Wohnen und Leben auf dem Hof

Unser Hof

Meine Mutter hatte den Hof mit dem Land und ging alles tatkräftig an. Mit dem Geld meines Vaters modernisierten sie den Hof. Es wurde z.B. elektrisches Licht angeschafft. Alle Zimmer im Haus und selbst der Stall wurden mit einem spärlichen Licht ausgestattet. Für die Menschen auf dem Hof war das ein großer Fortschritt, denn vorher hatten wir nur Kerzen oder Petroleumlampen zur Verfügung.

Die Petroleumlampen waren in der Bedienung nämlich sehr umständlich, und die Glaszylinder mussten immer geputzt werden, damit das Licht hell genug war.

Ausserdem bargen Kerzen und Petroleumlampen eine große Brandgefahr; und das ist auf einem Bauernhof sehr gefährlich. Straßenbeleuchtung gab es nicht bei uns auf dem Land. An den Pferdewagen waren seitlich Lampen befestigt. Die großen Maschinen wurden mit Strom angetrieben. Mein Vater war stolz darauf, was er von dem Erbe alles kaufen konnte. 

Jede Familie in unserer Gegend wohnte auf dem eigenen Grund und Boden und damit auch entfernt von Nachbarn. Der Vorgarten und das Haus lagen an der Straße, es war nur ein Sandweg. Der war eigentlich nur für Wagen – da konnte man selbst mit dem Fahrrad schlecht fahren. Die Auffahrt führte auf den Hof, links war der Viehstall mit 2 Pferden, 8 Kühen mit Jungvieh, und im Schweinestall waren in den Buchten größere und kleinere Schweine. Dahinter war eine Waschküche, dort wurde die Wäsche gekocht und auf einem Rubbelbrett gewaschen, das Spülwasser lief auf den Hof. Daran anschließend kam ein Schuppen für kleine Maschinen und Kleinvieh. Dahinter war der Aschenplatz und seitlich der Gemüsegarten. Etwas abseits stand der Backofen, in dem alle 14 Tage Brot gebacken wurde. Mein Vater heizte den Ofen mit Holz an, und meine Mutter setzte in einem großen Trog den Teig an. Etwa 20 Brote wurden gebacken. Auch ich durfte mir ein kleines Brot backen.

Rechts vom Haus war die Scheune. Im Sommer wurde dort das Getreide eingefahren und im Winter gedroschen. Im Schuppen links von der Scheune waren ein Kutschwagen, die Schlitten, kleinere und größere Ackermaschinen und allerlei Geräte untergebracht. Ebenso lagerten dort Holz, Briketts und Torf.  Zu jedem Hof gehörte auch ein Stück Moorland. Mitten auf dem Hof befand sich der Misthaufen und näher zum Haus stand eine Pumpe. Dort wurde das Wasser fürs Vieh und für die Küche gepumpt und zur Verbrauchsstelle geschleppt. 1940 wurde in einem Keller eine Wasserleitung gelegt, hinzu kam ein großer Wasserkessel, und dadurch konnte das Wasser in alle anderen Räume geleitet werden. Das war eine große Erleichterung. Das Klohäuschen mit Plumpsklo war hinter dem Stall, für nachts gab es einen Toiletteneimer im Haus. 

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