sinnvoll ist es, dass man an der Haltestelle stehend die Hand hebt, sobald der Bus sich nähert, so dass der Fahrer weiß, hier ist eine Person, die Hilfe bzw. Rücksichtnahme benötigt. Wichtig ist, dass man als Kunde mit oder ohne Rollator immer die erste Tür vom Bus benutzt, da diese länger geöffnet ist und vom Fahrer besser gesehen wird. Außerdem ist diese Türschwelle absenkbar.

Nun folgte das Wichtigste des Trainings: das Ein- und Aussteigen! Anschaulich und in aller Ruhe erklärte uns Herr Schönbein Schritt für Schritt die Handhabung des Rollators an der abgesenkten Türschwelle und zwar wie folgt (siehe auch Fotoserie):

Das Einsteigen:

Mit dem Rollator bis zur Einstiegskante fahren, dann etwas zurücktreten, beide Bremsgriffe nach oben ziehen, denn dadurch blockieren die hinteren Räder.

Dann die Vorderräder anheben und in den Bus schieben, dabei die Bremsen kurz lösen. Wenn der Rolli im Bus steht, Bremsen komplett feststellen und selbst einsteigen. Dabei die Haltegriffe rechts oder links an der Tür benutzen.

Zum Schluss die Bremsen lösen und den Rolli auf einen freien Platz schieben oder zu sich an den Sitzplatz heranziehen und Bremsen feststellen.

Achtung! NIE auf dem Rollator Platz nehmen! Höchst gefährlich! Muss der Fahrer plötzlich bremsen, fliegt man geradezu durch den Bus!!!

Das Aussteigen:

Mit dem Rollator zur Bustür gehen und sich rückwärts zur Tür hinstellen, dabei den Rollator festbremsen und sich festhalten, bis der Bus steht.

Nach Öffnen der Tür – wenn nötig – rechts oder links an den Haltegriffen festhalten und im 90°- Winkel aussteigen. Dann die Bremsen des Rollis lösen, zu sich heranziehen und nach außen holen.

Nun konnten alle Teilnehmerinnen mehrmals diese Technik ausprobieren, weiterhin geduldig unterstützt von Herrn Schönbein.

Dieses Bustraining machte wirklich Mut, denn danach fühlten wir uns viel sicherer. Eine Teilnehmerin, die anfangs vor Angst noch nicht einmal die Übungen mitmachen wollte, strahlte nun und meinte schließlich: „Jetzt traue ich mich, auch mal mit dem Bus zu fahren!“

U. Sommer

Die gebürtige Kölnerin lebt seit 2008 im Städt. Seniorenzentrum Riehl und hat das Veedel direkt ins Herz geschlossen. Als ehemaliges Mitglied des Redaktionsteams engagiert sie sich weiterhin im Arbeitskreis „Seniorenfreundliches Riehl“.

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5 Gedanken zu „Einsteigen, bitte!“

  1. Liebe Ulrike,
    wieder ein erfrischend geschilderter Bericht über das KVB-Training.
    Ich konnte sehr gut nachempfinden, daß es nicht nur lehrreich zuging,
    sondern die Teilnehmer auch noch Spaß dabeí hatten.
    Wer nicht dabei sein konnte, kann aufgrund der genauen Schilderung
    die wichtigsten Schritte lernen und sich auf den Weg mit Bus oder Bahn machen.
    Liebe Grüße
    Karin

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