Senioren schreiben für Senioren

Gestern beim Zahnarzt

Gestern war ich bei meinem Zahnarzt und sollte mein erweitertes Gebiss eingepasst bekommen.

Sagte mingen Erika, die mich gefahren hatte, dass sie zum Metzger gehen und für mich die leckerste Blutwurst kaufen soll.

Dann begann das Spiel!

Spürte so ein Stück Knochen in der Bruchstelle (bergmännischer Begriff für eingestürzten Ausbau) und sagte zu der netten Assistentin, dass ich vergessen habe, diesen Splitter mit dem Seitenschneider zu entfernen. Antwort war ein mitleidiges Lächeln. Dann kam der große Zampano, mein Freund Horst, ein tüchtiger Zahnarzt und hatte eine Spritze drohend in der Hand. Wat soll dat dann? Ich kriejen doch nur ming erweitertes Jerüst einjebaut? “Nein, nein”, war die unmissverständliche Androhung körperlicher Gewalt von Horst. Da soll noch die verbliebene Zahnwurzel so mal eben entfernt werden. Na ja, dann man tau, wat mutt da mutt! Es begann ein Zerren und Bohren. Junge, Junge da strengte sich der Herr Doktor aber dolle an. Dann kam der Gipfel. Ob ein dicker Hammer, auf dem Pütt sagen wir “Mottek” dazu genommen wurde, kann ich nicht sagen. Es dröhnte und rappelte in meinem Kopf – noch nie so etwas empfunden. Dann endlich die Erlösung! Der verdammte Kotzbrocken wurde zu Tage gefördert – ein hässliches blutiges unappetitliches Stück Zahn, der in eine schöne Schatulle gepackt und minger Erika feierlich überreicht wurde. Na, die hat sich gefreut -sie hat ja schon lange nichts mehr geschenkt bekommen.

Aber Zahnarzt Horst ist ein echter Kumpel. Er rief abends an und erkundigte sich nach meinem Befinden. Da sagen ich nur: einmal Bergmann, immer Bergmann. Er hat in jungen Jahren, er ist selbstverständlich immer noch jung, als Bergbeflissener einige Semester Bergbau studiert. Als kleines Dankeschön schenkte ich ihm heute einen Ungarischen  Steigerhäckel von der größten ehemaligen Steinkohlenzeche des Landes. 2005 wurde die Grube stillgelegt und es brach über den Ort eine unvorstellbare Armut herein. U.a. wurde die Schule geschlossen und die Kinder müssen sechs Kilometer zur nächstgelegenen Schule laufen. Nur die älteren Schülerinnen laufen nicht mit. Warum? Nun, da die Kumpels keine Maloche haben, nehmen sie sich die jungen  Damen vor – sie sind schwanger!

Also es geht nichts über Bergbau – er festigt selbst die Moral!

Herzliche Grüße und ein freundliches Glückauf vom Niederrhein!

Wolfgang Küppers