{"id":9690,"date":"2020-01-22T11:55:44","date_gmt":"2020-01-22T10:55:44","guid":{"rendered":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/?p=9690"},"modified":"2020-01-09T17:12:35","modified_gmt":"2020-01-09T16:12:35","slug":"wem-gehoert-das-pflegeheim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/oberhausen\/2020\/01\/wem-gehoert-das-pflegeheim\/sraebiger\/","title":{"rendered":"Wem geh\u00f6rt das Pflegeheim?"},"content":{"rendered":"<h2>Pflegeimmobilie eine sichere Geldanlage oder notwendige Einrichtung der B\u00fcrger<\/h2>\n<p>Die bekannten Betreiber, wie Alloheim, AWO, Caritas, Diakonie, Johanniter, Korian, Kursana, Stadt und andere sind als Betreiber oft nicht direkt die Eigent\u00fcmer der Geb\u00e4ude, der Einrichtung. \u00a0Eigent\u00fcmer sind die Besitzgesellschaften oder Fonds. Aus Vorsicht und zur weiteren Gewinnerzielung wird noch eine Verwaltungsgesellschaft zwischen Betreiber und Investor eingeschaltet. Dieses System wurde m\u00f6glich durch die Einf\u00fchrung des Pflegeversicherungsgesetzes 1994 (SGB XI) und die \u00d6ffnung des Marktes f\u00fcr Privatinvestoren und die Abkehr vom <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/politik\/grundfragen\/deutsche-verhaeltnisse-eine-sozialkunde\/138741\/der-sozialstaat-was-ist-das-ueberhaupt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow external\" data-wpel-link=\"external\" title=\"Externer Link: Sozial- hin zum Wohlfahrtsstaat\" class=\"ext-link wpel-icon-right\">Sozial- hin zum Wohlfahrtsstaat<span class=\"wpel-icon wpel-image wpel-icon-6\"><\/span><\/a>.\u00a0 Es gilt nun &#8222;Privat vor Staat&#8220;.<\/p>\n<p>Die Finanzkrise 2008 kann als Vorl\u00e4ufer einer zuk\u00fcnftigen Rezession gesehen werden. Wie die Geschichte des Geldes zeigt, wird eine \u00f6ffentliche Verschuldung, wie wir sie heute in Europa sehen, durch eine Nullzinspolitik hinausgez\u00f6gert und nur durch eine Geldwertinflation oder eine W\u00e4hrungsreform abgebaut werden k\u00f6nnen. Einige wollen deshalb raus aus dem Euro, zur\u00fcck zur DMark. Geworben wird mit Sachwerten in Form von Aktien oder in richtigen Steinen, in Immobilien. \u00a0Nationale und internationale Kapitalgeber investieren verst\u00e4rkt in Altenpflegeheime und setzen bei Ihren Ankaufskriterien eine Bettenanzahl von mindestens 80 Pl\u00e4tzen voraus. Der Betreiber zahlt oft eine indexierte Pacht f\u00fcr die gesamte Immobilie gegen\u00fcber der Verwaltungsgesellschaft. Der Eigent\u00fcmer tr\u00e4gt nicht das Risiko bei Leerstand des Apartments oder der Reparatur von Dach und Fach.\u00a0<\/p>\n<h2>Finanzierung<\/h2>\n<p>Wenn ein Bewohnerzimmer 21 qm gro\u00df ist, werden bis zu 45 qm insgesamt ben\u00f6tigt; auch die Allgemeinfl\u00e4chen m\u00fcssen gebaut und unterhalten werden. Die 45 qm kosten pro qm maximal 2.500 \u20ac = 112.500 \u20ac. Dies ergibt bei dem ben\u00f6tigten Kapital und heutigem Zins von 2% einen j\u00e4hrlichen Zins von 2.250 \u20ac oder t\u00e4glich 6,25 \u20ac. Dem Investor werden aber bis zu 5% Zins versprochen = 5.625 \u20ac (15,63 \u20ac\/tgl.) Bei einer Abschreibung\/Laufzeit von 25 Jahren sind zus\u00e4tzlich j\u00e4hrlich 4.500 \u20ac (12,50 \u20ac\/tgl.) zu tilgen. So erkl\u00e4ren sich reine Fremd-Investitionskosten von \u00fcber 27 \u20acuro t\u00e4glich bei einem Neubau. Ist der Betreiber gleichzeitig auch Eigent\u00fcmer, ist er laufend bem\u00fcht, mit der erzielten Abschreibung den Standard zu halten und bleibt immer vergleichbar mit einem Neubau bei\u00a0 gleichzeitig erheblich niedrigeren anerkannten Investitionskosten. Nicht zu untersch\u00e4tzen ist die entsprechende Atmosph\u00e4re in einer zu einer modernen Senioreneinrichtung gewachsenen Altersversorgungs-Anstalt aus dem 19. Jahrhundert.