Lesung: Haushalt im Wandel

Googelt man das Wort „Haushalt“, bekommt man 114.000.000 Ergebnisse angezeigt. Der Begriff „Haushaltsgeräte“ hat nur 43.400.000 Treffer. 

„Ein Haushaltsgerät ist ein mechanisches oder elektrisches Gerät, das üblicherweise im Privathaushalt benutzt wird.“, heißt es dann auch bei Wikipedia. Und weiter:„ Im Einzelhandel wird das Küchengerätesortiment als Weiße Ware bezeichnet.“…„Unterhaltungselektronik, die früher im Handel als Braune Ware bezeichnet wurde, wird heute als eigenständiger Gerätebereich betrachtet und nicht mehr den Haushaltsgeräten zugerechnet, ebensolches gilt für Heimwerkergeräte und Spielzeug. 

Wahrscheinlich gibt es aber auch genauso viele analoge Schriften, Abhandlungen, Bücher, Ausstellungen, die sich im weitesten  Sinne mit dem Thema „Haushalt“ und „Haushaltsgeräte“ beschäftigt haben. Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft – alle haben etwas zu diesem Thema zu sagen, z. B. über die sozialen Veränderungen durch die technische Entwicklung von Haushaltsgeräten, oder anders ausgedrückt, inwieweit z. B. die umfassende Technisierung tatsächlich die (Arbeits-)zeit im Haushalt beeinflusst hat. 

In dem Zusammenhang sei auf die Privatisierung der Hausarbeit hingewiesen oder auch darauf, dass aus Luxusartikeln von einst allgemeine Gebrauchsgegenstände geworden sind. Die Einbauküche ist heute ebenso normal wie ständige Innovationen im Haushalt, bis es heute schließlich heißt: sicherer, sparsamer, umweltfreundlicher – und das bitte im besonderen Design. Komplett verändert haben sich dadurch unser Konsumverhalten, unsere Ess- und Einkaufsgewohnheiten bis hin zu solch großen Worten: „Von der Spar- zur Wegwerfgesellschaft“. Einzug gehalten hat dieses Thema ebenso in der Frauenbewegung und von dort – nach zunächst jahrelangem Naserümpfen – zu heute anerkannten Disziplinen wie Alltagsgeschichte, Sozial-und Wirtschaftsgeschichte und sogar Technik- und Architekturgeschichte. 

Die einstige Technikeuphorie führte nicht nur zum Überdenken von gesellschaftlichen Normen, sondern ganz aktuell zu der Frage eines anderen Umgangs mit unseren Ressourcen, unserer Umwelt. Ein Haushaltsratgeber der Fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts sähe heute komplett anders aus, würde heute schon in Schulen der Umweltgedanke didaktisch aufbereitet. Gleiches gilt für Benimmregeln, denn hier müsste man die heutigen Flexitarier bereits berücksichtigen, die zunehmende Digitalisierung in Richtung Smart-Home-Lösungen oder auch die Blumenwiese auf dem Gartendach, und dafür müsste wieder altes Wissen – auch um die Haushaltsgeräte – herangezogen werden. Schon spricht man vom Ende der Landwirtschaft. Will sagen: Wie lange können wir uns noch Haushaltsgeräte mit eingebautem Verschleiß leisten? Wie werden die heutigen Kinder später mit ihrem Haushalt umgehen? Welche Geräte werden sie benutzen? In welchem Verhältnis stehen sie zu neuartigen Entwicklungen wie selbstreinigendes Besteck, Kartoffel-schäl-schneide-koch-Maschine, Fernseher, der sich automatisch beim Einschlafen abstellt? Wird ihr Haushalt ihr künftiger Arbeitsplatz sein? Gibt es vielleicht sogar mal eine Revolte abgestellter Haushaltsgeräte??

In dieser Lesung geht es aber erst einmal um ganz Banales, nämlich um den Haushalt bzw. um Haushaltsgeräte, wie wir sie kennen. Zeitzeugen erinnern uns heute an Begebenheiten aus ihrem Leben, die irgend etwas mit Haushalt im weitesten Sinne bzw. Haushaltsgeräten zu tun hatten. An Hand ihrer Erzählungen mag man sich vorstellen, welchen Problemen sie oder ihre Eltern sich haben im Laufe der Zeit stellen müssen, um sie zu bewältigen, z. B. wenn es um das große Thema Wäschewaschen geht. Zu unserer großen Freude finden sich hier auch Erzählungen über Hausarbeit, die nicht nur ein Teil des Arbeitsfeldes von Frauen gewesen ist, sondern ebenso den Mann an den Kochherd oder/und die Waschmaschine gebracht hat. Erfindungen haben sich auch im Haushalt immer wieder bewähren müssen, wie andere Geschichten beweisen. Und manches ist auch einfach nur für die Mülltonne. Das lädt direkt zum Schmunzeln ein. Lassen Sie sich überraschen.

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