Heilig Abend, in Gmunden am Traunsee

Weihnachten 1967/1968

Der Schnee lag für diese Gegend ganz ungewöhnlich bis ins Tal. Ich, als junger Student war natürlich daheim im Kreise der Familie. Bescherung wie üblich 20-21Uhr, dann im Wohnzimmer zur festlich gedeckten Weihnachtstafel, ca. 8 Personen. So um 22 Uhr klingelt es an der Haustür. Ganz ungewöhnlich an solch einem Abend. Ich öffne die Tür. Draußen steht ein guter Schulfreund von mir, Bessi Bäck. Er wohnte in derselben Straße. Etwas verlegen sagt er: „Kann ich bei Euch bleiben? Ich halte es mit meiner Mutter nicht mehr aus!“ Seine Mutter war eine alte Witwe mit einem bekannt schwierigen Charakter. – „Na, klar! Komm rein.“ Schließlich ist Weihnachten, das Fest der Nächstenliebe. 

 

Die Unterhaltung plätschert so dahin. Um 23:30 Uhr brechen wir beide auf und gehen ca. 1 km durch tief verschneite, schweigende Landschaft zur Kirche von Schloß Orth zur Christmette. Diese kleine Kirche war rappelvoll, festliche Stimmung. Die Mette liest ein Pfarrer, der wie durch ein Wunder der Hölle des Kessels von Stalingrad entkommen war. Dieses Erlebnis ließ er in seine Predigt einfließen, gekonnt, aber mit öliger, sonorer Pfaffenstimme. Seine kurze Schilderung der Not und Verzweiflung der Soldaten passte gut zur Geschichte der Geburt Christi in einem ärmlichen Stall. Diese Rede, verbunden mit der Geschichte von Christi Geburt und die momentane Not meines Schulfreundes verbanden sich zu einem eindrucksvollen Weihnachtsabend. Viel besser als alle Geschenke.

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