<\/p>\n<h2>Wie werden die Ertr\u00e4ge besteuert?<\/h2>\n<p>Es handelt sich bei den Ertr\u00e4gen eines Investors um Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung. Damit unterliegen die Einnahmen der Einkommenssteuer. Von den Mieteinnahmen werden die AfA (Abschreibung f\u00fcr Abnutzung), die Verwaltergeb\u00fchr und m\u00f6gliche Zinskosten abgezogen. Ein Vorteil bei der Abschreibung ist, dass der Grundst\u00fccksanteil geringer ist als bei Wohnimmobilien. Die Besteuerung der Einnahmen f\u00e4llt in der Regel deutlich g\u00fcnstiger aus, als bei Kapitalertr\u00e4gen, auch wenn sie pauschal f\u00fcr Deutsche mit 25% versteuert werden.<\/p>\n<h2>Was passiert bei einer Insolvenz des Betreibers<\/h2>\n<p>Selbst wenn ein Betreiber Insolvenz anmeldet, ist die Immobilie interessant f\u00fcr andere Betreiber. Zahlreiche expansiv ausgerichtete Betreiber suchen nach \u00dcbernahmem\u00f6glichkeiten, da es deutlich einfacher ist eine bestehende Einrichtung zu \u00fcbernehmen. Eine Besonderheit bei Pflegeimmobilien ist zudem, dass die Bewohner und \u201eZahler\u201c in der Immobilie verbleiben. Ein neuer Betreiber hat also direkte Einnahmen, aus denen er die Miete f\u00fcr das Objekt zahlen kann. Verliert der Investor einer Pflegeimmobilie oder nur eines Pflegeapartments den Mieter, hier den Betreiber, durch eine Insolvenz, <strong>keine Sorge; der pflegebed\u00fcrftige Bewohner bleibt erhalten.<\/strong> \u00a0<\/p>\n<p>Eine weitere Sicherheit bei Pflegeobjekten ist die \u201estaatliche F\u00fcrsorgepflicht\u201c. Die zust\u00e4ndige kontrollierende Kommunal- oder Landesbeh\u00f6rde (WTG-Beh\u00f6rde), fr\u00fchere Heimaufsicht, sorgt f\u00fcr einen neuen Betreiber. Dies ist der Vorteil f\u00fcr Kapitalanleger, die in die Form der Sozialimmobilie investieren.\u00a0 Auch der Betreiber profitiert bei Pflegeheimen vom Status der \u201eSozialimmobilie\u201c. Nach \u00a7 72 SGB XI erhalten Betreiber von Pflegeheimen einen Ausgleich durch das Sozialamt (Grundsicherung), wenn ein Bewohner nicht in der Lage ist die Tagespfleges\u00e4tze in voller H\u00f6he zu erbringen. In Nordrhein-Westfalen werden die Investitionskosten separat ermittelt und als eine Form des Wohngeldes direkt an den Betreiber ausgezahlt.<\/p>\n<h2>Notwendige Einrichtung der B\u00fcrger<\/h2>\n<p>Pflegeimmobilien sind in Deutschland der Zukunftsmarkt. Die B\u00fcrger der Kommune treten voll in das Risiko ein. Wer dies nicht glaubt, kann die Auswirkungen in England bereits beobachten. Die Betreiber reinvestieren nicht wie verantwortliche Eigent\u00fcmer in die Einrichtung, sie ziehen einen optimalen Kapitalzins. Die laufenden Instandhaltungen und Erneuerungen werden nicht durchgef\u00fchrt, obwohl dies in den Investitionsgeldern refinanziert wird. Die Pflegebed\u00fcrftigen nehmen zu, die Kommunen sind gezwungen die maroden Pflegeimmobilien nach Ablauf der 25 Jahre zu erwerben, um die Pflege der B\u00fcrger zu gew\u00e4hrleisten. Wohlhabende haben ein besonderes Interesse ihre weitgehende Unabh\u00e4ngigkeit vor konjunkturellen Schwankungen weiter zu sichern und fordern punktuell entsprechende Planungen. Dass die <a href=\"https:\/\/recht.nrw.de\/lmi\/owa\/br_text_anzeigen?v_id=10000000000000000024\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow external\" data-wpel-link=\"external\" title=\"Externer Link: