Drei unbeschwerte Tage im Otto-Vorberg-Haus am Rand von Wesel

Teilnehmer im Otto-Vorberg-Haus; Foto.privat

Kennt ihr das Otto-Vorberg-Haus aus Kindertagen? – Nein? – Dann habt ihr etwas verpasst! Zehn Senioren-Pfadfinder erlebten definitiv drei unbeschwerte Tage, trotz des nicht allzu guten Wetters.

Wie in alten Jugendherbergszeiten bezogen wir je zu zweit ein Zimmer, und die Betten mussten wir selbst überziehen.

Mann schnarcht allein
Foto: Pixabay

 

Boss Wolfgang hatte selbstverständlich ein Einzelzimmer. Naja, wer derart schnarcht, schläft separat!

Die resolute Herbergschefin bekochte uns wie bei Muttern – selbstverständlich ‚all inclusive‘. Der Abend mit unserem „Star-Akkordeon-Konzertmeister Heribert“ gestaltete sich feuchtfröhlich und beschwingt. Sogar das Tanzbein wurde geschwungen. Jürgen, der angeblich ein Holzbein besitzt, und Anne (auf Socken) bewegten sich wie Ginger Rogers und Fred Astaire. Brigitte und Rolf hätten bei ‚lets dance‘ keine schlechte Figur abgegeben. Franziska und Wilfried „tanzten in den Himmel hinein“. Unsere Elvira schwebte nicht nur wie eine Elfe mit Otto über den Tanzboden, sie besitzt außerdem eine herrliche Sopranstimme. Nur Wolfgang muss noch a´ bisserl mit seiner Kony üben.

Zum gemeinsamen Frühstücksbuffet latschte einer nach dem anderen heran. Der Kaffee weckte alle Lebensgeister. Es wurde gelacht, gescherzt und so mancher auf die Schippe genommen – besonders unser Womanizer Otto. Da war doch noch was? Psst! –nicht weitersagen:  Die Tür der Mädchendusche ließ sich nicht schließen. Zwei unserer Jungs wollen angeblich hineingespäht haben. Dat is nur ene Jux!

Unsere geplante Paddeltour auf der Lippe fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser, da es leicht regnete und heftig stürmte. Doch die herrliche Wanderung durch Wald, Wiesen und Felder hat uns belohnt, zumal die sich Sonne blicken ließ.

Am Abend traf sich ein Kreis junger Mütter mit Migrationshintergrund und human-sozialen Ehrenamtlichen. Als wir unter Akkordeonklängen und dem Lied „Glück auf Glück auf“ in die gute Stube eintraten, schauten die jungen Frauen recht befremdend auf die deutsche Kultur, doch die Betreuer sangen aus voller Kehle mit. Mit einem Abschiedslied und großem Applaus zogen wir von dannen. Es wurden an diesem Abend noch so manche Volkslieder, Schlager und Gassenhauer geträllert. Luciano Pavarotti und Maria Callas hielten sich auf „Wolke 7“ sicherlich die Ohren zu.

Am nächsten Morgen fand ein Gedankenaustausch über erfüllbare und unerfüllbare Träume und Wünsche statt. Es kostete zwar Überwindung, war jedoch letztlich ein besinnliches und vertrautes Miteinander.

Leider hatte das Preußenmuseum wegen Renovierung geschlossen. So tippelten wir am Nachmittag in die Weseler City, genossen in der Sonne ein dickes Eis, einen Cappuccino und ein herrliches Plauderstündchen. Am letzten Morgen besuchten wir das alte, stillgelegte Wasserwerk. Die Führung stellte sich als äußerst interessant und kurzweilig heraus.

Nach dem Mittagessen ging’s heim. – Wie schnell doch diese Tage vorüber waren. Obwohl zwei der geplanten Aktivitäten nicht stattfanden, hatten wir einen riesigen Spaß, führten wertvolle Gespräche oder redeten herrlichen Blödsinn – und kein einziges Mal kam Langeweile auf. Im nächsten Jahr klappt es mit der Tour auf der Lippe – das hat Wolfgang uns hoch und heilig versprochen.

