Neuanschaffung in den 1950-er Jahren

Als Kind wohnte ich mit meinen Eltern in einem kleinen Häuschen. Wir hatten alles an Einrichtungsgegenständen, was für unser Leben nötig war. Aber dennoch gab es etwa ab 1956 von Seiten meiner Eltern einige Neuanschaffungen.

Plötzlich stand ein neuer Elektroherd in der Küche. Wenig später wurde der alte Kühlschrank ausgewechselt, und für mich, als Höhepunkt des Ganzen, wurde eine Musiktruhe für das Wohnzimmer erworben. Im oberen Teil der Truhe befand sich das Radio und der Unterschrank beherbergte auf der rechten Seite einen Plattenspieler, und auf der linken Seite konnten die Schallplatten in entsprechende Ständer aufgereiht werden.

Wir hatten immer schon wir viel Musik gehört, aber seit dieser Anschaffung wurden zusätzlich etliche Schallplatten gekauft. Sowohl Schlager als auch klassische Klänge erschallten in unserem Wohnzimmer. Auch ich wünschte mir zu entsprechenden Anlässen wie Geburtstag, Weihnachten usw. immer eine Schallplatte und legte diese unentwegt auf und trällerte den Text lauthals mit.

Ja, und dann hörte ich, es muß etwa Ende 1959 gewesen sein, dass Nachbarn von uns einen Fernsehapparat hätten. Dieses Ereignis machte unter uns Kindern im Lauffeuer die Runde, und wir belagerten die Besitzer des Gerätes – ein älteres kinderloses Ehepaar – mit der Bitte, ob wir einmal einen Blick auf den Fernseher werfen dürften. 

Es dauerte einige Tage, und dann machten sie uns den Vorschlag, dass wir einmal pro Woche eine Kindersendung ansehen dürften. Allerdings nur, wenn wir einen Groschen Eintritt dafür bezahlen würden und unsere Eltern damit einverstanden seien. Einige Tage später standen wir zur vereinbarten Zeit vor der Haustüre unserer lieben Nachbarn. Sie hatten in ihrem kleinen Wohnzimmer die Möbel an die Seite geschoben, die Teppiche entfernt und Sitzgelegenheiten in Form von Bänken geschaffen. Diese sogenannten Bänke bestanden aus seitlich gestapelten Ziegelsteinen auf die ein Brett gelegt war.

Ganz vorsichtig setzten wir uns und blickten gespannt auf das schrankartige Gebilde, wo sich im oberen Teil der ovale Bildschirm befand. Er war nicht sonderlich groß, und es dauerte etwas, bis ein verschneites Bild nach dem Einschalten zustande kam, die Röhren mussten erst aufheizen. Zusätzlich wurde die Zimmerantenne justiert, es kam dabei zu den skurrilsten Verrenkungen des Hausherren, bis schließlich alle Zuschauer brüllten „so ist gut“. Dieses Schauspiel wiederholte sich nunmehr immer, wenn wir zum Fernsehen zu den Nachbarn gingen, es gehörte einfach dazu, denn es gab ja noch keine Dachantennen. Jedenfalls trug es schon vor dem Filmbeginn immer wieder zur Belustigung bei, es wurde herzhaft gelacht.

Dann ging es los, und wir genossen den Film – ich glaube es war „Lassie“ –  hingebungsvoll und voller Staunen. Wir konnten viele Wochen zu den Nachbarn gehen, aber dann wurde der Zulauf der zunehmenden Kinder für das Ehepaar zu viel, und das Vergnügen wurde zu unser aller Bedauern eingestellt.

Lange mußte ich allerdings auf meine Lieblingsserie nicht verzichten, denn mein Opa erwarb Mitte 1960 ebenfalls ein Fernsehgerät. Meine Eltern und ich schauten uns an den Wochenenden immer gemeinsam mit meinen Großeltern das Samstagabend-Programm an. Noch heute muß ich schmunzeln, wenn ich uns in Gedanken allesamt da sitzen sehe, wie wir gespannt und gebannt auf den Bildschirm geschaut haben: auf der Couch meine Eltern und ich, mein Opa in seinem Fernsehsessel mit seinem Hund auf dem Schoß und meine Oma auf einem Stuhl, natürlich mit Schmusekätzchen Mutzi. Ein Bild, an welches ich mich gerne erinnere, zumal meine Großeltern dabei immer ein Gläschen Eierlikör tranken. Das spannende Programm und das Likörchen sorgte so bei den beiden für rosa Bäckchen.

Meine Eltern kauften sich ihren ersten Fernseher 1963 nach dem Einzug in ihr neues Haus, und der zweite war dann ein Farbfernseher.

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