{"id":11318,"date":"2020-12-11T12:12:04","date_gmt":"2020-12-11T11:12:04","guid":{"rendered":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/?p=11318"},"modified":"2020-12-15T14:42:27","modified_gmt":"2020-12-15T13:42:27","slug":"warum-keine-digitalisierung-in-den-schulen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/2020\/12\/warum-keine-digitalisierung-in-den-schulen\/uwiemann\/","title":{"rendered":"Warum keine Digitalisierung in den Schulen?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Digitalisierung bedeutet im engeren Sinn, dass etwas, das analog vorliegt, in digitale Form gebracht und vermittelt wird.<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 1.2em; font-style: italic;\">3.100.000 \u20ac NRW- Landesmittel f\u00fcr pandemiebedingten Distanzunterricht<\/span><\/p>\n<p>Gedruckte B\u00fccher werden digitalisiert, indem sie eingescannt und im digitalen Format zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Das bildungspolitische Begriffsverst\u00e4ndnis geht \u00fcber diese Ebene hinaus. So stellte die Kultusministerkonferenz in ihrem 66seitigen\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.kmk.org\/fileadmin\/Dateien\/veroeffentlichungen_beschluesse\/2018\/Strategie_Bildung_in_der_digitalen_Welt_idF._vom_07.12.2017.pdf\" class=\"mtli_attachment mtli_pdf ext-link wpel-icon-right\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow external\" data-wpel-link=\"external\" title=\"Externer Link: Strategiepapier\">Strategiepapier<span class=\"wpel-icon wpel-image wpel-icon-6\"><\/span><\/a> &#8222;Bildung in der digitalen Welt&#8220;, im Dezember 2016 einleitend fest, dass die zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche zu einem stetigen Wandel des Alltags der Menschen f\u00fchre.<\/p>\n<p>In Feuilletons wurden bis zur Pandemie regelm\u00e4\u00dfig Sinn und Unsinn der Digitalisierung in den Schulen diskutiert und wenig gehandelt. Selbst wenn dabei hervorgehoben wird, dass es bei der Digitalisierung nicht nur um die Abl\u00f6sung analoger Verfahren gehe, also nicht allein darum, dass digitale Medien und digitale Werkzeuge an die Stelle analoger Verfahren treten, sondern auch um die Erschlie\u00dfung neuer Perspektiven und die Entwicklung neuer Fragestellungen, die Kausalit\u00e4t scheint dabei klar, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene m\u00fcssen vorbereitet werden, um k\u00fcnftigen Anforderungen der digitalen Welt zu gen\u00fcgen. Digitale Bildungsmedien sollen in der Schule eingesetzt werden, um individuelle Kompetenzen f\u00fcr ein Leben in der digitalen Welt zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>An erster Stelle sind aber der allt\u00e4gliche Umgang mit digitalen Medien und Diensten sowie der Austausch mit Gleichaltrigen zu nennen. Dies verweist bereits auf eine ver\u00e4nderte Rolle von Bildungsinstitutionen im Prozess der Bildung hinsichtlich digitaler Medien sowohl der Schule als auch au\u00dferschulischer Bildungsorte. F\u00fcr viele Fragen der Handhabung sollten Ansprechpersonen zu Verf\u00fcgung stehen, oder k\u00f6nnen Online-Quellen zurate gezogen werden. Im Fall von Jugendlichen sind dies beispielsweise h\u00e4ufig Online-Videos. Auch im Sinne der Aktivierung der Adressat\/innen im Bereich der instrumentellen Fertigkeiten besteht daher die M\u00f6glichkeit, diese Ressourcen auch in Bildungsangeboten einzubinden. Dies ist nicht zuletzt deshalb sinnvoll, da so auch die bereits erworbenen Kenntnisse der jungen Menschen sichtbar werden und Anerkennung finden k\u00f6nnen. Offenkundig kann aber nicht vorausgesetzt werden, dass sich junge Menschen ohne entsprechende Anregungen in Bildungsangeboten mit all den beschriebenen Dimensionen von Medienkompetenz auseinandersetzen. Beim Umgang mit entsprechenden Angeboten und im Austausch mit Gleichaltrigen werden in dabei stattfindenden informellen Aneignungsprozessen insbesondere instrumentelle Fertigkeiten und analytische Kenntnisse zu Formaten und Inszenierungsformen erworben.