Altenhilfeplanung nach Landesgesetz\" class=\"ext-link wpel-icon-right\">Altenhilfeplanung nach Landesgesetz<span class=\"wpel-icon wpel-image wpel-icon-6\"><\/span><\/a> in der Kommune wegen fehlender Vorarbeit f\u00fcr die B\u00fcrger unterlassen wird, weil sich R\u00e4te und B\u00fcrger nicht aktiv einsetzen, zeigt den Stellenwert der Altenhilfe, sie ist bisher keine Pflichtaufgabe. Was nutzen Formulierungen: &#8222;Ziel dieses Gesetzes ist die Sicherstellung einer leistungsf\u00e4higen und nachhaltigen Unterst\u00fctzungsstruktur f\u00fcr \u00e4ltere Menschen und pflegebed\u00fcrftige Menschen sowie deren Angeh\u00f6rige durch die F\u00f6rderung der Entstehung, Entwicklung und Qualit\u00e4t von Dienstleistungen, Beratungsangeboten, Pflegeeinrichtungen und alternativen Wohnformen&#8220;.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Dies k\u00f6nnte eine Aufforderung an die B\u00fcrgergesellschaft sein, bei Zeiten mit Gleichgesinnten Vorsorge zu betreiben.<\/p>\n<p><strong>Zur Klarstellung:<\/strong> Altenhilfeeinrichtungen in \u00f6ffentlicher Hand, ohne echte professionelle\u00a0 wirtschaftliche und fachliche F\u00fchrung mit unabh\u00e4ngigen Kontrollorganen, gew\u00e4hrleisten keine w\u00fcrdevolle Pflege. Es bedarf einer breiten gesellschaftlichen Werte-Diskussion. Empathie und Zuneigung entziehen sich wirtschaftlichen Messgr\u00f6\u00dfen. <b>Die Alterung der Gesellschaft \u2013 eine Herausforderung f\u00fcr den Sozialstaat. <\/b>Die Herausforderungen beruhen vor allem auf den drastischen Ver\u00e4nderungen der Familienstrukturen hin zur Individualisierung. Die Leistungen der informellen Wohlfahrtshilfen in Familie und Nachbarschaft nehmen massiv ab. Staatliche gesamtgesellschaftliche Verantwortung und Planung kommt nicht ohne rechtzeitige Einmischung zuk\u00fcnftig Betroffener.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Was mit dem Verkauf der Sozialwohnungen in den 90iger Jahren begonnen wurde, \u201ePrivat vor Staat&#8220; wird sich,\u00a0 solange \u00a0die Gewinne sprudeln, im Altenhilfemarkt wiederholen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Wann beginnt das notwendige politische Umdenken? <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/politik\/grundfragen\/deutsche-verhaeltnisse-eine-sozialkunde\/138845\/probleme-und-zukunftsperspektiven-des-sozialstaates?\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow external\" data-wpel-link=\"external\" title=\"Externer Link: Theoretische Abhandlungen\" class=\"ext-link wpel-icon-right\">Theoretische Abhandlungen<span class=\"wpel-icon wpel-image wpel-icon-6\"><\/span><\/a> gibt es zu genug. Oder m\u00fcssen die B\u00fcrger selbst handeln?\u00a0 <strong>Ihre Meinung direkt oder leiten Sie den Beitrag weiter!<\/strong><\/p>\n<p>[contact-form][contact-field label=&#8217;Name&#8216; type=&#8217;name&#8216; required=&#8217;1&#8217;\/][contact-field label=&#8217;E-Mail&#8216; type=&#8217;email&#8216; required=&#8217;1&#8217;\/][contact-field label=&#8217;Kommentar&#8216; type=&#8217;textarea&#8216; required=&#8217;1&#8217;\/][\/contact-form]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pflegeimmobilie eine sichere Geldanlage oder notwendige Einrichtung der B\u00fcrger Die bekannten Betreiber, wie Alloheim, AWO, Caritas, Diakonie, Johanniter, Korian, Kursana, Stadt und andere sind als Betreiber oft nicht direkt die Eigent\u00fcmer der Geb\u00e4ude, der Einrichtung. \u00a0Eigent\u00fcmer sind die Besitzgesellschaften oder Fonds. 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