Hilfe, Rat und Tat für Mieterinnen und Mieter – Entwicklung einer Nachbarschaftshilfe-Plattform

Collage Logos Spiek InDie Universität Siegen erforscht in Kooperation mit der WSG Wohnungs- und Siedlungs-GmbH und der WohnBund-Beratung NRW Potentiale neuer Medien zur Unterstützung von Nachbarschaftshilfe im Wohnquartier.

Gemeinsam mit den Mieterinnen und Mietern werden neue IT-gestützte Möglichkeiten erforscht und gestaltet, die auf soziale Teilhabe, Selbstbestimmtheit und Selbständigkeit für ältere Mieter, aber auch gemeinschaftsstärkende Aspekte für alle Quartiers-Bewohner zielen. Vor allem, aber nicht nur für ältere Menschen, sollen Möglichkeiten geschaffen werden, mehr über die Angebote ihres Wohnviertels zu erfahren, ihre Freund- und Nachbarschaften zu pflegen und den Austausch innerhalb Ihrer Umgebung zu fördern. Einen besonderen Fokus hat dabei die Erforschung von Unterstützungsmöglichkeiten für informelle nachbarschaftliche Hilfsnetzwerke.

Dazu wird durch beteiligungsorientierte Designmethoden im „Living Lab“ eine Informations- und Kommunikationsplattform aufgebaut, die über unterschiedliche internetfähige Ein- und Ausgabegeräte zugänglich sein wird. Ein öffentlicher Bereich der Plattform soll dabei allen Bewohnerinnen und Bewohnern über ein Außendisplay zugänglich sein, um Informationen über den Stadtteil frei zugänglich zu machen und dadurch eine möglichst hohe Breitenwirkung zu erwirken. Zusätzlich soll die Nachbarschaftsplattform über private Geräte, wie Computer, Tablet-PCs und Smartphones genutzt werden können.

Participatory Design Workshop, Foto: Uni Siegen
Participatory Design Workshop, Foto: Uni Siegen

Die Gestaltung des Nachbarschaftsportals ist eingebettet in die umfassend bedarfsgerechte Weiterentwicklung einer 50er-Jahre Siedlung unter dem Titel „Hilfe, Rat und Tat…für Mieterinnen und Mieter der WSG … generationsübergreifende Lebensqualität im Quartier“. Die WSG Wohnungs- und Siedlungs-GmbH als Eigentümerin der 144 Wohneinheiten in Dortmund-Dorstfeld hat Wohnungen und die Außenanlage umgestaltet, und für die Bewohnerbeteiligung und den Aufbau einer Struktur für ein langes Wohnen-bleiben in der eigenen Wohnung die WohnBund-Beratung NRW hinzugezogen. Aus den Ergebnissen der Mieterbefragung zu Wünschen und Bedürfnissen zur Wohnsituation und den Informationsveranstaltungen wurde ein „Orga-Team“, bestehend aus interessierten Mieterinnen und Mietern, sowie Mitarbeitern der Wohnungsgesellschaft, initiiert. Das Orga-Team bietet seit Beginn eine Reihe an Veranstaltungen, z. B. gemeinsame Koch- und Spieleabende und Feste an. Diese finden statt in einem Gemeinschaftsraum, der von der WSG angemietet, renoviert, und von dem Orga-Team ausgestaltet wurde; er ist ein Treffpunkt geworden und unterstützt wirksam die Nachbarschaft. Dieser Gemeinschaftsraum wird auch im vorliegenden Designprojekt genutzt.

Methoden und Ablauf der Studie

Die Gestaltung des Portals findet eingebettet in einem „ Living Lab“-Ansatz statt; das Technikdesign ist eng an die Lebensumgebung der zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer gebunden.

Mit „Living Lab“ verstehen wir eine Methode, die Ethnographie-basierte als auch Participatory Design-Ansätze vereint und deren Nutzung und Umsetzung in der realen Lebensumgebung der zukünftigen Nutzer/-innen stattfindet.

Damit positionieren wir unsere Forschungs- und Designaktivitäten in den Alltagswelten der zukünftigen Nutzergruppen, und zwar über den gesamten Projektzeitraum; im vorliegenden Projekt über den Zeitraum von zunächst zwei Jahren. Dieser ganzheitliche Designansatz ermöglicht es, die sozio-kulturellen Lebensräume der Nutzer einzubeziehen. Besonders im Falle älterer, mit modernen Medien nicht vertrauten Menschen hat sich dieser Ansatz als günstig erwiesen, da hier auch Meinungen, Wertvorstellungen und Ängste gegenüber neuen Medien über längere Zeiträume aufgenommen und diesen in der gemeinsamen Arbeit begegnet werden kann.

Terminal im Außenbereich
Terminal im Außenbereich, Foto: dh

Durch eine enge Zusammenarbeit mit allen am Projekt beteiligten Partnern („Stakeholdern“) über längere Zeiträume (Monate bis Jahre) entsteht ein gemeinsamer materieller als auch gedanklicher Designraum zwischen Wissenschaft, Produzenten und Dienstleistern sowie den zukünftigen Nutzerinnen und Nutzern.

Forscher der Universität Siegen und Mitarbeiter der WohnBund-Beratung NRW führen gemeinsam mit älteren Mieterinnen und Mietern regelmäßige Workshops vor Ort durch, um den Umgang mit neuen Medien (Tablets & Smartphones) zu erlernen und damit für eine beteiligungsorientierten Designprozess zu qualifizieren. Nach mehreren Monaten der Nutzung der neuen Medien und deren Einbettung in die individuellen Alltagswelten der Nutzerinnen und Nutzer konnten dann konkrete Portaldesign-Fragen gemeinsam diskutiert werden. Somit wurden Funktionalitäten des Nachbarschaftsportals über mehrere Monate gemeinschaftlich entworfen, diskutiert und verfeinert. Seit September 2014 steht ein lauffähiger Prototyp zur Verfügung, der nun von den Mieterinnen und Mietern über mehrere Monate getestet wird.

Das Projekt wird gefördert durch das BMFSFJ.

Weitere Informationen:

Kontakt:
Prof. Dr. Claudia Müller, Juniorprofessur „IT für die alternde Gesellschaft“, Universität Siegen, claudia.mueller@uni-siegen.de

Sabine Matzke, WohnBund Beratung NRW GmbH, Bochum, sabine.matzke@wbb.nrw.de

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Daniel Hoffmann

Seit 1995 Mitarbeiter im Kuratorium Deutsche Altershilfe in Köln. Projektleiter des Forum Seniorenarbeit NRW und verantwortlich für den Themenschwerpunkt "Engagement älterer Menschen in der digitalen Gesellschaft".
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