<\/p>\n<p><strong>Sch\u00fcler oft medienkompetenter als Lehrer<\/strong><\/p>\n<p>In den Schulen sollten Angebote bereitgestellt werden, entsprechend der Strategie Bildung in der digitalen Welt. Sowohl in Ganztagsangeboten als auch eingebunden in den Unterricht sollten Fachkr\u00e4fte aus au\u00dferschulischen Einrichtungen die Begleitung und Unterst\u00fctzung von Sch\u00fcler\/innen in der\u00a0 Medienbildung \u00fcbernehmen. Im bildungspolitischen Fokus steht derzeit aber der Lernort Schule. Investitionsoffensiven wie der Digitalpakt sollten dort notwendige Entwicklungen erm\u00f6glichen. Wenngleich die technische Ausstattung dabei im \u00f6ffentlichen Fokus steht, ist im Fachdiskurs klar, dass die p\u00e4dagogischen Konzepte zum Einsatz der Technik eigentlich entscheidend sind. Und obwohl in den vergangenen Jahren an immer mehr Schulen Medienkonzepte entwickelt wurden, zeigt sich noch immer Entwicklungsbedarf hinsichtlich der p\u00e4dagogischen Unterst\u00fctzung von Lehrkr\u00e4ften. So gaben im L\u00e4nderindikator 2018 beispielsweise nur 43,7 Prozent bundesweit befragter Lehrkr\u00e4fte an, dass sie gen\u00fcgend p\u00e4dagogische Unterst\u00fctzung erhielten. Entweder k\u00f6nnen wir auf die Digitalisierung, einen Kompetenzbedarf und einen digitalen R\u00fcckstand reagieren, oder aber mit lebensdienlicher Technik, dekolonialem Design und postdigitalen Praktiken Schule neu gestalten. Wer reagiert, hat eingeschr\u00e4nkte M\u00f6glichkeiten und kann nicht viel mehr tun, als didaktische Konzepte zu finden, mit denen man besser unterrichten beziehungsweise mit denen man Kompetenzen f\u00fcr den Umgang mit digitalen Medien besser f\u00f6rdern kann.<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong> Die politische und \u00f6ffentliche Kontroverse \u00fcber den Digitalpakt l\u00e4sst sich nur umfassend w\u00fcrdigen, wenn sie in den vorstehend skizzierten Kontext gestellt wird. Denn mit Finanzprogrammen wie dem Digitalpakt werden neben konkreten investitionspolitischen Zwecksetzungen immer auch finanzf\u00f6derale Ausgleichs und Kompensationsziele verfolgt. Die Finanzkraft zwischen L\u00e4ndern und Kommunen einerseits und das Finanzvolumen des Digitalpakts andererseits offenbaren dabei bereits eine grundlegende Diskrepanz. Viele Kommunen fehlen seit Langem die Ressourcen f\u00fcr notwendige Schulsanierungen und Erweiterungen. Ein f\u00fcnf Milliarden Euro umfassendes Investitionsprogramm \u00fcber f\u00fcnf Jahre f\u00fcr eine Technologie mit extrem kurzen Innovationszyklen hohen Folgekosten und komplexen technischen und datenschutzrechtlichen Anforderungen kann daher letztlich immer nur eine Anschubfinanzierung bleiben. Ausgehend von den rund 40 000 allgemeinbildenden Schulen in Deutschland bleiben f\u00fcr jede Schule nur rund 137 000 Euro. Die Zuweisung der Mittel erfolgt dabei allerdings nicht gleichm\u00e4\u00dfig auf alle Schulen. W\u00e4hrend die Verteilung der Gesamtsumme auf die L\u00e4nder nach dem K\u00f6nigsteiner Schl\u00fcssel berechnet wurde, der sich zu zwei Dritteln nach dem Steueraufkommen und zu einem Drittel nach der Bev\u00f6lkerungszahl richtet, erfolgt die Weiterleitung an die jeweiligen Kommunen und Schultr\u00e4ger in einem wettbewerblichen Antragsverfahren. Hierzu m\u00fcssen zun\u00e4chst L\u00e4nderprogramme mit Kriterien und Verfahren zur Bewertung und Begutachtung von Antr\u00e4gen der Schultr\u00e4ger aufgesetzt werden (\u00a75 Abs. 1 VV).<\/p>\n<p><strong>Sparen an der Bildung bedeutet Armut<\/strong><\/p>\n<p>Dabei sollen die Mittel aus dem Digitalpakt nur f\u00fcr die digitale Infrastruktur und Vernetzung in den Schulen selbst Verwendung finden. Eine m\u00f6gliche Breitbandanbindung der Schulstandorte an das Glasfasernetz soll demgegen\u00fcber weiterhin aus Mitteln des Breitbandausbauprogramms des Bundesministeriums f\u00fcr Verkehr und digitale Infrastruktur erfolgen. Dieses l\u00e4uft seit 2017 und ist mit vier Milliarden Euro ausgestattet. Bereits diese Doppelstruktur begr\u00fcndet einen administrativen Mehraufwand f\u00fcr Kommunen und Schultr\u00e4ger, zumal die F\u00f6rderung auf Basis unterschiedlicher Rechtsgrundlagen und Zuweisungsformen erfolgt. Ein grunds\u00e4tzliches Dilemma besteht dabei nicht nur in den verteilten Zust\u00e4ndigkeiten zwischen verschiedenen Fachministerien und den f\u00f6deralen Ebenen. Vielmehr fehlt dem Bund eine verl\u00e4ssliche \u00dcbersicht \u00fcber die detaillierten Bedarfe von L\u00e4ndern und Kommunen, sodass er letztlich nur Programmpauschalen zur Verf\u00fcgung stellen kann. F\u00fcr das kostenintensive Personal, das erforderlich ist, m\u00fcssen L\u00e4nder und Kommunen aufkommen, die in ihrer Haushaltswirtschaft nicht zuletzt im Vorgriff auf die ab 2020 vollst\u00e4ndig wirksam werdende Schuldenbremse deutlich eingeschr\u00e4nkter sind und in den vergangenen Jahren eher vorsichtig bei Personaleinstellungen agieren mussten.