{"id":8705,"date":"2021-06-04T12:12:03","date_gmt":"2021-06-04T10:12:03","guid":{"rendered":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/?p=8705"},"modified":"2021-02-03T12:42:28","modified_gmt":"2021-02-03T11:42:28","slug":"kuenstliche-intelligenz-und-was-kann-sie-leisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/2021\/06\/kuenstliche-intelligenz-und-was-kann-sie-leisten\/uwiemann\/","title":{"rendered":"K\u00fcnstliche Intelligenz und was kann sie Leisten?"},"content":{"rendered":"<p><strong>In Kellerg\u00e4ngen\u00a0 bewegen sich Wagen voller Bettw\u00e4sche oder mit Medikamenten wie von selbst. Sie fahren alleine Aufzug, suchen sich ihren Weg auf die richtige Station. In Gro\u00dfkliniken keine Utopie.<\/strong><\/p>\n<p>Sie liefern ihre Ladung in einem Wagendock ab und nehmen auf den R\u00fcckweg den M\u00fcll mit nach unten. Gut 90 Roboter \u00fcbernehmen die wichtige Logistikaufgaben in der Universit\u00e4tsklinik K\u00f6ln. K\u00f6nnen aber auch in Pflegeheime eingesetzt werden. Flach motorisierte Plattformen, entwickelt eigentlich f\u00fcr Industrielogistik, fahren gut 90 Mal pro Tag automatisch unter die Transportwagen, koppeln sie an und nehmen sie mit. Dabei folgen sie automatisch Fahrspuren, die durch Signalleiter im Boden vorgegeben werden.<\/p>\n<p>Das ist wirklich keine neue Technik. Dennoch sind die Transportroboter noch immer die Technologie, die dem Klinikpersonal am meisten Arbeit abnimmt. Wesentlich weiter als bis auf den Stationflur sind die Roboter in den vergangenen 40 Jahren nicht gekommen. Robotereinsatz beschr\u00e4nkt sich aktuell noch immer auf unterst\u00fctzende T\u00e4tigkeiten, \u00fcber den Stand der Entwicklung der Roboter f\u00fcr den direkten Einsatz am Krankenbett\u00a0 zusammen mit menschlichen Pflegekr\u00e4ften sind noch nicht auf dem Markt verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p>Pflegeroboter, so wird suggeriert, k\u00f6nnen den Personalnotstand in den Krankenh\u00e4usern und Pflegeheimen mindern. Rund 36.000 Pflegekr\u00e4fte fehlen laut Zahlen der Bundesregierung aktuell in Deutschland, auf hundert offene Stellen kommen nur 21 Bewerber. \u00dcber drei Millionen Menschen in Deutschland ben\u00f6tigen aktuell regelm\u00e4\u00dfig die Hilfe von Pflegekr\u00e4ften, die demografische Entwicklung f\u00fchrt dazu, dass in naher Zukunft noch mehr Pflegebed\u00fcrftige von noch weniger Pflegefachkr\u00e4ften betreut werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Strategie der kommerziellen Entwickler ist aktuell, die Pflegekr\u00e4fte von allen Aufgaben zu entlasten, die nicht unmittelbar am Patientenbett erledigt werden m\u00fcssen. Es k\u00f6nnen k\u00fcnftig Sortierroboter auf Basis von elektronischen Patientenakten Medikamente individuell f\u00fcr jeden Patienten vorbereiten und diese dann per Rohrpostsystem direkt auf die Stationen ausgeliefert werden. Bislang m\u00fcssen noch \u00fcberwiegend die Nachtpflegekr\u00e4fte die Tabletten verantwortlich stellen. Der Kliniksoftwarehersteller M\u00e4rz bietet bereits intelligente Visiten Wagen an, welche die Dokumentation der Pflege und notwendige Kontrolle erleichtern. Alle Angebote zielen darauf, den Pflegekr\u00e4ften freie Zeit zu schaffen, die sie dringend ben\u00f6tigen. So klingt die positive Werbung oder wird es nur zur weiteren Leistungsverdichtung f\u00fchren.<\/p>\n<p>Bef\u00fcrchtungen sind nicht von der Hand zu weisen, dass ein forcierter Robotereinsatz dazu f\u00fchren k\u00f6nnte, dass Pflegearbeit zunehmend einem mechanistischen Verst\u00e4ndnis unterworfen wird, das hei\u00dft auf zweckbezogene Anteile verengt und die empfindungsbezogenen Aspekte entsprechend marginalisiert werden. \u00dcber allem steht der Kostenaspekt. Die Einf\u00fchrung erfolgt, wenn sich dadurch betriebswirtschaftlich Einsparungen erzielen lassen.<\/p>\n<p>Dies gilt umso mehr, als sich ein einseitiges Verst\u00e4ndnis der Pflege als zweckrationales Probleml\u00f6sungshandeln in \u00fcbergreifende und bereits l\u00e4nger anhaltende Standardisierung wie auch \u00d6konomisierungsbestrebungen einordnet (z.B. zur Organisation der Versorgungsprozesse, zur Qualit\u00e4tssicherung oder zur Abbildung und Abrechnung des Leistungsgeschehens), die nicht nur die Pflege, sondern das Gesundheitswesen insgesamt zunehmend betriebswirtschaftlichen Handlungslogiken unterwerfen.<\/p>\n<blockquote>\n<p><strong>Daraus folgt zumindest dreierlei. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Erstens: <\/strong>Der Nutzen der autonomen Robotik f\u00fcr die Pflege l\u00e4sst sich nicht isoliert an einzelnen, geeigneten respektive weniger geeigneten Aufgaben festmachen, da auch von der Automatisierung von Einzelprozessen tiefgreifende Implikationen f\u00fcr die gesamte Pflegepraxis zu erwarten sind. Um neue Robotikl\u00f6sungen optimal in die Pflegearbeit einzupassen, m\u00fcssen Arbeitsprozesse normiert, Qualit\u00e4tsstandards definiert und auch das Arbeitsumfeld robotergerecht gestaltet werden.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zweitens: <\/strong>Bei der Frage, ob sich eine Robotikanwendung f\u00fcr die Pflege fruchtbar machen l\u00e4sst, gilt es deren Auswirkungen auf die personengebundenen Kernprozesse genau im Blick zu behalten. Werden neue Freir\u00e4ume f\u00fcr Beziehungshandeln geschaffen oder bestehene minimiert?