Lesung: Der Krieg ist vorbei

Leben in der SBZ / DDR

Der Zweite Weltkrieg hatte fast 55 Millionen Menschen das Leben gekostet. Europa war verwüstet, Deutschland glich einem Trümmerfeld. Das Land war in vier Besatzungszonen aufgeteilt: Die drei westalliierten Zonen betitelte ein Kölner Karnevalssong 1948 als „Trizonesien“, während die sowjetisch besetzte Zone lange Zeit „Ostzone“ genannt wurde, erst nach der neuen Ostpolitik der Brandt-Regierung dann DDR.

Der Krieg ist vorbei _ Leben in der SBZ / DDR
Bewegte Zeiten nach dem Krieg

Die Alliierten waren sich zunächst darin einig, in Deutschland nicht nur den Nationalsozialismus zu zerschlagen, sondern auch den damit vorausgegangenen preußischen Militarismus. Die Skepsis der Verbündeten dem deutschen Volke gegenüber war groß. Der sich allerdings schon bald anbahnende Konflikt unter den einstigen Verbündeten hatte sich die durch die hohe Anzahl von 29 Millionen Opfern geschwächte UdSSR nicht gewünscht, dessen Eskalation jedoch wesentlich mitzuverantworten.

Stalin hatte als Minimalziel ein eher neutrales der Sowjetunion nicht feindlich gesonnenes Deutschland gewollt – mit einer bürgerlichen Demokratie, in der die Kommunisten an der Macht beteiligt sein mussten. Sein Maximalziel war jedoch schon die Installierung des eigenen Systems in Deutschland.

Auf den Außenministerkonferenzen in Moskau (März/April1947) und London (November/Dezember 1947) konnten sich die Siegermächte nicht mehr auf eine gemeinsame Deutschlandpolitik einigen. Die Weichen für eine Teilung Deutschlands wurden gestellt. Mit der Weststaatsgründung im Herbst 1949 war an eine Einigung Deutschlands nicht mehr zu denken.

Zunächst schien nämlich ausgerechnet die sowjetische Besatzungszone zum Motor eines demokratischen Neuanfangs in Deutschland zu werden. Dennoch hat die Entstehung des Kalten Krieges die Sowjetunion bei der Mehrheit der Bevölkerung in Ost‐ wie in Westdeutschland gründlich diskreditiert.

In der ostdeutschen Wirtschaft und Gesellschaft vollzogen sich antifaschistisch, demokratische Umwälzung wie Bodenreform, die Enteignungen in der Industrie sowie Reformen im Bildungswesen. – Das wurde noch weitgehend akzeptiert.

  • Die nicht enden wollenden Demontagen, der Besatzungsalltag östlich der Elbe, der immer stärker werdende Druck auf die politische Opposition, die zahllosen Übergriffe der Besatzungsmacht, die Verhaftungsaktionen der sowjetischen Geheimdienste, später die Berlin‐Blockade (24.06.1948 bis 12.05.1949) und der zunehmende Gleichschaltungsdruck in der Gesellschaft mündeten schließlich 1948 in der offenen Sowjetisierung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
  • Weniger gut stellte sich auch der Besatzungsalltag östlich der Elbe heraus. Auch schien bei der Gründung der SED 1946 noch nicht der Weg zur späteren stalinistischen Staatspartei zwingend vorgezeichnet zu sein. Spätestens jedoch 1949 zeigte der SED‐Parteivorstand Anfang Oktober auf seiner Sitzung, auf der die Gründungsvorbereitungen für den ersten „Arbeiter‐Bauern‐ Staat” abgesegnet werden sollten, sein wahres Demokratieverständnis. Hier tönte Parteipropagandist Gerhart Eisler: „…wenn wir eine Regierung gründen, geben wir sie niemals wieder auf, weder durch Wahlen noch andere Methoden” –  „Das haben einige noch nicht verstanden”, lautete Ulbrichts lapidarer Kommentar dazu.
  • Noch einmal leitete die Sowjetunion Mitte Februar 1952 eine neue deutschlandpolitische Initiative ein. Am 10. März forderte Moskau die Westmächte zum wiederholten Male auf, die „schleunigste Bildung” einer gesamtdeutschen Regierung einzuleiten. Der als Stalin‐Note in die Geschichte eingegangene Vorstoß sah ein neutrales Deutschland mit eigenen Streitkräften in den Grenzen von 1945 vor, aus dem sich die Siegermächte ein Jahr nach Abschluss eines Friedensvertrages zurückziehen sollten. Doch Adenauer trieb die Integration in den Westen voran, er misstraute Stalin  heftig, selbst , als dieser freien Wahlen zustimmte.

