Sprachkurse für Flüchtlinge erhalten Unterstützung durch die BürgerStiftungLohmar

Leerer Bauch studiert nicht gern: Gleichwohl gab’s Kaffee und Kuchen nur ausnahmsweise im Deutschkurs für Flüchtlinge. Aus besonderem Anlass hatten deren Frauen Landestypische süße und deftige Kost aufgetischt. Denn die BürgerStiftungLohmar war mit einem dicken Spendenscheck in den Unterricht hereingeschneit.
Bürgerstiftungs-Geschäftsführerin Gabriele Willscheid und Stifterin Susanne Deisenroth überbrachten 520 Euro, die für die Prüfungsgebühren zum B1-Sprachzertifikat verwendet werden sollen. „Die B1-Prüfung ist wichtige Voraussetzung für eine spätere Berufsausbildung in Deutschland“, erläuterte Johannes Berens, der in der „Willkommenskultur“ für die Organisation der Sprachkurse zuständig ist.
Für die BürgerStiftungLohmar sei es eine Selbstverständlichkeit, den Geflohenen zu einer neuen Perspektive zu verhelfen, betonte Gabriele Willscheid, denn: „Unsere neuen Nachbarn liegen uns sehr am Herzen.“
Da ist die BürgerStiftungLohmar mit der „Willkommenskultur“ einer Meinung. Die war im Sommer 2016 in die Bresche gesprungen, als die staatliche Finanzierung von Sprachkursen für noch nicht anerkannte Asylbewerber eingestellt wurde. Eigentlich haben seit dem nur noch Flüchtlinge mit Bleiberecht Anspruch auf Deutschunterricht. Erst nach Abschluss des Asylverfahrens können sie in den Integrationskursen das B1-Zertifikat erwerben.
Doch die Lohmarer Flüchtlinge sind ihnen durch die Willkommenskultur einen großen Schritt voraus. Insgesamt fünf Sprachkurse, darunter auch einen speziellen nur für Frauen und Mütter inklusive Kinderbetreuung während des Unterrichts, hat Berens mit seinem Team auf die Beine gestellt. Spenden zur Finanzierung hatte der Verein unter anderem mit dem Verkauf von Kuchen beim Weihnachtsmarkt in Lohmar gesammelt. Allein für die Prüfungsgebühren fehlte noch das Geld, denn 125 Euro pro Person müssen die Flüchtlinge selbst aufbringen. So dankten sie der BürgerStiftungLohmar denn auch ganz herzlich für die finanzielle Unterstützung.

Dass die Spende gut investiert ist, bestätigte Ute Bartel, die im Auftrag der Volkshochschule Rhein-Sieg zusammen mit dem ehrenamtlichen Deutschlehrer Herbert Kiesgen die Flüchtlinge unterrichtet. Hochmotiviert, so Ute Bartel, büffeln sie dreimal pro Woche Vokabeln, Orthografie und Grammatik. Ein paar haben ihr B1-Zertifikat schon in der Tasche, andere bereiten sich derzeit intensiv auf die Prüfung Ende Januar vor.
Auch für das laufende Asylverfahren sei das B1-Zertifikat von Vorteil, ist Berens überzeugt. Gleichwohl ist bei jenen, die aus sogenannten „sicheren Herkunftsländern“ stammen, ungewiss, ob sie ein Bleiberecht bekommen. „Dabei braucht unsere Gesellschaft dringend neue Fachkräfte in allen Bereichen“, macht Berens deutlich. Und so sieht es auch Gabriele Willscheid. Als Leiterin des Haupt- und Rechtsamtes der Lohmarer Stadtverwaltung weiß sie, wie schwierig es angesichts des demografischen Wandels ist, qualifizierte Nachwuchskräfte zu gewinnen.
So hat die Willkommenskultur denn auch schon das nächste Projekt geplant: Nach bestandener B1-Prüfung will sie den neuen Nachbarn einen Computerkurs anbieten, um die neuen Sprachkenntnisse vertiefen zu können, erzählte Ute Bartel bei der Kaffeetafel, während sich die ersten Flüchtlinge schon verabschiedeten – zum Fußballspiel. Auch das dient der Sprachförderung und der Integration.

Foto: BürgerStiftungLohmar
(hintere Reihe: Johannes Berens, Willkommenskultur Lohmar; Susanne Deisenroth, Stifterin der BürgerStiftungLohmar; Ute Bartel, Kursleiterin der VHS zusammen mit Gabriele Willscheid, Geschäftsführerin der BürgerStiftungLohmar mit Kursteilnehmer/-innen)