{"id":7468,"date":"2015-08-20T20:37:03","date_gmt":"2015-08-20T18:37:03","guid":{"rendered":"http:\/\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/?p=7468"},"modified":"2015-08-20T20:44:06","modified_gmt":"2015-08-20T18:44:06","slug":"kluettenklau-und-fringsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/2015\/08\/kluettenklau-und-fringsen\/","title":{"rendered":"\u201eKl\u00fcttenklau\u201d und \u201eFringsen&#8221;."},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 12pt\">Der zweite Weltkrieg war schon einige Jahre vorbei, und man schrieb das Jahr 1947. Die Lebensmittelkarten waren wie bisher Bestand der Grundversorgung. Doch es fehlte immer noch an Hausbrand. Kaufen konnte man keine Briketts, obwohl man in einem Braunkohlengebiet wohnte. <\/span><span style=\"font-size: 12pt\">Um eine warme Mahlzeit zubereiten zu k\u00f6nnen, wurden alte M\u00f6belteile verheizt, oder man ging in den Wald und sammelte Holz, was aber streng verboten war.<\/span><span style=\"font-size: 12pt\">Doch womit beheizten die Nachbarn eigentlich ihre \u00d6fen?<br \/>\nMan fragte diesen und jenen und fand schlie\u00dflich heraus, dass sich in den sp\u00e4ten Abendstunden, wenn es bereits dunkel war, eine Karawane von Menschen mit kleinen W\u00e4gelchen \u2014 sog. Polterwagen \u2014 nach Neurath auf den Weg machte, um sich in der Fabrik selbst zu bedienen. <\/span><span style=\"font-size: 12pt\">Hier in Neurath befand sich die Fabrik, wo die \u201eKl\u00fcften&#8221; &#8211; so nennt man im Volksmund die Briketts &#8211; hergestellt wurden. Hier standen die Maschinen, wo die im Tagebau gef\u00f6rderten Braunkohlenbrocken &#8211; der Volksmund nennt sie \u201eKnabbelen&#8221; &#8211; gemahlen, in den gro\u00dfen Pressen zu Briketts geformt wurden, die dann auf Transportb\u00e4ndern zu den bereit stehenden Waggons transportiert wurden und in diese abgeladen wurden. Viele Briketts fielen jedoch daneben, wurden blitzschnell aufgehoben und in mitgebrachten S\u00e4cken verstaut. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt\">Das Poltern der Karren hatten wir schon oft geh\u00f6rt, konnten es jedoch nicht deuten. Aber jetzt wussten wir endlich Bescheid. Und eines Abends h\u00f6rten wir im Dorf die Ger\u00e4usche von Polterwagen. \u201e Et ging loss!&#8221; Unseren Wagen hatten wir schon frisch ge\u00f6lt bereit stehen, die Deichsel hatte einen neuen Griff bekommen und wir hatten auch einige S\u00e4cke aufgetrieben. Wir orientierten uns an den Anderen und reihten uns in den Treck ein. Schweigend ging es jetzt durch die Nacht. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt\">Unterwegs reihten sich immer mehr Menschen mit Karren in die Karawane ein und folgten denen, die sich auskannten und nicht das erste Mal hier waren. Und dann standen wir pl\u00f6tzlich in der Kl\u00fcttenfabrik genau vor den Transportb\u00e4ndern. Und wie die Anderen griffen wir nach den noch warmen Kl\u00fcften und verstauten sie in unseren Sack. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt\">Einige Wochen sp\u00e4ter, inzwischen ging es auf Ostern zu, h\u00f6rten wir drau\u00dfen das bereits bekannte Gerumpel. Mein Bruder und ich schlossen uns dem Treck an. Dieses Mal f\u00fcllten wir jedoch nicht unsere S\u00e4cke sondern stapelten die Briketts sch\u00f6n \u00fcber- und nebeneinander in unseren Wagen. So konnten wir mehr einsammeln. Aber als es dann in der \u201eNeurather H\u00fcll \u201e bergauf ging, hatten wir M\u00fche, mit den Anderen mitzuhalten. <\/span><span style=\"font-size: 12pt\">Zu Hause angekommen, wurde zuerst einmal im Herd Feuer gemacht \u201aEndlich hatten wir Brennmaterial. Dann wurde gekocht. Es war nicht viel, aber es war warm und schmeckte k\u00f6stlich. Aber so ganz wohl war uns nicht nach dieser \u201eDiebestour.&#8221;Steht doch in der Bibel geschrieben:&#8221;Du sollst nicht begehren deines N\u00e4chsten Hab und Gut!&#8221; <\/span><span style=\"font-size: 12pt\">Im K\u00f6lner Erzbistum residierte zu dieser Zeit Kardinal Frings. Er kannte die Not der Bev\u00f6lkerung und wusste von den Gewissensbissen, die viele qu\u00e4lte, wenn sie einem anderen etwas weggenommen hatten, was ihnen nicht geh\u00f6rte. Er erkl\u00e4rte daraufhin in einer Predigt: Wenn ein Diebstahl dazu dient, ein lebensnotwendiges Bed\u00fcrfnis zu befriedigen oder seinen Hunger zu stillen, so sei das keine S\u00fcnde. Die Bev\u00f6lkerung im Rheinland gab dann diesem Eigentumswechsel den Namen \u201e Fringsen&#8221;, und Fringsen galt ab dato nicht mehr als S\u00fcnde. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt\">Wer es jetzt gerne mal sch\u00f6n warm haben wollte, oder sich ein leckeres S\u00fcppchen kochen wollte &#8211; soweit die vorhandenen Vorr\u00e4te es erlaubten &#8211; der brauchte nun kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, wenn er sein Vorhaben mit geklauten Briketts verwirklichte.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Geschrieben von einer sehr betagten Bergheimer B\u00fcrgerin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der zweite Weltkrieg war schon einige Jahre vorbei, und man schrieb das Jahr 1947. Die Lebensmittelkarten waren wie bisher Bestand der Grundversorgung. Doch es fehlte immer noch an Hausbrand. Kaufen konnte man keine Briketts, obwohl man in einem Braunkohlengebiet wohnte. 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