{"id":14188,"date":"2022-05-27T12:12:08","date_gmt":"2022-05-27T10:12:08","guid":{"rendered":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/?p=14188"},"modified":"2021-12-24T08:27:12","modified_gmt":"2021-12-24T07:27:12","slug":"fehlt-es-den-politikern-in-der-haeusliche-pflege-an-weitsicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/2022\/05\/fehlt-es-den-politikern-in-der-haeusliche-pflege-an-weitsicht\/uwiemann\/","title":{"rendered":"Fehlt es den Politikern in der h\u00e4usliche Pflege an Weitsicht"},"content":{"rendered":"<p><strong>Pflegende Angeh\u00f6rige bekommen in der Corona-Krise kaum Unterst\u00fctzung<\/strong><\/p>\n<p>Dabei w\u00e4re es leicht, ihnen zu helfen. Pflege ist in diesen Tagen ein hei\u00dfes Thema. Intensivbetten in den Kliniken m\u00fcssen abgemeldet werden, weil Pfleger*innen fehlen. Es wird viel \u00fcber die schlechten Arbeitsbedingungen diskutiert, \u00fcber die <span style=\"text-decoration: underline;\">Dauerbelastung,<\/span> die Ersch\u00f6pfung der Klinik-Mitarbeiter*innen. Der Pflegenotstand ist in der \u00f6ffentlichen Diskussion angekommen. Endlich, k\u00f6nnte man meinen, kommen die Probleme auf den Tisch. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn ein Bereich wird weiter ignoriert, die h\u00e4usliche Pflege.<strong> (Bis 2030 fehlen 500,000 Pfleger*innen in Deutschland)<\/strong><\/p>\n<p>Dabei ist h\u00e4usliche Pflege kein Nischenthema, 3,6 Millionen Pflegebed\u00fcrftige leben zu Hause, neun von zehn Menschen, die Hilfe und Unterst\u00fctzung im Alltag brauchen, werden von Angeh\u00f6rigen versorgt. Von Frauen, M\u00e4nner und sogar Kindern, die bereit sind, Verantwortung zu \u00fcbernehmen, die sich daf\u00fcr selbst einschr\u00e4nken, eigene Bed\u00fcrfnisse zur\u00fcckstellen, hohe finanzielle Risiken eingehen, und dadurch unser Pflegesystem vor dem Kollaps bewahren. Ganz zu schweigen davon, dass der Staat viele Milliarden Euro einspart.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte erwarten, dass diese Menschen gro\u00dfz\u00fcgig unterst\u00fctzt werden, zumal die Corona-Pandemie die Versorgung zu Hause erheblich erschwert. Viele professionelle Einrichtungen waren \u00fcber Monate geschlossen. Mit Konsequenzen f\u00fcr die Pflege zu Hause. Betreuungsgruppen, Entlastungsangebote, all das fiel lange Zeit weg oder die Zug\u00e4nge waren eingeschr\u00e4nkt. Pflegedienste konnten und k\u00f6nnen nicht garantieren, dass ihr Personal geimpft ist. Wer k\u00fcmmert sich stattdessen? <span style=\"text-decoration: underline;\">Die Angeh\u00f6rigen, wer sonst. Was tut der Staat?<\/span> Er stockte den eh schon geringen Anspruch auf Freistellung von der Arbeit mit Lohnfortzahlung minimal von 10 auf 20 Tage auf. <span style=\"text-decoration: underline;\">Aber Achtung:<\/span> Wer vor der Pandemie schon mal f\u00fcr die Pflege eines Angeh\u00f6rigen zu Hause blieb, bekommt diese Tage abgezogen, 20 Tage keine Freistellung von der Pflege, bei inzwischen fast zwei Jahren Pandemie. Das muss man sich mal vorstellen! Gro\u00dfkonzerne schickten ihre Mitarbeiter*innen monatelang auf Staatskosten in Kurzarbeit und <span style=\"text-decoration: underline;\">sch\u00fctteten gleichzeitig Gewinne aus<\/span>. F\u00fcr berufst\u00e4tige pflegende Angeh\u00f6rige wurde es ein klitzekleines bisschen weniger kompliziert (Familien)-Pflegezeit zu nehmen. <span style=\"text-decoration: underline;\">Wohlgemerkt:<\/span> unbezahlt!