<\/p>\n<p><strong>Die Pandemie zwingt zum Umdenken und Handeln.<\/strong><\/p>\n<p>Die Folgen erweisen sich inzwischen gleich in mehrfacher Hinsicht als problematisch: Da die Sch\u00fclerzahlen seit einigen Jahren nicht nur in Gro\u00dfst\u00e4dten, sondern selbst in Mittelst\u00e4dten wieder merklich steigt und die demografisch bedingten R\u00fcckg\u00e4nge beim Lehrpersonal h\u00f6her sind als die Neueinstellungen, w\u00e4chst der Bedarf an Lehrkr\u00e4ften. Vor allem f\u00fcr die naturwissenschaftlich technischen Schulf\u00e4cher fehlt es an qualifiziertem Fachpersonal, ein Umstand der f\u00fcr digitale F\u00e4cher besonders problematisch ist, da die professionelle Vermittlung hier eigentlich von einer entsprechenden von IT-Techniker und Personen mit rechtlichem Sachverstand in erheblichem Ma\u00dfe ben\u00f6tigt werden. Leider haben wir ein Schulsystem aus dem 19. Jahrhundert!<\/p>\n<p><strong>Wenn es Geld gibt, wird gehandelt<\/strong><\/p>\n<p>Dazu passt die <a href=\"https:\/\/www.waz.de\/staedte\/oberhausen\/ab-mitte-dezember-verteilt-oberhausen-erste-schul-laptops-id231081344.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow external\" data-wpel-link=\"external\" title=\"Externer Link: Tagespresse vom 7.12.20\" class=\"ext-link wpel-icon-right\">Tagespresse vom 7.12.20<span class=\"wpel-icon wpel-image wpel-icon-6\"><\/span><\/a>: Schul-Laptops ab Mitte Dezember. Rund 6.000 mobile Endger\u00e4te kann die Stadt Oberhausen anschaffen. 3.200 k\u00f6nnten bald in den Schulen mit 4.100 Sch\u00fclern ankommen. Angeschafft werden \u00fcbrigens IPad der Firma Apple. Wann kommen die Ger\u00e4te wirklich in den Schulen an?<\/p>\n<p>Siehe auch unsere<a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/events\/alltag-online-wie-veraendert-die-digitalisierung-unsere-lebenswelt-4\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-wpel-link=\"internal\"> bisherigen Beitr\u00e4ge<\/a>\u00a0auch <a href=\"https:\/\/wp.me\/p91Zz0-31y\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow external\" data-wpel-link=\"external\" title=\"Externer Link: Digitalisierung kein Problem?\" class=\"ext-link wpel-icon-right\">Digitalisierung kein Problem?<span class=\"wpel-icon wpel-image wpel-icon-6\"><\/span><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-10066 alignright\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/files\/2019\/11\/geschenke-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/files\/2019\/11\/geschenke-300x225.jpg 300w, https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/files\/2019\/11\/geschenke-150x113.jpg 150w, https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/files\/2019\/11\/geschenke-768x576.jpg 768w, https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/files\/2019\/11\/geschenke.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/>Wir w\u00fcnschen allen Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest 2020 und bleiben Sie gesund.<\/p>\n<p>Waren die Informationen hilfreich, sagen Sie es weiter. Wollen Sie keinen Beitrag verpassen, abonnieren Sie den <a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/service\/newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-wpel-link=\"internal\">kostenfreie Newsletter<\/a>. \u00a0Interessante Hinweise f\u00fcr Senioren, Veranstaltungen etc., nehmen wir gerne auf. Helfen wir uns mit RAT und TAT unentgeltlich gegenseitig. M\u00f6chten Sie die digitale Kompetenz selbst erweitern oder dabei helfen, geben wir gerne Anregungen. Die ehrenamtliche, bisher nicht unterst\u00fctzte, Arbeit zweier Rentner k\u00f6nnen Sie mit einem <a href=\"https:\/\/wp.me\/P91Zz0-pb\" data-wpel-link=\"external\" target=\"_self\" rel=\"nofollow external noopener noreferrer\" title=\"Externer Link: Beitrag unterst\u00fctzen.\u00a0\" class=\"ext-link wpel-icon-right\">Beitrag unterst\u00fctzen.\u00a0<span class=\"wpel-icon wpel-image wpel-icon-6\"><\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Digitalisierung bedeutet im engeren Sinn, dass etwas, das analog vorliegt, in digitale Form gebracht und vermittelt wird. 3.100.000 \u20ac NRW- Landesmittel f\u00fcr pandemiebedingten Distanzunterricht Gedruckte B\u00fccher werden digitalisiert, indem sie eingescannt und im digitalen Format zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Das bildungspolitische Begriffsverst\u00e4ndnis geht \u00fcber diese Ebene hinaus. 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