Auf dem Weg in die Ukraine

Werner Winkler wurde kurz vor Ende des Krieges im alter von 15 Jahren aus seiner Heimat in Schlesien nach Russland verschleppt. Hier seine Erinnerungen:

Ja dann wurden wir auf dem Deminium in Knechtekammern eingesperrt, und dann wurden einige verhört, wir haben das in den Nebenräumen gehört, wie Geschrei, Gestöhne. Ja, da wurden diejenigen geschlagen und misshandelt. Die wollten ja SS-Leute und Parteigenossen. Da haben wir so gedacht, jetzt bist du bald dran zum Verhör. Aber dazu kam es nicht, die haben uns runter geführt wieder, in einen großen Pferdestall, der war ja leer, da wurden wir reingetrieben. Da waren schon die Männer und Jungs aus dem Nachbarort da, u. a. auch mein Onkel Max, meiner Mutters Zwillingsbruder, aus Selbnitz. Ja wir haben dort übernachtet, anderen Morgen raus, und dann mussten wir marschieren bis nach Heidenau, ach – wie viele Kilometer waren denn dass? – Das waren auch so über 20 km.

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Läuse und Kopftücher

Im Schlackenberg selbst war eine unerträgliche Enge, weil immer mehr ausgebombte Leute Unterschlupf suchten. Die sanitären Zustände wurden immer unerträglicher und es gab große Probleme. Es brachen dauernd schlimme Krankheiten aus. Wir Kinder und auch viele Erwachsene hatten sowieso schon Läuse in den Haaren. An diese Zeit kann ich mich gut erinnern, denn ich hatte lange Zöpfe, und das Kämmen war jedes Mal sehr schmerzlich. Die Haare durften nicht so oft gewaschen werden, … 

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Einmarsch der Amerikaner in Mülheim Ruhr

Dann kamen kurz darauf die Amerikaner nach Mülheim. Wir Kinder waren aufgeregt, weil die Eltern aufgeregt waren. – „Was passiert jetzt, wenn die jetzt kommen?“ – Und dann sind wir alle auf diesen Schlackenberg rauf, auf den grünen Weg, da wo heute die Metro steht. Es war ja herrlichstes Wetter! Und dann haben wir sie sternförmig auf Mülheim  zukommen sehen. Als sie näher die kamen, sind wir natürlich alle wieder runter, weil Panzer dabei waren. Das hat uns erschreckt, die vielen Soldaten, es waren ja Massen von Soldaten. Die kamen immer näher und wir sind dann alle rein nach Hause.

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Mein Besuch mit der „Kultur im Koffer“

Zur Zeit reise ich mit einem Koffer voller Reise-Erinnerungen und besuche Menschen, die nicht mehr so mobil sind, um mal ins Kino, Theater u.a. zu gehen. Ich versuche mit dem „Kultur-im-Koffer-Projekt“ mit dem Thema „Die Reise meines Lebens“ diesen Menschen etwas Abwechslung in den Alltag zu bringen. Unterstützt wird diese Aktion von der evangelischen Kirchengemeinde Broich-Saarn und dem Leder- und Gerbermuseum in Mülheim an der Ruhr, wo verschiedene Koffer zeitweilig 2013 in einer Ausstellung zu sehen waren.

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Als Zeitzeugin in einer Schule

Frau Goller und Frau Loose zum AbschiedAuf meinen ersten Zeitzeugenbesuch in einer Schulklasse habe ich mich sehr gefreut. Mitte Oktober 2013 war es dann soweit, ich besuchte in einer Dortmunder Schule die Klasse 5/6b.
Der Empfang vom Lehrpersonal war sehr freundlich. Ja, und dann kamen die Schüler, alle grüssten höflich, setzten sich auf ihre Plätze und schauten erwartungsvoll in meine Richtung. Innerhalb kürzester Zeit war das Eis gebrochen und sehr interessierte Schüler meldeten sich mit Heben der Hände, um immer wieder Fragen zu stellen. Es war ein sehr schönes Miteinander, ein reger Austausch von Fragen der Schüler einerseits und Antworten meinerseits fand statt.

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Meine Koffer-Reise

Frau Blocks KofferGuten Tag, ich bin Brigitte Block, in Berlin bin ich geboren und bin 86 Jahre alt. Mein Koffer aus Holz ist ein Stück Leben von mir, nämlich, wo das Herz zu Hause ist: in der Heimat! Und Heimat kann man auf der Landkarte nicht finden, sie ist im Herzen. Mein Koffer ist ziemlich klein, aber er ist auch schon 72 Jahre. Als ich 15 war, hatte Heinz,  ein Freund, ihn mir aus Holz gezimmert, es war im Krieg 1942.  Wir sind zusammen ins Kino und Eis essen gegangen. Als wir 1944 mit 17 Jahren zur Flak mussten, also zum Militär, ist er leider im Krieg mit 17 Jahren gefallen. Und ich hab` den Koffer aber aufgehoben. Das ist schon allein eine Erinnerung an die Jugend.

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Wie ein Schatzkästchen zum Koffer der Erinnerung wurde.

Frau Looses SchatzkästchenWenn ich an meine Kindheit zurückdenke, dann fällt mir sofort ein, dass alle meine Freundinnen und auch ich ein Behältnis hatten, indem wir unsere kleinen und für uns kostbaren Kleinode aufbewahrten. Einige besaßen einfache Blechdosen und andere Pralinen- oder Schuhschachteln.

Auch ich besaß anfänglich eine einfache Pralinenschachtel, aber eines Tages
bekam meine Mutter eine besonders schöne Keksdose geschenkt. Sie war mit einem roten, samtartigen Stoff bezogen, und sie hatte ein kleines Schloss mit Schlüssel. Fortan war die nun mein neues Schatzkästchen, und dort hinein kamen alle Dinge, die für mich besonders  wichtig und wertvoll waren, wie z.B. besonders hübsche Glanzbilder, außergewöhnliche Murmeln und kleine Kettchen, Anhänger und vor allen Dingen Ansichtskarten meines Onkels aus fernen Ländern, denn mein Onkel war Seemann. Letztere hatten für mich einen besonderen Stellenwert, denn ich mochte meinen Onkel sehr und freute mich über jede neue Karte, die mich persönlich erreichte.

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Helmholtzgymnasium, 07. Mai 2013

Frau Block vor einer Gruppe
Frau Block erzählt von ihrem Leben als Kind und als „Backfisch“

„Den Besuch der drei Zeitzeugen an unserer Schule fand ich sehr interessant, weil man sich während der Erzählungen gut in die Lage der Zeitzeugen hineinversetzen konnte, weil sie sehr anschaulich erzählten. An manchen Stellen wurden sie aber auch leiser und trauriger, z.B. in meiner Gruppe, als es um den Einmarsch der Russen in Berlin ging. Ich finde gerade bei solchen Punkten in der Erzählung ist einem erst einmal bewusst geworden, was der Krieg bei den Menschen bis heute für Spuren hinterlassen hat und wie schlimm er war. Ich persönlich habe viel gelernt.“

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Ein alter Berliner Picknick-Koffer

  Jetzt ist er gefüllt mit Dingen, die mir ans Herz gewachsen sind. Im Kofferdeckel sehen Sie Bilder von mir als Kind und als ich ein Backfisch war, so hießen wir Mädchen vor 75 Jahren nämlich. Meine Mappe mit den ersten Schulzeugnissen von 1934. Das viel gelesene Max und Moritz Buch mit beschmierten und zerrissenen … Weiterlesen