Wie den Atheisten ein Christkind geboren wurde

Zur Erläuterung meiner Geschichte muss ich einige Dinge vorab klären. Seit mehreren Generationen wurde in den Familien meiner Eltern ein konfessionsloses Leben geführt. Die Ehen wurden ohne jeglichen Einfluss einer Religion geschlossen. Die Eheschließung sowie die Geburten der Kinder wurde bei den Standesämtern lediglich registriert. Bei der Namensgebung erhielten die Kinder einen Namen, der zusätzlich den Namen eines Vorfahren enthielt. Ich als erstgeborener Sohn wurde neben den Wunschnamen meiner Eltern mit den Namen meiner beiden Großväter bedacht.

Nach meiner Geburt 1939 wurden meine Brüder 1943 und 1946 geboren. Bei einer Familienfeier, ich war da ca. 12 Jahre alt, erzählte meine Mutter davon, dass mein Vater sich vor jeder Geburt eine Tochter gewünscht hat. Er hatte schon einen Namen ausgesucht. Weder 1939, noch 1943 und 1946 kam statt eines Jungen eine „Elke“ zur Welt. 

7 Jahre nach der Geburt des letzten Sohnes, also 1953, war meine Mutter wieder schwanger. Da sie schon fast 40 Jahre alt war, hielt es ihr Frauenarzt für notwendig, dass sie einige Wochen vor der Geburt in ein Krankenhaus geht. Das Krankenhaus war das St. Barbara-Krankenhaus, welches von der Kongregation der Schwestern der Hl. Elisabeth betrieben wurde. In diesem Krankenhaus hatte der Arzt einige Belegbetten. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass ich die in schwarz gekleideten und mit einer schwarz-weißen Haube versehenen Schwestern mit einem etwas ängstlichen Gefühl betrachtete. Nach einigen Besuchen konnte ich aber feststellen, dass sie trotz ihres strengen Aussehen sehr freundlich waren.

Die Hl. Barbara im Altenberger Dom

Eines Tages, es war der 20. Dezember 1953, hat mein Vater uns Kindern die freudige Geburt einer Schwester mitgeteilt. Sein Wunsch nach einer „Elke“ war damit in Erfüllung gegangen.  

Am nächsten Tag war ich mit meinem Vater im Krankenhaus und konnte meine Schwester, die in den Armen meiner Mutter lag, betrachten. Plötzlich ging die Tür auf, und die Oberin kam mit einigen Schwestern in das Zimmer. Sie betrachtete den neuen Erdenbürger und fragte meinen Vater nach dem Namen.

Als mein Vater den Namen Barbara Elisabeth Auguste nannte und die Oberin von einem kleinen Christkind sprach, konnte man in den Gesichtern der Schwestern ein freundliches Lächeln erblicken. In der Folge kam es immer wieder zu Besuchen von Schwestern, die die kleine Barbara sehen wollten.

Statt Elke Elisabeth Auguste hatten meine Eltern sich aus Dankbarkeit für die Fürsorge und Behandlung im St. Barbara-Krankenhaus für diesen neuen Namen entschieden. Die beiden Zusatznamen waren die Namen der beiden Großmütter – wie es die Tradition vorsah.

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