{"id":8877,"date":"2022-06-03T12:12:22","date_gmt":"2022-06-03T10:12:22","guid":{"rendered":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/?p=8877"},"modified":"2022-05-29T15:31:17","modified_gmt":"2022-05-29T13:31:17","slug":"sagt-das-rentenniveau-ueberhaupt-etwas-aus-ueber-altersamut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/2022\/06\/sagt-das-rentenniveau-ueberhaupt-etwas-aus-ueber-altersamut\/uwiemann\/","title":{"rendered":"Sagt das Rentenniveau \u00fcberhaupt etwas aus \u00fcber Altersamut?"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<h2><strong>Chim\u00e4re Rentenniveau\u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<\/strong><\/h2>\n<\/blockquote>\n<h3><strong>Was ist eigentlich das Rentenniveau?<\/strong><\/h3>\n<p>Eines vorweg, das meiste was Sie dar\u00fcber in Diskussionen oder in den Medien h\u00f6ren und lesen, ist irref\u00fchrend. Es wurde und wird mit dem Rentenniveau jede Menge Schindluder getrieben. Niemand wei\u00df das wohl besser als Bert R\u00fcrup, der langj\u00e4hrige Berater der Bundesregierung und fr\u00fchere Chef des Sachverst\u00e4ndigenrats. Er gab bereits vor Jahren zu Protokoll.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Das Rentenniveau kann ausfallen, je nachdem wie ich es berechne, was ich rausnehme, was ich reinnehme.<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Das hei\u00dft, man kann jedes Niveau erzeugen, das Niveau ist also eine ziemlich manipulative Gr\u00f6\u00dfe. Damit k\u00f6nnte man diese Er\u00f6rterung um das Rentenniveau eigentlich beenden. Doch es beziehen sich einfach zu viele Experten und Berechnungen auf das Rentenniveau, um es komplett ignorieren zu k\u00f6nnen. So lohnt es sich, wenigstens mit einer Reihe von Irrt\u00fcmern aufzur\u00e4umen.<\/p>\n<h3><strong>Klarstellung Nummer 1:<\/strong><\/h3>\n<p>Das Rentenniveau hat nichts, aber auch gar nichts mit einer Lohnersatzrate zu tun, wie bei Beamten, Soldaten oder Abgeordneten. Es sagt also gerade nicht, wie viel Prozent von seinem letzten Einkommen ein Rentner erh\u00e4lt. Wenn kolportiert wird, ein Rentenniveau von 48 Prozent bedeute, die Rentner bek\u00e4men etwa 48 Prozent vom letzten Brutto oder 48 Prozent vom letzten Netto, so ist beides falsch. Eine Ankn\u00fcpfung der Altersversorgung an das letzte Einkommen vor dem Ruhestand gibt es nur bei<span style=\"text-decoration: underline;\"> Beamten<\/span>. Die bekommen tats\u00e4chlich <strong><span style=\"text-decoration: underline;\">71,75 Prozent<\/span><\/strong><strong> vom letzten ruhegehaltsf\u00e4higen Gehalt <\/strong>als Pension, wenn sie mindestens 40 Dienstjahre aufweisen. Bei Bundesbeamten und Landesbeamten sind das im Schnitt derzeit 2.940 Euro brutto. Das ist nahezu das Dreifache, was derzeit langj\u00e4hrige versicherte Rentner in Deutschland bekommen. Diese erreichen damit nach OECD Berechnungen \u00fcbrigens nur eine maximale Lohnersatzrate von 37,5 Prozent aus der gesetzlichen Rente.\u00a0 &#8222;<strong>So erkl\u00e4ren sich auch die Bef\u00f6rderung kurz vor der Pension.&#8220;<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Klarstellung Nummer 2:<\/strong><\/h3>\n<p>Es gibt nicht nur ein Rentenniveau, sondern mindestens drei, ein Bruttorentenniveau und gleich zwei Nettorentenniveaus. Die Verwirrung ist vorprogrammiert. So hatten wir tats\u00e4chlich fr\u00fcher in Deutschland ein Rentenniveau, das 1977 den Spitzenwert von rund 73 Prozent erreichte und danach bis in die 1990 Jahre meist bei \u00fcber 70 Prozent lag. Es handelte sich dabei um das <strong>Nettorentenniveau nach Steuern.