{"id":12972,"date":"2016-12-08T15:37:27","date_gmt":"2016-12-08T14:37:27","guid":{"rendered":"http:\/\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/?p=12972"},"modified":"2016-12-08T23:09:04","modified_gmt":"2016-12-08T22:09:04","slug":"mein-aufreger-der-woche-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/2016\/12\/mein-aufreger-der-woche-2\/","title":{"rendered":"Mein Aufreger der Woche&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 12pt\"><span style=\"font-size: 8pt\"><button id=\"listenButton1\" class=\"responsivevoice-button\" type=\"button\" value=\"Play\" title=\"ResponsiveVoice Tap to Start\/Stop Speech\"><span>&#128266; T\u00fcrcheninhalt vorlesen lassen?<\/span><\/button>\n        <script>\n            listenButton1.onclick = function(){\n                if(responsiveVoice.isPlaying()){\n                    responsiveVoice.cancel();\n                }else{\n                    responsiveVoice.speak(\"Im Rahmen meines ehrenamtlichen Engagements betreue ich seit geraumer Zeit eine junge irakische Fl\u00fcchtlingsfamilie. Gestern rief mich der junge Mann an und erkl\u00e4rte mir aufgeregt, dass seine Frau einen gro\u00dfen, dicken Brief erhalten habe, mit dem er jedoch nichts anfangen k\u00f6nne. Ich bat ihn, mit diesem Brief zu mir zu kommen. Es handelte sich um ein Schreiben der Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), die den Auftrag hat, eine amtliche Haushaltsbefragung \u00fcber die Bev\u00f6lkerung und den Arbeitsmarkt (sog. Mikrozensus) durchzuf\u00fchren. In dem Anschreiben hei\u00dft es unter anderem:\u00a0\u201eZur Durchf\u00fchrung des Mikrozensus werden in der Regel Interviewer\/innen eingesetzt. Leider stehen mir momentan f\u00fcr Befragungen in Ihrem Haushalt keine Erhebungsbeauftragten zur Verf\u00fcgung. Ich bitte Sie deshalb, den als Anlage beigef\u00fcgten Erhebungsvordruck auszuf\u00fcllen und innerhalb von 10 Werktagen zur\u00fcckzusenden.\u201c Ich sah mir den Erhebungsvordruck n\u00e4her an und stellte fest, dass dieser 60 Seiten stark ist und insgesamt 183 (!) Fragen beinhaltet. Innerhalb der einzelnen Fragen gibt es immer wieder Querverweise, so dass eine z\u00fcgige Bearbeitung schlecht m\u00f6glich ist. Ein kleines Beispiel: Je nach Beantwortung z. B. der Frage 28 auf Seite 9 sind Hinweise auf Frage 90 oder Frage 93, die sich dann auf den Seiten 29 bzw. 30 befinden. Unverz\u00fcglich rief ich bei der IT.NRW an und erkl\u00e4rte zun\u00e4chst kurz, dass es sich bei der angeschriebenen Familie um Fl\u00fcchtlinge aus dem Irak handelt, die von mir ehrenamtlich betreut wird. Zudem wies ich darauf hin, dass die Familie ohne entsprechende Hilfestellung kaum in der Lage ist, diesen umfangreichen Fragenkatalog ordnungsgem\u00e4\u00df auszuf\u00fcllen. \u201eDas k\u00f6nnen Sie ja dann erledigen\u201c, lautete daraufhin die prompte Antwort meines Gespr\u00e4chspartners, \u201ees stehen uns derzeit keine Erhebungsbeauftragten mehr zur Verf\u00fcgung.\u201c \u201eGut\u201c, erwiderte ich daraufhin prompt, \u201e das kann ich gerne machen. Was zahlen Sie denn?\u201c \u201eUnsere Interviewer\/innen arbeiten ebenfalls ehrenamtlich und erhalten daher lediglich eine kleine Aufwandsentsch\u00e4digung\u201c, lautete die Antwort.\u00a0\u201eDamit w\u00e4re ich einverstanden\u201c, erkl\u00e4rte ich freundlich. \u201eLeider k\u00f6nnen wir Ihnen diese Entsch\u00e4digung aber nicht zukommen lassen\u201c, wurde ich daraufhin belehrt. Jetzt wurde es spannend! \u201eUnd warum nicht? Wenn ich f\u00fcr diese Familie den Fragebogen ausf\u00fclle, arbeite ich doch f\u00fcr Sie \u2013 oder etwa nicht?