{"id":8985,"date":"2019-11-22T12:12:25","date_gmt":"2019-11-22T11:12:25","guid":{"rendered":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/?p=8985"},"modified":"2019-11-21T13:35:50","modified_gmt":"2019-11-21T12:35:50","slug":"zugang-zu-pflegeleistungen-fuer-menschen-mit-demenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/2019\/11\/zugang-zu-pflegeleistungen-fuer-menschen-mit-demenz\/uwiemann\/","title":{"rendered":"Zugang zu Pflegeleistungen f\u00fcr Menschen mit Demenz"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p>Es wird nicht mehr nach Defiziten, es wird nach &#8222;F\u00e4higkeiten&#8220; beurteilt und die nachvollziehbaren Minuten entfallen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Wann ist ein Mensch pflegebed\u00fcrftig?<\/strong><\/p>\n<p>Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten, denn Pflegebed\u00fcrftigkeit hat ganz unterschiedliche Gesichter. Der neue, deutlich weiter gefasste Pflegebed\u00fcrftigkeitsbegriff, der mit dem zweiten Pflegest\u00e4rkungsgesetz eingef\u00fchrt wurde und ab dem 1.1.2017 gilt, wird dieser Tatsache gerecht. Mit dem neuen Pflegebed\u00fcrftigkeitsbegriff verschwindet die unterschiedliche Behandlung von k\u00f6rperlich bedingten Beeintr\u00e4chtigungen auf der einen Seite und geistig beziehungsweise seelisch bedingten Beeintr\u00e4chtigungen auf der anderen. Bezog sich Pflegebed\u00fcrftigkeit bis dahin vor allem auf k\u00f6rperliche bedingte Beeintr\u00e4chtigungen, werden jetzt auch geistige und psychisch bedingte Beeintr\u00e4chtigungen st\u00e4rker ber\u00fccksichtigt. Es kommt also nicht mehr wie bisher nur vorrangig auf den zeitlichen Hilfebedarf bei k\u00f6rperlichen Verrichtungen an, sondern was z\u00e4hlt, sind der einzelne Mensch und das Ausma\u00df, in dem er seinen Alltag in den sechs daf\u00fcr zentralen Lebensbereichen alleine bew\u00e4ltigen kann. Statt drei Pflegestufen und der zus\u00e4tzlichen Feststellung einer erheblich eingeschr\u00e4nkten Alltagskompetenz zum Beispiel aufgrund einer Demenz, gibt es ab 1.1.2017, f\u00fcnf Pflegegrade, die separaten Zuschl\u00e4ge f\u00fcr Demenz sind eingearbeitet. ES hei\u00dft: Die Begutachtung f\u00fchrt zu einer differenzierteren Einstufung, denn sie ber\u00fccksichtigt genauer und umfassender als bisher die Beeintr\u00e4chtigungen und F\u00e4higkeiten der Menschen. Verschwiegen wird oft, es ist eine Systemwechsel in der Beurteilung. Die Aufzeichnungen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK), werden durch die jeweilige Pflegekasse in einen Bescheid, einen Verwaltungsakt, gegossen.<\/p>\n<p><strong>Die Nachricht, insbesondere f\u00fcr Menschen mit einer Demenzerkrankung. Sie erhalten damit den gleichen Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung wie Pflegebed\u00fcrftige mit k\u00f6rperlichen Einschr\u00e4nkungen. <\/strong><\/p>\n<p>Um Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen zu k\u00f6nnen, muss zun\u00e4chst <strong>ein Antrag<\/strong> bei der Pflegekasse gestellt werden. Die Pflegekasse ist bei der jeweiligen Krankenkasse angesiedelt. Den Antrag k\u00f6nnen Betroffene selbst, aber auch Familienangeh\u00f6rige, Freunde oder der gesetzliche Betreuer stellen, wenn die betroffene Person dies nicht mehr selbst organisieren kann und deswegen eine andere Person eine entsprechende Vollmacht hat. Privat Versicherte stellen einen Antrag bei ihrem privaten Versicherungsunternehmen.<\/p>\n<p>Nach der Antragstellung beauftragt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder andere unabh\u00e4ngige Gutachter mit der Begutachtung zur Feststellung von Pflegebed\u00fcrftigkeit. Bei privat Versicherten erfolgt die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst von MEDICPROOF.<\/p>\n<p>Ab dem 1.1.2017 kommt bei der Einsch\u00e4tzung der Pflegebed\u00fcrftigkeit ein neues Begutachtungsinstrument zum Einsatz. Es geht von der individuellen Pflegesituation aus und orientiert sich an Fragen wie: Was kann der oder die Pflegebed\u00fcrftige im Alltag alleine leisten? Welche F\u00e4higkeiten sind noch vorhanden? Wie selbstst\u00e4ndig ist der oder die Erkrankte? Wobei ben\u00f6tigt er oder sie Hilfe?<\/p>\n<p>Grundlage der neuen Begutachtung ist der \u00fcberarbeitete Pflegebed\u00fcrftigkeitsbegriff: Im Mittelpunkt steht der einzelne Mensch mit seinen Beeintr\u00e4chtigungen und F\u00e4higkeiten unabh\u00e4ngig davon, ob er k\u00f6rperlich, geistig oder psychisch erkrankt ist. Diese Begutachtung wird an Demenz erkrankten Personen und ihrem besonderen Pflege und Betreuungsbedarf wesentlich besser gerecht als das bisherige Verfahren, das vor allem auf k\u00f6rperliche Beeintr\u00e4chtigungen zugeschnitten war und den Hilfebedarf in Minuten feststellte.