{"id":22617,"date":"2018-05-13T12:52:24","date_gmt":"2018-05-13T10:52:24","guid":{"rendered":"https:\/\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/?p=22617"},"modified":"2018-05-15T10:57:28","modified_gmt":"2018-05-15T08:57:28","slug":"die-kueche-meiner-kindheit-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/2018\/05\/die-kueche-meiner-kindheit-2\/","title":{"rendered":"Die K\u00fcche meiner Kindheit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von Margriet Dreyer<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_22656\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-22656\" data-attachment-id=\"22656\" data-permalink=\"https:\/\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/2018\/05\/die-kueche-meiner-kindheit-2\/dsc00883\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/files\/2018\/05\/DSC00883.jpg?fit=1024%2C680&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1024,680\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"DSC00883\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/files\/2018\/05\/DSC00883.jpg?fit=300%2C199&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/files\/2018\/05\/DSC00883.jpg?fit=770%2C511&amp;ssl=1\" class=\"wp-image-22656 size-medium\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/files\/2018\/05\/DSC00883.jpg?resize=300%2C199&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/files\/2018\/05\/DSC00883.jpg?resize=300%2C199&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/files\/2018\/05\/DSC00883.jpg?resize=150%2C100&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/files\/2018\/05\/DSC00883.jpg?resize=768%2C510&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/files\/2018\/05\/DSC00883.jpg?w=1024&amp;ssl=1 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-22656\" class=\"wp-caption-text\">&#8220;Herzgeschichten&#8221;: Margriet Dreyer (l.) mit Claudia Bambach und Iris Strohmeier beim Schreib-Workshop<\/p><\/div>\n<p>Wenn ich an diese K\u00fcche denke, h\u00f6re ich den Wasserkessel summen. Es war immer hei\u00dfes Wasser vorr\u00e4tig, zumindest im Winter. Wenn der gro\u00dfe silberne Ofen brannte, stand immer etwas auf dem Herd. Manche Gerichte standen stundenlang und garten vor sich hin.<\/p>\n<p>Der Sonntagsbraten, wenn es dann einen gab, wurde Samstag schon angebraten und kam dann in den k\u00fchlen Abstellraum. Wenn wir Jugendlichen dann Samstag vom Tanzen in der Nacht nach Hause kamen, war es sehr verlockend, von dem Braten ein Scheibchen abzuschneiden.<\/p>\n<p>Aber wir mussten dann auch mit dem Zorn unserer Mutter rechnen. An dem gro\u00dfen Ofen waren Stangen an der Seite, da hingen dann die Handt\u00fccher und im Winter unsere nassen Kleider. In der K\u00fcche war immer was los, sie war Zentrum des Hauses. Da war immer die Mutter, und es gab dort meist was zu essen. Wir Kinder spielten im Winter jeden Abend an dem K\u00fcchentisch irgendwelche Spiele, ein Kinderzimmer hatten wir ja nicht. Fernsehen gab es noch nicht, aber ab und zu kam im Radio ein spannendes H\u00f6rspiel. Kartenspielen war immer beliebt.<\/p>\n<p><strong>Mit dem Ohr am Loch<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber dem Herd war ein Loch in der Decke von etwa 20 cm Durchmesser als Luftabzug.\u00a0 Wenn wir Besuch bekamen und wir Kinder raus mussten, schlich ich mich auf dem Dachboden und legte mich mit dem Ohr \u00fcber das Loch. So habe ich manches Geheimnis der Eltern erfahren. Am Samstag wurde der Waschzuber in die K\u00fcche geschleppt, der mit hei\u00dfem Wasser gef\u00fcllt wurde. Wir sechs Kinder kamen da nacheinander rein. Meine Schwester und ich kamen als erste dran, weil wir nicht ganz so dreckig waren wie meine vier Br\u00fcder.<\/p>\n<p>Sonntags war der H\u00f6hepunkt der Woche. Der Kirchgang war selbstverst\u00e4ndlich. Fleisch gab es nicht allzu oft. An Feiertagen kam ein Huhn oder ein Kaninchen aus eigener Zucht auf dem Tisch. Beim Huhn gab es oft Streit, denn alle wollten eine Keule haben. Doch ein Huhn hat nun mal zwei Beine!\u00a0 Meistens gab es Frikadellen. Mein Vater bekam immer die Gr\u00f6\u00dfte, die etwas kleinere bekam mein \u00e4ltester Bruder, der ja schon arbeitete. Wir Kinder bekamen die anderen.