Schulzeit

Volksschule

Für Eva Timm begann die Volksschule 1933. Es waren 42 Kinder in der Klasse. Sie hatte fünf jüdische Mitschülerinnen in der Klasse, meist waren sie die intelligenteren. An Diskriminierungen kann sich Frau Timm nicht erinnern. Das schönste Mädchen in ihrer Klasse war Halbjüdin und hieß Ellen Rothschild; sie wurde nicht ‚abgeholt‘. – Noch heute weiß sie alle Namen: Dieta Elden, Gertrude Breslauer, Ilse Lesser.

 

Sie hat schon als Schülerin gewusst, dass es KZs gab. Eva Timm meint, dass alle von KZs gewusst hätten, jedenfalls in Berlin. Was genau darin vor sich ging, hatte auch sie allerdings erst nach dem Krieg erfahren.

Westend-Lyzeum

1936 kam Eva Timm auf das Westend-Lyzeum, eine sprachliche Oberschule nur für Mädchen in der Leistikowstraße. Irgendwann kamen die jüdischen Mädchen, die sie noch von der Volksschule kannte, nicht mehr zur Schule. Man fragte nicht, warum – auch Eva Timm nicht. Über ihr plötzliches Verschwinden legte sich automatisch eine Decke des Schweigens. – Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Westend-Schule zum Lazarett umfunktioniert.

Auch sie ist, wie es in Berlin üblich war, nach einem Jahr Konfirmanden-Unterricht eingesegnet worden.

In den Ferien arbeitete sie einmal bei der Firma Siemens und musste Lebensmittelmarken kleben. Es war keine anstrengende Arbeit. Man bekam etwas zu essen, das war in damaligen Zeiten ganz schön.

Private Erziehungsanstalt

Als die Luftangriffe immer häufiger und heftiger wurden, entsendeten die meisten Eltern ihre Kinder in die Kinderlandverschickung. Das wollten die Eltern von Eva Timm verhindern. So schickten sie Eva auf eine private Erziehungsanstalt von Dr. Thie, ein Gymnasium für Jungen und Mädchen. Dorthin musste sie eine Dreiviertel Stunde laufen (1943/44).

Eines Tages standen die Schülerinnen und Schüler jedoch vor einem Trümmerhaufen. Die Schulzeit war für Eva Timm damit beendet. Ihr tut es heute noch leid, dass sie nur den Realschulabschluss hat.

Nach dem Krieg wollte sie im Nachhinein etwas über diese Schule erfahren; leider blieben Informationen über diese private Erziehungsanstalt aus. Der Verein für die Geschichte Berlin e.V. fand 2018 in einem Berliner Adressbuch von 1943, zweiter Band,Branchen/Behörden unter "Privatschulen" den Eintrag: Pädagogium Thie, Charlottenburg 2, Leibnizstraße 15.

Gesangs- und Tanzunterricht

Die Mutter meldete Eva für eine Gesangsausbildung an. Die Privatlehrerin am Kurfürstendamm hatte jedoch auch nach einigen Monaten wenig Erfolg bei Eva.

Während des Krieges nahm sie auch Tanzstunde – immerhin war sie ja schon ein junges Fräulein, wie man damals sagte. Zwar gab es keinen Abschlussball mit allem, was dazu gehört, stattdessen hatten sie einen Fähnrichball. Die Fähnriche (Offiziersanwärter) hatten wohl Urlaub. Sie tanzten viel Swing, obwohl der ja verboten war.

Schulabschluss

Eva Timm hat lange darunter gelitten, dass sie kein Abitur hat machen können, weil die Umstände während und nach dem Krieg halt so waren, wie sie waren. Immerhin hat sie Mittlere Reife – aber Abitur wäre schöner gewesen. Ihre eigene Mutter legte auch nicht so viel Wert darauf, denn sie ging davon aus, dass ihre Tochter gar nicht studiert hätte.

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