{"id":9616,"date":"2019-08-07T12:25:33","date_gmt":"2019-08-07T10:25:33","guid":{"rendered":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/?p=9616"},"modified":"2019-08-18T18:38:28","modified_gmt":"2019-08-18T16:38:28","slug":"gesundheit-ist-leider-ein-geschaeftsmodell-gedanken-zur-insolvenz-kko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/2019\/08\/gesundheit-ist-leider-ein-geschaeftsmodell-gedanken-zur-insolvenz-kko\/sraebiger\/","title":{"rendered":"Gesundheit ist (leider) ein Gesch\u00e4ftsmodell &#8211; Gedanken zur Insolvenz KKO"},"content":{"rendered":"<h3>In der Tagespresse wird mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit des Krankenhauses informiert. Die gewinnbringenden Altenhilfeeinrichtungen bleiben unerw\u00e4hnt.<\/h3>\n<h2>Werden Medikamente oder Bettpl\u00e4tze im Krankenhaus bewusst verknappt, um Preise zu diktieren? Was nutzt es, dass<\/h2>\n<ul>\n<li>die Krankenkasse z.B. die Vorsorge f\u00fcr G\u00fcrtelrose \u00fcbernimmt, aber kein Medikament zur Verf\u00fcgung steht.<\/li>\n<li>der Notarzt in k\u00fcrzester Zeit den Einsatzort erreicht, aber das angefahrene Krankenhaus die Aufnahme verweigert.<\/li>\n<\/ul>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Gesundheit und die notwendigen Einrichtungen zur Pflege und Betreuung von Geburt bis Tod sind derzeit dem freien Kapitalmarkt \u00fcberlassen. Sie sind ein Spekulationsobjekt wie eine Handelsware, mit denen Konzerne, Kapitalanleger auf Kosten der Allgemeinheit Gewinne erwirtschaften. Der Staat setzt \u00fcberwiegend auf Selbstkontrolle der Einrichtungen und Hersteller und greift nur bei Ausnahmen ordnungsbeh\u00f6rdlich ein.<\/p>\n<p>Im Jahr 2019 werden in Deutschland etwa 80 Mrd. Euro Umsatz im Gesundheitswesen erzielt, davon entfallen rund die H\u00e4lfte auf die Pharmaindustrie. Die Gesundheitsausgaben in Deutschland haben im Jahr 2017 erstmals die Marke von 1 Milliarde Euro pro Tag \u00fcberschritten. Vor diesem Hintergrund wird klar, dass und warum das Gesundheitswesen &#8211; wie im \u00dcbrigen alle anderen Wirtschaftszweige in einer Marktwirtschaft auch &#8211; vor allem \u00f6konomischen Prinzipien folgt und eben nicht gemeinwohl- oder ausschlie\u00dflich patientenorientiert ist.<\/p>\n<h1>Gesundheitsplanung<\/h1>\n<p>&#8222;Wesentliche Aufgabe der kommunalen Gesundheitsplanung ist es, in Abstimmung mit der Gesundheitskonferenz die gesundheitliche Situation der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zu erfassen, Verbesserungspotenziale festzustellen und L\u00f6sungsstrategien zu entwickeln. Gesundheitsrelevante Daten dienen hierbei als Grundlage zur kontinuierlichen Umsetzung von Projekten zur gesundheitlichen F\u00fcr- und Vorsorge&#8220;, so zu finden auf der Homepage der Stadt Oberhausen. Wer sich weiter informiert, findet keinen Hinweis auf eine kommunale Krankenhausplanung. Bei Nachfragen wird auf die Bezirksregierung in D\u00fcsseldorf verwiesen. Die Krankenhausplanung ist origin\u00e4re L\u00e4nderaufgabe.<\/p>\n<p>Zur Diskussion um die Insolvenz der Kath. Krankenhaus GmbH Oberhausen (KKO) passt die zeitgleiche Bertelsmann-Studie, jedes zweite Krankenhaus kann geschlossen werden. Dies ist aber nichts Neues, bereits 2014 pl\u00e4dierte die AOK Baden-W\u00fcrttemberg: \u201eKleine Kliniken m\u00fcssen auf den Pr\u00fcfstand.\u201c (Stuttgarter Zeitung 12.1.2014). Der Bundesgesetzgeber hat bereits ein Krankenhausstrukturgesetz mit einem Strukturfond von 500 Mio.\u20ac aufgelegt, zum (weiteren) Abbau und der Konzentration im Krankenhausbereich. Von 1991 bis 2016 wurden bereits 809 Krankenh\u00e4user im kommunalen und freigemeinn\u00fctzigen Bereich geschlossen aber zeitgleich wurden 349 private Krankenh\u00e4user er\u00f6ffnet. 2016 gab es in Deutschland insgesamt 1.951 Krankenh\u00e4user.