<\/p>\n<p>In der K\u00fcche hing eine gro\u00dfe alte Uhr, die hatte zwei schwere Gewichte. Ich sehe noch, wie meine Mutter sie hochzog. Wir Kinder durften diese Uhr nicht ber\u00fchren. Hinter dem kleinen T\u00fcrchen der Uhr hatte meine Mutter n\u00e4mlich immer ein paar f\u00fcr sie wichtige Sachen abgelegt. Den Klang dieser Uhr h\u00f6re ich noch. Dann hing an der Wand eine Kaffeem\u00fchle. Wir f\u00fchlten uns ziemlich fortschrittlich, dann vorher mussten wir die M\u00fchle zwischen unseren Knien halten und die Bohnen mahlen. H\u00f6rte ich die M\u00fchle rattern, wusste ich, jetzt wird es gem\u00fctlich. Es hatte so etwas Vers\u00f6hnliches &#8211; Mutter macht Kaffee.<\/p>\n<p><strong>Ja, die K\u00fcche kann ich noch h\u00f6ren und riechen<\/strong><\/p>\n<p>Ich konnte schon fr\u00fch die Reste vom Mittag aufw\u00e4rmen, denn ich liebte abends etwas Warmes. Vor allem die kalten Kartoffeln waren sehr begehrt. Wegen des Dufts der Bratkartoffeln kamen auch die anderen und wollten etwas abhaben, doch das reichte nicht f\u00fcr alle. Also habe ich sie meistens heimlich gebraten. Beim Mittagessen stand meine Mutter meistens und a\u00df mit dem Teller in der Hand. So sah sie,\u00a0 ob jemand noch etwas haben wollte. Seltsam, dass man das als Kind\u00a0 so akzeptiert hat. Au\u00dferdem a\u00df meine Mutter alle Reste, die auf dem Teller liegenblieben, auf. Ich wei\u00df nicht, ob das aus Not war oder aus Gewohnheit. Es wurde nichts weggeschmissen.<\/p>\n<p>Ich der K\u00fcche war eine braune steinerne Anrichte. Au\u00dfer Sp\u00fclen und Waschen wurden wir Kinder da abends auch gewaschen, Seife und Zahnb\u00fcrsten standen bereit. Das dauerte, bis wir alle fertig waren.<\/p>\n<p>Auf dem Boden war PVC und dar\u00fcber lagen Matten aus Kokosfasern. Samstag wurden diese aufgerollt und darunter gefegt und gewischt.\u00a0 Die Matten kamen nach drau\u00dfen auf die Teppichstange und wurden mit dem Mattenklopfer bearbeitet. In der Woche wurde nur so mal dar\u00fcber gefegt. Im Winter war die K\u00fcche der einzige Raum, der geheizt wurde. Im Sommer war diese K\u00fcche k\u00fchl. Schade, dass so viele Gerichte nicht mehr so schmecken wie fr\u00fcher, das stundenlange Ziehen auf dem Herd w\u00e4re auch zu teuer. Ja, die K\u00fcche kann ich noch h\u00f6ren und riechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"22509\" data-permalink=\"https:\/\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/2018\/05\/schreiben-wovon-das-herz-voll-ist\/dsc00872\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/files\/2018\/05\/DSC00872.jpg?fit=1024%2C680&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1024,680\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"DSC00872\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/files\/2018\/05\/DSC00872.jpg?fit=300%2C199&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/files\/2018\/05\/DSC00872.jpg?fit=770%2C511&amp;ssl=1\" class=\"alignleft wp-image-22509 \" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/files\/2018\/05\/DSC00872.jpg?resize=211%2C140&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"211\" height=\"140\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/files\/2018\/05\/DSC00872.jpg?resize=300%2C199&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/files\/2018\/05\/DSC00872.jpg?resize=150%2C100&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/files\/2018\/05\/DSC00872.jpg?resize=768%2C510&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/files\/2018\/05\/DSC00872.jpg?w=1024&amp;ssl=1 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 211px) 100vw, 211px\" \/>&#8211; Enstanden im Rahmen des &#8220;Herzgeschichten&#8221;-Workshops, einem interkulturellen Projekt des Integrationsb\u00fcros der Kreisstadt Bergheim und der Fachstelle \u00c4lterwerden. Unter der Leitung von Literatur-Expertin Claudia Bambach entwickelten die Autoren an f\u00fcnf Donnerstagen im M\u00e4rz und April 2018 ihre Geschichten und trafen sich am 5. Mai 2018 dann das erste Mal zum Austausch und Kennenlernen. <\/em><\/p>\n<p><em>Auf Wunsch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gibt es eine Forsetzung: \u00a0Zun\u00e4chst einmal sollen die \u201eHerzgeschichten\u201c gesammelt und gedruckt werden. F\u00fcr die Veranstaltung \u201eFuNTASTisch\u201c am 29. Juni 2018 im und um das B\u00fcrgerzentrum in Bergheim S\u00fcd-West werden die Autoren einen Geschichten-Wald organisieren und Texte der \u00d6ffentlichkeit vorstellen. <\/em><\/p>\n<p><strong><em>Mehr Info zum Schreib-Workshop: <\/em><a href=\"https:\/\/wp.me\/p3vhfJ-5QW\"><em>&#8220;Herzgeschichten&#8221;<\/em><\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Von Margriet Dreyer <\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich an diese K\u00fcche denke, h\u00f6re ich den Wasserkessel summen. 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