Interview mit Wolfgang Angerhausen: “Zehn Jahre Netzwerk 55plus!Meerbeck”

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Zehn Jahre Netzwerk 55 plus Meerbeck

Ein Interview mit seinem Leiter Wolfgang Angerhausen

Das Netzwerk 55plus Meerbeck gibt es jetzt seit zehn Jahren. Im Interview spricht Leiter
Wolfgang Angerhausen über die Entstehung und die Ziele. Matthias Alfringhaus (NRZ) hat
dabei auch nach aktuellen Problemen im Stadtteil gefragt.

Warum ist das Netzwerk für Meerbeck wichtig?

Wolfgang Angerhausen: Das Interkulturelle Nachbarschaftsnetzwerk 55plus ist seit zehn Jahren fester Bestandteil in Meerbeck. Offen für alle, die mit 55 oder mehr Jahren noch aktiv an der Gestaltung des eigenen Lebens für sich alleine oder in Gemeinschaft mit anderen mitwirken wollen. Hier treffen sich Menschen, die ihre Fähigkeiten, ihre Wünsche und Bedürfnisse nicht aufgegeben haben, sondern sie leben wollen; im organisatorischen Rahmen der ev. Kirchengemeinde, in Kooperation mit anderen nachbarschaftlichen Vereinen und Verbänden.

Wie ist es entstanden?

2008, angeregt durch die Initiative der Stadt Moers und des diakonischen Werks durch  die Teilnahme am Programm „Aktiv im Alter NRW“, hat die evangelische Kirchengemeinde Meerbeck einen Arbeitsschwerpunkt „Entwicklung von sozialen Netzwerken für die Generation der Bürgerinnen und Bürger im Stadtteil in der nachberuflichen Lebensphase“ entwickelt.

Im Netzwerk gibt es Kümmerer. Was genau ist das?

Das Prinzip TRIAS ist Grundlage der erfolgreichen Arbeit. Das bedeutet, dass Hauptamt, Ehrenamt und Träger „auf Augenhöhe“ die Arbeit begleiten, strukturieren und organisieren. Die Kümmerer sind diejenigen, die Kurse leiten, Veranstaltungen durchführen, Ideen einbringen und an der Gestaltung der innovativen Seniorenarbeit verantwortlich mitarbeiten. Sie treffen sich einmal im Monat. Alle Aktivitäten werden durch ehrenamtliche „Kümmerer“ kostenlos angeboten.

Das Netzwerk hat viel bewegt. Welche Probleme gibt es zurzeit im Stadtteil?

Es gibt immer noch eine Menge älterer Menschen, die durch den Eintritt ins Rentenalter, durch den Auszug ihrer Kinder, durch Trennung oder Tod des Ehepartners soziale Bindungen verloren haben und nach neuen Möglichkeiten und Veränderungen ihres Lebensinhalts suchen. Manche fallen in ein tiefes Loch, manche können aktiv damit umgehen. Hier versuchen wir, „zugeschüttete“ Fähigkeiten, Lebensfreude und neue nachbarschaftliche Beziehungen zu ermöglichen. Zu den Problemen im Stadtteil
zählen: Ärztemangel, Leerstand von Geschäften, zu wenig altersgerechte Wohnungen und Sauberkeit.

Ist die Finanzierung ausreichend?

Durch den demografischen Wandel wird sich die Arbeit mit Senioren total verändern. Zusätzliche Probleme wie Altersarmut, Pflegenotstand usw. werden ein radikales Umdenken erforderlich machen. Zurzeit können wir Dank der städtischen Zuschüsse und der ehrenamtlichen Hilfen unsere Arbeit gut durchführen. Für manche Projekte beantragen wir zusätzliche Mittel (Camp 66, interkulturelle Veranstaltungen, Bildungsangebote). Durch die Erweiterung der kommenden Aufgabenfelder wird eine Erhöhung der finanziellen Mittel dringend notwendig werden.

Welche Ziele hat sich das Netzwerk-Team gesetzt?

Wir möchten gerne eine Nachbarschaftshilfe für den Stadtteil aufbauen. Gespräche mit Bewohnern des Stadtteils sind notwendig und wir hoffen, ehrenamtliche „Mitstreiter“ hierfür zu gewinnen. In diesem Jahr werden wir im Rahmen der 10-Jahres-Feier sechs weitere fachbezogene Themen wie Vernetzung der sozialen Arbeit, Schutz vor Kriminalität, Wohnsituation im Stadtteil, Liebe und Zärtlichkeit im Alter, ASS (Altersgerechte Assistenzsysteme) und Männer altern anders durchführen. Bestehende Aktivitäten sollen weitergeführt und erweitert werden. So kommt in diesem Jahr eine mehrtägige Kanutour und ein Segeltörn auf dem Ijsselmeer dazu.

Friedel Weber, 27. 01. 2021