{"id":2513,"date":"2018-06-08T14:00:18","date_gmt":"2018-06-08T12:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/?p=2513"},"modified":"2018-04-28T18:01:50","modified_gmt":"2018-04-28T16:01:50","slug":"zukunft-der-pflege-familien-oder-servicebasiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/2018\/06\/zukunft-der-pflege-familien-oder-servicebasiert\/sraebiger\/","title":{"rendered":"Zukunft der Pflege: familien- oder servicebasiert?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jeder sorgt zuk\u00fcnftig f\u00fcr seine Pflegekraft im Krankenhaus oder Heim, dies ist unser \u201eSolidarsystem Familie\u201c! Oder sieht der B\u00fcrger, gerade im Pflegebereich, die Verantwortung beim Staat, dann brauchen wir \u201eein umfassendes wohlfahrtsstaatliches Dienstleistungsangebot\u201c. Das servicebasierte System zielt in erster Linie darauf ab, das professionelle Pflegesystem zu st\u00fctzen und weiter zu entwickeln, praktiziert in Skandinavien und \u00e4hnlich in den Niederlanden.<\/strong><br \/>\n <!--more--><\/p>\n<p>Nur weil in Deutschland ca. 3,5 % der Leistungsbezieher den Einzahlern gegen\u00fcberstehen und circa 72 Prozent der Pflegebed\u00fcrftigen noch in der Familie gepflegt werden, funktioniert die Umlage der Pflegeversicherung. 2016 (2002) gaben die Pflegekassen f\u00fcr ambulante Pflege 16,5 (8,3) Mrd. \u20ac. Station\u00e4r 12,4 (8,2) Mrd.\u20ac aus. In 14 Jahren war dies eine Steigerung von insgesamt 71,5%. Zur Verdeutlichung: Mitte 2017 wurden 2.327.799 Pflegebed\u00fcrftige zu Hause gepflegt und 776.040 in Einrichtungen (75% zu 25%). Alle Angeh\u00f6rigen haben rein rechnerisch mtl. 1.049.542.107 \u20ac erhalten und die Einrichtungen 1.090.121.111 \u20ac. Kann bei steigender Alterung der Bev\u00f6lkerung dies zuk\u00fcnftige weiter in dem \u201eSolidarsystem Familie\u201c erfolgen oder muss notwendiger Weise umgedacht werden? Wollen wir morgen nicht die eigene Pflegekraft im Krankenhaus, wie in Spanien und .., selbst mitbringen, muss in der 19. Legislaturperiode des Bundestages gehandelt werden. Placebos helfen nicht. Der Graubereich Pflege-Wohn-Gemeinschaften (PWG), Service-Wohnen muss geregelt werden.<\/p>\n<p> <strong>Wem nutzt das &#8222;Solidarsystem&#8220; Familie, muss daran festgehalten werden.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p> Eine weit verbreitete Annahme lautet: Frauen, die privat und unentgeltlich pflegen, \u201ekosten\u201c im wahrsten Sinne des Wortes nichts \u2013 ein gut ausgebautes \u00f6ffentliches Pflegesystem hingegen sei unbezahlbar. Dies stimmt aus heutiger Sicht und monet\u00e4ren Betrachtung der Pflegekasse; die Angeh\u00f6rigen m\u00fcssten das 130 fache erhalten. B\u00f6sartige Zungen behaupten, Angeh\u00f6rige werden ausgebeutet. Auf das Angebot der &#8222;Pflegewohngemeinschaften&#8220; oder des &#8222;Service-Wohnen&#8220; wird der Klarheit wegen hier nicht eingegangen.\u00a0<\/p>\n<p> <strong>Pflegen kann ein jeder, oft nur einmal.<\/strong><br \/>\n Wenn gut ausgebildete Frauen (und M\u00e4nner) aus dem Arbeitsmarkt austreten, um unentgeltlich zu pflegen, gehen der Volkswirtschaft dringend ben\u00f6tigte Fachkr\u00e4fte verloren. Die pflegenden Angeh\u00f6rigen selbst, betreiben Raubbau an ihrer Gesundheit. Geraten in eine \u00dcberforderung und werden schneller pflegebed\u00fcrftig. Doch wer pflegt den, der keine Angeh\u00f6rigen in der N\u00e4he hat, keine Freunde, die sich aufopfern. 41 % leben in Deutschland in Singel- haushalten, im Durchschnitt der Europ\u00e4ischen Union (EU) sind diese 33 %.\u00a0<\/p>\n<p> Staatliche Investitionen in ein gutes \u00f6ffentliches Pflege- und Betreuungssystem entlasten dauerhaft die Sozialkassen und steigern das Potenzial an gut qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften. Wenn die Pflege als \u00f6ffentliche Aufgabe und \u00f6ffentliches Gut betrachtet wird, entstehen im Pflegesektor gut bezahlte, qualifizierte Arbeitspl\u00e4tze, die gleichzeitig f\u00fcr Wachstum sorgen. Insgesamt begibt sich die Volkswirtschaft so auf einen h\u00f6heren Besch\u00e4ftigungspfad.