Resümee: Ruthilde Anders

Ich wurde am 1. September 1934 als erstes Kind meiner Eltern in Pommern geboren. Wir lebten auf einem Bauernhof: meine Oma, meine Eltern und zwei Hilfskräfte. Meine Eltern waren jung verheiratet. Meine Oma war krank, hatte Asthma, und konnte nicht recht mithelfen. Zur Hilfe  kamen abwechselnd Studentinnen, die die Arbeit auf dem Bauernhof kennen lernen sollten; sie hatten auch die Aufgabe, sich mit mir zu beschäftigten. Ich kann mich noch schwach an sie erinnern: Wir sangen viel miteinander; vielleicht hat das schon meine Liebe zur Musik geweckt. Weitere Hilfen waren ein Knecht und eine Magd auf dem Hof. 

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Neue Heimat

Schleswig-Holstein

Auch die anderen wurden auf die Dörfer verteilt, bekamen später auch Siedlungen oder Wohnrecht. Man fand seine Verwandten und teilte sich wieder auf. Ein Onkel von mir hatte schon in der DDR eine Siedlung – dort wurden ja auch die Güter aufgeteilt – und seine Frau und die Kinder siedelten dann nach Mecklenburg. Der Krieg hat allem ein Ende gesetzt und die Grenzen verschoben und wir mussten 1946 im Sommer unseren Grund und Boden verlassen.

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Flucht

Beginnende Vertreibung

Dann kam die große Zeit der Vertreibungen. Wie gesagt, wir waren Selbstversorger und meine Mutter war immer sehr vorausschauend. So hat sie beizeiten Getreide gesät und  Kartoffeln gepflanzt.  Einwände von anderen Leuten hat sie damit begründet, dass es gut sei, auch im Herbst etwas zu essen zu haben.  Im September 1945 kam eine polnische 5-köpfige Familie und nahm unseren Hof in Besitz, Eltern mit 3 fast erwachsenen Kindern. Sie waren selber von Ostpolen vertrieben und bekamen einen Bauernhof zugewiesen.

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Ende des Krieges

Die russische Offensive

Am 8. März kamen die ersten russischen Soldaten mit Wagen und Pferden zu uns. Sie stürmten lärmend ins Haus, schossen in die Decke, durchsuchten alles und nahmen Sachen mit, die sie hinterher wegwarfen. Auch die Soldaten waren immer auf der Jagd nach Essen. Aber wir hatten keine großen Reichtümer. Wir waren eigentlich arme Leute.

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Nationalsozialismus und Krieg

Zeichen der Naziherrschaft

Wir waren ein sehr christliches Haus (evangelisch). Meine Großmutter war eine fromme Frau, meine Mutter hat das übernommen.  Der Jugendbund der evangelischen Kirche hat sie alle so geprägt. Bei uns gab es auch – das hört sich vielleicht merkwürdig an, ein Hitlerbild. Ich kann mich erinnern, auf dem Flur hing ein Bild von Adolf  Hitler. Pflichtgemäß Beflaggung an manchen Tagen war selbstverständlich.

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Schule

Einschulung mit 5

Ich war immer groß und kräftig, und ich habe auch ein bisschen Verstand. Da ich sehr wissbegierig war, habe ich meine Mutter mit Fragen gelöchert, damit sie mir das Gehörte erklären sollte. Als ich 1940 eingeschult wurde, war ich 5 1/2 Jahre alt.  Ich wurde im September 6, und Ostern war die Einschulung. Vorher musste ich nach Kolberg zum Schulamt und wurde  von einer Lehrperson getestet: Buchstaben lesen und einige Rechenaufgaben lösen.

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Erziehung

Babynahrung

Als Säugling und Kleinkind habe ich eine ganz alte Art der Kinderversorgung genossen. In die Wiege kam ein Topf mit Milch, und ein Schlauch wurde in den Topf gesetzt. Am anderen Ende des Schlauches war ein Schnuller, und das Kind konnte selbständig an dem Schnuller saugen. Ich kann mich erinnern, dass meine Eltern gesagt haben, ich hätte schon im Schlaf die Hand nach hinten gehalten und habe dann den Schlauch in den Topf gesetzt, damit ich immer trinken konnte.

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Wohnen und Leben auf dem Hof

Unser Hof

Meine Mutter hatte den Hof mit dem Land und ging alles tatkräftig an. Mit dem Geld meines Vaters modernisierten sie den Hof. Es wurde z.B. elektrisches Licht angeschafft. Alle Zimmer im Haus und selbst der Stall wurden mit einem spärlichen Licht ausgestattet. Für die Menschen auf dem Hof war das ein großer Fortschritt, denn vorher hatten wir nur Kerzen oder Petroleumlampen zur Verfügung.

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