\u00a0<\/p>\n<p>Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat die Reform der Krankenhausversorgung in Nordrhein-Westfalen als eines seiner zentralen gesundheitspolitischen Themen benannt. Ziel des Landes ist es, die Krankenhausplanung in Nordrhein-Westfalen bedarfs- und qualit\u00e4tsorientiert weiterzuentwickeln. Ende Juni 2019 wurde dem Gesundheitsministerium das bestellte Gutachten mit seinen Handlungsempfehlungen f\u00fcr die Krankenhauslandschaft in Nordrhein-Westfalen \u00fcbergeben. Ende des Jahres 2019 soll ein Entwurf f\u00fcr eine neue Krankenhausplanung vorliegen. Der geltende <a href=\"https:\/\/www.aekno.de\/aerztekammer\/krankenhausplanung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow external\" data-wpel-link=\"external\" title=\"Externer Link: Krankenhausplan NRW 2015\" class=\"ext-link wpel-icon-right\">Krankenhausplan NRW 2015<span class=\"wpel-icon wpel-image wpel-icon-6\"><\/span><\/a> ist am 23. Juli 2013 in Kraft getreten. \u201eEr stellt die Grundlage f\u00fcr die Sicherstellung einer fl\u00e4chendeckenden station\u00e4ren Versorgung in Nordrhein-Westfalen dar\u201c und warb weiter \u201eund vollzieht einen Wechsel in Richtung qualit\u00e4tsorientierte Krankenhausplanung.&#8220;<\/p>\n<p>In der Tagespresse findet sich dazu: Der Leserkommentar vom 27.7.19 von Dr.med. Seeliger: \u201eDenn nur ein Krankenhaus, das sich finanziell tr\u00e4gt, kann Patienten gut versorgen und ein zuverl\u00e4ssiger Arbeitgeber sein. <a href=\"https:\/\/www.waz.de\/staedte\/oberhausen\/klinik-pleite-spd-sieht-versorgung-in-osterfeld-gefaehrdet-id226530949.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow external\" data-wpel-link=\"external\" title=\"Externer Link: Wer fordert, dass es f\u00fcr jeden Stadtteil ein eigenes Krankenhaus geben muss, soll bitte auch darlegen, wie das finanziert werden soll!\" class=\"ext-link wpel-icon-right\">Wer fordert, dass es f\u00fcr jeden Stadtteil ein eigenes Krankenhaus geben muss, soll bitte auch darlegen, wie das finanziert werden soll!<span class=\"wpel-icon wpel-image wpel-icon-6\"><\/span><\/a>.\u201c Dies\u00a0 ist eine Replik auf die \u00c4u\u00dferung des sozialpolitischen Sprechers der Oberhausen SPD im Rat vom 20.7.19: \u201eDas Marienhospital in Osterfeld m\u00fcsse auf jeden Fall erhalten bleiben.\u201c<\/p>\n<p>M\u00e4chtige Lobbyinteressen und unterst\u00fctzende strukturelle Marktlogiken stehen einem rein am Patientenwohl orientierten Gesundheitswesen schlichtweg entgegen. Auf das Verh\u00e4ltnis zwischen Arzt und Patient bezogen, wird das rein wirtschaftliche Denken recht anschaulich in Eugen Roths Aphorismus: &#8222;Was bringt den Doktor um sein Brot? a) Die Gesundheit, b) der Tod. Drum h\u00e4lt der Arzt, auf dass er lebe, uns zwischen beiden in der Schwebe.&#8220;<\/p>\n<p>Die Insolvenz der KKO wurde am 9.7.19 \u00f6ffentlich in der Tageszeitung verk\u00fcndet. Wenn ein Hauptgrund die R\u00fcckforderung von einer Million \u20ac durch die Krankenkassen war, zeigt es mehr als fehlende wirtschaftliche F\u00fchrung, Kontrolle und Aufsicht. Gefordert ist das Erzbistum als Gesellschafter aber auch als \u00f6ffentlicher Tr\u00e4ger. Eine m\u00f6gliche Privatisierung von Teilen bringt keine Konsolidierung in der Gesundheitsversorgung.<\/p>\n<p><strong>Bettenabbau erh\u00f6ht den Druck<\/strong> zu noch st\u00e4rkeren Verweildauerverk\u00fcrzungen, von vormals 14,6 Tage in 1991 auf 7,3 Tage in 2016 und damit zu vorzeitigen (blutigen) Entlassungen. Darunter leiden besonders die \u00c4lteren und unteren Schichten. Letztendlich bedeutet die Liegezeitverk\u00fcrzung nichts Anderes, als den Ersatz von professioneller Pflege und Versorgung durch Laienpflege. Schon heute m\u00fcssen \u00fcber 52 Prozent der anerkannt Pflegebed\u00fcrftigen in\u00a0 Oberhausen zu Hause ohne ambulante Unterst\u00fctzung gepflegt werden. Die zu 20 Prozent nicht anerkannt Pflegebed\u00fcrftigen und die vorzeitig aus dem Krankenhaus Entlassenen sind noch nicht mitgerechnet.<\/p>\n<h1>Ausblick:<\/h1>\n<p>Der stellv. Aufsichtsrat der KKO GmbH, Dipl.-Ing. Wilhelm Hausmann, selbst\u00e4ndiger Architekt, wird sich in seiner Eigenschaft als Landtagsabgeordneter daf\u00fcr einsetzen, dass die \u00f6ffentlichen Strukturmittel f\u00fcr den Abbau der \u201evermeintlichen\u201c \u00dcberkapazit\u00e4ten flie\u00dfen und die Umstrukturierung zum Wohle der Eigent\u00fcmer und Betreiber erm\u00f6glicht wird. \u00a0<\/p>\n<p>Die wohnortnahe Versorgung ist ein gro\u00dfer Vorteil f\u00fcr Patienten und Angeh\u00f6rige, insbesondere f\u00fcr \u00c4ltere, Gebrechliche, Familien mit Kindern.