Im Anschluss daran proklamierte Walter Ulbricht im Juli 1952 auf der II. SED-Parteikonferenz die Parolen: „Aufbau des Sozialismus” – „Wir werden siegen, weil der große Stalin uns führt“ – „Sturz der Bonner Regierung” – „Verschärfung des Klassenkampfes” – „feindlichen Widerstand zu brechen und die feindlichen Agenten unschädlich zumachen” – „die Heimat und das Werk des sozialistischen Aufbaus durch die Organisierung bewaffneter Streitkräfte zu schützen”.

Währenddessen litt das Volk in der Sowjetzone unter den Abgaben an die Sowjetunion: Der Mittelstand stand unter Druck wegen hoher Steuern und Abgaben. Aber auch die Bauern: Wer von den Groß‐ und Mittelbauern das festgesetzte „Soll” unterschritt, sah sich rasch als „Schieber” oder „Spekulant” kriminalisiert. Bis Ende Januar 1953 wurden gegen mehr als 1.200 Bauern Strafverfahren angestrengt. Das „Gesetz zum Schutz des Volkseigentums” wurde eingeführt und sah drakonische Strafen selbst bei kleinsten Diebstählen vor. Zwischen Juli 1952 und Mai 1953 verdoppelte sich die Zahl der Gefängnisinsassen auf über 66.000.

Am Samstag, dem 13. Juni 1953, verwandelte sich ein geselliger Betriebsausflug von fünf‐ bis sechshundert Arbeitern und Angestellten der Baustelle des Krankenhauses Friedrichshain in der Gaststätte „Rübezahl“ am Müggelsee in eine hochpolitische Streikversammlung. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am Montag die Nachricht von dem zwei Tage zuvor ausgerufenen Streik auf der Krankenhausbaustelle. Dies führte zum Aufstand am 17. Juni 1953. Der in vielen Quellen genannte Begriff „Dampferfahrt“ machte schnell die Runde, das politische System schien erschüttert. Dessen konkreter Ablauf konnte jedoch erst nach Öffnung der ostdeutschen Archive rekonstruiert werden.

Am 17. Juni kam es in rund 700 Städten und Gemeinden zu Streiks und De‐ monstrationen. Sie dauerten 4 Tage, dann wurde der Streik  durch einrückende sowjetische Truppen niedergeschlagen, das Kriegsrecht verhängt. Die Unruhen selbst dauerten noch bis in den Juli hinein. Im Juni wurden mehr als 10.000 Bürger festgenommen, mindestens 55 Menschen hatten ihr Leben verloren. – Hier Stichworte zur weiteren Geschichte:

  • Mauerbau: 10.08.1961:
  • Die Sechzigerjahre: Konsolidierung im Schatten der Mauer: „Wer nicht gegen uns ist, ist für uns“
  • Die Siebzigerjahre: Die Ära Honecker / Die Absetzung Ulbrichts / Geliehener Wohlstand / Deutsch‐deutsche Annäherung / Der „Fall Biermann“
  • Achtzigerjahre: SED‐Staat und Kirche / Deutsch‐deutsche Beziehungen / Perestroika? Nein Danke! Die SED zeigt sich reformunfähig / Die Opposition formiert sich / Die gelähmte SED

Immer Menschen flohen aus dem Land, kehrten ihm den Rücken.

Laut dem damaligen Berliner Bürgermeister Willy Brandt kamen allein im August 1958 16.000 Flüchtlinge aus der Sowjetzone nach West-Berlin

Von der Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 bis in den Juni 1990 verließen über 3,8 Millionen Menschen den Staat, davon viele illegal und unter großer Gefahr. Eingeschlossen sind in diese Zahlen aber auch 480.000 seit 1962 legal ausgereiste DDR-Bürger. Etwa 400.000 kehrten im Laufe der Zeit wieder in die DDR zurück.

75.000 Menschen wurden wegen Fluchtversuchen verurteilt.

Ab 1962 kaufte die Bundesrepublik DDR-Bürger frei. Zwischen 1964 und 1989 wurden insgesamt 31.755 politische Gefangene freigekauft – für insgesamt 3,44 Milliarden Mark

Insgesamt kamen 4,9 Millionen Flüchtlinge in der Zeit von 1945 bis 1989 aus dem kommunistischen Machtbereich zwischen Elbe und Oder in den Westen.


Unsere heutigen Zeitzeugen werden aus ihrer Zeit in der damaligen Sowjetzone berichten. Herrn Heckmann führten die Wirren des 2. Weltkriegs 1944 nach Thüringen. Seit seiner Rückkehr aus englischer Gefangenschaft war er bis 1952 als engagierter Demokrat in Langensalza tätig. Er floh mit einem Freund in den Westen. – Herr Schilling wurde 1939 in Halle geboren, erlebte dort den Einmarsch der Amerikaner. Aufgewachsen in der DDR ist er dann in den achtziger Jahren geflohen.


Text nach: https://www.lzt-thueringen.de/files/eschichte_der_ddr.pdf

Zahlen sind nachzulesen: https://www.stern.de/politik/deutschland/mauerfall/statistik-des-schreckens-eine-diktatur-in-zahlen-3448144.htmlD

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