Rückblick der Kursleitung zum Besuch des Förderzentrums für Flüchtlinge bei der Caritas im Ruhrgebiet

Herr van Megern und Herr K.-H. Ru. bei der Caritas im Ruhrgebiet

Der Besuch Ihrer Zeitzeugen in unserem Förderzentrum für Flüchtlinge war großartig, und wir möchten uns von Herzen bei Ihnen, Frau Reuß, bei den zwei Herren, der reizenden Dame und natürlich auch bei  Herrn Zabelberg  bedanken.

Welche Reisen hat dieser Koffer wohl schon hinter sich?

Ihr Besuch war auf mehreren Ebenen eine Bereicherung, ein Augenöffner und ein Geschenk.

Wir danken Ihnen, dass …

  • Sie Ihre Erinnerungen so offen und anschaulich mit uns geteilt haben,
  • Sie durch die gute Vorbereitung die Zeitzeugen und deren Themen so perfekt auf unsere Flüchtlinge hin abgestimmt haben,
  • der lange Vormittag bei uns auch durch die hervorragende Moderation nie den roten Faden verloren hat,
  • Sie auch mit schwierigen Themen oder Fragen immer professionell, zugewandt und konstruktiv umgegangen sind,
  • Sie sich generell auch des nicht ganz so klassischen Themas des Wiederaufbaus und dem Umgang mit den eigenen Kriegs- und Fluchterfahrungen angenommen haben,
  • Ihre Zeitzeugen in ihren Meinungen und Erfahrungen kontrovers (und dadurch sehr bereichernd und gedanklich anregend), zugleich aber nie verbissen waren.

Integrationskurs Begrüßung

Der Ansatz, dass Erlebtes immer subjektiv Berichtetes ist und dass diese subjektiven Berichte nie Ziel einer Kritik sein können, hat uns sehr gut gefallen und beugt auch bei unterschiedlichen Wahrnehmungen von Vornherein  persönlichen Konflikten vor. Die ganze Veranstaltung war von einem hohen Grad an Respekt und Fingerspitzengefühl geprägt, war durchweg herzlich und hatte auch Raum für herzhaftes, gemeinsames Lachen und Humor. Das hat uns sehr positiv beeindruckt und eingenommen.

Wir danken Ihnen nicht zuletzt sehr für Ihre Offenheit, Ihre Wertschätzung und Ihr aufrichtiges Interesse gegenüber unseren Teilnehmern. Diese haben sich sehr gewertschätzt gefühlt. Eine Erfahrung, die sie leider nicht immer machen dürfen.

Ein besonderer Dank geht auch an Herrn van Megern, der uns im Vorfeld eine sehr interessante und nützliche Sammlung an Texten der Zeit zugesandt hat. Diese haben nicht nur die Annäherung und Nachbearbeitung des Themas bereichert sondern auch die Historiker und Journalisten im Team und unter den Teilnehmern sehr erfreut. Vielen Dank!

Nicht nur uns als Team, auch den Teilnehmern hat die Veranstaltung sehr gut gefallen. Die Zeitzeugen haben sie – auch menschlich – sehr beeindruckt. Der lange Vormittag hat auch im Nachgang noch zu viel Diskussionen geführt.

Einige exemplarische Zitate der Teilnehmer im Nachgang:

“Ich habe in meinem Land viel über den Zweiten Weltkrieg gelernt. Völlig neu war mir, dass es auch in Deutschland nach dem Krieg und während des Krieges so viel Leid und so viel Zerstörung gab. Das zu hören, hat mein Geschichtsbild ergänzt und verändert – und mir einmal mehr gezeigt, dass unter dem Strich am Krieg alle leiden und niemand der Gewinner ist. Herzlichen Dank!“ (Ein Teilnehmer aus Russland, politischer Flüchtling)

„Natürlich sind manche Sachen anders. Aber ganz viele Sachen sind auch gleich. Die haben die Zeitzeugen genau so erlebt wie wir!“ (Ein Teilnehmer aus Syrien, Asylstatus)

„Die Dame fand ich SO NETT!! Da musste ich immer lächeln, als sie erzählt hat. Ich habe gedacht: Vielleicht kann meine Mutter später auch einmal so auf diese schlimme Zeit schauen. Mit so viel Wärme im Herzen.“ (Eine Teilnehmerin aus Syrien, Asylstatus)

 

„Die drei Zeitzeugen waren so unterschiedlich: die Herzliche, der Lustige, der Intellektuelle. Zusammen haben sie uns eine Zeit gezeigt, in der wir nicht gelebt haben. In einem Land, das wir bis vor Kurzem gar nicht kannten. Trotzdem haben wir viele Erlebnisse, die wir teilen: Todesangst, Verlust, Hoffnung. Das ist doch verrückt, wie Menschen sind. So ähnlich und doch immer wieder im Streit. Dass der Krieg und der Hass zwischen Menschen nicht einfach ausstirbt. Das werde ich nie verstehen.“ (Eine Teilnehmerin aus Afghanistan, in Abschiebung)

„Der Standard ist so hoch – man lernt hier in Deutschland so viel. Voneinander und miteinander. Das habe ich so nicht erwartet. Das finde ich ganz, ganz schön!“ (Ein Teilnehmer aus Afghanistan mit subsidärem Schutz)

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz: “Der Engel der Kulturen ist ein Symbol für die europäische Idee, wie es kein besseres geben könnte. Die Skulptur transportiert die Aussage von Respekt und Humanität … Besser kann man kaum darstellen, wie die Menschen trotz unterschiedlicher Religionen und kultureller Prägungen miteinander verbunden sind…”

Über das primäre Ziel (den Austausch über Flucht und Wiederaufbau und Umgang mit erlebten Kriegssituationen) hinaus, hat die Veranstaltung in jedem Fall noch etwas anderes erreicht: Sie war ein weiterer, wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem Zusammenwachsen Geflüchteter aus unterschiedlichsten Kulturen (auch der Deutschen) und hat unseren Teilnehmern eine andere Perspektive auf ihre Situation gegeben, nämlich dass auch sie eines Tages nach einem langen Leben auf ihre jetzige Situation zurückblicken werden, Vieles zwar nie vergeht oder „wieder gut wird“ und einen ein Lebtag begleitet, aber das Leben trotzdem noch viele gute Stunden, Chancen und Wendungen parat hält. Und man eines Tages trotzdem mit einem Lächeln zurückblicken kann.

Lebensfreude Bronzeplastik von Heinrich Adolfs (1963) auf der Mülheimer Schloßbrücke

Ganz wichtig und zentral war auch der Rat der Zeitzeugen an unsere Geflüchteten: „Schauen Sie nicht zurück. Schauen Sie nach vorn. Und denken Sie positiv. Nur so ist ein Neuanfang ohne neuen Krieg und Hass möglich.“

 

 

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen und Ihren Zeitzeugen von ganzem Herzen eine rundum positive Zeit in einem langen, erfüllten Leben im Hier und Jetzt

und verbleiben mit sehr herzlichen Grüßen

das Team und die Teilnehmer des Förderzentrums für Flüchtlinge

(März 2017)

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