Im Käse schwelgen bis zum Abwinken

Nach dem 2. Weltkrieg in einer Kleinstadt in Österreich, ländlicher Raum. Wir haben nicht so gehungert wie hier im Ruhrgebiet,  wo in den schlechten Zeiten das Essen immer sehr knapp und die Hungersnot groß war. Wir haben jeden Tag zweimal was zu essen gekriegt, die Kartoffeln wurden uns zwar einzeln zugeteilt, hat uns aber nicht geschadet. 

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Das Elternhaus blieb unbeschlagnahmt

Ich bin in einer Kleinstadt im Salzkammergut aufgewachsen. Das war schon vor dem I. Weltkrieg  ein Fremdenverkehrsort. 1945 waren die Amerikaner da, seitdem fanden keine Kämpfe mehr statt. Sie sind nur noch durchmarschiert, und sie haben dann – weil es so schön war – unseren Ort zur “Recreation Area” für ihre Truppen erklärt, was dazu führte, dass die größeren Hotels von den Amerikanern beschlagnahmt wurden. Dort wurden dann ihre Truppenangehörigen, Offiziere usw. untergebracht. Ich habe das aus Erzählungen meiner Eltern mitgekriegt, die einen Gasthof mit Fremdenzimmer-Vermietung besassen, sie waren davon durch einen Zufall aber nicht betroffen.

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John Rutter, Angel’s Carol

Georg Büchner an seine Familie

Straßburg, im Januar 1833

Auf Weihnachten ging ich morgens um 4 Uhr in die Frühmette im Münster. Das düstere Gewölbe mit seinen Säulen, die Rose und die farbigen Scheiben und die kniende Menge waren nur halb vom Lampenschein erleuchtet. Der Gesang des unsichtbaren Chores schien über dem Chor und dem Altar zu schweben und den vollen Tönen der gewaltigen Orgel zu antworten. Ich bin kein Katholik und kümmerte mich wenig um das Schellen und Knien der buntscheckigen Pfaffen, aber der Gesang alleine machte mehr Eindruck auf mich als die faden, ewig wiederkehrenden Phrasen unserer meisten Geistlichen, die jahraus, jahrein an jedem Weihnachtstag meist nichts Gescheiteres zu sagen wissen als: Der liebe Herrgott sei doch ein gescheiter Mann gewesen, dass er Christus gerade um diese Zeit auf die Welt habe kommen lassen.

aus: Sammlung “Weihnachtsbriefe” von Etta Reich

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Die alte Kaffeemühle

Zeitzeugentreffen im Juni 2019 mit Haushaltsgegenständen

Im Familienbestand hat sich eine alte Kaffeemühle erhalten. Ein schlichtes, gewöhnliches Holzmodell aus den 30er Jahren.  Um dieses Küchengerät ranken sich aber einige Geschichten.

Meine Eltern betrieben bereits vor dem 2. Weltkrieg ein kleines Hotel mit Gastwirtschaft in einer Kleinstadt im Alpenvorland. Im Krieg wuchsen die Stammgäste – soweit nicht zum Militär eingezogen oder woandershin verpflichtet – und alte Freunde zu einer Art Notgemeinschaft zusammen.

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Zivilarbeiterinnen in Österreich

Was geschah mit Ihnen nach 1945?

Zuerst ein paar Worte zu den Begriffen. Man unterscheidet die zahlenmäßig kleinere Menge der Fremdarbeiter von der großen Masse der Zwangsarbeiter. Fremdarbeiter wurden zu Beginn der Krieges in den besiegten Ländern Westeuropas (Frankreich, Belgien etc.) angeworben mit dem Versprechen auf gleichen Lohn und gleiche Behandlung, die auch für die deutschen Arbeiter galten. Die Enttäuschung an den Bedingungen der Realität war bald groß.

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Heilig Abend, in Gmunden am Traunsee

Weihnachten 1967/1968

Der Schnee lag für diese Gegend ganz ungewöhnlich bis ins Tal. Ich, als junger Student war natürlich daheim im Kreise der Familie. Bescherung wie üblich 20-21Uhr, dann im Wohnzimmer zur festlich gedeckten Weihnachtstafel, ca. 8 Personen. So um 22 Uhr klingelt es an der Haustür. Ganz ungewöhnlich an solch einem Abend. Ich öffne die Tür. Draußen steht ein guter Schulfreund von mir, Bessi Bäck. Er wohnte in derselben Straße. Etwas verlegen sagt er: „Kann ich bei Euch bleiben? Ich halte es mit meiner Mutter nicht mehr aus!“ Seine Mutter war eine alte Witwe mit einem bekannt schwierigen Charakter. – „Na, klar! Komm rein.“ Schließlich ist Weihnachten, das Fest der Nächstenliebe. 

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Dattelschnaps

Wir hatten noch das kleine Hotel in Gmunden. Einzig das Weihnachtsfest wurde groß gefeiert. Auch 1958 oder 1959 war der Speisesaal geschmückt, ein Christbaum vom Boden bis zur Decke, eine Tafel für gut 25-30 Personen. Drei Familien, Freunde und die Angestellten, die nicht nach Hause gefahren waren oder keins hatten. Alles festlich und besinnlich. Hotelgäste an Heilig Abend gab’s nie, aber an diesem Abend war ein Gast aus Nordafrika (Marokko oder Algerien) eingebucht. Überlegung: Den können wir doch nicht an Heilig Abend allein im Zimmer sitzen lassen. Also wir den eingeladen. 

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