Anne Mooren, Netzwerk 55plus

Foto: Pixabay

Rumänienprojekt

Die Spendensammlung, Foto: Rolf Raskopf

Die Sammlung von Hilfsgütern für die arme Bevölkerung im westlichen Teil Rumäniens konnte auch in diesem Jahr wieder einen großartigen Erfolg verzeichnen.

 

Rolf stapelt „hoch“, Foto: Jürgen König
Jürgen stapelt "hoch"
Jürgen stapelt „höher“, Foto: Rolf Raskopf

Unsere kernigen Männer Rolf und Jürgen schleppten in mühevoller Kleinarbeit wochenlang Kleidung, Elektrogeräte, Spielsachen, Geschirr, Rollatoren, Rollstühle und noch etliche brauchbare Schätze in ihren eigenen Fahrzeugen heran. Mit tatkräftiger Unterstützung von Boss Wolfgang und der Mädels Marlies und Elvira wurde in mühevoller Kleinarbeit die „Spreu vom Weizen getrennt“. Die Leistung dieser „stillen Helfer“ kann gar nicht hoch genug anerkannt und geschätzt werden.

Als ich am Donnerstag die alte Schule auf der Ernst-Holla-Straße betrat, war ich wie „vom Donner gerührt“. Annähernd 1.000 kleine und große Pakete stapelten sich in dem früheren Klassenraum.

Die Spendensammlung, Foto: Rolf Raskopf
Die Spendensammlung, Foto: Rolf Raskopf

Die Aufkleber in deutscher und rumänischer Sprache hatte unser Rolf fabriziert. Und diese Massen sollten nun auf dem 30-Tonner-Diesel nach Rumänien verladen werden? Mannomann!

Der LKW wird beladen, Foto: Rolf Raskopf

Die bereits anwesenden sechs  persischen jungen Männer spuckten in die Hände und legten los.

Der LKW wird beladen, Foto: Rolf Raskopf

Doch unsere tatkräftigen Senioren Jürgen, Rolf, Wilfried und Wolfgang vom Netzwerk 55plus standen dem in Nichts nach. – Raus aus dem Lagerraum, rauf auf den LKW, das Verstauen war Knochen- und Präzisionsarbeit. Und zwischendurch der Regen. Die Mädels Marlis, Elvira, Brigitte und Anne wurden nicht geschont und mussten tatkräftig mithalten (selbstverständlich nur bei kleineren Paketen). Trotzdem kam keine miese Stimmung auf, es wurde gescherzt und gelacht. Kaffee und Kuchen hatte Elvira herangeschleppt. Nachdem der LKW den Hof verlassen hatte, wurde der Lagerraum gefegt und besenrein für 2018 hinterlassen.

Am Dienstag fliegen unsere unverzagte Marlies sowie die beherzten Männer, Jürgen, Rolf, und Wolfgang nach Ungarn, werden dort mit dem Auto zur Stadt Sacueni/ Rumänien abgeholt, um beim Abräumen und Verteilen der gewaltigen „Wundertüten“ zu helfen. Schließlich steht Weihnachten vor der Tür.

Ich würde gern dabei sein, um in aufgeregte, glückstrahlende, staunende Augen sehen zu können.

Du wackeres Mädel und ihr tollen Kerle! – Kommt gesund zurück und erzählt von angenehmen, aber sicherlich auch bedrückenden Erlebnissen.

Anne Mooren – Netzwerk 55plus

Kanutour auf der Ruhr!

Am Mittwoch, den 19. Juli, fand bei großartigem Wetter unsere diesjährige Kanutour auf der Ruhr statt, und zwar von Hattingen bis Essen.

