John Rutter, Angel’s Carol

Georg Büchner an seine Familie

Straßburg, im Januar 1833

Auf Weihnachten ging ich morgens um 4 Uhr in die Frühmette im Münster. Das düstere Gewölbe mit seinen Säulen, die Rose und die farbigen Scheiben und die kniende Menge waren nur halb vom Lampenschein erleuchtet. Der Gesang des unsichtbaren Chores schien über dem Chor und dem Altar zu schweben und den vollen Tönen der gewaltigen Orgel zu antworten. Ich bin kein Katholik und kümmerte mich wenig um das Schellen und Knien der buntscheckigen Pfaffen, aber der Gesang alleine machte mehr Eindruck auf mich als die faden, ewig wiederkehrenden Phrasen unserer meisten Geistlichen, die jahraus, jahrein an jedem Weihnachtstag meist nichts Gescheiteres zu sagen wissen als: Der liebe Herrgott sei doch ein gescheiter Mann gewesen, dass er Christus gerade um diese Zeit auf die Welt habe kommen lassen.

aus: Sammlung “Weihnachtsbriefe” von Etta Reich

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