{"id":11722,"date":"2021-02-26T12:12:17","date_gmt":"2021-02-26T11:12:17","guid":{"rendered":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/?p=11722"},"modified":"2020-10-22T07:47:17","modified_gmt":"2020-10-22T05:47:17","slug":"bloss-die-rentner-nicht-erschrecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/2021\/02\/bloss-die-rentner-nicht-erschrecken\/uwiemann\/","title":{"rendered":"Blo\u00df die Rentner nicht erschrecken"},"content":{"rendered":"<p>Finanzminister<strong> Olaf Scholz will das heutige Rentenniveau auch nach 2025 garantieren<\/strong><\/p>\n<p>Beamte profitieren im Alter von einer \u00fcppigen Pension, so ein g\u00e4ngiges Klischee zu dieser Bev\u00f6lkerungsgruppe. Der aktuelle Vorsorgungsbericht der Bundesregierung untermauert diese Meinung deutlich. Demnach erhalten ehemalige Bundesbeamte im Schnitt monatlich <span style=\"text-decoration: underline;\">3.160 Euro<\/span> brutto, w\u00e4hrend Arbeitnehmer laut Rentenatlas 2019 der Deutschen Rentenversicherung ein Ruhegehalt von durchschnittlich <span style=\"text-decoration: underline;\">1.360 Euro<\/span> beziehen. In beiden F\u00e4llen seien noch Steuern und Beitr\u00e4ge zur gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung abzuziehen, doch der Unterschied bleibt dennoch erheblich gegen\u00fcber Arbeitnehmer berichtet das Magazin Focus.<\/p>\n<p><strong>Beamte erhalten h\u00f6heren Anteil des letzten Einkommens<\/strong><\/p>\n<p>Das Magazin f\u00fchrt den gro\u00dfen Unterschied darauf zur\u00fcck, das Arbeitnehmer bei Renteneintritt lediglich 48,16 Prozent ihres Durchschnittseinkommens beziehen, Beamte hingegen 2018 im Schnitt 67,3 Prozent ihrer letzten Bez\u00fcge erhielten. Hinzu komme, dass Beamte Anspruch auf eine gesetzliche Mindestpension von <span style=\"text-decoration: underline;\">1.760 Euro<\/span> monatlich h\u00e4tten, <strong>Diese lasse sich nicht mit der Grundrente vergleichen, die ab dem 1. Januar 2021 gelten soll. So k\u00f6nnen wir die Bev\u00f6lkerung nicht befrieden, sondern nur spalten.<\/strong><\/p>\n<p>Die Rente ist sicher, versprach der damalige CDU-Bundesminister f\u00fcr Arbeit und Sozialordnung, Norbert Bl\u00fcm, erstmals im Bundestagswahlkampf 1986. In der letzten gro\u00dfen parlamentarischen Debattenschlacht vor der Bundestagswahl 1998 wiederholte er sein Versprechen, als es im Bundestag darum ging, eine umstrittene Reform zu verabschieden, die das Rentenniveau von 70 auf 64 Prozent absenken sollte f\u00fcr Arbeitnehmer und Angestellte.<\/p>\n<p>Alleine schon an dieser historischen Erinnerung zeigt sich der ganze Populismus der Rentendiskussion, der bis heute immer wieder ganz offen zum Tragen kommt. Denn nat\u00fcrlich konnte und kann die Politik jederzeit und immer wieder sicherstellen, dass die Rente sicher bleibt. Aber die eigentlich wichtigen Fragen sind doch: Erstens, k\u00f6nnen wir die Beamten weiter so eine \u00fcppige Pension zahlen? Zweitens: Wer soll Arbeitnehmer und Angestellten Renten und Pensionen bezahlen?<\/p>\n<p>Von einem Rentenniveau von 70 oder auch nur 64 Prozent k\u00f6nnen kommende Generationen nur noch tr\u00e4umen. Die Realit\u00e4t wird so aussehen, dass als Folge der demografischen Alterung die gesetzliche Rentenversicherung mehr und mehr in Schieflage geraten wird. Wenn erfreulicherweise die Deutschen immer l\u00e4nger Leben, aber auch weiterhin nicht gen\u00fcgend Kinder geboren werden, um altersbedingt ausscheidende Beitragszahler durch junge Neueintretende zu ersetzen, m\u00fcssen immer weniger Aktive f\u00fcr immer mehr Senioren (Pensionen und Rente) finanzieren.