Per Mausklick zum Senioren-Ausflug – Das Internet bringt ältere Menschen zusammen

Netzwerktreffen I 2014 124Von Claudia Rometsch (epd)

Noch sind Internet-Seiten speziell für Senioren selten. Dabei lassen sich damit Freizeitaktivitäten und ehrenamtliches Engagement leichter organisieren. Allmählich entstehen die ersten digitalen Netzwerke für Seniorengemeinschaften.

Köln (epd). Werner Wirth hatte den Start seiner Internet-Plattform professionell vorbereitet. Zur Auftakt-Veranstaltung kam auch der Bürgermeister. An seine potenziellen Nutzer verteilten Wirth und sein Mitstreiter Marzipan-Mäuse mit der Aufschrift „Keine Angst vor Mäusen“ und Schokolade mit der Aufforderung „Klick mich an“.

Was sich nach der ausgefeilten Marketing-Kampagne eines kommerziellen Unternehmens anhört, war in Wirklichkeit der Beginn des ehrenamtlich betreuten Internet-Auftritts der „Freizeitgemeinschaft 55+“ in Merzenich. So wie in der Gemeinde bei Düren in Nordrhein-Westfalen schließen sich immer mehr Senioren über das Internet zusammen.

Ohne Hilfe geht das aber in der Regel nicht. „Alleine hätten wir das nicht geschafft“, sagt Wirth. Die Merzenicher holten sich deshalb Unterstützung. Das Netzwerk Lokale Online-Gemeinschaften des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA, Köln) veranstaltet speziell für ältere Menschen entwickelte Seminare, auf denen Senioren Internet-Seiten für ihr Netzwerk erstellen können. Seit dem Start im Herbst 2012 sind rund 30 Internetseiten von und für Senioren entstanden.

Ziel der Initiative sei es, dem bürgerschaftlichen Engagement Älterer im Internet ein Gesicht zu geben, sagt Projektleiter Daniel Hoffmann. So wie die Freizeitgemeinschaft 55+ in Merzenich, die vom Einsatz vieler ehrenamtlicher Helfer lebt. Auf der Homepage finden die Senioren stets die neuesten Termine, sei es der nächste Tagesausflug, Theaterbesuche oder das Treffen der Boule-Gruppe.

Gruppenarbeit 2014 im Rahmen eines LoOK Workshops
Gruppenarbeit 2014 im Rahmen eines LokOG Workshops

Auch Klaus Lobe von Böckmanns Laden, dem Stadtteilzentrum des Diakonischen Werks Herford, startete vor einem Jahr eine Internet-Seite für Senioren. Seitdem können sich die knapp 300 Besucher der Begegnungsstätte bequem am heimischen Rechner über die aktuellen Termine für Frühstückstreff, Handarbeitsgruppe oder die nächste Radtour informieren. „Besonders gut kommen Fotos und Berichte von Ausflügen an“, sagt Lobe.

Dass Senioren für ihre Freizeitplanung das Internet nutzen, ist ein relativ neuer Trend. Trotz der großen Vorteile scheuten manche noch vor der Kommunikation per Mausklick zurück, bedauert Barbara Keck von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO). Im Vergleich etwa zu den skandinavischen Ländern seien die Nutzerzahlen in Deutschland niedrig.

Es sei es derzeit noch schwierig, die breite Masse der Senioren für das Internet zu begeistern, stellt der ehrenamtliche Webmaster Werner Wirth fest. Trotz seiner Marketing-Kampagne zum Start der Merzenicher Senioren-Homepage ist der Rentner noch nicht zufrieden mit der Resonanz. Sein Plan, eine Internetseite von und mit Senioren zu machen, „läuft noch nicht so rund.“ Das Problem: „Es ist schwierig, die Leute dazu zu bewegen mitzugestalten.“ Eigene Texte zu schreiben oder Inhalte zu kommentieren, komme für die meisten Senioren nicht infrage.

1. Netzwerktreffen Lokale Online-Gemeinschaften
Werbematerialien einer Online-Gruppe aus dem Netzwerk

Ähnliche Erfahrungen macht auch der Herforder Klaus Lobe. Er wollte mit der Internet-Seite vor allem den Zusammenhalt unter den Senioren stärken. Lobe hatte an Gruppen gedacht, die über die Homepage kommunizieren. Dabei müsste es jedoch durch Passwörter geschützte Bereiche geben. „Aber an dieser Hürde scheitern die meisten noch.“

Das bleibt möglicherweise nicht mehr lange so. Denn die nachkommende Rentner-Generation ist meist schon wesentlich vertrauter mit dem Internet. Während nur 30 Prozent der über 70-Jährigen online sind, sind es in der Altersgruppe zwischen 60 und 70 Jahren bereits mehr als doppelt so viele.

Auch Klaus Lobe sieht die Möglichkeiten der Homepage seiner Begegnungsstätte noch lange nicht ausgeschöpft. Schließlich gebe es viele alleinstehende ältere Menschen, die nicht gerne ohne Begleitung ins Theater oder Konzert gingen. „Ich könnte mir eine Verabredungsbörse vorstellen.“ Dafür brauchte die Internet-Seite allerdings einen durch ein Passwort geschützten Raum. Doch Lobe ist zuversichtlich, dass auch das irgendwann funktionieren wird.

Dieser Text wurde im August 2014 vom Evangelischen Pressdienst (epd) veröffentlicht. Wir danken, dass wir diesen hier nutzen dürfen.

Fotos: Forum Seniorenarbeit / KDA 2014

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