Ach Wäsche, wasche dich doch selbst!

Ausstellungsraum in der Kirche in Oostkapelle, Niederlande

Als ich noch ein kleines Kind war, lebte ich auf einem Bauernhof. Dort wohnten meine Eltern, meine Oma, eine Magd und ein Knecht. Ich bin 1934 geboren.

Der Waschtag war immer ein anstrengender Tag, denn es gab noch keine Waschmaschine. An dem Tag vor dem eigentlichen Waschtag wurde schon das Mittagessen für den nächsten Tag gekocht. Am Abend davor kam auch schon die  schmutzige Wäsche in die Waschküche. Dort stand der große Waschkessel und jede Menge Wannen, in denen die Wäsche eingeweicht wurde. Zum Einweichen wurde das Wasser im Kessel warm gemacht. Dann konnte der Waschtag kommen.

Morgens wurde Feuer unter dem Kessel gemacht und mit Stampfen und Rühren wurde das Wasser mit der Wäsche zum Kochen gebracht. Man nahm ein wenig Wäsche in eine Wanne, und diese wurde auf dem Waschbrett sauber geruffelt und in die nächste Wanne zum Spülen gepackt. So kam ein Kessel nach dem anderen in Arbeit und wurde gewaschen und gespült.

Bei schönem Wetter wurde die gespülte Wäsche auf die Leine gehängt, bei schlechtem Wetter auf dem Boden; das war kein schöner Platz.

Die Wäscheteile waren alle selbst hergestellt. Im Sommer wurde bei uns der Flachs angebaut, und wenn der reif war gemäht und getrocknet und zum Spinnen fertig gemacht. Gesponnen und gewebt wurde er im Winter. Der gewebte Stoff wurde dann zu Hemden, Handtüchern und Bettwäsche verarbeitet. Der Flachs macht das Wäschewaschen noch besonders schwer, weil die gewebten Sachen sehr schwer sind.

Wenn die Wäsche dann trocken war, wurde sie gemangelt und kräftig gezogen. Wir Kinder hatten Spaß und liefen unter der Wäsche her.

Eine Geschichte von Waschen möchte ich noch erzählen: Es war ein Sommer, und die Bettbezüge wurden vom Wind auf der Leine aufgeblasen. Wie ein Zelt. Meine Schwester und ich zogen die Holzpantoffeln aus und kletterten hinein. Meine Mutter sah, dass die Wäsche sich so bewegte und kam und macht dem Spaß ein Ende. Eine Tracht Prügel war auch fällig.

Die Wäsche wurde auch per Hand gemangelt. Die Bezüge wurden auf eine Holzrolle gewickelt und mit einem Brett hin und her gerollt. Dann wurde die Holzrolle herausgezogen und der Bettbezug flach gedrückt.

Das Bügeln wurde erst einfacher, als wir ans Stromnetz angeschlossen wurden. Es war schon schwere Arbeit, die Wäsche zu waschen und zu bearbeiten. Ich kann mich auch noch genau an die Kartons mit der Aufschrift Persil erinnern.

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