Da unser Wolfgang offenbar überzeugt war, dass er für  ‚Profis und Langpaddler‘ ein Ruhrabenteuer organisieren würde, hatte er diese „Mörderstrecke“ von ca. 35 km ausgewählt und ließ uns Oldies schuften wie auf einer Galeere. Anfänglich wollte dieser Bursche zwar Wasserski fahren. Die Peitsche hatte er sorgfältig in einem Dry-Bag zu unseren Utensilien, die nicht nass werden durften, verstaut. Doch dann bekam er Erbarmen mit seiner schwerfälligen Crew.

Kanutour auf der Ruhr 2017, Foto: Rolf Raskopf

In der Neuen Ruhr Zeitung konnte man am nächsten Tag lesen: „Rentner paddelten – trotz gründlicher Einweisung in die Technik – asymmetrisch über die Ruhr“. Wenn die erfahrenen Skipper Helmut und Wolfgang ‚links“ riefen, paddelten einige rechts und umgekehrt. Es sollen sogar Sportler dabei gewesen sein, die locker-flockig ihre Paddel durch das Wasser ‚gewedelt‘ haben. Es galt auch für einige das Motto: Es gibt nur eine Ausflucht vor der Arbeit – andere für sich arbeiten zu lassen. Jetzt ist Schluss mit den niederträchtigen Anspielungen! Ich gehe davon aus, dass sich niemand angesprochen fühlt.

Nein, wir Kanuten hatten trotz großer Anstrengungen einen Heidenspaß. Es fand ein beharrliches Fischerstechen (Wettkampf zwischen zwei Kanus) statt. Trotzdem konnten wir die herrliche Idylle auf dem langsam fließenden Wasser der Ruhr genießen. Neben zahlreichen Libellen, Haubentauchern, Graureihern und einträchtigen Schwanenfamilien begeisterten uns seerosenartige Blattpflanzen, die auf dem Wasser trieben; selbstverständlich auch etliche Sonnenanbeter und Schwimmer, mit denen so mancher von uns gerne getauscht hätte.

Picknick bei der Kanutour auf der Ruhr 2017, Foto: Rolf Raskopf

Das saftig-grüne Ufer lud uns nach einer guten Stunde Paddelzeit zum Picknicken ein. An einer Buhne (Sandbank) sollte angelegt werden; das war eine recht wackelige Chose. Unser Küken Maria schaffte es, mit dem rechten Bein ins Wasser zu steigen, das linke verschob sich mit dem Boot nach hinten, und sie plumpste bis zur Brust ins Wasser. Gnadenloses Gelächter – und keine Kamera zur Hand. Die Geschädigte feixte und paddelte mit ihrer „nassen Buxe“ anschließend flott weiter.

Die Bootsrutsche bei der Kanutour auf der Ruhr 2017, Foto: Rolf Raskopf

Großartigen Spaß brachten „waghalsige“ Bootsrutschen (siehe oben) und Stromschnellen, die wir mit großem Gejohle angingen. Tja, das sind die jungen Alten! „Analysen einer neuen Sozialfigur“ – kennt ihr das Buch schon?

Als die ersten dunklen Wolken am Himmel zu sehen waren, kam unser innerer Schweinehund zum Vorschein. Wie die Indianer am Amazonas paddelten wir unserem Ziel entgegen – das Fährhaus „Rote Mühle“ in Essen-Heisingen. Als wir die Kanus aus dem Wasser zogen, fielen die ersten Regentropfen, und unsere wackeren Männer hievten die Boote auf den Trailer.

Und dann die ‚kühlen Blonden‘ in der Roten Mühle, die durch die trockenen Kehlen rutschten – das war Sinneslust pur!

Wenn ich mir jetzt meine Hand mit der langsam verheilenden Blase anschaue, denke ich: Ja, mei, a bisserl Schwund is allerweil.

Herzlich Dank mein lieber Wolfgang! Die Paddeltour war wieder mal ein tollkühnes Erlebnis. Darf ich mich schon fürs nächste Jahr anmelden?

Anne Mooren, Netzwerk 55plus Meerbeck

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