<\/strong> Verglichen wurde dabei die sogenannte Standardrente mit dem Durchschnittseinkommen der Arbeitnehmer, jeweils nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben. Das verf\u00fcgbare Einkommen eines Standardrentners lag damals tats\u00e4chlich nur rund 30 Prozent unter dem durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommen. <strong>Die Erkl\u00e4rung, <\/strong>die Renten stiegen damals noch anders als heute genauso schnell wie die L\u00f6hne. <span style=\"text-decoration: underline;\">So blieb der Abstand zu den L\u00f6hnen \u00fcberschaubar und Rentner hatten noch den Charakter einer Lohnersatzleistung.<\/span> Nat\u00fcrlich kann man auch ein<strong> Bruttorentenniveau<\/strong> ausweisen, bei dem dann die Bruttostandardrente (also vor Abzug von Kranken und Pflegebeitrag sowie Steuern) mit dem Bruttolohn eines Durchschnittsverdieners verglichen wird. Das Bruttorentenniveau betrug auch in goldenen Zeiten gerade mal 60 Prozent und wird bis zum Jahre 2045 auf 37,8 Prozent fallen. Es wird jedoch wenig verwendet.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 19.2px;\">Wenn heute jedoch von Rentenniveau gesprochen wird, ist damit das gemeint, was die Bundesregierung <\/span><strong style=\"font-size: 1.2em;\">Sicherungsniveau vor Steuern <\/strong>nennt. Dabei wird der Zahlbetrag der Standardrente, also nach Abzug von Kranken und Pflegeversicherungsbeitrag, verglichen mit dem Durchschnittsverdienst, ebenfalls nach Abzug der Sozialabgaben. Die Steuern bleiben au\u00dfen vor, Bundesregierung und Rentenkasse weisen das nach diesem Konzept errechnete Niveau mit 48 Prozent aus. Es liegt damit rund 5 Prozentpunkte niedriger als vor den Riesterreformen (rund 53 Prozent). Doch das ist leider nur die halbe Wahrheit. Professor Winfried Schm\u00e4hl kritisiert, dass die Rechenweise des Rentenniveaus vor Steuern zur weiteren\u00a0 Verschleierung der Tatsachen beitrage. Der steigende Abstand zwischen Arbeitnehmereinkommen und den Rentnereinkommen komme im aktuell ausgewiesenen Rentenniveau gerade durch die Ausklammerung der Steuereffekte nur unzureichend zum Ausdruck. <strong style=\"font-size: 1.2em;\">Die seit 2005 eingef\u00fchrte Rentenbesteuerung f\u00fchrt zu gegenl\u00e4ufigen Effekten f\u00fcr <span style=\"text-decoration: underline;\">Arbeitnehmer und Rentner. <\/span><\/strong>W\u00e4hrend Arbeitnehmer schrittweise immer mehr Beitr\u00e4ge von der Steuer absetzen k\u00f6nnen und damit entlastet werden, rutschen die Rentner schrittweise immer st\u00e4rker in die Besteuerung hinein. Jeder Rentenerh\u00f6hung wird neu veranlagt und h\u00f6her besteuert. Ein Rentenniveau vor Steuern ber\u00fccksichtigt dieses nicht und verharmlost nochmals damit die Verschlechterung der Einkommensposition der Rentner verglichen mit den Arbeitnehmern, von den Beamten zu schweigen.<\/p>\n<h3><strong>Klarstellung Nummer 3: <\/strong><\/h3>\n<p>Das Rentenniveau hat mit der Rentenh\u00f6he der einzelnen Rentner nur wenig zu tun. Manchmal f\u00fchrt es geradezu in die Irre. So ist das offizielle Rentenniveau in den vergangenen Jahren nur wenig gesunken (und von 2015 auf 2016 sogar gestiegen!) Dennoch sind die tats\u00e4chlichen Renten vieler Neurentner heute dramatisch niedriger als noch vor wenigen Jahren. Eine quantitative Aussage dar\u00fcber, was ein steigendes oder fallendes Rentenniveau f\u00fcr einen Rentner im Einzelfall