Dattelschnaps

Wir hatten noch das kleine Hotel in Gmunden. Einzig das Weihnachtsfest wurde groß gefeiert. Auch 1958 oder 1959 war der Speisesaal geschmückt, ein Christbaum vom Boden bis zur Decke, eine Tafel für gut 25-30 Personen. Drei Familien, Freunde und die Angestellten, die nicht nach Hause gefahren waren oder keins hatten. Alles festlich und besinnlich. Hotelgäste an Heilig Abend gab’s nie, aber an diesem Abend war ein Gast aus Nordafrika (Marokko oder Algerien) eingebucht. Überlegung: Den können wir doch nicht an Heilig Abend allein im Zimmer sitzen lassen. Also wir den eingeladen. 

Er kommt: Ein sehr zivilisierter Mann, Mitte Dreißig. Als Gastgeschenk bringt er eine große Flasche Dattelschnaps mit. Die Neugier war groß: Wie schmeckt denn der? Süß, aber lecker – und hochprozentig. Jeder probiert, natürlich auch wir Kinder, und das nicht nur einmal. Wie zu erwarten – die Flasche hielt nicht lange. Ergebnis – die Kinder wurden immer fröhlicher und übermütiger, tollten in dem Saal herum. Nichts war es mehr mit einer festlichen, ruhigen Stimmung. Aber es war ein richtig fröhlicher Weihnachtsabend.

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