\u201c Ich wurde sofort eines Besseren belehrt. \u201eNein, das sehen Sie falsch. Sie m\u00fcssen den Vordruck ja nicht ausf\u00fcllen. Dann muss der Haushaltsvorstand eben zum Amt gehen und dort um Hilfe beim Ausf\u00fcllen bitten.\u201c Jetzt kam ich in Fahrt! \u201eEinen Erhebungskatalog von 60 Seiten kann man erfahrungsgem\u00e4\u00df nicht in zehn Minuten ausf\u00fcllen. Vor allem dann nicht, wenn es Verst\u00e4ndigungsprobleme gibt. Und da glauben Sie allen Ernstes, dass ein Mitarbeiter der Verwaltungsbeh\u00f6rde sofort Zeit hat, sich mit dem Hilfesuchenden \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum hinzusetzen und umgehend den Vordruck auszuf\u00fcllen, damit die angegebene Frist von zehn Werktagen eingehalten werden kann?\u201c Nach kurzem Z\u00f6gern erkl\u00e4rte mir mein Gespr\u00e4chspartner daraufhin: \u201eSie k\u00f6nnen den Bogen ja ausf\u00fcllen. Eine Aufwandsentsch\u00e4digung steht Ihnen aber nicht zu. Au\u00dferdem ist es doch so: Wenn man sich f\u00fcr ein ehrenamtliches Engagement entscheidet, wei\u00df man doch, worauf man sich einl\u00e4sst. Und wenn Ihnen das zuviel wird, lassen Sie es doch einfach bleiben.\u201c\u00a0Diese Bemerkung zeigte mir wieder einmal, in welchem Licht man ehrenamtlich engagierte Mitb\u00fcrger sieht. Im Vertrauen: Mir geht es nicht um das Geld, es geht mir um\u2019s Prinzip! W\u00e4re mir wider Erwarten eine kleine Aufwandsentsch\u00e4digung zugesprochen worden, so h\u00e4tte ich diese sicherlich nicht behalten, sondern der Familie zukommen lassen.\u00a0Immerhin habe ich mit meinem Anruf erreicht, dass die R\u00fccksendefrist um einen Monat verl\u00e4ngert wurde. von Christa Commer\", \"Deutsch Female\");\n                }\n            };\n        <\/script>\n    <\/span><br \/>\nIm Rahmen meines ehrenamtlichen Engagements betreue ich seit geraumer Zeit eine junge irakische Fl\u00fcchtlingsfamilie. Gestern rief mich der junge Mann an und erkl\u00e4rte mir aufgeregt, dass seine Frau einen gro\u00dfen, dicken Brief erhalten habe, mit dem er jedoch nichts anfangen k\u00f6nne. Ich bat ihn, mit diesem Brief zu mir zu kommen. Es handelte sich um ein Schreiben der Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), die den Auftrag hat, eine amtliche Haushaltsbefragung \u00fcber die Bev\u00f6lkerung und den Arbeitsmarkt (sog. Mikrozensus) durchzuf\u00fchren. In dem Anschreiben hei\u00dft es unter anderem:\u00a0<\/span><span style=\"font-size: 12pt\">\u201eZur Durchf\u00fchrung des Mikrozensus werden in der Regel Interviewer\/innen eingesetzt. Leider stehen mir momentan f\u00fcr Befragungen in Ihrem Haushalt keine Erhebungsbeauftragten zur Verf\u00fcgung. Ich bitte Sie deshalb, den als Anlage beigef\u00fcgten Erhebungsvordruck auszuf\u00fcllen und innerhalb von 10 Werktagen zur\u00fcckzusenden.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Ich sah mir den Erhebungsvordruck n\u00e4her an und stellte fest, dass dieser 60 Seiten stark ist und insgesamt 183 (!) Fragen beinhaltet. Innerhalb der einzelnen Fragen gibt es immer wieder Querverweise, so dass eine z\u00fcgige Bearbeitung schlecht m\u00f6glich ist. Ein kleines Beispiel: Je nach Beantwortung z. B. der Frage 28 auf Seite 9 sind Hinweise auf Frage 90 oder Frage 93, die sich dann auf den Seiten 29 bzw. 30 befinden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Unverz\u00fcglich rief ich bei der IT.NRW an und erkl\u00e4rte zun\u00e4chst kurz, dass es sich bei der angeschriebenen Familie um Fl\u00fcchtlinge aus dem Irak handelt, die von mir ehrenamtlich betreut wird. Zudem wies ich darauf hin, dass die Familie ohne entsprechende Hilfestellung kaum in der Lage ist, diesen umfangreichen Fragenkatalog ordnungsgem\u00e4\u00df auszuf\u00fcllen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">\u201eDas k\u00f6nnen Sie ja dann erledigen\u201c, lautete daraufhin die prompte Antwort meines Gespr\u00e4chspartners, \u201ees stehen uns derzeit keine Erhebungsbeauftragten mehr zur Verf\u00fcgung.