<\/p>\n<p>Die jeweilige Gutachterin oder der jeweilige Gutachter kommt ausschlie\u00dflich nach vorheriger Terminvereinbarung in die Wohnung oder die Pflegeeinrichtung es gibt keine unangek\u00fcndigten Besuche. Zum Termin sollten idealerweise auch die Angeh\u00f6rigen oder Betreuer des erkrankten Menschen, die ihn unterst\u00fctzen, anwesend sein. Aufzeichnungen des Hausarztes und der Hilfen \u00fcber den Tag sind hilfreich. Das Gespr\u00e4ch mit ihnen erg\u00e4nzt das Bild des Gutachters davon, wie selbstst\u00e4ndig der Antragsteller noch ist beziehungsweise welche Beeintr\u00e4chtigungen vorliegen. Der Gutachter wird dabei nach dem neuen Begutachtungsinstrument folgende Lebensbereiche n\u00e4her betrachten.<\/p>\n<blockquote>\n<p><strong>Mobilit\u00e4t: Der Gutachter schaut sich die k\u00f6rperliche Beweglichkeit an: Kann die betroffene Person zum Beispiel alleine aufstehen und vom Bett ins Badezimmer gehen? Kann sie sich selbstst\u00e4ndig in den eigenen vier W\u00e4nden bewegen, ist Treppensteigen m\u00f6glich? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Geistige und kommunikative F\u00e4higkeiten: Dieser Bereich umfasst das Verstehen und Reden: Kann sich der Betroffene zeitlich und r\u00e4umlich orientieren? Versteht er Sachverhalte, erkennt er Risiken und kann er Gespr\u00e4che mit anderen Menschen f\u00fchren?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Verhaltensweisen und psychische Problemlagen:Hierunter fallen unter anderem Unruhe in der Nacht oder \u00c4ngste und Aggressionen, die f\u00fcr die pflegebed\u00fcrftige Person, aber auch f\u00fcr ihre Angeh\u00f6rigen, belastend sind. Auch wenn Abwehrreaktionen bei pflegerischen Ma\u00dfnahmen bestehen, wird dies hier ber\u00fccksichtigt.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Selbstversorgung: Kann sich der Antragsteller selbstst\u00e4ndig waschen, anziehen, die Toilette aufsuchen sowie essen und trinken? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Selbstst\u00e4ndiger Umgang mit krankheits oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen sowie deren Bew\u00e4ltigung: Der Gutachter kl\u00e4rt, ob der Betroffene zum Beispiel Medikamente selbst einnehmen, den Blutzucker eigenst\u00e4ndig messen kann, ob er mit Hilfsmitteln wie Prothesen oder einem Rollator zurechtkommt und einen Arzt aufsuchen kann.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Kann der Betroffene zum Beispiel seinen Tagesablauf selbstst\u00e4ndig gestalten? Kann er mit anderen Menschen in direkten Kontakt treten oder die Skatrunde ohne Hilfe besuchen?<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Zus\u00e4tzlich werfen die Gutachter einen Blick auf au\u00dferh\u00e4usliche Aktivit\u00e4ten und die Haushaltsf\u00fchrung. <\/strong>Die Antworten in diesen Bereichen werden nicht f\u00fcr die Einstufung der Pflegebed\u00fcrftigkeit herangezogen, weil die hierf\u00fcr relevanten Beeintr\u00e4chtigungen schon bei den Fragen zu den sechs Lebensbereichen mitber\u00fccksichtigt sind. Allerdings helfen diese Informationen den Pflegeberaterinnen und beratern der Pflegekasse, wenn Pflegebed\u00fcrftigkeit festgestellt wurde. Sie k\u00f6nnen den Pflegebed\u00fcrftigen mit Blick auf weitere Angebote und Sozialleistungen beraten und einen auf ihn zugeschnittenen Versorgungsplan erstellen. Auch f\u00fcr eine Pflegeplanung der Pflegekr\u00e4fte sind die Informationen als Erg\u00e4nzung sehr hilfreich.<\/p>\n<p>Charakteristisch f\u00fcr eine Demenzerkrankung ist, dass Betroffene sehr unterschiedliche Tagesformen haben k\u00f6nnen. Auf Tage, in denen sie relativ pr\u00e4sent sind, folgen solche, an denen sich Ged\u00e4chtnisst\u00f6rungen stark bemerkbar machen und umgekehrt. Die Gutachterinnen und Gutachter wissen das. Daher beziehen sie neben den Antworten der Betroffenen auch Schilderungen ihrer Angeh\u00f6rigen in ihre Einsch\u00e4tzung mit ein.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>F\u00fcr die Einsch\u00e4tzung der Pflegebed\u00fcrftigkeit ermitteln die Gutachterinnen und Gutachter jeweils, in welchem Ausma\u00df der Pflegebed\u00fcrftige bei einzelnen Handlungen oder F\u00e4higkeiten beeintr\u00e4chtigt ist und deswegen die Hilfe anderer Personen ben\u00f6tigt. <\/strong><\/li>\n<li><strong>Dabei werden Punkte vergeben, die Ergebnisse werden unterschiedlich gewichtet. <\/strong><\/li>\n<li><strong>Auf der Basis des Gesamtpunktwertes erfolgt die Einstufung in einen der f\u00fcnf Pflegegrade. <\/strong><\/li>\n<li><strong>20 &#8211; 25 % der Antragsteller erhalten keine Pflegestufe; es m\u00fcssen 12,5 Punkte erreicht werden. <\/strong><\/li>\n<li><strong>Jedem zweiten Widerspruch wird abgeholfen.<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>War der Beitrag informativ, teilen Sie ihn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wird nicht mehr nach Defiziten, es wird nach &#8222;F\u00e4higkeiten&#8220; beurteilt und die nachvollziehbaren Minuten entfallen. 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