Erste Schuljahre

Einschulung

Ich kam Ostern 1938 in die Schule. Meine ältere Schwestern hatte ihre Schule schon beendet, die zweite befand sich im 8. Schuljahr; sie hatte mir die Sache mit der Schule in den schönsten Farben geschildert. Ich freute mich unheimlich und war stolz, endlich ein Schüler zu werden, kein Kleinkind mehr zu sein, sondern ein Schüler und  endlich was für das Leben zu lernen. 

Herr Rübenkamp spricht über seine Einschulung und wie er die Rechsprogromnacht als Kind erlebt hat

Meine Mutter nahm mich an die Hand und ging erwartungsvoll zu meiner Volksschule in Essen-West. Das war die Markscheideschule, damals hieß es einfach nur Volksschule. Die Schule war ein alter Backsteinbau, Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, und besaß nur vier Klassenräume. Es wurde zur Einschulung von jedem ein Foto gemacht mit der obligatorischen Schultüte. Da aber kaum jemand das Geld für diese Tüte hatte, brachte der Fotograf eine Tüte mit, mit der jeder einzeln abgelichtet wurde. 

Lesen, Schreiben, Rechnen

In den ersten Tagen wurde uns der Unterricht versüßt durch das Erzählen von Märchen und Sagen durch unseren Lehrer. Unser erstes Schuljahr verbrachten wir fast ausschließlich mit dem Lernen der Sütterlinschrift. Wir schreiben die Buchstaben säuberlich auf unsere Tafel. Wir fingen mit dem i an und hörten nach einem Jahr mit dem z auf. Nach einem halben Jahr begannen wir mit ganzen Wörtern. Die Wörter entnahmen wir der Fibel, das Lesebuch für die Anfänger. Nachdem wir die Sütterlinschrift beherrschten, mussten wir von Neuem mit der lateinischen Schrift anfangen. Damals wurde Schönschrift noch in den Zeugnissen bewertet, aber durch das Schreiben mit Tinte wurde manche gute Note durch Tintenkleckse zunichte gemacht. 

Unser erstes Lernmaterial bestand aus einem Tornister mit einer Schiefertafel, einer Griffeldose mit einigen Griffeln, einer Schwammdose und einem gehäkeltem Lappen zum Trocknen der Tafel. Das Rechnen erlernten wir an einem Rechenrahmen (Abakus). Dies war ein rechteckiger Rahmen in dem sich 10 runde Stäbchen befanden und mit jeweils 10 bunten Kugeln bestückt waren. Durch das Verschieben und Zusammenführen der Kugeln lernte man das Zusammenziehen oder Abziehen. Das Kopfrechnen hatte damals ein sehr hohen Stellenwert. 

In den ersten Schuljahren beschränkte sich der Stundenplan nur auf drei Fächer: Lesen , Schreiben und Rechnen. Ab dem 4. Schuljahr kamen noch Geschichte und Erdkunde dazu.

Im Geschichtsunterricht  beschränkten sich die Themen auf unsere alten Vorfahren, die Germanen und deren Wanderungsbewegungen. Themen in Erdkunde war unsere Heimat, das Ruhrgebiet, Deutschland und die von der deutschen Wehrmacht besetzten Gebiete. 

Schulroutine

Auf dem Schulhof mußten wir uns vor Unterrichtsbeginn jedesmal in Dreierreihen aufstellen und so geordnet in den Klassenraum marschieren. Erst nachdem uns unser Lehrer mit dem „Deutschen Gruß“ begrüßt hatte, den wir mit gebotener Lautstärke  „Heil Hitler, Herr Lehrer!“ erwiderten, durften wir uns in die sehr unbequemen Bänke setzen, Jungen und Mädchen selbstverständlich getrennt. 

Lehrerwechsel

1939 brach der Krieg aus und unsere Lehrer wurden ausgewechselt. Die neuen waren alle meist älteren Semesters. Einige dieser Lehrer brachten uns mit dem Rohrstock Zucht und Ordnung bei. – Ich war wahrscheinlich immer brav, denn ich wurde nie geschlagen. Es ist keine Angabe, es stimmt.

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