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">\u201eGut\u201c, erwiderte ich daraufhin prompt, \u201e das kann ich gerne machen. Was zahlen Sie denn?\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">\u201eUnsere Interviewer\/innen arbeiten ebenfalls ehrenamtlich und erhalten daher lediglich eine kleine Aufwandsentsch\u00e4digung\u201c, lautete die Antwort.\u00a0<\/span><span style=\"font-size: 12pt\">\u201eDamit w\u00e4re ich einverstanden\u201c, erkl\u00e4rte ich freundlich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">\u201eLeider k\u00f6nnen wir Ihnen diese Entsch\u00e4digung aber nicht zukommen lassen\u201c, wurde ich daraufhin belehrt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Jetzt wurde es spannend! \u201eUnd warum nicht? Wenn ich f\u00fcr diese Familie den Fragebogen ausf\u00fclle, arbeite ich doch f\u00fcr Sie \u2013 oder etwa nicht?\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Ich wurde sofort eines Besseren belehrt. \u201eNein, das sehen Sie falsch. Sie m\u00fcssen den Vordruck ja nicht ausf\u00fcllen. Dann muss der Haushaltsvorstand eben zum Amt gehen und dort um Hilfe beim Ausf\u00fcllen bitten.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Jetzt kam ich in Fahrt! \u201eEinen Erhebungskatalog von 60 Seiten kann man erfahrungsgem\u00e4\u00df nicht in zehn Minuten ausf\u00fcllen. Vor allem dann nicht, wenn es Verst\u00e4ndigungsprobleme gibt. Und da glauben Sie allen Ernstes, dass ein Mitarbeiter der Verwaltungsbeh\u00f6rde sofort Zeit hat, sich mit dem Hilfesuchenden \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum hinzusetzen und umgehend den Vordruck auszuf\u00fcllen, damit die angegebene Frist von zehn Werktagen eingehalten werden kann?\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Nach kurzem Z\u00f6gern erkl\u00e4rte mir mein Gespr\u00e4chspartner daraufhin: \u201eSie k\u00f6nnen den Bogen ja ausf\u00fcllen. Eine Aufwandsentsch\u00e4digung steht Ihnen aber nicht zu. Au\u00dferdem ist es doch so: Wenn man sich f\u00fcr ein ehrenamtliches Engagement entscheidet, wei\u00df man doch, worauf man sich einl\u00e4sst. Und wenn Ihnen das zuviel wird, lassen Sie es doch einfach bleiben.\u201c\u00a0<\/span><span style=\"font-size: 12pt\">Diese Bemerkung zeigte mir wieder einmal, in welchem Licht man ehrenamtlich engagierte Mitb\u00fcrger sieht. Im Vertrauen: Mir geht es nicht um das Geld, es geht mir um\u2019s Prinzip! W\u00e4re mir wider Erwarten eine kleine Aufwandsentsch\u00e4digung zugesprochen worden, so h\u00e4tte ich diese sicherlich nicht behalten, sondern der Familie zukommen lassen.\u00a0<\/span><span style=\"font-size: 12pt\">Immerhin habe ich mit meinem Anruf erreicht, dass die R\u00fccksendefrist um einen Monat verl\u00e4ngert wurde<\/span>.<\/p>\n<p>von Christa Commer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p> Im Rahmen meines ehrenamtlichen Engagements betreue ich seit geraumer Zeit eine junge irakische Fl\u00fcchtlingsfamilie. Gestern rief mich der junge Mann an und erkl\u00e4rte mir aufgeregt, dass seine Frau einen gro\u00dfen, dicken Brief erhalten habe, mit dem er jedoch nichts anfangen k\u00f6nne. Ich bat ihn, mit diesem Brief zu mir zu kommen. 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