{"id":3111,"date":"2014-09-11T18:41:38","date_gmt":"2014-09-11T16:41:38","guid":{"rendered":"http:\/\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/?page_id=3111"},"modified":"2015-05-22T22:35:44","modified_gmt":"2015-05-22T20:35:44","slug":"winter-am-huddletum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/2014\/09\/winter-am-huddletum\/","title":{"rendered":"Winter am Huddletum"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 12pt\">Als wir im Herbst 1977 nach Bergheim zogen, war das Leben noch etwas beschaulicher. Die Menschen hetzten nicht von einem Termin zum anderen.<br \/>\nF\u00fcr Klaaf mit den Nachbarn war immer Zeit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Wir wohnten an der Bethlehemer Stra\u00dfe, die damals noch nicht im Nichts endete, sondern sich schmal und kurvenreich durch den ebenfalls noch vorhandenen Bethlehemer Wald schl\u00e4ngelte. Huddletum wurde sie von den Bergheimern genannt. Die kleine Stra\u00dfe\u00a0 mit ihrer leichten Steigung und war die k\u00fcrzeste Verbindung zwischen Fortuna bzw. Oberau\u00dfem und Bergheim.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Sie war aber noch etwas. F\u00fcr den Fall, dass der Winter die gro\u00dfen und kleinen Bergheimer mit einer einigerma\u00dfen geschlossenen Schneedecke erfreute, war sie, so die \u00dcberlieferung, \u00a0eine \u00fcberaus beliebte Rodelstrecke. Sei es die Schuld der globalen Erderw\u00e4rmung, sei es die viel zitierte Schuld der Kraftwerke, wir hatten noch keinen wei\u00dfen Winter und schon gar kein Rodelvergn\u00fcgen auf dem Huddletum erlebt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Dann kam das Jahr 1979.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Das Weihnachtsfest lag, bar jeglicher wei\u00dfer Pracht, hinter uns und ein fr\u00f6hliches Sylvester Fest vor uns. Die Nachbarskinder hatten, weil den Rhein- und den Erftl\u00e4ndern, der Optimismus selten ausgeht, zum Christfest zwei niegelnagelneue Schlitten bekommen. Still, stumm und ungebraucht harrten sie im Schuppen hinter dem Haus der Dinge, bzw. des Schnees der da kommen sollte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Und er kam! Am Neujahrsmorgen war er da. Der Jahrhundertwinter!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Kinderjuchzen und \u2013lachen lockten schon am fr\u00fchen Morgen Gro\u00df und Klein hinaus in die flimmernde Pracht. Wei\u00df blendete die Schneedecke, mahnte uns Erwachsene an die l\u00e4stige Pflicht des Schneeschippens und verf\u00fchrte doch mit kindlichen Erinnerungen. \u00c4u\u00dferlich um ihre Sicherheit besorgt, innerlich ein bisschen neidisch folgte unser Blick den Kindern, die ungeachtet, des einen oder anderen Fahrzeugs, das den Huddletum hinauf, bzw. hinabgeschlittert kam, sich den Spa\u00df nicht hatten nehmen lassen wollen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">\u201c Ach wenn wir doch auch \u2026..\u201c, ein kleiner Gedankenfunke nistet sich in unser Hirn.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Kinder waren wir, wenngleich kindlichen Gem\u00fcts, mit 40. wohl kaum und auch unsere Nachbarn konnten beim besten Willen dieses Attribut nicht f\u00fcr sich in Anspruch nehmen &#8211; \u00a0und doch\u2026\u2026 ?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Jeden Abend trafen wir die Nachbarn vorm Haus und jeden Abend versuchten wir gemeinsam die Schneemassen mittels Schippen zu bew\u00e4ltigen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Jeden Abend sa\u00dfen wir gemeinsam vor dem Kamin und erz\u00e4hlten von den Schlittenfahrten unserer Kindheit, von den gewollten und ungewollten St\u00fcrzen, von den Tiefschneeabenteuern, wenn die Schlitten sich abseits der ausgefahrenen Spurrille verirrten, oder schlicht mangels Steuermanns- oder -fraus K\u00f6nnerschaft in einer Schneewehe stecken blieben. Immer aufs Neue wurde der Geist der Abende beschworen, in denen wir, eingeh\u00fcllt in unsere w\u00e4rmenden Trainingsanz\u00fcge, damals noch aus komfortabler wenn auch formloser Baumwolle, Brat\u00e4pfel oder andere K\u00f6stlichkeiten verspeisten und dabei warmen Kakao als k\u00f6stlichstes aller Wintergetr\u00e4nke genossen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Jeden Abend stand unausgesprochen die Frage im Raum: \u201eSollten wir nicht doch \u2026&#8230;?\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Zwei sehns\u00fcchtige Tage hielten wir der Versuchung tapfer stand.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Am Abend es dritten Tages, wir trafen uns wieder zum Schneeschippen und hingen wieder den Kindheitswinterfreuden nach, sagte unser Nachbar pl\u00f6tzlich: \u201eSo alt sind wir ja nun auch noch nicht\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Wie von selbst suchten und fanden unsere Augen das gemeinsame Ziel. Benutzt, schmutzig und vom intensiven Gebrauch an den Vortagen schon ein wenig ramponiert, standen sie da. Die Kinderschlitten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Dem fragenden Blick in die Runde \u201cEs ist doch Dunkel, es sieht ja keiner\u201c folgte, schon viel forscher, ein: \u201eLos worauf warten wir denn noch?!\u201c &#8211; Nat\u00fcrlich warteten wir nicht! Niemand fragte, ob die Schlitten unser Gewicht aushalten w\u00fcrden oder ob sie beim ersten Aufsitzen schlicht zusammen br\u00e4chen. Niemand fragte, angesichts der Formel \u201eMasse x Beschleunigung = Geschwindigkeit\u201c wie lang denn dann unser Bremsweg sein m\u00fcsse.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Kinderschlitten hinter uns her ziehend strebten wir schwitzend und keuchend dem Huddletum-Gipfel zu. Der schweigende Winterwald breitete seinen Mantel \u00fcber uns und h\u00fcllte uns in gn\u00e4dige Dunkelheit. In seinem Schutz wagten wir das Abenteuer.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Auf die Schlitten, kr\u00e4ftig absto\u00dfen! So schlingerten wir ins Licht der Stra\u00dfenlaternen. Mit dem Schweigen des Waldes und dem unsrigen war es vorbei. &#8211; Wer ist der Schnellste? Lachender-, juchzenderweise st\u00fcrzen wir uns abw\u00e4rts. Wahrscheinlich fragen sich Waldbewohner und Anrainer noch heute welche Verr\u00fcckten bei nachtschlafender Zeit da den Huddletum unsicher machten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Nie wieder haben Brat\u00e4pfel und Kakao so gut geschmeckt, nie wieder haben wir uns so jung und unbeschwert gef\u00fchlt, nie wieder einen Winterabend so ausgelassen voll kindlicher Freude genossen. Es war die sch\u00f6nste Schlittenfahrt an die ich mich erinnern kann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\">Zwei Jahre sp\u00e4ter sind wir weggezogen, das Vergn\u00fcgen kam nie wieder.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als wir im Herbst 1977 nach Bergheim zogen, war das Leben noch etwas beschaulicher. Die Menschen hetzten nicht von einem Termin zum anderen. 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