bedeutet, ist damit nicht m\u00f6glich. Das liegt vor allem daran, dass das Rentenniveau nur etwas aussagt \u00fcber den sogenannten Standardrentner. Der wiederum ist nur ein Idealtypus, die Fiktion eines Arbeitnehmers, der 45 Jahre lang immer den Durchschnittsverdienst der versicherten Arbeitnehmer erreicht. Also vom ersten bis zum letzten Arbeitsjahr. Keine Zeiten der Arbeitslosigkeit, keine Elternzeit. Ist das realistisch? In Wirklichkeit schaffen die meisten Versicherten keine 45 Versicherungsjahre, sondern im Schnitt gerade mal 39,5 Jahre. Weniger Jahre bedeuten eben auch deutlich weniger Rente. Zudem wer vor dem offiziellen Renteneintrittsalter ( mit 67 Jahren!) in Rente geht, wird mit heftigen Abschl\u00e4gen bestraft. Das Rentenniveau kennt solche Rentenabschl\u00e4ge nicht. Auch keine Verluste, die durch Zeiten der Arbeitslosigkeit entstehen. Die sind insbesondere f\u00fcr Langzeitarbeitslose aber gravierend. Es wird nicht zur Kenntnis genommen, dass es nicht mehr die eine Erwerbsbiopgraphie bei einem Unternehmen gibt. Angefangen mit dem Praktikum, Zeitvertr\u00e4gen etc.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Die Rentenversicherungsgesetze werden von Abgeordneten beschlossen, die den Beamten gleichgestellt sind und damit nicht von den Auswirkungen betroffen werden. SPD Arbeitsminister Heil will eine <strong>Grundrente<\/strong> \u00fcber Sozialhilfeniveau <strong>ohne Bed\u00fcrftigkeitspr\u00fcfung. <\/strong>Der Rentenversicherungstr\u00e4ger soll die Berechnung einmalig vornehmen, wie bei der M\u00fctterrente. Die CDU\/CSU sperrt sich weiter, will eine Bed\u00fcrftigkeitspr\u00fcfung nach Sozialhilfestandards ohne Anerkennung der Lebensleistung aber weitere Erleichterungen f\u00fcr die Unternehmen. Der Sozialstaatsgedanke des Ausgleiches aus Artikel 14 Absatz 2 des Grundgesetzes ist verloren gegangen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Hartz IV und Schr\u00f6der sollen in der Versenkung verschwinden.<\/strong> Dies kann unter der Ampelkoalition gelingen.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Eine Umkehr wird es nur geben, wenn eine Mehrheit der Politiker das Grundproblem der fehlenden Kaufkraft erkennen. Gegenw\u00e4rtig haben die Parteien keinerlei Vision f\u00fcr die Mehrheit der W\u00e4hler, die Arbeitnehmer. Es fehlt der Geist zu einer weitsichtigen Politik, kluger, solidarischer neuer Renten-Konzepte ohne Bemessungsgrenzen. Die Verantwortung tragen nach\u00a0 Artikel 21 des Grundgesetzes die &#8222;eingeigelten&#8220; Parteien.<\/strong><\/span><strong>\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Ukrainekrieg facht die Inflation an. Rentner verarmen zusehends. Die 5 % Rentenerh\u00f6hung im Juli 2022 bleibt mindestens 3 % unter der ausgewiesenen Inflation. Grundnahrungsmittel sind um \u00fcber 20 % seit Jahresbeginn teurer. <\/strong><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong><br \/>\n<\/strong><\/span><\/p>\n<h2><strong>Wo bleibt der Ruck<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Ende Teil 1\u00a0 Teil 2 folgt <br \/>\n<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chim\u00e4re Rentenniveau\u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0 Was ist eigentlich das Rentenniveau? Eines vorweg, das meiste was Sie dar\u00fcber in Diskussionen oder in den Medien h\u00f6ren und lesen, ist irref\u00fchrend. Es wurde und wird mit dem Rentenniveau jede Menge Schindluder getrieben. 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