<\/p>\n<p>Diese einfache mathematische Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit hat seit den Bl\u00fcm&#8217;schen Versprechen in den vergangenen 20 Jahren bereits dazu gef\u00fchrt, dass das Rentenniveau f\u00fcr Personen, die 45 Jahre lang auf einem Durchschnittslohn Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge entrichtet haben, nicht mehr bei 64 Prozent eines heutigen Durchschnittsverdiensts liegt, sondern auf weniger als die H\u00e4lfte (<strong>48 Prozent)<\/strong> abgesenkt werden musste.<\/p>\n<p><strong>Wenn nun Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) die Sommerflaute des Nachrichtenstroms nutzt, um medienwirksam anzuk\u00fcndigen, ein stabiles Rentenniveau auch in den Zwanziger und Drei\u00dfigerjahren zu gew\u00e4hrleisten, und f\u00fcr die n\u00e4chsten Bundestagswahlen einen Rentenwahlkampf um die Gunst der Senioren androht, hat das also durchaus Tradition.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zuwanderungseffekt wirkt h\u00f6chstens tempor\u00e4r<\/strong><\/p>\n<p>Zur Ehrlichkeit eines Generationenvertrags geh\u00f6rt der Hinweis, dass die Erneuerung alter Rentenversprechen nur zu halten sein wird, wenn die Rentenbeitr\u00e4ge f\u00fcr die Kindeskinder steigen, <span style=\"text-decoration: underline;\">oder aber die Quersubventionierung der Rentenversicherung aus allgemeinen Steuert\u00f6pfen massiv erh\u00f6ht wird.<\/span><\/p>\n<p>Die immer wieder ins Spiel gebrachte Notl\u00f6sung einer ausgeweiteten Zuwanderung ist nicht mehr als illusion\u00e4res Wunschdenken. Sie wird schlicht deshalb nicht greifen, weil auch ausl\u00e4ndische Beitragszahlende eines Tages ihre Anspr\u00fcche an die deutsche Rentenversicherung geltend machen werden. Der Zuwanderungseffekt wirkt somit h\u00f6chstens tempor\u00e4r, und mit Blick aufs gro\u00dfe Ganze bleibt er marginal.<\/p>\n<p><strong>W\u00e4re die Rentenversicherung privat organisiert, w\u00e4re sie l\u00e4ngst schon pleite.<\/strong><\/p>\n<p>Alleine dank der Zusch\u00fcsse aus allgemeinen Steuermitteln kann sie \u00fcberleben und das heutige Rentenniveau von 48 Prozent des Durchschnittsverdienstes bei einem Rentenbeitrag von 19 Prozent gew\u00e4hrleisten. Der Sozialbericht 2017 des Bundesministeriums f\u00fcr Arbeit und Soziales offenbart, dass im Jahr 2017 den Beitr\u00e4gen zur Rentenversicherung in H\u00f6he von 224 Milliarden Euro Rentenausgaben von 274 Milliarden Euro und insgesamt Leistungen der Rentenversicherung von 305 Milliarden Euro gegen\u00fcberstanden.<\/p>\n<p>Mithin klaffte bereits im vergangenen Jahr in der gesetzlichen Rentenversicherung eine Finanzierungsl\u00fccke, die nur durch einen Bundeszuschuss in H\u00f6he von 73 Milliarden Euro und Erstattungen aus \u00f6ffentlichen Mitteln in H\u00f6he von sechs (6) Milliarden Euro gedeckt werden konnte. Und genau dieser Bundeszuschuss soll nach Berechnungen des BMAS so oder so bereits bis zum Ende der laufenden Legislatur 2021 auf 83 Milliarden Euro plus Erstattungen aus \u00f6ffentlichen Mitteln in H\u00f6he von sieben (7) Milliarden Euro anwachsen. Dabei beginnt sich der stark steigende Druck der demografischen Alterung eigentlich erst nach 2025 so richtig kr\u00e4ftig bemerkbar zu machen.<\/p>\n<p><strong>Die Rente ist sicher<\/strong><\/p>\n<p>Parolen sind somit nichts anderes als willk\u00fcrlich gew\u00e4hlte mediale <strong>Nebelkerzen<\/strong>, die das tats\u00e4chliche Rentenproblem verschleiern. Fakt ist, dass verglichen zu heute vor allem nach 2025 aus demografischen Gr\u00fcnden die Rentenbeitr\u00e4ge steigen werden und das Rentenniveau sinken werde. Eine weitere Erh\u00f6hung der Rentenbeitr\u00e4ge und der aus allgemeinen Steuermitteln zu finanzierenden Bundeszusch\u00fcsse ist somit nicht nur absehbar, sondern unverzichtbar. Das ist f\u00fcr kommende Generationen keine Bagatelle.