\u00a0<\/p>\n<p> Derzeit werden den Pflegebetreibern 4 Prozent Gewinn neben der Refinanzierung von effektivem Zins und Abschreibung zugestanden. Pflegekonzerne erwirtschaften nach eigenen Aussagen bis \u00fcber 10 Prozent Gewinn zu Lasten der Sozialkassen und des Personals.<\/p>\n<p> Der Pflegesektor muss endlich als Teil der Wertsch\u00f6pfung, statt als reiner Kostenfaktor gesehen werden, der gleichzeitig Finanzinvestoren zur Ausbeutung \u00fcberlassen wird. Die traditionelle Fixierung auf den Finanz-, Industriesektor und Export f\u00fchrt zu einer fatalen Geringsch\u00e4tzung der binnenmarktorientierten Dienstleistungen. Einen Denkansatz bringt die Familienministerin Giffey mit dem Blick auf die \u201eSorgenden Berufe\u201c.\u00a0<\/p>\n<p> <strong>Was bringen Milliarden im System, die nicht zweckentsprechend verwandt, gepr\u00fcft und zur\u00fcck gefordert werden.\u00a0<br \/>\n <\/strong><br \/>\n 80 Prozent der Kosten in einer Pflegeeinrichtung sind definitorisch Personalkosten. Heimentgelte bestehen aus zwei gro\u00dfen Komponenten: Pflege und Hotelkosten*. Die laufenden Betriebskosten und die Investitionskosten stellt\u00a0<strong>der Betreiber<\/strong>\u00a0dem Pflegebed\u00fcrftigen zuz\u00fcglich einem einheitlichen Pflegeentgelt, als Differenzentgelt zur Zahlung der Pflegekassenleistung, in Rechnung. Die vereinbarten Leistungsgrundlagen k\u00f6nnen mangels Kenntnis nicht gepr\u00fcft, geschweige gek\u00fcrzt werden.<\/p>\n<p> <strong>Der Betreiber<\/strong>\u00a0zahlt einem unbekannten Dritten, dem Investor der Immobilie, f\u00fcr das eingesetzte Kapital oft einen Zins, den er in der Vereinbarung mit den Kostentr\u00e4gern so nicht refinanziert hat. Die Immobilie wird dann bewusst samt Einrichtung ausgeschlachtet. Notwendige Investitionen zum Erhalt in Form der refinanzierten Abschreibung werden entnommen, reicht dies nicht aus, werden refinanzierte Personalkosten hinzugezogen.<\/p>\n<p> <strong>Solange die Politik es bewusst unterl\u00e4sst:<\/strong>\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li>bestehende Gesetze mit einer Strafnorm zu versehen.<\/li>\n<li>Die Pflegebuchf\u00fchrungVO zur Kontrolle und dem Nachweis der ordentlichen Verwendung der Gelder umzusetzen und unrechtm\u00e4\u00dfige Entnahmen zur\u00fcckzufordern,\u00a0<strong>geht der Betreiber kein Risiko ein<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der deutsche Pflegemarkt bleibt ohne Umsteuerung zu Lasten der B\u00fcrger lukrativ f\u00fcr international handelnde Finanzinvestoren.\u00a0<\/p>\n<blockquote>\n<p><strong> Wie lange wollen\/k\u00f6nnen sich Politiker mit dem Slogan \u201ePrivat vor Staat\u201c weiter aus der Vorsorge, der Verantwortung gegen\u00fcber den W\u00e4hlern entziehen?<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Sie haben die Aufgabe die soziale Sicherheit, das Wohlergehen zu garantieren. Das Grundrecht auf eine ausk\u00f6mmliche Arbeit darf Angeh\u00f6rigen und sei es durch indirekten Zwang nicht genommen werden.<\/p>\n<p>\n *\u00a0<a href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/2018\/03\/wer-traegt-die-kosten-fuer-das-pflegeheim\/\" data-wpel-link=\"internal\">Hotelkosten<\/a>\u00a0=\u00a0<br \/>\n + Unterkunft &amp; Verpflegung\u00a0<br \/>\n + genehmigte Investitionskosten (Pflegewohngeld in NRW und SH)<br \/>\n + und eventuell weitere individuelle Investitionskosten.<\/p>\n<p>Wir hoffen durch den Beitrag eine Diskussion zu er\u00f6ffnen. Nutzen Sie das nachfolgende Formular f\u00fcr Fragen, Anregungen, Meinungen.<\/p>\n<p>[contact-form][contact-field label=&#8217;Name&#8216; type=&#8217;name&#8216; required=&#8217;1&#8217;\/][contact-field label=&#8217;E-Mail&#8216; type=&#8217;email&#8216; required=&#8217;1&#8217;\/][contact-field label=&#8217;Kommentar&#8216; type=&#8217;textarea&#8216; required=&#8217;1&#8217;\/][\/contact-form]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeder sorgt zuk\u00fcnftig f\u00fcr seine Pflegekraft im Krankenhaus oder Heim, dies ist unser \u201eSolidarsystem Familie\u201c! Oder sieht der B\u00fcrger, gerade im Pflegebereich, die Verantwortung beim Staat, dann brauchen wir \u201eein umfassendes wohlfahrtsstaatliches Dienstleistungsangebot\u201c. 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