<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Drittens: <\/strong>Dar\u00fcber hinaus gibt es keine Patentrezept, wie sich die Potenziale der Robotik f\u00fcr die Pflege nutzbar machen lassen. Letztlich handelt es sich dabei um eine anspruchsvolle Gestaltungsaufgabe, die sowohl die Einzeltechnologien (Desigen, Funktionalit\u00e4t) als auch deren soziotechnische Einbettung einzubeziehen hat. Die Diskrepanz zwischen postuliertem L\u00f6sungspotenzial und tats\u00e4chlich erreichtem Nutzen robotischer Pflegeanwendungen ist nach Meinung verschiedener Expertinnen und Experten nicht zuletzt darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass den Bed\u00fcrfnissen und Problemlagen der Pflegebed\u00fcrftigen bislang zu wenig Beachtung geschenkt wurde und die resultierenden Anwendungen somit keine wirklichen pflegerischen Mehrwert bieten. Ausgangs und Orientirungspunkt bei der Entwicklung neuer Technologien sollte deshalb nicht die technische Machbarkeit sein, sondern die tats\u00e4chlichen Unterst\u00fctzungsbedarf potenzieller Nutzerinnen und Nutzer sowie anderweitig Betroffener, die es partizipativ in den Entwicklungsprozess einzubeziehen gilt.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Wir m\u00fcssen verstehen, wann maschinelle Assistenz den Einrichtungen und insbesondere den Pflegebed\u00fcrftigen n\u00fctzt, und in welchen Kontexten sie uns in unserem Denken behindert. Die Automatisierung von Entscheidungen bietet gro\u00dfe Chancen f\u00fcr den Einzelnen und f\u00fcr die Gemeinschaften, die wir Gesellschaften nennen. Doch auch im Zeitalter der rationalen Automatisierung von Entscheidungen durch <strong>KI<\/strong> gilt:<\/p>\n<p><strong>Menschen m\u00fcssen mit ihren Entscheidungen gl\u00fccklich werden, Computer nicht.<\/strong><\/p>\n<p>Maschinen werden nie f\u00fchlen, was Gl\u00fcck ist. Die Irrationalit\u00e4t geh\u00f6rt zum Wesen menschlicher Entscheidungen. Im Zeitalter der Berechenbarkeit durch aus Daten lernende Maschinen k\u00f6nnte unsere <span style=\"text-decoration: underline;\">Unberechenbarkeit unsere gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke werden.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_2828\" aria-describedby=\"caption-attachment-2828\" style=\"width: 140px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2828 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/files\/2018\/05\/Paula-150x200.jpg\" alt=\"der Pflegeroboter Pepper auf der Seniorenmesse in Dortmund\" width=\"150\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/files\/2018\/05\/Paula-150x200.jpg 150w, https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/files\/2018\/05\/Paula-300x400.jpg 300w, https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/files\/2018\/05\/Paula-768x1024.jpg 768w, https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/files\/2018\/05\/Paula.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2828\" class=\"wp-caption-text\">Paula<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Zur Klarstellung und Einordnung:<\/strong> 80 Prozent der Pflegebed\u00fcrftigen werden zu Hause gepflegt. ,Durch die Anschaffungskosten besteht derzeit nicht die Gefahr, dass Pflegeroboter in der H\u00e4uslichkeit eingesetzt werden. Dies sollte uns aber nicht davon abhalten, uns mit den M\u00f6glichkeiten vertraut zu machen, die uns im Krankenhaus oder in der Pflegeeinrichtung demn\u00e4chst begegnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich werde den Verdacht nicht los, dass die KI gar nicht meinem Wohlergehen dienen soll, sondern der Geldgier und Datengier der Konzerne!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Kellerg\u00e4ngen\u00a0 bewegen sich Wagen voller Bettw\u00e4sche oder mit Medikamenten wie von selbst. Sie fahren alleine Aufzug, suchen sich ihren Weg auf die richtige Station. In Gro\u00dfkliniken keine Utopie. Sie liefern ihre Ladung in einem Wagendock ab und nehmen auf den R\u00fcckweg den M\u00fcll mit nach unten. Gut 90 Roboter \u00fcbernehmen die wichtige Logistikaufgaben in&hellip; <a class=\"continue\" href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/2021\/06\/kuenstliche-intelligenz-und-was-kann-sie-leisten\/uwiemann\/\" data-wpel-link=\"internal\"> \u00bb weiterlesen: <span> K\u00fcnstliche Intelligenz und was kann sie Leisten?<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":617,"featured_media":2828,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"generate_page_header":"","footnotes":""},"categories":[6,1,4],"tags":[533,1066,1064,899,196,1065,835,1063,595],"class_list":["post-8705","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-computer-und-technik","category-dies-und-das","category-unterstuetzung","tag-pflegeroboter","tag-beachtung","tag-pflegearbeit","tag-pflegebranche","tag-pflegekraefte","tag-problemlagen","tag-recht","tag-robotereinsatz","tag-wuerde"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8705","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/617"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8705"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8705\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2828"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8705"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8705"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8705"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}