<\/p>\n<p>Denn vernachl\u00e4ssigt wird, dass es ja nicht nur um die Rentenversicherung gehen wird, sondern zus\u00e4tzlich auch die gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung mitzufinanzieren sind, was angesichts der demografischen Alterung und des teuren technologischen Fortschritts der Medizin nicht billiger als heute werden d\u00fcrfte.\u00a0 <span style=\"text-decoration: underline;\">Netto wird f\u00fcr kommende Generationen somit immer weniger vom Bruttoverdienst \u00fcbrig bleiben, Genau das Gegenteil dessen, was eigentlich politisch angesagt sein sollte.<\/span><\/p>\n<p><strong>Den Kindeskindern gegen\u00fcber w\u00e4re es fair, das Rentensystem so rasch wie m\u00f6glich demografiefest und gleichzeitig auch tauglich zu machen (Umlageverfahren) gegen\u00fcber den Anforderungen der Lebenswirklichkeit im kommenden Zeitalter der Digitalisierung, in dem Arbeit und Lebensarbeitszeiten von Arbeiter, Angestellte und Beamte, eine andere Rolle als heute spielen werden. Die Rente ist sicher <span style=\"text-decoration: underline;\">Versprechungen helfen da nicht weiter.<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Im Gegenteil: Wenn Olaf Scholz das Vertrauen der B\u00fcrger in der Rente f\u00fcr ein zentrales Mittel gegen nationalistische Populisten h\u00e4lt, wird er mit einem Versprechen auf eine sichere Rente auf heutigem Niveau eher einen Generationenkonflikt provozieren, der die Bev\u00f6lkerung spalten k\u00f6nnte und nicht befrieden wird. Wem es wirklich um die lange Frist, das Wohl der Kindeskinder und das gesellschaftliche Miteinander geht, sollte bei der Rentendiskussion die Menschen nicht f\u00fcr dumm verkaufen. <span style=\"text-decoration: underline;\">Sonst folgt die Quittung bei den n\u00e4chsten Wahlen. <\/span><strong>Aber wohl eher in anderer als vom Bundesfinanzminister beabsichtigter Weise!<\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p><strong>Fazit: Die Bev\u00f6lkerungszahlen, auch <\/strong><strong>das Verh\u00e4ltnis von Jung zu Alt, sind beileibe nicht in Stein gemei\u00dfelt. Sie werden vom Statistischen Bundesamt schon nach wenigen Jahren regelm\u00e4\u00dfig und oft deutlich korrigiert. Manches Problem wird so zum Problemchen. Was er auch nicht sagt: Das Erwerbst\u00e4tigenpotenzial sinkt zwar, aber viel entscheidender f\u00fcr die Rente ist die Zahl der versicherungspflichtige Besch\u00e4ftigten. W\u00fcrde die Frauenerwerbsquote steigen, w\u00fcrden die Alten nicht mehr l\u00e4nger ab 55 Jahren aus den Job gedr\u00e4ngt und w\u00fcrde das Herr von Mini.Jobbern in regul\u00e4re Besch\u00e4ftigung \u00fcberf\u00fchrt, s\u00e4hen die Zahlen schon anders aus. Ganz und gar anders k\u00e4me es wenn die Rentenversicherung in einer Erwerbst\u00e4tigenversicherung \u00fcberf\u00fchrt w\u00fcrde. W\u00fcrden n\u00e4mlich Beamte, Freiberufler und Selbstst\u00e4ndige in die Rentenkasse einzahlen, fehlte es ihr nicht an Beitragszahlern. Und falls es am Ende doch dazu k\u00e4me, lie\u00dfe sich das notfalls \u00fcber eine gezielte Zuwanderung l\u00f6sen. Vollends ausgeblendet hat Olaf Scholz, Eine gute Rente allein an den Kopfzahlen der jungen Generation festzumachen ist absurd. Entscheidend ist vielmehr, dass ausreichend ordentliche bezahlte Arbeitspl\u00e4tze angeboten werden. Wird aber versicherungspflichtige Arbeit abgebaut, dann retten auch noch so viele Kinder die Rente nicht.<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Finanzminister Olaf Scholz will das heutige Rentenniveau auch nach 2025 garantieren Beamte profitieren im Alter von einer \u00fcppigen Pension, so ein g\u00e4ngiges Klischee zu dieser Bev\u00f6lkerungsgruppe. Der aktuelle Vorsorgungsbericht der Bundesregierung untermauert diese Meinung deutlich. 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