\u00a0 Der Bedarf hat sich an der Bev\u00f6lkerung zu orientieren, nicht allein an den Investoren oder Geldgebern. Unterst\u00fctzen wir das Anliegen der Landesregierung einer bedarfs- und qualit\u00e4tsorientiert Krankenhausplanung. Die B\u00fcrger und Parteien sind aufgerufen sich f\u00fcr die notwendige Umstrukturierungen in die fehlenden Altenhilfeeinrichtungen insbesondere der Tages- Kurzzeit- und Verhinderungspflege einzubringen. So kann die notwendige Gesundheits- und Altenhilfeplanung in Oberhausen gelingen.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Vertrauen \u00fcber die Presse zu verlangen sind \u00fcberkommene Denkstrukturen; vertrauen kann erworben werden.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Den Mitarbeiter ist Vertrauen entgegenzubringen: sie kennen die Schw\u00e4chen und M\u00e4ngel des Alltags, die zu beheben sind. Oder wird nur formaler Sachverstand teuer eingekauft und dann umgesetzt. Sollte nicht die Strategie sein, die wahren Eigent\u00fcmern, die Gemeindemitgliedern der Kirchengemeinden, zu befragen welche Strukturen und Zielsetzungen soll f\u00fcr die Zukunft verfolgt werden sollen.\u00a0<\/p>\n<p>Warten allein auf Landesmittel oder bis zu den Kommunal- und der ersten Ruhrparlamentswahl im September 2020 wird nicht helfen.<\/p>\n<p><b>Nachtrag:<\/b><\/p>\n<p>In der Tagespresse (NRZ\/WAZ) folgten u.a. Leserbriefe<\/p>\n<p>&#8222;Bistum beim KKO gefordert&#8220; von Pfarrer i.R. Ulrich Samse und &#8222;Klinikum wirbt um Vertrauen&#8220; Martin Goeke, Linken-Ratsherr.<\/p>\n<p>Kommentar von P.Szymaniak: &#8222;KKO: Ein Gebr\u00e4u aus Dilettantismus und Unverm\u00f6gen&#8220; 17.8.19 mit weiteren Leserbriefen vom Tag auf gleicher Seite. zu -Aus f\u00fcr St.-Josef-Hospital- &#8222;Traurig&#8220; Dr.Karl Sch\u00e4fer, &#8222;Marode gespart&#8220; Helmut K. und &#8222;Politik in der Pflicht&#8220; Christiane Weber<\/p>\n<p>Bis zum Jahresende 2019 soll die Insolvenz mit Entlassung von 240 Kr\u00e4ften und die Aufgabe des Standortes St.-Josef-Hospital beendet sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Tagespresse wird mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit des Krankenhauses informiert. Die gewinnbringenden Altenhilfeeinrichtungen bleiben unerw\u00e4hnt. Werden Medikamente oder Bettpl\u00e4tze im Krankenhaus bewusst verknappt, um Preise zu diktieren? Was nutzt es, dass die Krankenkasse z.B. die Vorsorge f\u00fcr G\u00fcrtelrose \u00fcbernimmt, aber kein Medikament zur Verf\u00fcgung steht. der Notarzt in k\u00fcrzester Zeit den Einsatzort erreicht,&hellip; <a class=\"continue\" href=\"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/2019\/08\/gesundheit-ist-leider-ein-geschaeftsmodell-gedanken-zur-insolvenz-kko\/sraebiger\/\" data-wpel-link=\"internal\"> \u00bb weiterlesen: <span> Gesundheit ist (leider) ein Gesch\u00e4ftsmodell &#8211; Gedanken zur Insolvenz KKO<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":612,"featured_media":9594,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"generate_page_header":"","footnotes":""},"categories":[1,1122,5,4],"tags":[1330,1333,1326,1327,846,1332,939,1379,1328,243,1334,1335,1303,1329,1331],"class_list":["post-9616","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-dies-und-das","category-ernaehrung-hygiene","category-recht","category-unterstuetzung","tag-bettenabbau","tag-gesundheitsplanung","tag-insolvenz","tag-kko","tag-krankenhaeusern","tag-krankenhausplanung","tag-laumann","tag-leserbriefe","tag-liegezeit","tag-qualitaet","tag-ruhrparlament","tag-strukturmittel","tag-vertrauen","tag-verweildauer","tag-wohnortnah"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9616","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/612"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9616"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9616\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9594"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9616"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9616"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9616"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}