<\/p>\n<p><strong>Risiko zu Hause &#8211; ach egal<\/strong><\/p>\n<p>Auf allen Kan\u00e4len wird gewarnt, wie gef\u00e4hrdet alte und kranke Menschen sind. Pflegeheime haben sich zu den traurigen Hotspots der Pandemie entwickelt, in Talkshows wurden und werden die neusten Ideen zum Schutz der Bewohner*innen diskutiert. Mobile Impfteams, Boostern, Test- und Impfpflicht f\u00fcr Pflegekr\u00e4fte! Zeitgleich erz\u00e4hlten pflegende Angeh\u00f6rige, dass sie nach langer Warterei am Impfbus abgewiesen wurden, weil sie die da noch geltende Altersgrenze von 70 Jahren knapp verfehlten. Dass sie zu Hause einen hoch verletzlichen Menschen betreuen, aber trotzdem einkaufen, zum Arzt und unter Menschen m\u00fcssen, also ein immer h\u00f6heres Risiko haben, die Ansteckung nach Hause zu bringen, dass ist alles egal!<\/p>\n<p>Ein Missgeschick? Nein, die fehlende Anerkennung f\u00fcr pflegende Angeh\u00f6rige zieht sich wie ein roter Faden durch die Nachrichten. Die St\u00e4ndige Impfkommission <span style=\"text-decoration: underline;\">empfahl im Oktober<\/span> zwar, Pflegebed\u00fcrftige und Pflegende zu boostern. Sie meinte aber nur Menschen, die in Einrichtungen leben oder dort arbeiten. Pflegebed\u00fcrftige zu Hause und pflegende Angeh\u00f6rige wurden mit keinem Wort erw\u00e4hnt. Nochmal: neun von zehn Pflegebed\u00fcrftigen werden von Angeh\u00f6rigen versorgt! Aber diese Menschen waren der Stiko nicht einen Satz wert.<\/p>\n<p>Testpflicht f\u00fcr Pflegekr\u00e4fte in der ambulanten Pflege? Kam erst mit der allgemeinen 3-G-Pflicht am Arbeitsplatz Ende November 2021. Da erreichten die Inzidenzzahlen bereits wieder Rekordwerte. Mundschutz? Wird<span style=\"text-decoration: underline;\"> empfohlen,<\/span> ist aber nicht verpflichtend, obwohl die Pfleger*innen engsten Kontakt zu hoch verletzlichen Menschen haben. Immerhin: in der Pandemie zahlt die Pflegeversicherung 20 Euro im Monat mehr f\u00fcr Pflegehilfsmittel wie Desinfektionsmittel und Mundschutz. Das musste lange Zeit als Schutz reichen.<\/p>\n<p><strong>Diese systematische Missachtung der Politiker in der h\u00e4uslichen Pflege, dort wo schnelles Handeln erforderlich ist.<\/strong><\/p>\n<p>In der Corona-Pandemie ist schon schlimm genug. Aber es kommt noch ein weiteres, strukturelles Problem dazu. Der Mangel an professionellen Pflegekr\u00e4ften hat zur Folge, dass im gro\u00dfen Stil Unterst\u00fctzungsangebote wegbrechen. In einigen Regionen ist es mittlerweile schwierig, \u00fcberhaupt einen Pflegedienst zu finden. Tages- und Kurzzeitpflege, und die Einrichtungen f\u00fchren lange Wartelisten. So stehen Pflegebed\u00fcrftige und ihre Angeh\u00f6rigen vor der paradoxen Situation, dass sie zwar theoretisch Anspruch auf viele Leistungen haben. Nur n\u00fctzen all diese Anspr\u00fcche nichts, wenn es keine freien Pl\u00e4tze gibt. Ein Extrem-Beispiel: Die Pflegestatistik weist bundesweit 260 Nachtpflegepl\u00e4tze aus bei 3,6 Millionen Pflegebed\u00fcrftigen, die zu Hause leben. Noch dazu ist das System der Pflegeversicherung wahnwitzig kompliziert. Man muss die vielen Leistungen mit ihren unterschiedlichen Voraussetzungen erstmal kennen. Die b\u00fcrokratischen Anforderungen sind hoch. Hier l\u00e4sst sich kombinieren, dort wird verrechnet, man muss Formulare ausf\u00fcllen, Bescheinigungen heranschaffen, Fristen einhalten und immer wieder Widerspruch einlegen. Das alles mutet man Menschen zu, die einen Angeh\u00f6rigen Tag f\u00fcr Tag versorgen, komplizierte Medikationspl\u00e4ne umsetzen, beim Anziehen helfen, kochen, zuh\u00f6ren, Arztbesuche koordinieren, sich k\u00fcmmern. Menschen, die manchmal rund um die Uhr gefordert sind und seit Jahren keine Nacht mehr durchgeschlafen haben. Wie, bitte, sollen sie das schaffen? Ja die Politik reagiert wie immer zu sp\u00e4t in der h\u00e4uslichen Pflege. Es muss ja erst lange diskutiert werden in Deutschland, obwohl schon lange gewarnt wurde.