{"id":7470,"date":"2015-08-20T20:42:27","date_gmt":"2015-08-20T18:42:27","guid":{"rendered":"http:\/\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/?p=7470"},"modified":"2015-08-20T20:42:27","modified_gmt":"2015-08-20T18:42:27","slug":"knolly-brandy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-quartier.de\/stadt-bergheim\/2015\/08\/knolly-brandy\/","title":{"rendered":"KNOLLY &#8211; BRANDY"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 12pt\">Wovon wu\u00dften die vielen Menschen, die am Rande eines Ackers standen, da\u00df heute aller wahrscheinlichkeit ein Feld zum s\u00fcmmern frei gegeben wurde? \u201eS\u00fcmmern.nannte man im Volksmund \u201edas Einsammeln von den letzten, aber auch allerletzten Resten der hier gewachsenen Feldfr\u00fcchte.&#8221; <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt\">Hier handelte es sich um ein abgeerntetes Zuckerr\u00fcbenfeld. Kleine, ja sogar kleinste R\u00fcbenst\u00fccke lagen &#8211; bereits rein gewaschen vom Regen &#8211; \u00fcber den Acker verteilt, und die Menschen am Rande dieses Ackers warteten schon seit einiger Zeit darauf, diese Fragmente einsammeln zu d\u00fcrfen. Denn daraus konnte man nach alten Rezepten R\u00fcbenkraut herstellen, einen wohlschmeckenden, s\u00fc\u00dfen Brotaufstrich Die Leute kamen aus den umliegenden St\u00e4dten und D\u00f6rfern, mit Fahrr\u00e4dern, kleinen Karren, und sogar mit dem Zug. Und sie hatten alle Hunger. Denn nach Ende des zweiten Weltkrieges war die Lebensmittelversorgung noch sehr eingeschr\u00e4nkt. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt\">Als der Bauer dann das Feld mit seinem letzten Pferdekarren voller R\u00fcben verlie\u00df, gab er das ersehnte Zeichen der Freigabe, und alle herumstehenden Menschen st\u00fcrzten sich auf die wei\u00df gl\u00e4nzenden R\u00fcbenst\u00fccke. Wer Gl\u00fcck hatte, erwischte auch schon einmal eine ganze R\u00fcbe. Eine kurze Zeitlang sah man jetzt nur noch gekr\u00fcmmte R\u00fccken, doch dann verlor sich dieser und der, und der Acker lag verlassen da. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt\">Aus Zuckerr\u00fcben konnte man allerdings nicht nur R\u00fcbenkraut kochen; man konnte daraus auch Schnaps machen, und den konnte man auf dem \u201eSchwarzen Markt&#8221; verkaufen oder gegen etwas Anderes eintauschen; z. B. \u201eKaffee&#8221;. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt\">Aber Schnaps brennen war nicht so einfach. Einmal: Es war ohne Lizenz verboten und zum, Anderen: Man ben\u00f6tigte dazu einen Destillierapparat. Nr. 1 \u201eVerbot&#8221; konnte man umgehen, denn was ich nicht wei\u00df macht mich nicht hei\u00df. Aber der Destillierapparat war auch zu beschaffen. Im Nachkriegsdeutschland gab es soviel Material . Z. B. ausrangierte Regenrohre, d\u00fcnne Kupferr\u00f6hrchen usw. Und es gab vor allem Leute, die wussten, wie man so etwas baute, was dann auch funktionierte. Wir besa\u00dfen dann so ein Ding das funktionierte. Es bestand aus einem ausrangierten Wasserboiler einer alten Heizung, einem langen Regenrohr und einer Spirale aus diversen Kupferr\u00f6hrchen. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt\">Im Waschkessel wurden dann die sauberen R\u00fcbenst\u00fccke mit etwas Wasser so lange gekocht, bis sie weich waren. Dann wurde die \u201eMaische&#8221; zur G\u00e4rung angesetzt und der Zucker wandelte sich in Alkohol um. Die Maische wurde durch ein Sieb gegossen und die Fl\u00fcssigkeit auf dem Ofen erhitzt. Dabei verdampft zuerst der Alkohol, der jetzt durch Leitungswasser gek\u00fchlt wurde. Er hatte sehr hohe Prozente. Doch weil alle Messarmaturen<\/span> <span style=\"font-size: 12pt\">fehlten, waren die Prozente nicht feststellbar. Doch es gab eine L\u00f6sung. Die heraus flie\u00dfenden Tropfen wurden immer in Abst\u00e4nden in einem L\u00f6ffel aufgefangen. Dann hielt man eine Streichholz daran und wenn sich jetzt eine bl\u00e4uliche kleine Flamme zeigte, brannte der Alkohol. <\/span><span style=\"font-size: 12pt\">Eine etwas ungenauere Feststellung des Alkoholgehaltes gab es aber auch: Die tr\u00f6pfelnde Fl\u00fcssigkeit wurde probiert! Das Singen von Liedern wie:&#8221; Schnaps ist gut f\u00fcr Cholera, juppheidi und juppheida&#8221; war dann streng untersagt, denn die Nachbarschaft k\u00f6nnte aufmerksam werden und her\u00fcber kommen wollen, um zu helfen. <\/span><span style=\"font-size: 12pt\">Aber Schnaps brennen war auch nicht ungef\u00e4hrlich. Es waren meistens keine Thermometer, keine Manometer oder sonstige Messger\u00e4te installiert. Und dann geschah es, dass die Temperaturen zu hoch stiegen. Der Kochkessel war nicht sehr Druckfest und er explodierte in Mutters sch\u00f6ner K\u00fcche. Das hei\u00dfe Zeug flog dann herum, und es entstanden b\u00f6se Brandwunden. Aber auch da fand man eine Ausrede: \u201e Das Badewasser war zu hei\u00df <\/span><span style=\"font-size: 12pt\">gewesen.\u00a0<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt\">Die W\u00e4hrungsreform im Juni 1948 brachte die Inflation aber auch eine gewisse Normalit\u00e4t, und Schnaps brennen war vorbei. Aber wohin mit dem Kessel und den anderen Ger\u00e4ten? Die Erft war in der N\u00e4he und in einer Nacht und Nebel- Aktion wurde dort alles still und heimlich versenkt. Viele Jahre vergingen und keiner hat mehr an die verborgenen Sch\u00e4tze im Fluss gedacht. Aber dann sollte die Eift einer \u00dcberholung unterzogen werden. Das Wasser wurde abgelassen, die Ufer begradigt und der Schlamm auf dem Grund entsorgt. Und da lagen sie, die einst so kostbaren Destillierapparate. Wir entdeckten unser Prachtexemplar in der N\u00e4he einer Br\u00fccke in Gesellschaft von vielen anderen. Wem haben sie wohl vor Jahren geh\u00f6rt? Doch vorbei ist vorbei! Hoffentlich f\u00fcr immer!\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Gesendet von einer betagten Bergheimer B\u00fcrgerin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wovon wu\u00dften die vielen Menschen, die am Rande eines Ackers standen, da\u00df heute aller wahrscheinlichkeit ein Feld zum s\u00fcmmern frei gegeben wurde? \u201eS\u00fcmmern.nannte man im Volksmund \u201edas Einsammeln von den letzten, aber auch allerletzten Resten der hier gewachsenen Feldfr\u00fcchte.&#8221; Hier handelte es sich um ein abgeerntetes Zuckerr\u00fcbenfeld. 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