Resümee: Ruthilde Anders

Ich wurde am 1. September 1934 als erstes Kind meiner Eltern in Pommern geboren. Wir lebten auf einem Bauernhof: meine Oma, meine Eltern und zwei Hilfskräfte. Meine Eltern waren jung verheiratet. Meine Oma war krank, hatte Asthma, und konnte nicht recht mithelfen. Zur Hilfe  kamen abwechselnd Studentinnen, die die Arbeit auf dem Bauernhof kennen lernen sollten; sie hatten auch die Aufgabe, sich mit mir zu beschäftigten. Ich kann mich noch schwach an sie erinnern: Wir sangen viel miteinander; vielleicht hat das schon meine Liebe zur Musik geweckt. Weitere Hilfen waren ein Knecht und eine Magd auf dem Hof. 

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Wie ich an den Kochherd kam

Museum der Dinge, Berlin, Teil der Frankfurter Küche

Zu Beginn meiner ersten Ehe fragte meine Mutter anlässlich eines Besuches in meinem Elternhaus meinen Vater, ob er mir nicht gelegentlich Fleischwaren zu günstigeren Konditionen beschaffen könne. Schließlich betrieb mein Vater noch im Rahmen des großelterlichen Geschäftes traditionell eine Großschlachterei am städtischen Schlachthof in Duisburg-Meiderich. Da mein Vater sich fast ausschließlich mit dem Schlachten von Großvieh, also Rindern, befasste, wandte er ein, dass eine Versorgung meiner jungen in Familie aus dem Fleischbestand sich für ihn schwierig gestalten würde.

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Sprache und Dialekte

Gewisse Phänomene in der Umgangssprache wiederholen sich. Die Sprachbildung findet ihren Ursprung während der Kindheit bereits mit der Sprachübung der Kleinkinder in etwa parallel mit den Bewegungsübungen. Hierbei ist sicherlich die Art und Weise maßgebend, in welcher Form jene Erwachsenen, in der Regel die Mutter, sich mit dem Kleinkind in diesen Disziplinen beschäftigen. Defizite beim Kleinkind sind in diesen Bereichen leicht feststellbar. Ohne Frage sind allerdings Fehlausbildungen auch auf körperlich wachstumsbedingte Nachteile rückführbar. Ich beschränke mich in meinen Ausführungen jedoch auf Normalfälle.

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Freizeitgestaltung nach dem Krieg

Kino

Die Möglichkeit, Sport zu betreiben, war kurz nach Kriegsende noch sehr spärlich, denn es gab keine Turnhallen. Viele Sportplätze waren belegt mit Notunterkünften. Unser Vergnügen bestand in erster Linie aus Kinobesuchen. Da gab es in Mülheim einige Kinos: Ufa-Palast, Löwenhof, das modernste war in der Bachstraße. Mein damaliger Freund Franz und ich hatten die grandiose Idee, sonntags schon um 11 Uhr in die Stadt zu fahren. Wir kauften an jedem Kino 10 Karten, für den Ufa-Palast 10 Karten für die 14 Uhr-Vorstellung, für den Löwenhof 10 Karten für die 16 Uhr-Vorstellung und für das Moderne 10 Karten für die 18.30 Uhr-Vorstellung. Man muss wissen: Kino war zu dieser Zeit so ziemlich das einzige Vergnügen, das es gab.

Herr Rübenkamp erzählt über die Freizeitgestaltung kurz nach dem Krieg

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Lehre zum Schmied

Ostern 1946 (Mitte April) wurde ich aus der Schule entlassen. Direkt am 2. Mai begann ich mit der Lehre. Man  hatte  mir eine Schmiedelehre auf der Schachtanlage Rosendelle in Mülheim besorgt. Das war zu der Zeit ein Glücksfall. Ein Onkel war Fahrsteiger auf der Zeche Rosendelle, und durch seine Fürsprache erhielt ich diese Lehrstelle. Die Lehrwerkstatt des Mülheimer Bergwerkvereins war nicht zerstört, und es gab für diese Zeit eine hervorragende Ausstattung an Maschinen und Ausbildungsmaterial.

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Überleben in der Nachkriegszeit

Nach Beendigung des Krieges wurde die Versorgung der Bevölkerung katastrophal. Manchmal gab es Lichtblicke. In Selbeck an einem Tag Ende 1945 kam Bauer Kocks – den Hof gibt es heute noch – zu uns in die Schule und bat beim Rektor um Hilfskräfte zum Kartoffelauflesen. Die komplette Klasse war natürlich bereit und auch sofort. Wir haben als Lohn für diese Arbeit jeden Tag 10 kg Kartoffeln bekommen. Es waren aber immerhin 6 bis 7 Stunden Arbeit. Gut, wir freuten uns jedenfalls damals sehr in 3 Tagen 30 kg Kartoffeln mit nach Hause zu nehmen.

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Konfirmation

Die Konfirmation absolvierte Horst Rübenkamp 1946 innerhalb weniger Monate

Religionsunterricht war in den ganzen Jahren keine Thema. Um noch an einem Konfirmationsunterricht teilnehmen zu können, meldete ich mich im Spätherbst 1945 bei unserem zuständigen Pfarrer an, um im Frühjahr 1946 konfirmiert zu werden, jedenfalls noch vor Schulende zu Ostern, also für ungefähr 1/2 Jahr. Wegen unserer widrigen Umstände hatte ich mich manchmal geschämt, zur Schule zu gehen, auch zum Konfirmationsunterricht. Meine Schuhe hatten eine 2 cm dicke Holzsohle, was ein normales Gehen fast unmöglich machte. Es gab in unserer Schule einige Schüler, die nicht so hart von den Bombenangriffen betroffen waren, die hatten zum Teil auch ihre Bekleidung. Wenn meine Bekleidung gewaschen werden musste, blieb ich zu Hause.

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