<\/p>\n<p><strong>Pflegen macht arm<\/strong><\/p>\n<p>Und wenn sie es schaffen, weil sie die Erwerbsarbeit reduzieren oder den Job aufgeben und sich ganz auf die Pflege konzentrieren, besteht ein hohes Risiko, in<span style=\"text-decoration: underline;\"> Armut zu landen<\/span>. Pflegearbeit in der h\u00e4uslichen Pflege wird in Deutschland nicht gut finanziell entlohnt. Wenn es dumm l\u00e4uft, stehen pflegende Angeh\u00f6rige am Ende<span style=\"text-decoration: underline;\"> f\u00fcr Hartz IV an<\/span>. Das Schlimme: Diese Probleme sind schon lange bekannt. Wissenschaftler*innen, Pflegeverb\u00e4nde und pflegende Angeh\u00f6rige selbst haben viele kluge Ideen, um die h\u00e4usliche Pflege zu st\u00e4rken, und ein Budget in dem Leistungen zusammengefasst werden, bezahlte Pflege-Auszeiten f\u00fcr Angeh\u00f6rige, Pflegebegleiter, die Familien unterst\u00fctzen, eine bessere Versorgung im Quartier, um nur ein paar zu nennen. Doch bisher fehlte der politische Wille, sie umzusetzen. Die Ampelkoalition hat sich einige dieser Forderungen im Koalitionsvertrag zu eigen gemacht. Sie m\u00fcssen schnellstm\u00f6glich umgesetzt werden.<\/p>\n<p><strong>Fazit: Pflegende Angeh\u00f6rige haben keine<span style=\"text-decoration: underline;\"> Lobby,<\/span> sie k\u00f6nnen sich nicht mit Abgeordneten zum Abendessen treffen, Kampagnen f\u00fchren, durch die Talkshows ziehen. Sie haben keine Zeit, denn sie k\u00fcmmern sich um einen Menschen, der sie braucht. Wer das tut, sollte nicht auch noch um <span style=\"text-decoration: underline;\">Unterst\u00fctzung k\u00e4mpfen m\u00fcssen.<\/span> Wir vernachl\u00e4ssigen str\u00e4flich ein Thema, das schon heute brennt, aber angesichts des wachsenden Anteils \u00e4lterer Menschen in der Zukunft noch dramatischere Ausma\u00dfe annehmen wird. Es ist mehr als Zeit, dass der Staat, die Politik, wir als Gesellschaft diesen Menschen endlich wirksam helfen. <span style=\"text-decoration: underline;\">Sie haben es verdient!<\/span><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pflegende Angeh\u00f6rige bekommen in der Corona-Krise kaum Unterst\u00fctzung Dabei w\u00e4re es leicht, ihnen zu helfen. Pflege ist in diesen Tagen ein hei\u00dfes Thema. Intensivbetten in den Kliniken m\u00fcssen abgemeldet werden, weil Pfleger*innen fehlen. Es wird viel \u00fcber die schlechten Arbeitsbedingungen diskutiert, \u00fcber die Dauerbelastung, die Ersch\u00f6pfung der Klinik-Mitarbeiter*innen. Der Pflegenotstand ist in der \u00f6ffentlichen Diskussion&hellip; <a class=\"continue\" href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/2022\/05\/fehlt-es-den-politikern-in-der-haeusliche-pflege-an-weitsicht\/uwiemann\/\" data-wpel-link=\"internal\"> \u00bb weiterlesen: <span> Fehlt es den Politikern in der h\u00e4usliche Pflege an Weitsicht<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":617,"featured_media":9186,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"generate_page_header":"","footnotes":""},"categories":[1,5,39,4],"tags":[1740,64,256,597,185,2732,2731,940,554,1308],"class_list":["post-14188","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-dies-und-das","category-recht","category-tabus","category-unterstuetzung","tag-anerkennung","tag-angehoerige","tag-armut","tag-auszeit","tag-beduerfnisse","tag-betreuungsgruppen","tag-dauerbelastung","tag-pflegedienste","tag-pflegenotstand","tag-risiko"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14188","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/617"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14188"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14188\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9186"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14188"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14188"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14188"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}